Ringförmige Sonnenfinsternis

Malediven, 12. 01. 2010

20100112gis00.html

Beobachter: Gavril Istrate
Datum: 12. 01. 2010
Zeit: 00:00 Uhr
Ort: Malediven
Instrument: Coronado PST, Canon EOS 40D, Teleobjektiv Canon 100-400mm
Bedingungen:
Temperatur: 30°C
Bericht:

Auf den Malediven strahlte nicht nur tagsüber die Sonne (Bericht von Doris am 23.1.), sondern auch nachts der Sternenhimmel mit überraschend guter Durchsicht. Eigentlich wollten wir nur die abnehmende Sichel des Mondes fotografieren, aber dann lud auch das Kreuz des Südens und seine Umgebung zum Fotografieren ein. So quälten wir uns am 12.1. um 3 Uhr Früh aus den Betten und versuchten unser Glück, aber mit dem Tele wollten die Sterne partout nicht scharf werden. So warteten wir wie vorgesehen auf den Mond, damit uns der Wecker nicht umsonst in die Nacht gejagt hatte.

Am nächsten Tag bemurmelte ich mit Niels von der Sternwarte Zwickau das Problem, und er meinte, dass eine Scharfstellung mit dem variablen Tele nicht möglich sei. Aber mit seinem Objektiv Pentacon 50mm 1:1.8 müsste es klappen, und deshalb starteten wir in der folgenden Nacht mit dem geborgten Objektiv einen neuen Versuch. So marschierten wir am 13.1. wieder zum Strand, diesmal aber eine Stunde später wegen des späteren Mondaufganges. Da stand das Kreuz des Südens jedoch schon sehr nahe der Lichtglocke von Male und drohte darin zu versinken. Aber trotz aller Unkenrufe, dass die Aufhellung für ein brauchbares Foto schon zu stark sei, gelang mir doch noch eine akzeptable Aufnahme, auf der links das Schatzkästchen und der Kohlensack, sowie rechts IC 2948 und Eta Carinae zu erkennen sind. Dann warteten wir wieder auf den Mond...

Am 14.1. zeigte sich die Mondsichel knapp vor Sonnenaufgang schon äußerst schmal und kündigte den folgenden Neumond an.

       

Endlich war es soweit! Nach den düsteren Wolken am frühen Morgen des 15.1. begann die partielle Phase der Sonnenfinsternis bei strahlendem Himmel und wir fieberten der Totalität entgegen - nicht ahnend, welcher Wolkenkrimi daraus werden sollte. Der 2. Kontakt mit der Perlenschnur war nur durch dünne Wolkenschleier zu erkennen,

dann war uns noch der ungetrübte Blick durch ein Wolkenloch auf den fast genau zentrierten Ring vergönnt,

bis exakt bei der Totalitätsmitte schon wieder die verflixten Wolken angeflogen kamen und den perfekten Feuerring verdunkelten. Der 3. Kontakt verschwand dann gänzlich in der Finsternis...

... um anschließend wieder einer wolkenlosen zweiten partiellen Phase Platz zu machen.

Nachdem die Schlacht um die aufregende Sonnenfinsternis geschlagen war, jagte ich fotografisch nicht nur Fische mit der Unterwasserkamera, sondern mit der EOS 40D und Tele auch die zahlreichen Tiere auf der Insel. Reiher, Papageien, Strandläufer, Eidechsen, und vor allem die unzähligen Krebse an den Stränden boten sehr hübsche Motive. Sogar eine Schlange ließ sich blicken (die es laut Reiseführer auf den Malediven gar nicht gibt), und versetzte eine Gruppe von Franzosen in Angst und Schrecken. Ob sie von einem Scherzbold im Koffer mitgebracht wurde, um den Reiseführer Lügen zu strafen? Wie auch immer: Die erklärten Lieblinge der Inselbesucher waren die putzigen, aber schwer zu fotografierenden (weil primär nachtaktiven) Flughunde.

Dann neigte sich unser Urlaub mit den schönen Erinnerungen an die längste Ringförmige Sonnenfinsternis dieses Jahrtausends im Gepäck dem Ende zu und wir verließen die Malediven von Male aus, der kleinsten (und vielleicht buntesten) Hauptstadt der Welt...

... richtung Heimat, wo uns Väterchen Frost mit Schnee, Eis, und klirrender Kälte in seine Klauen nahm. Brrrrrr.....!!!