Beobachtungsnacht, 23./24. 5. 2001

Name: Alexander Pikhard

Email: apikhard@eunet.at

Datum: 23. 5. 2001

Uhrzeit: 19.30 bis 01.00 MESZ

Ort: Sofienalpe

Instrument: Olympus Camedia C3000, 12" Meade LX-200, Starlight MX916 CCD

Bedingungen: Enorm klar, Durchsicht 1+++, Aufhellung 1-2 (!), Seeing leider nur 3. Ganz leichter Wind aus S.

Ein einmalig blauer Himmel hatte schon den ganzen Tag über Appetit aufs Beobachten gemacht. Da ich Merkur als Sichel beobachten wollte, wählte ich die Sofienalpe, da hier der Blick nach Nordwesten frei ist. Ansonsten wäre es die Ebenwaldhöhe geworden.

An diesem wunderschönen Abend hatten sich etliche Sterngucker, die meisten von der WAA, hier eingefunden. Ich baute noch bei Sonnenschein auf, denn ich nützte die Sonne zum Einnorden meines LX-200 (was nur mit angeschlossenem Lap"top" möglich ist). So konnte ich Merkur noch vor Sonnenuntergang ausmachen - wirklich schon eine deutliche Sichel! Leider verzerrte ihn das starke Seeing enorm, dennoch gelang mir eine CCD-Aufnahme.


Merkur, 1/100 Sekunde mit Graufilter bei f/10, F=3000

Die lange Dämmerung nützte ich unter anderem, um die Justierung meines Teleskops zu verbessern. Transportable Geräte muß man immer wieder nachjustieren, und um diese Jahreszeit hat man reichlich Zeit dafür.


Mobile Astronomie ist um diese Jahreszeit natürlich am schönsten!

Die nautische Dämmerung ist ein guter Zeitpunkt für Doppelsterne:

Pi Boo Zum Einstimmen, ein leichtes, schönes Paar
Ep Boo Schon etwas schwieriger. Im 21mm Pentax schon deutlich getrennt, auch der Farbunterschied ist gut zu erkennen. Allerdings noch sehr eng. Im 14mm Pentax kein Problem mehr. Deutlich getrennt und die Farben kommen gut heraus.
My2 Boo Obwohl nur zwei Bogensekunden weit, kein Problem im 14mm Pentax, wenn das Seeing einmal Pause macht. Nein, kein Problem.
Ga Vir Ja! Er ist noch zu trennen, und zwar deutlich. Aber -- wer wie ich diesen Doppelstern seit vielen Jahren beobachtet, muß es einfach bemerken: Der Positionswinkel hat sich bereits merklich verändert! Nicht mehr waagrecht nebeneinander stehen die beiden Sterne, sondern deutlich aus der Waagrechten heraus. Es hat sich etwas verändert am Fixsternhimmel!
Eta CrB Schwierig, schwierig, schwierig. Im 14mm Pentax mit Phantasie länglich. Nichts bei diesem Seeing.

Jetzt wird es bald dunkel genug für Deep Sky Objekte, und wir beginnen mit den Kugelsternhaufen. Wie gesagt, es hat sich ein recht beachtliches Grüppchen an WAA-lern hier versammelt.

M3 Schon der erste Blick macht uns sprachlos. Schon jetzt, es ist noch nicht einmal ganz dunkel, tritt der Sternhaufen ganz plastisch heraus und ist bis zur Mitte hin aufgelöst. Keine Frage, es ist wirklich eine Kugel! Wer aus der Ferne die entzückten Reaktionen der Betrachter hört, denkt wohl an ganz andere Aktivitäten hier auf der Wiese ...
M13 Der Star. Noch größer, noch reicher, noch aufgelöster. Deutlich kommen die "Arme" heraus, die den Haufen wie den Kopf eines Kasperls aussehen lassen.
M92 Klein, dicht, hell, ein interessanter Kontrast zu M13.
M5 Fast noch schöner als M13! Sehr hell und sehr größ mit etwas helleren Sternen als M13. Was den Haufen interessant macht ist die unregelmäßige Verteilung der helleren Sterne nahe dem Zentrum. Wie M13 erkennen wir auch hier einen deutlichen Blaustich.
M10 Ein interessanter Kontrast zu M5. Viel schwächer, aber dennoch bis zur Mitte hin aufgekäst, ein sehr interessanter Anblick.
M12 Noch schwächer als M10, noch lockerer, ebenfalls sehr interessant.

Ich probiere CCD-Aufnahmen von M13 und M92 und soll es nicht bereuen. Ich muß zwar jeweils rund 5 Aufnahmen machen, um 30 windstille Sekunden zu ergattern, aber das Ergebnis lohnt sich:


M13, 30 Sekunden bei f/10, F=3000. Nachbearbeitet mit AstroArt - ein Traum, was dieses Programm aus
einer an sich recht guten Aufnahme noch alles herausholt. Meine bisher beste Aufnahme von diesem Objekt.
Bildausschnitt, verkleinert.


M92, 30 Sekunden bei f/10, F=3000. Nachbearbeitet mit AstroArt. Bildausschnitt, verkleinert.
Gleicher Maßstab wie die Aufnahme von M13, die Unterschiede treten deutlich zu Tag.

Und auch das muß sein:


M57, 1 Minute bei f/10, F=3000. Nachbearbeitet mit AstroArt. Ich habe die Aufnahme so bearbetet
daß die Details im Ring deutlicher hervortreten, auf Kosten der schwächeren Sterne.
Bildausschnitt, verkleinert. Daß das Bild nicht zentriert ist, liegt an dem blinden Vertrauen in
die Aufstellung und die Computersteuerung: Alle drei Aufnahmen entstanden, ohne daß die
Kamera vom Rohr genommen wurde. Einfach mit TheSky Position anfahren und aufnehmen. Wenn das
Objekt im Bild ist, gut, wenn nicht, dann korrigieren - was nicht notwendig war!

Dann unternehmen wir eine Galaxientour. Vor allem M51 gab im 21mm Pentax einen herrlichen Anblick ab, die Spiralarme waren schon ohne indirektem Sehen gut auszumachen. M65 und M66 waren auf einmal im Gesichtsfeld des 40mm Pentax zu sehen, und wenn man sie an den Rand stellte auch NGC3628. In letzterer erkannte ich auch das dunkle Band.

Besonders prachtvoll war NGC4565, das Staubband war mehr als deutlich. Nach einem kurzen Streifzug durch den Virgo-Galaxienhaufen (M58, M59, M60 und diverse Nachbargalaxien, immer mehrere auf einmal im Feld des 40mm Pentax) und einem wunderschönen Blick zu Albireo kam das letzte Objekt an die Reihe:

(Trommelwirbel...)

Mars, erstmals in dieser Saison. Sehr tief, und das Seeing macht mit ihm, was es will. Trotzdem kommen bei Verwendung des Orangefilter am 14mm Pentax einige dunkle Flecken auf der Oberfl&aumL,che heraus. Bei Verwendung eines Blaufilters ist die nördliche Polkappe zu sehen! Er ist ziemlich groß, und ich beginne, an Afrika zu denken, von wo aus er im Zenit stehen wird...

Sichtminderungsdaten für diesen Bericht
Uhrzeit:00.00 MESZ
geogr. Länge:16° 13' E
geogr. Breite:48° 15' N
Ursa Minor Bild Nr.:6

Alexander Pikhard