Beobachtungsbericht

23. Juni 2001

Uhrzeit: 19.30 UT - 23.30 UT

Beobachtungsort: Gwabi-Camp am Kafue River, Sambia

Position: 15° 57' 05,0" S, 28° 51' 34,1" E, 417m (WGS84)

Instrumente: Doris' 3" Newton, Bernhards Feldstecher Canon 15x45 is

Bedingungen: Durchsicht 1+++, Aufhellung 1-2 (Camp), Seeing 1+++ (!).

Heute hieß es, vom Südhimmel Abschied nehmen. Er zeigte sich noch einmal von seiner besten Seite, mit fast makelloser Durchsicht und dem besten Seeing, an das ich mich erinnern konnte.

Wir besuchten all die Objekte, die uns in den vergangenen zwei Wochen so richtig ans Herz gewachsen waren - und es gab auch noch ein paar neue Eindrücke.

Da sich Carina dem Untergang zuneigte und der Horizont in dieser Richtung auch einige höhere Bäume aufwies, starteten wir mit einem sehr kontrastreichen Blick zu den Nebeln um Eta Carinae (21mm Pentax am 3"). Alle bekannten Details waren da, auffällig war heute, daß die Dunkelwolken fast schwärzer erschienen als der normale Himmelshintergrund.

Ein kleiner Schwenk führte zu NGC 3532, dem prachtvollen Haufen in Carina, der schon im Feldstecher eine Wucht ist und im Fernrohr (3", 21mm Pentax) sehr reich, aber auch sehr groß und locker erscheint.

Dann kam Crux an die Reihe und wir starteten mit dem weiten, interessanten Paar Alpha Crucis. Klarerweise war das Schatzkästchen (Kappa Cru, NGC 4755) traumhaft: Hinter den hellen Sternen lag eine diffuse Schicht, die sich bei indirektem Sehen aber sehr gut in viele schwache einzelne Sterne auflösen ließ. Ein kleiner Schwenk - ein unbekanntes Objekt. Es sieht im 21mm Pentax wie ein schwacher diffuser Nebel aus, nach der Position kann es sich aber nur um den offenen Sternhaufen NGC 4439 handeln, dessen Sterne mit 11mag und schwächer beschrieben werden und der daher noch nicht in Sterne aufgelöst werden kann.

Es geht weiter in den Zentauren. An Alpha Centauri offenbart sich, wie toll das Seeing an diesem Abend ist: Gestochen scharf stehen die beiden hellen Sterne im Gesichtsfeld. Traumhaft, dieser helle Doppelstern. Dann kommt unser aller großer Favorit dran: Omega Centauri. Nur zu gut sind uns die Anblicke in den größeren Instrumenten, vor allem in Gerhards 12,5" Portaball, in Erinnerung. Doch heute dringt sogar der kleine Dreizöller in das Zentrum vor und im 14mm Pentax erkennt man, daß die riesige diffuse Scheibe eine feine körnige Struktur hat - Omega ist aufgelöst. Nicht schlecht für dieses Rohr. Im Feldstecher ist Omega immerhin schon am Rand aufgelöst. Ein Traumobjekt! Warum gibt es so etwas nicht am Nordhimmel? Etwas länger dauert die Suche nach Centaurus A (NGC 5128), doch ich kann die helle Galaxie finden. Rund und diffus, die dunklen Strukturen kann ich aber nicht ausmachen.

Es geht weiter nordwärts in der Milchstraße und die nächste Station heißt Norma, wo der prächtige Sternhaufen NGC 6067 prachtvoll hell und gut aufgelöst zu erkennen ist (21mm Pentax).

Weiter in den Skorpion. Langsam kommen wir ja in Gefilde, die man von unserer Heimat aus zumindest sehen kann. Langsam. Und sehen ist eben nicht sehen. Hier steht diese Himmelsregion nahe dem Zenit! Zuerst ein Blick zu NGC 6231, den wundervollen, reichen Sternhaufen nahe bei Zeta Sco, dort, wo der Körper in Richtung Stachel abbiegt. Eine Kuriosität müssen wir heute unbedingt besuchen: Den Stern G Sco; dicht neben ihm steht der kleine, helle Kugelsternhaufen NGC 6441. Er ist hell, mit deutlichem Kern, ohne erkennbare Sterne, und das ganze Gebilde sieht aus wie ein weiter Doppelstern mit einer diffusen Komponenten.

