Marsopposition

Sofienalpe, 03. 03. 2012

20120303api17.html

Beobachter / Observer: Alexander Pikhard
Datum / Date: 03. 03. 2012
Uhrzeit / Time: 17:45 bis/until 23:45 MEZ
Beobachtungsort / Location: Sofienalpe
Instrument: 8" Bresser-Meade Messier N203/1000 auf NEQ6 pro, DBK 21AU04.AS - USB, Canon EOS 350D
Bedingungen / Observing conditions:
Durchsicht / Transparency: gut (2)
Aufhellung / Light pollution: ausreichend (3)
Seeing: gut (2)
Wind: kein
Temperatur / Temperature: 2°C
Sonstige Bedingungen / Remarks: Anfangs hohe Wolken, später fast wolkenlos.
Abstract:

The night of the opposition of Mars. All bright planets are visible in the evening sky, although Mercury is hiding behind a cloud layer at the beginning. Under good seeing conditions, Mars shows many surface and atmospheric details. And despite of bright moonlight, deep sky objects are a nice sight as well. To summarize up, its an almost perfect night!

Bericht / Report:

Es ist der Abend der Marsopposition. Mit dem Wetter wird es ein kleiner Krimi. Von Nordwesten nähert sich sehr schleifend ein Frontensystem mit hohen Wolken. Doch ein Hoch im Osten hält es so gut wie stationär. Also auf auf die Sofienalpe. Ich denke, dass es mit dem Sonnenuntergang aufgrund dieser Wolken nichts wird, doch dann strahlt die Sonne unterhalb der Wolkenbank hervor! Ich beschleunige meine Fahrt zum Beobachtungsplatz und erreiche ihn mit einer dem Vernehmen nach recht filmreifen Landung gerade noch rechtzeitig ...


Sonnenuntergang auf der Sofienalpe, im Westen das Band hoher Wolken


Und was für ein Sonnenuntergang


Ich liebe diese Naturgemälde!

Die Fernsicht ist enorm gut. Weit, weit entfernt leuchtet der Schneeberg zartrosa im letzten Licht der untergehenden Sonne.


Der Schneeberg in der Abendsonne

Bald tauchen die beiden hellen Planeten Venus und Jupiter in der Dämmerung auf. Die dünnen Cirren im Westen wirken wie ein Weichzeichner und verstärken die Planeten sogar noch, vor allem auf den Fotos. Aber Merkur macht uns Sorgen. Werden wir ihn sehen? Wenn, dann erst, wenn er aufgrund der täglichen Bewegung des Himmels unter der so gut wie stationären Wolkenbank auftaucht.


Venus und Jupiter über dem Wolkenband, darunter strahlend klarer Himmel. Durch diese Lücke muss Merkur kommen!

Ein paar Beobachter haben ihre Instrumente aufgebaut; wie sich rasch heraus stellt, sind die Bedingungen nicht so schlecht, wie die Cirren vielleicht vermuten lassen.


Beobachter - auf Merkur lauernd - unter Venus und Jupiter. Heute braucht's keinen Weichzeichner!


Mars, heute in Opposition, steigt im Osten über uns höher. Nein, nicht der rote Punkt ganz links unten!
Das ist das Positionslicht vom Funkturm. Mars, das ist der helle Punkt in der BIldmitte.

Und dann taucht Merkur wirklich auf!


Auf diesem Bild sind drei Planeten zu erkennen: Jupiter, Venus und - Merkur. Wer findet ihn?

Merkur steht ganz knapp über dem Horizont. Auf der Aufnahme oben ist es der kleine Lichtpunkt knapp rechts oberhalb der Baumgruppe in der Mitte am Horizont. Was aber ist der helle Lichtpunkt weiter rechts am Horizont? Ein Blick durchs Fernrohr zeigt: Es ist eine mit Flutlicht beleuchtete Schipiste am Jauerling - 70 km entfernt! Wir könnten im Fernrohr einzelne Schifahrer erkennen, allerdings, es fährt dort niemand. Aber zurück zu Merkur. Ein Blick durchs Fernrohr hat hier keinen Sinn, in dieser geringen Höhe erzeugt das Seeing schon Mehrfachbilder. Aber das Teleobjektiv kann Merkur ganz deutlich zeigen.


Merkur über den Lichtern des Tullnerfelds

Schon etwas früher kam die Webcam zum Einsatz bei Venus und Jupiter. Das Seeing ist heute gar nicht so schlecht.


Venus. DBK21 Webcam bei F=3000mm f/15, IR Passfilter 742nm.


Jupiter. DBK21 Webcam bei F=3000mm f/15, IR Sperrfilter. Links außen Callisto, rechts Io, deutlich der GRF.

Jetzt zum Mond. Die Phase ist interessant und das Seeing gut.


Mond. Canon EOS 350D bei F=1000mm.

