Komet C/2009 R1 (McNaught) bei Perseus III und mehr

Götzendorf, NÖ, 14. 06. 2010

20100614khn21.html

Beobachter: Ronald Köhne
Datum: 14. 06. 2010
Zeit: 21:15 bis 03:30 Uhr MESZ
Ort: Götzendorf, NÖ
Instrument: C8, 60/700mm Refraktor, Canon EOS 30D mit 75-300mm Objektiv
Bedingungen:
Durchsicht: sehr gut (1)
Aufhellung: ausreichend (3)
Seeing: schlecht (4)
Wind: kein
Bericht:

Dieses Wochenende hatte ich mir im Kalender markiert, zog doch Komet McNaught R1 Samstag bis Montag an der Perseus III Assoziation vorbei. Das klang nach einem netten Foto. Bis jetzt hatte ich den Kometen noch nicht beobachtet, ich wollte damit auf diese Konstellation warten, zu der er auch schon heller sein sollte.

Nach einem Blick auf die Sternenkarte erhoffte ich mir aber nicht allzuviel von einer guten Sichtbarkeit des Kometen, steht doch der Komet relativ tief während der dunklen Nachtstunden und gerade in der Nord-, Nordost Richtung habe ich von daheim aus grosse Lichtverschmutzung, die schon einige Kometensichtungen verhinderte. Nachdem schon an den ersten 2 Tagen das Wetter nicht mitspielte sah es auch am Montag tagsüber wettermäßig nicht immer besonders gut aus. Aber die Wettermodelle gaben doch Hoffnung für einen recht klaren Himmel in der Nacht.

Nahezu pünktlich lockerten die Wolken immer mehr auf. Den Untergang der schmalen Mondsichel musste ich diesmal einfach bildlich verewigen. Das Seeing war allerdings nicht berauschend.

Nach dem ersten "Fotoshooting" blieb nun viel Zeit bis zum dunklen Himmel, daher kümmerte ich mich zunächst um die neuen Fotos. Beim nächsten Blick auf die Uhr war´s bereits kurz vor Mitternacht und ein Blick aus dem Fenster zeigte einen prachtvollen Himmel und Windstille. Also nichts wie raus, Fernrohr aufbauen und einnorden.

Das Milchstrassenband war diesmal wieder überraschend gut zu sehen, so klares Wetter hatte ich mir nicht erwartet nach den letzten Tagen. Da der Komet gerade erst durch fernere Baumkronenlöcher durchblitzte und für´s Fotografieren noch etwas zu tief war, richtete ich den Fotoapparat mit dem 75mm Tele auf ein paar interessante Himmelsregionen und machte einige Schnappschüsse. Folgendes Bild ist im zentraleren Bereich der Milchstrasse in der Region Schlangenträger aufgenommen (5x30 sec. bei 75mm; ISO1600). Die Dunkelwolken im Milchstrassenband sind einfach immer wieder faszinierend.

Nun wurde es aber Zeit für den Kometen. Ein erstes Testfoto machte wieder einmal die Lichtverschmutzung deutlich. Während die vorigen Fotos in Zenit- und südlicher Richtung bei 30 sec noch relativ dunkel waren, schienen sie in dieser Richtung um mehrere Faktoren länger belichtet zu sein, obwohl es dieselbe Belichtungszeit war. Nicht gerade jene Bedingungen, die man sich für seine Astrofotos wünscht. Allzu hoch über den Horizont konnte der Komet aber nicht mehr steigen, denn die Nacht eilte schon wieder ihrem Ende entgegen. Nach mehreren Fotos mit verschiedenen Brennweiten war es mittlerweile fast drei Uhr geworden und die Dämmerung hatte schon merkbar begonnen. Folgende 2 Kometenbilder sind 10x20 sec. bei 125mm bzw. 12x 25 sec. bei 300mm aufgenommen. Alle bei ISO1600.

Weitere Kometenfotos zu machen hatte keinen Sinn mehr, aber Jupiter stand schon strahlend hell am Himmel und ich richtete das Fernrohr auf ihn. Alle 4 Galileischen Jupitermonde waren schön zu sehen, das Seeing allerdings sehr sehr mäßig. Inzwischen war die Dämmerung schon deutlich zu merken, die Milchstrasse dafür fast nicht mehr sichtbar. Als Draufgabe zur Beobachtungsnacht überquerte kurz vor 3 Uhr auch noch die ISS den Himmel in der Nähe des Jupiter. Nach langem für mich wieder eine astronomische Nacht von Dämmerung zu Dämmerung.


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Ein Bericht der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.
www.waa.at