Ringförmige Sonnenfinsternis

Malediven, 23. 01. 2010

20100123dis00.html

Beobachter:Doris Istrate
Datum:23. 01. 2010
Zeit:00:00 Uhr
Ort:Malediven
Instrument:Meade ETX 70, Olympus C 2040, C 760
Bedingungen:
Bericht:

Wir wollten schon immer einmal auf den Malediven die Unterwasserwelt bewundern, aber hatten Bedenken, dass uns in zwei Wochen auf einer kleinen Insel ohne TV und Radio doch die Langeweile einholen würde. So war die bevorstehende ringförmige Sonnenfinsternis in diesen Gefilden ein willkommener Anlass diese Region zu besuchen. Noch dazu, wo Billa-Reisen ein sehr preisgünstiges Angebot parat hatte. Deshalb dachten wir auch, dass mehr Hobby-Astronomen diese Gelegenheit beim Schopf packen würden, aber weit gefehlt. Außer uns kam nur noch Niels von der Sternwarte Zwickau auf die Insel. Zum Glück hatte er die gleiche Ausrüstung wie wir, nämlich einen Coronado PST mit einer Canon EOS 40D und ein Meade ETX. So hatten wir in der ersten Woche ausreichend Gelegenheit, unsere Equipments an Ort und Stelle zu testen und gemeinsame Erfahrungen auszutauschen.

Nicht umsonst, denn bald stellte sich heraus, dass auf der Insel neue Probleme auftauchten. Während der Coronado bei unseren Tests auf der Jagdhütte bei tief stehender Sonne die schwere Kamera problemlos getragen hatte, kippte sie auf den Malediven bei wesentlich höherem Sonnenstand hinten weg ... Panik!!! Aber Not macht erfinderisch, und so wurde die scharze Badetasche umfunktioniert und mit Steinen beladen als Gegengewicht vorne auf der Fotoschiene fixiert - uff, geschafft.

So bruzzelten wir jeden Vormittag bis Mittag in der glühenden Sonne am Strand und versuchten, sowohl Teleskope wie Kameras zu überlauern, um möglichst scharfe Bilder zu erzielen.

Zu unserer Überraschung ahnte auf der Insel niemand etwas von der bevorstehenden SoFi, weder Angestellte noch Urlauber. Allerdings erweckten unsere Aktivitäten am Strand Neugierde und immer mehr Leute kamen um zu fragen, was wir dort eigentlich treiben würden. Wir gaben bereitwillig Auskunft, und bald verbreitete sich die Kunde in Windeseile über die ganze Insel. Die Hotelleitung reagierte prompt und ließ einen Zettel anbringen, auf dem Bestellungen von Sonnenfinsternisbrillen a 5 Dollar eingetragen werden konnten. Bereits nach 10 Bestellungen verschwand der Zettel wieder, ohne dass auch nur eine einzige Brille auftauchte. So mussten in der Folge nicht nur die Urlauber und das Personal, sondern auch der General Manager der Anlage durch eine unserer bald zerfledderten Brillen gucken (der sich übrigens anschließend sehr herzlich für die "Vorführung" bedankte).

Endlich war es so weit. Der Morgen des 15.1. brach an ... und ein Albtraum wurde wahr! In der Nacht hatte das Wetter komplett umgeschlagen und am frühen Vormittag zeigten sich dunkle Regenwolken, die nicht nur den Himmel, sondern schlagartig auch unsere Mienen verfinsterten. Doch bald verzogen sich die Wolken und freudig erregt bauten Gaby und ich unsere Teleskope gleich neben der Bar auf, wo Schatten und kühle Getränke in unmittelbarer Reichweite lagen. Immerhin mussten wir insgesamt über 4 Stunden in der Mittagshitze ausharren, um die gesamte Sonnenfinsternis einzufangen zu können. Niels hingegen zog es vor, eher ungestört weiterhin am Sandstrand zu fotografieren *).