Auch hier finde ich mit der Webcam ein paar lohnende Ziele:


Sinus Iridum und Jura-Gebirge. DBK21 bei F=3000mm, IR Passfilter 742nm.


Zwischen Mare Nubium (rechts) und Mare Humorum (links) um den Krater Agatharchides. Wie oben.


Palus Epidemiarum mit den Ramsden- und Hesiodus-Rillen, oben die Hippalus-Rillen


Longomontanus (links oben) und Clavius

Toll, aber ich sollte Strom sparen für Mars. Ein paar Landschaftsfotos zwischendurch.


Untergehender Winterhimmel mit Mond


Mars steht schon höher.

Ich nehme Mars auf; das Seeing ist gar nicht so schlecht, ein paar Details kommen gut heraus.


Mars. DBK21 bei F=3000mm, IR Passfilter 742nm.

Aber so irgendwie will sich keine Zufriedenheit einstellen. Na gut, ein Foto vom Mars habe ich, die Cirren werden dichter, ich denke an Abbau, plaudere mit den anderen Beobachtern. Einige bauen auch schon ab. Da bemerke ich, dass der Himmel eigentlich wieder klarer wird, und wie klar! Bald sind nur mehr am Westhorizont ein paar Cirren. Ich finde, es ist zu schade zum Abbauen und mache mich an ein paar Deep Sky Objekte, vor allem auch an Komet Garradd.


Komet C/2009 P1 (Garradd). Canon EOS 350D, F=1000mm f/5, 18 x 30s bei 1600 ISO, Deep Sky Stacker. Ausschnitt.


NGC 1502 in der Giraffe. Canon EOS 350D, F=1000mm f/5, 14 x 30s bei 1600 ISO, Deep Sky Stacker. Ausschnitt.


M48 in der Wasserschlange. Canon EOS 350D, F=1000mm f/5, 14 x 30s bei 1600 ISO, Deep Sky Stacker.


h und χ im Perseus. Canon EOS 350D, F=1000mm f/5, 14 x 30s bei 1600 ISO, Deep Sky Stacker. Ausschnitt.

Ich habe mir im Laptop noch etwas Strom "aufgehoben". Ein visueller Blick zum Mars zeigt, dass da jetzt viel mehr geht als vorhin. Also noch einmal ...


Mars. DBK21 bei F=7500mm, IR Passfilter 742nm.

Na also. Das Bild ist einer Marsopposition würdig. Fast alle Details, die Mars Previewer zeigt, sind zu erkennen.


Vergleichsgrafik mit Mars Previewer. Kein Foto!

Das war also die Oberfläche. Mit einem Blaufilter rücke ich jetzt der Atmosphäre auf den Leib.


Mars. DBK21 bei F=7500mm, IR Sperrfilter + Blaufilter 80A.

In der Tat kommen hier die Wolkengebiete, die schon visuell zu erahnen waren, gut heraus. Aus der IR- und der Blau-Aufnahme komponiere ich ein Gesamtbild.


Komposit aus der IR- und der Blauaufnahme.

Dieses Kompositbild gibt in etwa den Anblick des Mars wieder, den ich visuell hatte mit einem 7mm Pentax-Okular plus 2,5x-Barlowlinse, also einer 357-fachen Vergrößerung unter Verwendung eines BG20-Planetenfilters.

Es wird wirklich noch klarer. Doch mein Laptop hat jetzt keinen Strom mehr. Ich beobachte visuell weiter und muss sagen: So gut habe ich Mars und Mond noch nie visuell beobachtet. Ich war nicht immer zufrieden mit dem vergleichsweise billigen 8" Newton, doch heute ist er gut justiert und gut temperiert, und es ist eine Wucht!


Saturn und Spica tauchen auf.

Saturn und Spica tauchen auf. Damit sind es wirklich fünf helle Planeten, die heute zu sehen sind. Saturn steht zu tief für eine Detailbeobachtung, die habe ich gestern schon gemacht.


Sirius und Orion neigen sich dem Untergang zu

Nur mehr wenige Cirren stehen am Horizont, als sich Sirius und Orion schon dem Untergang zu neigen. Und dann gelingt mir noch eine sehr kuriose Beobachtung:


Ein heller Komet über Wien?

Ein heller Komet über Wien? Nein, leider nicht. Geht nicht, von der Schweifrichtung her, denn dort steht die Sonne nicht. Der helle Lichtpunkt, vermeintlicher Kopf des Kometen, ist der helle Stern Arkturus. Ein Flugzeug, dessen Kondensstreifen vom Mond beleuchtet wird, zieht genau über den Stern, bedeckt ihn (ein enormer Zufall), und quasi im Moment der Bedeckung (Arkturus verschwand für Sekundenbruchteile) entstand das Foto.

Ein interessanter Abschluss einer bemerkenswerten Beobachtung.


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Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.
www.waa.at