Sternabend mit Komet

Sofienalpe, 27. 06. 2010

20100624api22.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:24. 06. 2010
Zeit:22:30 bis 23:00 Uhr MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:6" Skywatcher Refraktor auf EQ5, DBK 21AU04.AS - USB, AstronoCanon EOS 350D
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Seeing:ausreichend (3)
Temperatur:16°C
Sonstige Bedingungen:Fast wolkenlos, stark aufgehellt durch Mond.
Bericht:

Astronomie in unseren Breiten ist also für Optimisten, und die werden ja dann und wann doch dafür belohnt. So heute.

(c) WAA

Ein traumhaft schöner Sommertag war dieser Sonntag und ein so gut wie wolkenloser Abend ist der Stoff, aus dem unsere Träume sind. Zumindest teilweise. Denn die sehr spät einsetzende Dunkelheit ist schon ein Hindernis, vor allem angesichts des morgigen Werktags. Um 20 Uhr strahlt hier noch die Sonne vom Himmel, und sie zeigt, erstmals seit langem, einen schönen Sonnenfleck.

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Sonne, seit langem mit einem größeren Fleck. 6" Skywatcher bei F=1200mm, Baader Filterfolie ND3.5, Canon EOS 350D, verkleinert.

Im Licht der Abendsonne ist die Fernsicht an diesem klaren Abend sehr gut und ein paar ungewöhnliche Details tun sich hier am Landschaftshorizont auf.

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Aufgabe in diesem Sommer: Finde und identifiziere dieses Gebäude!

Im Licht der Abendsonne wird aufgebaut.

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Es folgt natürlich der Sonnenuntergang; in gewohnter Weise seien unseren vielen Leserinnen und Lesern, die unser Leben hinter dem Fernrohr lieber im Internet verfolgen, ein paar schöne Fotos gewidmet.

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An die Suche nach Komet McNaught ist noch lange nicht zu denken, doch zum Glück steht Venus am Himmel, so haben wir unser erstes Beobachtungsobjekt.

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Blick zur Venus ...

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... und erste Gäste

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Venus im 6" Skywatcher bei F=3000mm, IR Sperrfilter, DBK21 Webcam, Ausschnitt

Auch heute lockt unser Kometenabend, trotz des morgigen Werktags, einige Besucherinnen und Besucher an, die gekommen sind, um Komet McNaught und das eine oder andere Objekt zu sehen. Geduldig warten sie die lange Dämmerung ab, in der auch mehr Teleskope als an den letzten Tagen aufgebaut werden. Wen wundert es, bei dem tollen Wetter.

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Einige Beobachter sind hier

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Tolle Dämmerung mit Venus

Die Kometensuche beginnt.

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Gegen 22 Uhr wird es spannend. Endlich kann in im Sucher Capella ausmachen, etwas später Menkalinan, β Aurigae. Dann vergeht wieder die Zeit. Die Horizontsicht ist sehr gut. Als ich dann π Aurigae nördlich von β ausmachen kann, werden wir alle optimistisch.

Vorsichtig taste ich mich mit einem 28mm Weitwinkelokular weiter, kann schon ein paar sehr schwache Sterne südlich von Menkalinan ausmachen, sie stehen praktisch an der Oberkante der Bäume. Doch der Komet steht noch westlich. Ich finde einen helleren Stern, doch welcher ist es? Ich tippe auf ψ2 Aurigae, suche die Umgebung ab, denn knapp bei diesem Stern steht der Komet heute. Ich glaube, etwas Diffuses zu sehen, aber es ist nicht eindeutig.

Ich warte noch. Es ist wie Pokern. Zu lange gewartet, und der Komet versinkt hinter den nahen Bäumen. Ich erkenne mehr Sterne und den Fehler. Es war nicht ψ2, sondern ψ4 Aur. Hätte nie gedacht, einmal zwischen den neun (!) Psis in diesem Sternbild herumzuirren.

Das Publikum wartet und fiebert mit - eine echte Konkurrenz zur Fussball-WM :-)

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Mir fällt der Teppich von Bayeux ein - "Isti mirant stella[m]" - jene bewundern den Stern (gemeint ist der Komet); hier allerdings noch nicht.

Ich kann jetzt alle wichtigen Sterne auf dem Bildschirm von Cartes du Ciel identifizieren. Es muss klappen, jetzt kann nur mehr die Helligkeit des Kometen ein Hindernis sein. Und sie ist es nicht!!! Ich rufe aus "Ich habe ihn!" - die gleichen Worte wie im Februar 1976 bei der Erscheinung des Kometen West, damals auf der Urania-Sternwarte an einem eiskalten Morgen, Worte, die den Beginn meiner Karriere als Vortragender an dieser Sternwarte markieren sollten. Als junger Assistent, doch schon damals mit einigen Jahren Beobachtungserfahrung, fand ich den Kometen schneller als "die alten Hasen".

Bald hat auch Roland Graf den Kometen mit seinem 18" Obsession Dobson eingefangen und alle können den Kometen sehen. Er ist wirklich recht hell, geschätzt 4,5mag, aber sehr klein und kompakt, so dass er bei schwacher Vergrößerung leicht mit einem Stern verwechselt werden kann, vor allem nur so wenige Grad über dem Horizont, wo seeingbedingt alle Sterne verwaschen sind.

Monika Klapka sagt: "Mach doch ein Foto, damit alle etwas davon haben!". Hmmm, wie stelle ich das an? Einfach nur Kamera statt Okular wird nicht gehen, ich finde an diesem Objekt keinen Fokus. Ein sehr eigenartiger Versuch über Kamerastativ durch das Okular funktioniert auch nicht.

Komet McNaught kratzt einen Baum und verschwindet dahinter. Doch er wird wieder kommen! Ich wechsle auf die Kamera, schwenke zu Menkalinan und fokussiere. Dann schwenke ich an die Stelle, an der der Komet verschwunden ist. Drehe das Fernrohr um die Stundenachse zu jeder Stelle, an der er, kaum zwei Grad über dem Horizont, wieder auftauchen wird. Durch diese hohle Gasse muss er kommen ...

Wiederholt drücke ich ab. Nichts. Nichts. Das dauert! Dann ein Stern - den kenne ich. Und dann, endlich, der deutlich grüne Kopf des Kometen (die Farbe konnten wir schon visuell erkennen). Ich mache ein paar Fotos, es wird kein Superbild, aber ein Bilddokument, Zeugnis ablegend, dass wir im letzten Anlauf unserer Kometenabende doch noch erfolgreich waren. Hier ist: Komet C/2009 R1 (McNaught)!

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Komet McNaught. Canon EOS 350D bei F=1200mm, 7 x 15s bei 1600 ISO, verkleinerter Ausschnitt.

Sogar ein geteilter Schweif ist auf dem Foto zu erkennen!

Während der Aufnahme merke ich, dass es rasch heller wird. Hinter mir, im Süden, geht der Mond auf. Eineinhalb Tage nach Vollmond ist er noch extrem hell, vor allem bei dieser guten Durchsicht.

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Strahlend hell geht der Mond auf

Der Abend endet gelöst. Ein paar schöne Doppelsterne noch, und dann, zum Abschluss, der Mond.

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Mond im 6" Skywatcher, Canon EOS 350D bei F=1200mm, verkleinerter Ausschnitt

Angesichts des morgigen Arbeitstags (und der Tatsache, dass ich um 5 Uhr aufstehen muss), baue ich mehr als zufrieden ab. Komet McNaught, ein Astronomieabenteuer mit Happy End.


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(c) WAA Ein Bericht der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.
www.waa.at