Perseidennacht

Sofienalpe, 12. 08. 2009

20090812api20.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:12. 08. 2009
Zeit:20:00 Uhr MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:Canon EOS 350D
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Grenzgröße:5.0
Aufhellung:ausreichend (3)
Wind:leicht aus NW
Temperatur:18°C
Sonstige Bedingungen:Anfangs stark bewölkt bis bedeckt, später 3/8 bis 4/8 mittelhohe bis hohe Wolken.
Bericht:

An sich sollte man ja bei der Ankündigung von Meteorströmen vorsichtig sein; nur allzu sehr wird die Erwartung der Öffentlichkeit durch übersteigerte Medienberichte enttäuscht. Doch heuer könnten die Perseiden, die ja hervorragend ins Sommerloch passen, doch wirklich ganz gut werden; immerhin sprechen offizielle Prognosen von einer ZHR bis zu 200, wobei das Maximum um 20 Uhr MESZ leider noch nicht in die Dunkelheit fällt.

Macht also nichts, heuer ist das Internationale Jahr der Astronomie und mangels besserer Ereignisse am Himmel bewerben auch wir die Perseiden und veranstalten eine Perseidennacht auf der Sofienalpe.

Es sieht ohnedies so aus, als würde das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen. Während Westeuropa bis Tirol optimale Bedingungen vorfinden würde, streift den Osten und Norden ein Frontensystem. Der Nachmittag ist trüb mit ersten Regenschauern.

Da unsere Pressemitteilung ein gewaltiges Echo hatte und Stefi am Telefon den ganzen Tag beschäftigt war, fahre ich aber doch auf die Sofienalpe. Der Himmel dort ist natürlich wolkenverhangen.


Wolkenverhangener Himmel auf der Sofienalpe - mit Lichtblicken

Als erstes nehme ich die Internet-Wetterstation in Betrieb. Ich möchte wissen, ab wann Regen zu erwarten ist.


Wetterstation und kleine Perseidenpräsentation


Warten auf ein Wolkenloch

Die Wolken ziehen recht langsam von Nordwesten, auf dem Satellitenbild sieht das schneller aus. Ein kleines Regengebiet zieht nördlich an Wien vorbei, ein paar Tropfen erwischen uns. Am Nachmittag muss es stärker geregnet haben, die Wiese ist recht nass. Dann ein erster Lichtblick.


Dieser Sonnenuntergang ist ein grosser Lichtblick

Die untergehende Sonne leuchtet zwischen Wolken hervor. Das und vor allem das Satellitenbild geben Anlass für Optimismus. Von Nordwesten sollte sich das eine oder andere Wolkenloch nähern. Erste Perseidenbeobachter treffen ein; sie nehmen das Wetter mit viel Humor.


Erste Perseidenbeobachter legen sich auf die Lauer - im wahrsten Sinn des Wortes

Nach 20 Uhr treffen immer mehr Leute ein, in Erwartung der Perseiden. Ich versuche, ihnen ein realistisches Bild der Situation zu vermitteln ("Gross ist die Chance nicht, heute etwas zu sehen"), sie nehmen es gelassen und warten.


Langsam kommt Leben ...


... in die Wiese

Und der schwache Optimismus scheint begründet zu sein, mit fortschreitender Dunkelheit werden die Wolkenlöcher mehr und größer.


Vorsichtiger Optimismus angesichts der Wolkenlöcher


Und es ist immer mehr los

Ungeachtet der Wolken setzt jetzt ein sehr reger Besucherstrom ein; die Wiese füllt sich mit Wartenden und vor allem der Parkplatz füllt sich, wird fast voll. Die Wiese wird zur Lagerwiese, wie normalerweise unter Tags. Viele haben Proviant mitgebracht und sich offenbar auf eine lange Nacht eingestellt.

Das bunte Treiben macht einen Vertreter der Bundesforste nervös, der nächtliches Treiben hier nur von sternklaren Nächten kennt. Er fragt, was denn hier los sei, und ist mit meiner Erklärung sehr zufrieden. Offenbar hielt er ein seltsames Pärchen, das sich permanent gegenseitig fotografierte (mit Blitzlicht, was extrem nervte) für ein kommerzielles Shooting, zumindest fragte er danach.

Und plötzlich spielt auch der Sternenhimmel mit!


Großer und Kleiner Bär/Wagen


Cassiopeia


Kleiner Bär, besser

Und schon sind erste Perseiden zu sehen. Viele schwächere fallen den Wolken und der noch nicht ausreichenden Dunkelheit zum Opfer, aber gut zwei Dutzend helle sind auch dabei im Zeitraum 21 bis 24 Uhr. Wobei die meisten noch in die wolkenreiche Zeit zwischen 21 und 22 Uhr fallen, danach ebbt der Strom deutlich ab.

Nach 22 Uhr hat sich die Lagerwiese gefüllt und sieht, entsprechend aufgehellt, wie unter Tags aus. Ein junges Paar hat ein Fernrohr mit, um es endlich auszuprobieren. Für die Perseiden ist es nicht notwendig.


Nächtliche Lagerwiese


So nebenbei ...


... ein First Light

Jetzt sind auch die Sterne des Perseus zu sehen.


Perseus geht auf

Da die Perseiden sehr rasch sind, sind sie kaum fotografierbar. Und bei den hellen läuft natürlich gerade keine Belichtung. Flugzeuge und Satelliten gibt es auch, darunter zwei sehr helle Iridium-Flares.


Leider kein Perseide, sondern ein Flugzeug, das γ UMa bedeckt

Nach 23 Uhr macht sich der Mond bemerkbar.


Hier kommt der Mond


Mond im 300mm Tele (verkleinert)

Der abnehmende Halbmond erleuchtet die Szene noch mehr. Die Wolken ziehen sich weiter zurück, dennoch brechen viele auf, die meisten durchaus zufrieden. So hat die Aktion doch etwas gebracht. Unter den rund 150 Neugierigen, die heute Abend auf die Sofienalpe gekommen sind, sind auffällig viele junge Leute (was sicherlich am Ort und an der Zeit liegt). Somit haben wir heute sicher auch ein neues Zielpublikum angesprochen.


In einer milden Nacht im Freien auf Sternschnuppen warten ist einfach erholsam

Text und Fotos: Alexander Pikhard