Sieben Planeten, nicht ungetrübt

Sofienalpe, 04. 08. 2010

20100804api19.html

Beobachter: Alexander Pikhard
Datum: 04. 08. 2010
Zeit: 19:30 bis 23:45 Uhr MESZ
Ort: Sofienalpe
Instrument: 8" Bresser-Meade Messier N203/1000 auf NEQ6 Pro, DBK 21AU04.AS - USB, Canon EOS 350D
Bedingungen:
Durchsicht: ausreichend (3)
Grenzgröße: 5.0
Aufhellung: ausreichend (3)
Seeing: schlecht (4)
Wind: kein
Temperatur: 16°C
Sonstige Bedingungen: Zeitweise 7/8 Ci
Bericht:

Ein immer schönerer Nachmittag macht Lust auf einen Beobachtungsabend, zumal die Wettermodelle optimistisch sind und auch der "offizielle" Wetterbericht eine nur gering bewölkte Nacht vorhersagt. Also auf auf die Sofienalpe, denn nach wie vor sind in der Abenddämmerung vier Planeten zu sehen und nur dieser Platz garantiert freie Sicht darauf. Somit besteht die Chance, in relativ kurzer Zeit alle sieben Planeten zu beobachten: Merkur, Venus, Mars und Saturn in der Dämmerung, Jupiter, Uranus (die beiden Planeten stehen nahe bei einander) und Neptun später.

Doch der Sonnenuntergang auf der Sofienalpe ist nicht ungetrübt: Ein mächtiger Cirrenschirm im Westen schickt sich gerade an, die Sonne zu verschlingen.


Kein ungetrübter Sonnenuntergang


Und die Wolken kommen näher

Für die horizontnahen Planeten ist also Eile geboten und ich muss sie wohl noch bei Tag erwischen. Ich stelle die EQ6 wie gewohnt auf: In etwa nach Norden, Grundstellung, initialisieren, Goto auf Venus und dann im Azimut drehen - da ist sie. Recht genau sogar. Da der größte Unsicherheitsfaktor die Zeit ist, stelle ich sie so ein, dass die Abweichung im Sucher einer zeitlichen Abweichung entspricht, Venus und Fadenkreuz also beide auf der Tagesbahn. Das sollte klappen - und tut es auch. Merkur kann ich so am hellen Himmel finden.

Die Elongation des kleinen, sonnennahen Planeten ist enorm, allein die Höhendifferenz bedingt durch die fallende Ekliptik verhindert eine tolle Sichtbarkeit. Durch die Exzentrizität der Merkurbahn sind Abendelongationen um diese Jahreszeit wesentlich größer als im Frühjahr.


Hier erkennen wir ansatzweise die enorme Elongation des Merkur von der Sonne


Erste Blicke zum Merkur

Die Wolken am Westhorizont haben wenigstens einen Vorteil: Sie schirmen die Sonne ab und ich kann leicht dem Laptop arbeiten, um Merkur und Venus mit der Webcam einzufangen. Diese beiden Planeten nehme ich mit IR Passfilter 742nm auf. Brennweite 2500mm, ich werde diese Brennweite bei allen Planeten verwenden, um sie im gleichen Maßstab aufzunehmen. Da Eile geboten ist, nehme ich auch Mars und Saturn am hellen Taghimmel auf. Mars mit dem IR Passfilter, Saturn, der lichtschwächer ist, mit IR Sperrfilter.


Merkur


Venus


Mars


Saturn

Die Cirren am Horizont machen einen tollen Sonnenuntergang.

Unsere Aktivitäten an den zwei heute aufgebauten Fernrohren locken einige Neugierige an, und die Ankündigung auf unserer Homepage war auch eine gute Werbung für Interessierte. Dass diese mehr als sonst gelesen wird, dazu hatte das Sternenfest in Grossmugl einen erheblichen Beitrag geleistet. Einige der Spaziergängerinnen und Spaziergänger heute auf der Sofienalpe kennen mich von den kurzen Vorträgen beim Sternenfest, sie waren also dort!

Leider rücken die Wolken näher.

Der restliche Himmel ist derzeit noch brauchbar und in der Dämmerung stehen Doppelsterne auf dem Programm: Albireo (β Cyg), ε Lyr, Ras Algethi (α Her), Mizar (ζ UMa). Sie sind für unsere Gäste durchaus attraktiv.

Spektakulär ist dann, dass die untergehende Venus dann doch wieder unter dem Wolkenband auftaucht.

Dann zieht es ziemlich zu. So weit zur gering bewölkten Nacht. Eine gute Stunde vergeht mit Warten, denn so leicht möchte ich das Planetenprojekt nicht aufgeben. Tatsächlich, nach 23 Uhr klart es wieder auf, wenn auch nicht ganz transparent, eine dünne Schicht bleibt noch. Ich widme mich Neptun und später, als Jupiter schon im Osten strahlt, auch Uranus. Die beiden Planeten wieder mit F=2500mm und IR Sperrfilter. Belichtungszeit bei Neptun 2s, bei Uranus 0,6s.


Uranus


Neptun

Dann noch Jupiter. Das Seeing ist heute nicht gut und der Planet steht tief. Trotzdem:

Damit sind alle sieben Planeten im Kasten und ich montiere ein Gruppenbild. Es zeigt alle im gleichen Maßstab, so wie sie heute Abend von unserer Erde aus erscheinen.

Unter wieder recht klarem Himmel noch ein paar Blicke zu M11, M13, M57 und M27. Dann Abbau, denn es ist spät. Und die Gelsen? Die hat heute mein ThermaCell gut in Schach gehalten.


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Ein Bericht der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.
www.waa.at