Jetzt kommt auch der Feldstecher voll zu Ehren in dieser Region, M6 und M7 sind hier fast eindrucksvoller als im Fernrohr, das die beiden hellen, großen Haufen schon fast zu sehr auflöst. Und vollends schlägt der Feldstecher dann bei den Dunkelwolken zu. Beeindruckend ist vor allem der Pipe Nebula, der allerdings durch den derzeit extrem hellen Mars gestört wird. Man erkennt nicht nur seine Form deutlich (drei Gesichtsfelder im Feldstecher!), sondern auch die Fortsetzung, den Snake Nebula. Beeindruckend reich strukturiert ist diese Milchstraßengegend.

Und weil Mars gerade in der Gegend steht, ist er der nächste Programmpunkt. Schon das 21mm Pentax verrät, da ist mehr drin: Deutlich erkennt man auf der hellen Scheibe zwei dunkle Gebiete. Also ran ans 14mm Pentax. Die Details werden größer, und immer noch keine Spur von Seeing. Also holt Bernhard noch stärkere Munition in Form eines 7mm Pentax Ortho und eines 5mm University Optics Ortho. Es ist zwar nicht mehr ganz einfach, Mars bei dieser Vergrößerung (100x bzw. 140x) zu treffen, geschweige denn mit der azimutalen Montierung nachzuführen, aber wir schaffen es. Im 7mm erkennt man schon die Polkappe als winzigen, fast sternartigen weißen Punkt am Rand der Marsscheibe, umgeben von der bläulichen Polhaube. Die Dunkelgebiete wechseln ihre Farbe in ein eigenartiges graubraun. Und immer noch keine Spur von Seeing! Also 5mm. Jetzt zeigen auch die dunklen Gebiete Strukturen, sie sind nicht gleichförmig dunkel, sondern zeigen noch kleinere, dunklere Einschlüsse, und auch die hellen Gebiete zeigen Strukturen. Unglaublich, in einem Dreizöller.

Jetzt ist eine Unterbrechung angesagt, denn immerhin beobachten wir in Afrika, am Ufer des Kafue. Hier gibt es nicht nur Wühlmäuse sondern auch Flußpferde und Krokodile, und mit denen ist nicht zu spaßen. Und prompt bekommen wir Besuch. Wir können zwar nicht ausmachen, was es ist, aber es ist groß und versteckt sich im Uferschilf. Also suchen wir vorerst das Weite und wärmen uns eine gute Stunde am Lagerfeuer auf.

Jetzt, später, ist es noch klarer geworden, und unser Beobachtungsplatz scheint wieder sicher zu sein (wer weiß ...). Also weiter in den Schützen.

Lagunen- (M8) und Trifidnebel (M20) passen wieder einmal in das Gesichtsfeld des 21mm Pentax hinein, und deutlich erkennt man auch die große, diffuse Wolke von NGC 6525 dazwischen. Ein tolles Feld. Kann man zwar von Mitteleuropa aus sehen, es stellt sich nur die Frage, wie ... Auch M17 ist beeindruckend und zeigt uns viele Details.

Jetzt noch die beiden hellen Kugelsternhaufen NGC 6397 im Altar und NGC 6752 im Pfau. Beide sind am Rand leicht aufzulösen (21mm Pentax).

Wir stöbern lange in der Milchstraßenregion in Schütze, Skorpion und Schlangenträger herum. Es ist unglaublich, wie reich strukturiert die Sternfelder hier sind. Dunkelwolken sind an der Tagesordnung und gut zu erkennen. Sternwolken wechseln sich mit lockereren, aber immer noch sternreichen Gegenden ab. Man kann sich hier einfach nicht sattsehen. Einziges Handicap: Einige Regionen können wir nicht einstellen, weil wir mit der Azimutalen Gabelmontierung nicht in den Zenit kommen ...
 

Beobacher: APi (ed.), DIs, REd, Bernhard Kohmanns

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