Astrospektroskopiekurs in Wuppertal - zweite Auflage

Carl-Fuhlrott-Gymnasium Wuppertal

Lat. 51°13´53,4´´ N Long. 7°08´34,2´´ E

06. – 11.10.2014

Beobachter / Observer: Julia Miksa, Dr. Thomas SCHRÖFL
E-Mail / email: thomas.schroefl@waa.at
Datum / Date: 06.-11.10.2014
Beobachtungsort / Location: Carl Fuhlrott Gymnasium Wuppertal
Instrument: Celestron 11" Edge HD auf Astro Physics AP900, Pentax 75 SDHF, Canon 450D, DMK 41AF02.AS, SBIG STF 8300 M, DADOS-Spektrograph

Schon im vergangenen Jahr habe ich im Oktober am Carl Fuhlrott Gymnasium in Wuppertal einen einwöchigen Spektroskopiekurs besucht und hierüber ausführlich berichtet. Ich werde mich daher in diesem Bericht nur auf Neuigkeiten und Besonderheiten des heurigen Kurses beschränken, aber dafür Julia den Platz überlassen, ihre Eindrücke zu schildern.

Die drei den Kurs gestaltenden Dozenten Michael Winkhaus, Bernd Koch und Ernst Pollmann haben mich damals mit dem Auftrag aus dem Kurs entlassen, fortan als „Botschafter der Spektroskopie“ in den auf diesem Gebiet eindeutig unterentwickelten österreichischen Landen zu agieren. So gelang es mir im Laufe des Jahres, bei dem einen oder anderen in meinem astronomischen Freundeskreis wenigstens einmal das Interesse an der Materie zu erwecken, in der Hoffnung, dass dem Interesse dann auch einmal Taten folgen werden. Unser junges Mitglied Julia Miksa hat gleich nach meinem Bericht über den Kurs 2013 vehementes Interesse an der Teilnahme an einem Kurs 2014 bekundet. Im Frühjahr 2014 war ich dann von meinem Astrofreund Dr. Franz Gruber eingeladen worden, bei der BAA einen Vortrag über Sternspektroskopie zu halten, mit dem Ergebnis, dass ich bei Manfred Schwarz, einem sicher vielen bekannten Astrofotografen, ebenfalls das Interesse wecken konnte. Schließlich habe ich mich selbst auch dazu entschlossen den Kurs nochmals zu absolvieren, denn der Kursinhalt ist so dicht und umfangreich, dass man unweigerlich im Laufe eines Jahres so einiges vergisst. Wiederholung hat ja bekanntlich beim Lernen noch nie geschadet. Darüber hinaus sind in meinem ersten Jahr der Beschäftigung mit der Spektroskopie so einige Fragen und Probleme aufgetreten, die ich mit meinen drei Lehrmeistern gerne erörtern wollte. An dieser Stelle sei ihnen auch für ihre jederzeitige Bereitschaft gedankt, mir im Bedarfsfall via Email ihre Unterstützung angedeihen zu lassen, ein Angebot, von dem ich so einige Male Gebrauch gemacht habe.

Am Montag um 10 Uhr trafen die 12 Teilnehmer des heurigen Kurses am CFG ein, wo wir von Michael Winkhaus und Ernst Pollmann in Empfang genommen wurden. Bevor Michael mit der theoretischen Physik begann, fand natürlich die obligatorische Vorstellung statt, mit der Vereinbarung, das in der Amateurastronomieszene übliche Du-Wort zu gebrauchen. Die Teilnehmer des heurigen Kurses setzten sich doch ganz anders zusammen als 2013, wo die überwiegende Zahl aus Schülern des Gymnasiums und Studenten bestand und die Amateurastronomen deutlich in der Minderheit waren. Heuer war es umgekehrt. Neben vier Lehramtsstudenten, die den Kurs im Rahmen ihrer Universitätsausbildung besuchten – Michael Winkhaus ist neben seiner Lehrertätigkeit zusätzlich Lehrbeauftragter für Astronomie im Rahmen der Physiklehrerausbildung an der Bergischen Universität Wuppertal, mit der das CFG eine enge Kooperation unterhält – kamen alle anderen Teilnehmer aus dem Bereich der Amateurastronomie, und da wiederum waren es von Julia abgesehen schon gereiftere Jahrgänge. Ja – und einen Rekord haben wir auch aufgestellt, denn gegenüber 2013 haben wir den Anteil von Österreichern am Kurs um 300% steigern können. Einmal ginge sich eine solche Steigerung noch aus, dann gäbe es zu wenige Beobachtungsplätze. Das darf durchaus als Aufforderung zum Mitmachen verstanden werden.

