Komet Hartley 2 im Sturm

Ebenwaldhöhe, 03. 10. 2010

20101003api19.html

Beobachter: Alexander Pikhard
Datum: 03. 10. 2010
Zeit: 19:30 bis 22:20 Uhr MESZ
Ort: Ebenwaldhöhe
Instrument: 8" Bresser-Meade Messier N203/1000 auf NEQ6 Pro, Canon EOS 350D
Bedingungen:
Durchsicht: sehr gut (1)
Grenzgröße: 6.5
Aufhellung: gut (2)
Seeing: sehr schlecht (5)
Wind: sehr stark aus E
Temperatur: 9°C
Feuchtigkeit: feucht
Sonstige Bedingungen: Im W Cirren. Wind drehend zwischen NE und SE, zwischendurch schwächer.
Bericht:

Heute Nachmittag steht auf der Sofienalpe der dritte Workshop aus der Reihe "Mehr Astronomie in der Stadt" auf dem Programm. Viel zu früh im Jahr hat sich die Hochnebeldecke über das Flachland gelegt und die Sofienalpe präsentiert sich grau in grau.


Sofienalpe, grau in grau.

Wolfgang Vollmann gestaltet den Workshop zum Thema "Veränderliche Sterne" sehr lebendig und mit simulierter Praxis.


Es geht los


Und schon haben wir eine Lichtkurve!

An echte Praxis ist leider nicht zu denken. Zumindest nicht hier. Doch Satellitenbild und Wettermodelle liessen mich doch die Ausrüstung einpacken. H&ouuml;her hinauf lautet die Devise. Die Webcams haben deutlich gemacht, dass die Hohe Wand heute ausfällt. Der starke Ostwind drückt die Nebeldecke gegen die Wand und lässt sie am Ostrand der Alpen auf 1300m ansteigen, das wird nichts. Also fällt die Wahl auf die gute, alte Ebenwaldhöhe. 1000m hoch gelegen und mit einem guten Abstand zum Ostrand sollte es dort klappen.

Der Wind ist leider sehr stark, andererseits kann er die Nebeldecke auch zerreissen, wie sich schon in der Gegend von Steinhäusl deutlich zeigt. Nach der Klammhöhe ist alles klar, nur ein paar Cirren stehen tief am Westhorizont, die Nebeldecke ist nicht bis hierher vorgedrungen.


Nach der Klammhöhe

Wie lange bin ich diese Strecke schon nicht gefahren? Dabei kommt es mir gar nicht so weit vor und der Zeit her ist die Ebenwaldhöhe auch nicht weiter entfernt als die Hohe Wand. Es sind halt mehr Kurven. Auf dem Plateu angekommen, empfängt mich das lang vermisste Panorama im Westen ...


Westhorizont auf der Ebenwaldhöhe

... und der Wind. Was heisst Wind, das ist ein Sturm! Und kalt, brrr. Es hat zwar 9°C, aber bei dem Wind fühlt sich das kälter an. Ich überlege kurz. Dann baue ich doch auf. Irgendwas wird sich aus diesem klaren Himmel doch machen lassen und meine EQ6 hat sich schon auf der Hohen Wand gegen Sturm behauptet. Im Osten strahlt Jupiter vom Dämmerungshimmel.


Jupiter im Osten

Der Himmel wird in der Tat beeindruckend klar, obwohl, da ist etwas. Ein Blick durchs Fernrohr: Ich bekomme keinen Fokus zustande. Kreislaufprobleme? Instrument dejustiert? Aber nein, nur ein absolut lausiges Seeing von mindestens 10". Dabei nicht so eines, bei dem die Sterne flimmern, sondern jenes hochfrequente "Geflirre", bei dem die Sterne alle wie mit einem Weichzeichner aufgenommen aussehen. Das kostet freisichtig mindestens eine halbe Magnitude, weil es die schwachen Sterne einfach verwischt. So komme ich "nur" auf 6,5mag ...


Ursa Maior im Westen

Es wird rasch dunkel um diese Jahreszeit und mein Blick bleibt fasziniert an der Milchstraße hängen, die von Nordenosten nach Südwesten durch den Zenit läuft. So viele Details, so klar, so deutlich, herrlich! Ich montiere die Kamera huckepack und mache Aufnahmen mit 18mm Brennweite, das geht sicher, auch bei dem Sturm.


Milchstraße. Mosaik aus zwei Aufnahmen, je 4 x 30s bei 1600 ISO.

Ich bin wegen des Kometen 103P/Hartley 2 hierher gekommen. Ich stelle ihn ein und - toll! Visuell ist er jetzt, da wir endlich mondlosen Himmel haben, eine Wucht. Recht hell, aber sehr groß und sehr diffus. Ich taste mich fotografisch heran. Der Komet steht in der Kassiopeia, in reicher Milchstraßengegend, in der es von offenen Sternhaufen nur so wimmelt. Heute steht er ganz nahe bei NGC 457, dem bekannten "E.T." - oder auch Eulenhaufen. Das nehme ich mit 300mm Brennweite auf. Geht auch noch.


Der giftgrüne Komet (rechts oben) nahe NGC 457 (links unten)

Geht ja. So, jetzt kommt die 350D ans Teleskop und es gibt eine Serie mit F=1000mm. Mal sehen. Die Sterne werden nicht scharf, daran ist das Seeing schuld. Doch die Montierung trotzt dem Sturm erneut. Nur eine Aufnahme wird verwackelt, und da bin ich ans Stativ gestossen, und eine zweite Aufnahme wird Opfer eines Satelliten (Strichspur). Somit kann ich den extrem giftgrünen Kometen mit 18 x 30 Sekunden bei 1600 ISO aufnehmen.


Der giftgrüne Komet mit F=1000mm (verkleinerter Ausschnitt)

Auch das geht. Mein Ziel habe ich erreicht, auch wenn die Qualität nicht die ist, die ich mir erhofft hatte. Aber bei dem Seeing und bei dem Wind ... Jetzt mache ich noch eine Serie von M31 mit dem Teleobjektiv, dann reicht es.


M31 mit 300mm Tele, 8 x 30s bei 1600 ISO, verkleinerter Ausschnitt

Allmählich reicht der Wind. Die Ausrüstung hat gehalten, aber ich hoffe doch auf angenehmere Abende.


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Ein Bericht der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.
www.waa.at