Beobachtungsnacht

Sternwarte Mariazell, 11./12. August 2004

Beobachter:WAA Jugendgruppe und Bernhard Aringer, Günther Eder, Anneliese Haika, Alexander Pikhard
Datum:10./11. 08. 2004
Zeit:20.30 bis 04.00 MESZ
Ort:Sternwarte Mariazell
Instrument:16" Meade LX200, StarlightXpress MX916
Bedingungen:
Aufhellung:sehr gut (1)
Durchsicht:gut (2)
Seeing:gut (2)
Temperatur:16 °C
Bemerkungen:Bis Mitternacht stark bewölkt bis bedekt, dann aber klar.
Bericht:

Heute sieht es zunächst gar nicht nach Beobachten aus. Der Himmel ist wolkenverhangen und die angekündigte Kaltfront scheint angekommen zu sein. Kaltfront? Es ist ungewöhnlich mild heute Nacht, und föhnig. Durch Wolkenlöcher beobachten wir zunächst im Rahmen unseres Jugendcamp die Farben der Sterne und stellen fest, dass man sie besser erkennt, wenn das Bild unscharf gestellt wird.


Unsere Jugend beobachtet die Farben der Sterne ...

... an unscharf eingestellten Objekten (Arcturus)

Heute ist die gross angekündigte Perseidennacht und schon im Lauf des Nachmittags und des Abends beruhige ich Medienvertreter am Telefon, dass sie nicht zu viel erwarten sollen. Und so "nebenbei" organisiere ich von Mariazell aus den Einsatz einer weiteren mobilen Truppe auf der Sofienalpe, die ein Kamerateam des ORF dort filmen will.

Auch bei uns lauern etliche Beobachter vor der Sternwarte auf Perseiden, zunächst vergeblich. Die Wolken sind zu dicht.


Meteore beobachtet man am besten ...

... mit freiem Auge und liegend

Doch gegen Mitternacht klart der Himmel auf. Unsere Perseidenbeobachter zählen in gut drei Stunden rund 70 hellere Objekte. Ich aber mache mich an CCD-Aufnahmen. Heute einmal alleine, denn Günther ist von einer 120km-Radtour mit Bernhard Aringer sichtlich gezeichnet.

Ich muss heute ohne die aktive Korrektur mit der ST-7 verzichten, denn ich bin mit dem Gerät und seiner Steuerung zu wenig vertraut. Wird die Paramount-Montierung alleine meinen Anforderungen an die Nachführung gerecht werden?

Ich beginne mit einem hellen Objekt als Test, M13. Hier genügt eine Belichtungszeit von 10 Sekunden pro Bild. Ich mache recht lange Serien von jeweils 20 Bildern pro Farbe. Die Einzelbilder sind scharf, doch oh Schreck, im Lauf der Serie wandert das Bild nach unten. Ein klassischer Scheiner-Fehler. Fällt heute alles wegen dieses Problems ins Wasser, und wenn ja, wieso gerade heute?


M13, je 20 x 10 Sekunden pro Farbe

Wegen der Drift verliere ich am oberen und unteren Bildrand einen guten Streifen, daher das ungewöhnliche Bildformat der ansonst guten Aufnahmen. Doch noch während ich überlege, was ich als nächstes aufnehmen soll, kommt mir die rettende Erleuchtung: Ich habe vergessen, ProTrack einzuschalten! Das Programm steuert die Paramount Montierung und korrigiert rund 30 Faktoren, von Aufstellungs- über Schneckenfehler bis zur Refraktion. Ich aktiviere ProTrack, das monotone Summen der Montierung geht in einen vielstimmigen elektronischen Gesang über, und die Drift ist mit einem Mal Geschichte.

So wage ich mich an den dichten Sternhaufen M71, vielleicht benötigen wir die RGB-Bilder im Rahmen unseres Jugendcamp.


M71, je 10 x 20 Sekunden pro Farbe

Es geht hervorragend. Ermutigt wende ich mich schwierigeren Objekten zu. Als erstes nehme ich den verunglückten Blaukanal von NGC 6781 auf und erhalte ein neues, besseres Bild des schönen Planetarischen Nebels.


NGC 6781, jetzt mit richtig belichtetem Blaukanal (5 x 60 Sekunden pro Farbe)

Zwei weitere Nebel stehen auf dem Programm, M76 und NGC 7635, der Bubble-Nebel in der Cassiopeia. ProTrack arbeitet so gut, dass Belichtungszeiten von einer Minute bei vier Metern Brennweite ohne aktive Nachführkorrektur kein Problem sind. Ein Wunder, diese Montierung!


M76 im Perseus, je 12 x 1 Minute pro Farbe


NGC 7635, je 10 x 40 Sekunden pro Farbe

Zum Abschluss meiner CCD-Serie nehme ich noch das Zentrum des Andromedanebels auf. Es zeigt sehr viele, feine dunkle Filamente und ist extrem kontrastarm. Ein schwieriges Objekt.


Zentrum von M31, je 10 x 40 Sekunden pro Farbe

Der Mond geht auf und bald auch die Venus, die wunderschöne Morgenhimmelstimmung muss einfach im Bild festgehalten werden.


Über den Wäldern der Bürgeralpe ...

... geht der abnehmende Mond auf


Die aufgehenden Wintersternbilder mit Mond und Venus

Das war also die sechste Beobachtungsnacht in Serie. Es soll die letzte sein, denn das angekündigte Schlechtwetter kommt ja doch, wenn auch nicht so extrem wie erwartet. Der eine oder andere Blick auf den Himmel wird sich noch ausgehen.

Text und Fotos: Alexander Pikhard