Gegenüber 2013 gab es eine kleine aber gewichtige Änderung im Vortragsprogramm, nämlich dergestalt, dass Ernst Pollmann statt über einen nun über zwei Tage für seinen Themenbereich verfügt. Damit steht einerseits mehr Zeit zur Verfügung sich mit der Auswertungssoftware VSpec vertraut zu machen, und andererseits hat Ernst mehr Zeit, um zum Abschluss des Kurses an einzelnen Beobachtungsobjekten zu zeigen, welche astrophysikalischen Rückschlüsse sich aus den Spektren ziehen lassen. Genau das ist es, was die Astrospektroskopie so interessant macht. Dank der heute käuflichen Ausrüstung kann auch der Amateur Spektren mit solcher Qualität gewinnen, dass sie die Fachastronomen zur Grundlage ihrer Forschungen machen können. Ernsts ganz besonderes Interesse liegt im Langzeitmonitoring der Ha-Linie von Be-Sternen. Hier kooperiert er bereits seit Längerem mit unserem Mitglied Wolfgang Vollmann, der möglichst zeitgleich photometrische Helligkeitsmessungen an den untersuchten Sternen vornimmt. Ihre Ergebnisse wurden schon in verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten verwertet. Ihre letzte gemeinsame Arbeit zu P Cygni ist hier zu finden. Wo sonst gibt es heute noch einen Bereich in den Naturwissenschaften, wo man als engagierter Amateur noch sinnvolle und wertvolle Beiträge leisten kann? Daran kann man aber auch etwas ganz Wesentliches deutlich erkennen. Wer nur den Umgang mit dem Spektrographen und die Bearbeitungsschritte bei der Auswertung beherrscht, hat zwar am Ende eine schöne Spektralkurve erzeugt, aber es fehlt ihm das Verständnis diese auch zu interpretieren. Das ist ungefähr so wie zwar Ziffern, nicht aber eine Bilanz, lesen zu können. Mit einem gar nicht so schwer anzueignenden Grundwissen in der theoretischen Physik und der stellaren Astrophysik kommt man schon recht weit, wenn auch die allerletzten Feinheiten dem Profi mit seinen sündteuren Geräten vorbehalten bleiben.

Einen einzigen Wermutstropfen hatte diese Woche leider, nämlich das Wetter. Beständige Bewölkung und Hochnebel ermöglichten es uns nur an zwei Abenden, für kurze Zeit durch Wolkenlöcher hindurch Sternspektren zu gewinnen; einmal wegen des heftigen Windes aus der Sternwarte heraus und ein zweites Mal von einer Außensäule mit einem Celestron Edge HD auf einer AP 900.

Wir drei haben ebenso wie alle anderen Teilnehmer diese Kurswoche im höchsten Maße genossen und ich als Wiederholungstäter kann nur bestätigen, dass gelang, was ich nahezu schon für unmöglich hielt. Der Kurs 2014 war noch ein bisschen besser als 2013. Erfolg und Qualität des Kurses sind auch daran zu messen, dass er von allen Amateuren mit dem festen Vorsatz sich einen Spektrographen zuzulegen und in das interessante Gebiet der Spektroskopie einzusteigen verlassen wurde. Also stehen die Zeichen nicht schlecht, dass es langsam gelingen könnte auch in Österreich eine, wenn auch kleine, Gruppe von Amateurspektroskopikern aufzubauen.


Lampenspektrum durch eine Gitterbrille


Spektrum eines Edelgases in einem Glaskolben mit angelegter Hochspannung


Bernd Koch erklärt den Gebrauch des DADOS-Spektrographen


Manfred Schwarz mit DADOS


Julia Miksa und ihr Teamkollege Roland Forster


Die Studenten an der Arbeit


Der erste„Beobachtungsabend“


Mond über Wuppertal


Ernst Pollmann unterrichtet den Gebrauch von VSpec


Der zweite „Beobachtungsabend“


Be-Sterne und ihre Astrophysik

Bericht Julia Miksa:

Der Vorjahresbericht von Thomas weckte mein Interesse am Spektroskopiekurs, da ich zwar mit dem Star Analyser 100 durchaus brauchbare Spektren aufnehmen konnte, jedoch Schwierigkeiten hatte, diese mit VSpec auszuwerten. Also flog ich mit Laptop, Videokamera (Kurzfilm folgt!) und dem Gedanken „hoffentlich wird es nicht zu theoretisch-wissenschaftlich“ nach Wuppertal.

Am ersten Kurstag war jedoch bereits nach 30 Minuten klar: Meine Bedenken waren unnötig. Unsere drei Vortragenden haben selbst bei der Fülle an Informationen über dieses umfangreiche Gebiet auch den Spaß an der Sache nicht zu kurz kommen lassen. Wer vor diesem Kurs nicht schon Spektroskopie-Fan war, der war es nachher auf jeden Fall. Für jeden in unserer, sowohl vom Alter als auch Vorwissen, bunt gemischten Gruppe war etwas dabei. Anfänger konnten sich erste Einblicke holen, und Fortgeschrittene fanden immer ein offenes Ohr für ihre weiterführenden Fragen. Das Highlight war natürlich der Praxisteil, egal ob Indoor bei Versuchen oder Outdoor mit der beneidenswerten Ausrüstung am Dach der Schule, die wir uneingeschränkt benutzen durften.

Nicht unerwähnt soll aber auch die großartige Organisation des Kurses bleiben. Für die zahlreichen Pausen, in denen sich die Gruppe immer wieder zu Fachgesprächen zusammenfand, standen Tee, Kaffee, Mineralwasser und Kekse bereit. Das Mittagessen konnte man sich durch Eintragen in die Bestelliste von einer Pizzeria direkt in die Schulmensa liefern lassen.

Am Ende dieser viel zu schnell vergangenen Woche stand für mich fest, dass ich nächstes Jahr mit Sicherheit wieder kommen werde.

Wer jetzt – hoffentlich – Interesse hat und sich fragt wieviel dieser großartige Kurs kostet: Nur 50 €inklusive umfassender Kursunterlagen.