Das Jahr 2016

Ein astronomischer Überblick

Alexander Pikhard

2016 wird aus astronomischer Sicht nicht ganz so spektakulär wie 2015, aber dennoch ein sehr interessantes Jahr. Höhepunkt ist sicher der Merkurtransit am 9. Mai, der von Österreich aus fast im ganzen Verlauf zu sehen sein wird, allerdings nur mit Fernrohren. Sonnen- und Mondfinsternisse gibt es bei uns keine, dafür gibt es eine schon recht gute Marsopposition und etliche schöne Planetenbegegnungen.

Planeten

2016 steht wieder eine Marsopposition auf dem Programm. Mars kommt der Erde schon recht nahe, allerdings findet das Ereignis in sehr südlichen Breiten statt, was vor allem die Beobachtung mit dem Fernrohr beeinträchtigt. Venus ist in diesem Jahr eher ungünstig und wird erst gegen Jahresende am Abend auffällig.

Merkur

Merkur zeigt 2016 in Mitteleuropa vier Abend- und drei Morgensichtbarkeiten, das ist ungewöhnlich viel. Allerdings ist nur je eine Abend- und eine Morgensichtbarkeit gut ausgeprägt, alle anderen sind grenzwertig. Die besten Zeiten, den sonnennahen Planeten zu sehen, sind Mitte April am Abend- und Ende September/Anfang Oktober am Morgenhimmel.

Begegnungen des Merkur mit anderen Planeten oder dem Mond sind in unseren Breiten eher selten, weil schwierig zu beobachten.

Venus

Von den hellen Planeten ist es Venus, die 2016 eher ungünstig zu beobachten ist. Ihre Morgensichtbarkeit am Beginn des Jahres ist nicht mehr sehr ausgeprägt, und die obere Konjunktion am 6. Juni bedingt eine ziemlich lange Abwesenheit unseres Nachbarplaneten am Himmel. Erst im August und September taucht sie sehr zaghaft in der Abenddämmerung auf, diese Sichtbarkeit entwickelt sich erst gegen Jahresende gut.

Interessante Begegnungen:

Mars

Mars steht am 22. Mai 2016 in Opposition zur Sonne. Mit einer Entfernung von 75 Mio. km  von der Erde ist das an sich eine sehr günstige, doch leider auch sehr südliche. Mars zieht seine Schleife in der Nähe von Saturn und Antares. Die beste Zeit zur Marsbeobachtung ist von Mitte März bis Ende August.

In der beginnenden Sichtbarkeitsperiode des Mars kam es 2015 zu Begegnungen mit Venus und Jupiter am Morgenhimmel. 2016 zieht Mars seine Bahn in der Nähe des Saturn über den Himmel. Zu einer Begegnung mit dem Ringplaneten kommt es aber nur einmal.

Jupiter

Jupiter steht am 8. März in Opposition zur Sonne. Die beste Sichtbarkeit ist somit von Jänner bis Mai 2016. Seine Sichtbarkeitsperiode 2015/2016 endet im September 2016. In dieser bewegt sich der Riesenplanet im südlichen Bereich des Sternbilds Löwe und wechselt im August 2016 in die Jungfrau, wo er bald am Abendhimmel verschwindet.

Ende Oktober 2016 taucht Jupiter dann wieder am Morgenhimmel auf. Seine Sichtbarkeitsperiode 2016/2017 führt ihn in die Jungfrau nördlich von Spica.

Jupiter zieht 2016 eher einsam seine Bahn vor den Sternen, Begegnungen mit anderen Planeten sind eher selten.

Saturn

Saturn ist nach wie vor ein Objekt am Frühsommerhimmel. Am 3. Juni steht er in Opposition zur Sonne. Die beste Sichtbarkeit ist von Anfang April bis Ende August.

