Der Virgo-Galaxienhaufen

 

In dunklen Frühlingsnächten fällt das Fehlen eines markanten Himmelsobjekts auf: Der Milchstraße. Sie liegt in unseren Breiten zu dieser Jahreszeit ziemlich genau im Horizont, im Norden etwas darüber, im Süden darunter.

So erscheint der Himmel um diese Jahreszeit eigenartig leer, was durch die Präsenz nur weniger heller Sterne wie Arcturus, Spica und Regulus im Kontrast zum Winterhimmel mit seinen hellen Sternen noch verstärkt empfunden wird.

Doch diese vermeintliche Leere hat es in sich; unsichtbar für das freie Auge erstreckt sich hinter den Sternbildern Größer Bär, Jagdhunde, Haar der Berenike, Löwe, Jungfrau, Becher und Rabe der Virgo-Galaxienhaufen. In einer Entfernung von typischerweise 40 bis 60 Millionen Lichtjahre liegen hier Tausende Galaxien und aufgrund ihrer relativen "Nähe" sind sie alle mehr oder minder lohnende Ziele für Beobachter.

 

1. Der Virgo-Galaxienhaufen


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Wären die Galaxien des Virgo-Galaxienhaufens mit freiem Auge zu sehen, der Frühlingshimmel würde ganz anders aussehen. Dort, wo nur wenige helle Sterne stehen, sähen wir eine filamentartige Struktur, die sich im Grenzbereich der Sternbilder Haar der Berenike und Jungfrau zu einem auffälligen Knoten verdichtet. Dort, rund 50 - 60 Millionen Lichtjahre von uns entfernt, liegt das Zentrum dieses großen Galaxienhaufens.

Kosmologisch gesehen gehört unsere Milchstraße in weiterem Sinn selbst noch zu diesem Galaxienhaufen. Sie bildet zusammen mit dem Großen Andromedanebel - den wir in einer ganz anderen Region des Himmels sehen - und einigen Dutzend kleineren Galaxien die so genannte "Lokale Gruppe", die in einem Randbereich des Virgo-Galaxienhaufens liegt.

Die Entfernungen der Galaxien des Virgo-Haufens mögen uns mit 40 bis 60 Mio. Lichtjahren groß vorkommen, doch im Verhältnis zu einem "Radius" des Universums von 13,6 Milliarden Lichtjahren (da man in diesen kosmologischen Größenordnungen Raum und Zeit nicht mehr trennen kann, ist die Bezeichnung "Radius" eigentlich inkorrekt) sind sie klein. Der Haufen steht uns so nahe, dass wir praktisch alle Galaxien mit Amateurfernrohren beobachten können, die hellsten von ihnen sogar schon in kleinen Instrumenten.


 

2. Visuelle Sehenswürdigkeiten


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Der Zentralbereich des Virgo-Galaxienhaufens liegt zwischen dem Coma-Sternhaufen im Norden, Denebola im Löwen im Westen, Vindemiatrix im Osten und Porrima (γ Virginis) im Süden. Von den zahlreichen hellen Galaxien in diesem Bereich sind nicht weniger als 17 Messier-Objekte.

Bedenkt man, dass auch die Galaxien im Großen Bären, Löwen den Jagdhunden und auch im Bereich Becher - Rabe - Wasserschlange noch zum Virgo-Haufen gehören, dann enthält dieser nicht weniger als 33 Messier-Objekte, das ist fast ein Drittel des gesamten Katalogs.

Bei der visuellen Galaxienbeobachtung gilt zunächst einmal mehr das Prinzip "Der Weg ist das Ziel", die größte Herausforderung - und das größte Vergnügen - ist, sie zu finden. Mit Ausnahme weniger heller Exemplare erscheinen Galaxien im Fernrohr als mehr oder weniger helle, diffuse Lichtflecken.

Da sich der Virgo-Galaxienhaufen, bedingt durch seine "Nähe", am Himmel über einen Bereich von 120° x 80° erstreckt, kommt bei der Beobachtung kein so richtiger Haufen-Effekt wie bei einem Sternhaufen zustande. Vor allem im Bereich des Zentrums gibt es aber einige dichte Gruppen, die bei sehr dunklem, klaren Himmel einige Galaxien auf einmal in einem Gesichtsfeld zeigen.


 

3. Worauf es beim Fernrohr ankommt


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Bei der Beobachtung des Virgo-Galaxienhaufens kommt es auf eine lichtstarke Optik (großes Öffnungsverhältnis) und auf ein großes scheinbares Gesichtsfeld an. Vor allem die im vorigen Abschnitt erwähnten Galaxiengruppen gehen bei zu kleinen scheinbaren Gesichtsfeldern rasch unter.

Neben den Kenngrößen des Fernrohrs sind aber auch die Sichtbedingungen entscheidend: Stadtnäe, Mondlicht und Dunst machen die Beobachtung des Virgo-Galaxienhaufens sehr rasch sinnlos.


 

4. Fotografische Sehenswürdigkeiten


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So durchaus ähnlich die vielen Galaxien des Virgo-Haufens bei visueller Beobachtung erscheinen, so sehr stechen einige Mitglieder des Haufens auf fotografischen Aufnahmen hervor. Neben schönen Einzelgalaxien sind es auch mehr oder minder enge Paare, die interessante Details zeigen.


 

5. Referenzen


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