Beobachtungsabend

Sofienalpe, 15. 08. 2010

20100815api19.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:15. 08. 2010
Zeit:19:30 Uhr MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:8" Bresser-Meade Messier N203/1000 auf NEQ6 pro, DBK 21AU04.AS - USB, Canon EOS 350D
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Grenzgröße:5.5
Aufhellung:gut (2)
Seeing:schlecht (4)
Wind:kein
Temperatur:15°C
Feuchtigkeit:hoch
Sonstige Bedingungen:Für die Sofienalpe traumhafte Bedingungen!
Bericht:

Jetzt bin ich also wieder in unseren Breiten, nach dem Astrofotoworkshop auf Teneriffa, den ich mit betreuen durfte (Berichte dazu im Lauf des Herbstes auf der Homepage von Astronomie Wien). Es fällt normalerweise schwer, nach einem Aufenthalt in astronomisch besseren Regionen wieder hier zu beobachten, doch mein auch meteorologisch geschultes Auge ahnt Besonderes, quasi eine würdige Fortsetzung der kanarischen Nächte (die, bedingt durch Saharasand, auch nicht immer makellos waren).


Sonnenuntergang

Die Gewitterwolken am tiefen Westhorizont machen mich nervös, aber bald stellt sich heraus, dass sie tangential nach Norden ziehen, wo in Richtung Wald- und Weinviertel Wetterleuchten zu beobachten ist.


Dämmerungsstimmung

Auf einem tiefblauen Himmel steht schon der Mond. Ich versuche zunächst Merkur, doch ich kann ihn nicht -- sehen! Mein Teleskop ist heute so gut aufgestellt, dass es alle Gestirne gut zentriert: Mond, Venus, Mars, Saturn, alle kann ich in der hellen Dämmerung gut ausmachen. Allein Merkur, ich kann ihn nicht erkennen. Die dünne Sichel dürfte zu lichtschwach sein. Das ist halt das Problem in unseren Breiten - vorgestern konnte ich den Planeten noch mit freiem Auge sehen, auf 28° Nord.


Fortgeschrittene Dämmerung mit Mond und Venus

Das Seeing ist nicht gut, dennoch mache ich mich an Mond und Venus.


Mond, Canon EOS 350D bei F=1000mm, verkleinerter Ausschnitt


Aschgraues Mondlicht


Venus, auch nur bei F=1000mm, allerdings DBK21 mit IR Passfilter

Zeit, "die Konstellation" zu beobachten: Venus, Saturn und Mars. Über den Wolken geht sich das gerade noch aus.


Panorama mit drei Planeten. Nicht gefunden? Dann siehe nächstes Bild!


Venus, links darüber Mars, weiter rechts Saturn

Der Mond geht bald unter und dann geht es los ...


Monduntergang

Die Durchsicht ist traumhaft. Am Kleinen Wagen kann ich eine scheinbare visuelle Grenzgröße von 5,5mag feststellen und bald läuft die Milchstraße von Perseus im Nordosten bis zum Skorpion im Südwesten; in ihren hellsten Teilen sind Strukturen wie die Schildwolke gut zu erkennen! Unglaublich? Dann bitte ein Foto:


Milchstraße auf der Sofienalpe

Es muss eine visuelle Tour durch die Klassiker werden; doch dann auch noch Fotos. Mal sehen, ob ich den Part des Workshops "Fotografieren durchs Fernrohr" auch beherrsche (auch wenn ich keinen Autoguider einsetze). Was ist neu? Die Software! Anstelle des unbefriedigenden AstroArt kommt Deep Sky Stacker zum Einsatz. Und ja, ich fotografiere RAW.


M13, 8 x 60s bei 1600 ISO, F=1000mm, verkleinerter Ausschnitt


M11 mit Dunkelwolken in der Nähe, 10 x 60s, wie oben.

Toll, geht ja. Diese phantastische Nacht, die beste, die ich je auf der Sofienalpe erlebt habe, ist also wirklich eine würdige Fortsetzung der letzten Woche. Zum Abschluss noch Jupiter, allerdings ist es das Seeing, das heute nicht mitspielt.


Jupiter bei F=2500mm, DBK21, IR Sperrfilter. Na ja.

Es ist sehr feucht, nach dem starken Regen der letzten Tage kein Wunder. Doch die Ausrüstung hält. Unwillig baue ich gegen Mitternacht ab. Es war eine Traumnacht, schön, sie genützt zu haben. Als einer von zwei Beobachtern hier.


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Ein Bericht der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.
www.waa.at