Saturn spielt 2016 bei einigen schönen Planetenbegegnungen mit:

Uranus und Neptun

Finsternisse und Bedeckungen

Transit

Das wichtigste Himmelsereignis 2016 ist der Merkurtransit vor der Sonne am 9. Mai, der von Mitteleuropa aus fast im gesamten Verlauf beobachtet werden kann.

Sonnenfinsternisse

2016 finden zwei Sonnenfinsternisse statt, von denen keine von Mitteleuropa aus zu beobachten ist.

Mondfinsternisse

2016 finden zwei Halbschatten-Mondfinsternisse statt, von denen eine (die am 16. September) von Europa aus zu sehen, aber nicht sehr spektakulär ist.

Bedeckungen

Im Jahr 2015 begann eine Serie von Bedeckungen des hellen Sterns Aldebaran durch den Mond, die bis 2018 andauert und vor der zahlreiche Erscheinungen von Wien aus zu sehen sind. Allerdings ist 2016 keine einzige derartige Erscheinung von Wien aus bei Nacht zu beobachten.

Am 6. April findet eine grenzwertige Bedeckung des Planeten Venus durch den Mond in nur 16° Elongation von der Sonne am Tag statt.

Weitere interessante Erscheinungen

Kometen

Für das Jahr 2016 köpnnten einige Kommeten interessante Objekte für Amatuerastronomen werden -- Vorhersagen der Helligkeitsentwicklung sind aber immer mit Vorsicht zu genißen. Vielversprechend sind:

Interessant könnte auch werden (externe Links auf die Kometenseite von Seiichi Yoshida):

Eine sehr gute Übersicht über die aus heutiger Sicht zu erwartenden Kometen gibt es hier von Seiichi Yoshida:

Asteroiden

Am 5. März 2016 könnte der Asteroid 2013 TX68 der Erde auf bis zu 24.000 Kilometer nahe kommen, das wäre die 0,06-fache Mondentfernung und näher als geostationäre Erdsatelliten. Die Daten sind aber noch unsicher. Als wahrscheinlicher gilt die 1,3-fache Mondentfernung. Am 8. Mai 2016 könnte der Asteroid 2014 JG55 auch näher kommen als der Mond, auch das ist noch unsicher. Als sicher gilt, dass es aus heutiger Sicht 2016 und auch in der weiteren Zukunft keinen Asteroiden gibt, der nach der Turiner Skala eine potenzielle Gefahr für die Erde darstellen würde.

Meteore

Von den wichtigeren Meteorströmen fallen nur die Quadrantiden von der Mondphase her einigermaßen gut.

  • Quadrantiden: 28. Dezember bis 12. Jänner, Maximum 4. Jänner, ZHR 120, abnehmender Mond
  • Eta-Aquariden: 19. April bis 28. Mai, Maximum 5. Mai, ZHR 40, um Neumond
  • Perseiden: 17. Juli bis 24. August, Maximum 12. August, ZHR 150 (!), nahe Vollmond, Maximum bei uns bei Tag
  • Draconiden: Für 2016 keine Erscheinung zu erwarten
  • Leoniden: Für 2016 keine Erscheinung zu erwarten
  • Geminiden: 6. bis 16. Dezember, Maximum 13./14. Dezember, ZHR 120, nahe Vollmond

 


Ein Beobachtungstipp der WAA
Wir möchten Sie ermuntern, dieses Himmelsereignis zu beobachten. Wenn Sie Anleitungen oder Hilfestellungen dazu benötigen, dann sind Sie bei unseren gemeinsamen Beobachtungen herzlich willkommen. Informationen (Ort, Termin, Treffpunkt und mehr) dazu finden Sie auf unserer Webseite und auf Facebook.

Teilen

Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie, Fraungrubergasse 3/1/7, A-1120 Wien. Telefon 0664/256-1221. e-Mail admin@waa.at. Bankverbindung PSK 92.089.091. Webdesign und für den Inhalt verantwortlich: Dipl.-Ing. Alexander Pikhard.