Bald gesellten sich viele Interessierte zu uns und wir verteilten unser Fernglas sowie die beiden Sonnenfinsternisbrillen, die von Hand zu Hand gingen und bald zu zerfallen drohten. Alle wollten auch einen Blick durch Gaby's Coronado werfen, wo die Sonne so schön groß und rot zu sehen war, und auch um Fotos von der Sonne auf dem Monitor der 40D zu schießen. Mein ETX mit der kleinen, weißen Sonne blieb ziemlich unbeachtet, war auch meist wegen der Hitze mit einem weißen Handtuch abgedeckt.

Die partielle Phase erfolgte ungetrübt, wobei sogar 2 Sonnenflecken zu sehen waren. Auch war interessant zu beobachten, wie sie sich mit der Zeit gegen den Uhrzeigersinn drehten. So verflog die Zeit recht vergnüglich, bis ca. 15 Minuten vor Beginn der Totalität plötzlich schwarze Regenwolken auftauchten, die vom Wind eilig über den Himmel getrieben wurden. Oh Schreck! Als es dann auch noch zu tröpfeln begann, sank die allgemeine Stimmung auf den Tiefpunkt. Vor Beginn der Totalität starrten alle frustriert auf den wolkenverhangenen Himmel...

... und die Einheimischen riefen händeringend Allah zu Hilfe. Offensichtlich mit Erfolg, denn kurz darauf ertönte der erlösende Aufschrei: Da ..., da..., da kommt die Sonne!!!! Und tatsächlich, plötzlich war der leuchtende Ring durch eine dünne Wolkenschicht zu sehen. Alle sprangen auf und jubelten, riefen in einem Wirrwarr von mindestens 10 verschiedenen Sprachen durcheinander und versuchten mit ihren Kameras nun direkt den Ring zu fotografieren. Die Begeisterung riss alle mit...

Ich muss ehrlich gestehen, dass dies der schönste Moment der ganzen Sonnenfinsternis war. Kein Blick durch ein Teleskop, Fernglas, Kamera, Brille, oder sonstiges Hilfsmittel, kann die Faszination des freisichtigen Anblicks vermitteln. Es war unglaublich schön zu sehen, wie dieser strahlend leuchtende Lichtkranz durch die Wolken flog (in Wirklichkeit natürlich umgekehrt), und alle Anwesenden gleichzeitig begeisterte. Leider dauerte dieser wunderbare Anblick kaum eine Minute, dann verschwand der Ring wieder hinter dunklen Wolken, die sich aber bald auflösten. Zum Glück dauerte die Totalität fast 11 Minuten, so dass wir doch den Großteil fotografieren konnten. Die zweite partielle Phase verlief dann wieder bei fast wolkenlosem Himmel ... eh klar!!! Aber trotzdem: Ich bin Petrus (oder Allah) für die Bewölkung wirklich dankbar, denn ohne diesen Wolkenschleier wäre uns der wunderbare Anblick des fliegenden Sonnenringes verwehrt geblieben.

Fotografisch konnten/wollten wir diesen herrlich leuchtenden Ring nicht festhalten, aber hier ein paar "klassische" Aufnahmen, auf denen auch die Bewegung der Sonnenflecken zu sehen ist.

 
 

Niels verließ die Insel gleich nach der Sonnenfinsternis. Wir hatten noch eine Woche Gelegenheit uns mit der Unterwasserfotografie zu beschäftigen, um auch diese wunderbare Welt in Bildern festzuhalten. Diese Herausforderung war nicht minder anspruchsvoll, aber ebenso faszinierend. (Alle Aufnahmen sind nicht bearbeitet, nur verkleinert).

Dann ging der Traumurlaub auch für uns zu Ende und es hieß wieder Abschied nehmen.


Good bye, bezaubernde Insel! Möge allen trotz Klimawandel noch lange der Untergang erspart bleiben ...

*) Der nette und vor allem sehr professionelle Foto-Bericht von Niels ist unter www.sternwarte-zwickau.de zu finden, wenn man auf eine der Sonnen klickt.