Das Jahr 2017

Ein astronomischer Überblick

Alexander Pikhard

Kurzfassung

Oberflächlich betrachtet fehlt es 2017 an spektakulären astronomischen Ergeignissen. Die Sichtbarkeit der hellen Planeten ist durchaus nur durchschnittlich. Zwei eher unauffällige Mondfinsternisse sind auf den ersten Blick die einzigen herausragenden Himmelsereignisse.

Für Hobbyastronomen bietet 2017 aber geradezu ein Feuerwerk an beobachtenswerten Erscheinungen und Ereignissen. Nicht weniger als sieben (!) bemerkenswerte Bedeckungen durch den Mond, davon fünfmal der helle Stern Aldebaran und einmal Regulus, sind gleichmäßig über das Jahr verteilt und bieten alle Schwierigkeitsgrade der Beobachtung. Dazu haben aus heutiger Sicht noch fünf Kometen Potenzial, eine interessante Erscheinung für kleine Fernrohre bzw. Astrofotografie zu werden. Kaum ein Monat also im Jahr 2017, in dem Langeweile angesichts fehlender Himmelsereignisse angesagt ist.

Sonne und Mond

Erdbahn und Jahreszeiten

  • Spätester Sonnenaufgang Wien: Sonntag, 1. Jänner, 7.46 Uhr MEZ
  • Perihel: Mittwoch, 4. Jänner, 15.17 Uhr MEZ
  • Astronomischer Frühlingsbeginn: Montag, 20. März, 11.29 Uhr MEZ
  • Frühester Sonnenaufgang Wien: Freitag, 16. Juni, 4.54 Uhr MESZ
  • Astronomischer Sommerbeginn: Mittwoch, 21. Juni, 6.24 Uhr MESZ
  • Spästester Sonnenuntergang Wien: Sonntag, 25. Juni, 21.00 Uhr MESZ
  • Aphel: Montag, 3. Juli, 22.12 Uhr MESZ
  • Astronomischer Herbstbeginn: Freitag, 22. September, 22.02 Uhr MESZ
  • Frühester Sonnenuntergang Wien: Montag, 11. Dezember, 16.01 Uhr MEZ
  • Astronomischer Winterbeginn: Donnerstag, 21. Dezember, 17.28 Uhr MEZ

Die Sonne ist zu diesen besonderen Lagen nicht notwendigerweise von Wien aus sichtbar.

Besondere Mondlagen und -phasen

  • Nördlichster Vollmond: Donnerstag, 12. Jänner, 12.34 Uhr MEZ
  • Nördlichste ekliptikale Breite: Sonntag, 19. Februar, 2.45 Uhr MEZ
  • Südlichste Deklination: Dienstag, 21. Februar, 21.53 Uhr MEZ
  • Größter Neumond (unbeobachtbar): Donnerstag, 25. Mai, 21.45 Uhr MESZ
  • Kleinster Vollmond: Freitag, 9. Juni, 15.10 Uhr MESZ (Apogäum 00.05 Uhr MESZ)
  • Südlichster Vollmond: Sonntag, 9. Juli, 6.07 Uhr MESZ
  • Südlichste ekliptikale Breite: Dienstag, 15. August, 6.20 Uhr MESZ
  • Größter Vollmond: Sonntag, 3. Dezember, 16.47 Uhr MEZ (Perigäum 4.12. 9.52 Uhr MEZ)
  • Nördlichste Deklination: Dienstag, 5. Dezember, 12.42 Uhr MEZ
  • Kleinster Neumond (unbeobachtbar): Montag, 18. Dezember, 7.30 Uhr MEZ

Der Mond ist zu diesen besonderen Lagen und Phasen nicht notwendigerweise von Wien aus sichtbar.

Interessant: Der absteigende Knoten der Mondbahn liegt in der Nähe des Frühlingspunktes. Daher führt extreme nördliche/südliche ekliptikale Breite zu extremer südlicher/nördlicher Deklination und nicht umgekehrt und die Deklinationen des Mondes sind heuer sehr gemäßigt. 2017 gibt es keinen Vollmond in Erdnähe ("Supermond").

Siehe auch weiter unten Finsternisse und Bedeckungen!

Planeten

Am markantesten wird 2017 der Wechsel von Venus vom Abend- auf den Morgenhimmel sein. Jupiter verlegt seine beste Sichtbarkeit weiter in die Jahresmitte und nähert sich langsam an Saturn an (Begegnung: 2020). Mars ist kein auffälliger Planet, er wird erst 2018 wieder eine gute Sichtbarkeit haben. Merkur macht sich in unseren Breiten heuer eher rar.

Merkur

2017 ergeben sich für unsere Breiten nur eine gute Abend- und zwei gute Morgensichtbarkeiten. Die restlichen Erscheinungen des sonnennahen Planeten am Abend- oder Morgenhimmel sind eher grenzwertig und werden kaum eine Beobachtung mit freiem Auge ermöglichen.

Begegnungen des Merkur mit anderen Planeten oder dem Mond sind in unseren Breiten eher selten, weil schwierig zu beobachten. Im Herbst 2017 gesellt sich Merkur zu Venus und zu Mars, der seine neue Sichtbarkeit gerade beginnt.

Venus

Venus beginnt 2017 in einer guten Abendsichtbarkeit, die im März endet. Dabei ergibt sich eine Doppelsichtbarkeit, da die untere Konjunktion heuer auf einer sehr hohen nördlichen ekliptikalen Breite eintritt. Damit geht die Abendsichtbarkeit nahtlos in die Morgensichtbarkeit über, in der Venus bis in den Dezember 2017 zu beobachten sein wird. Die kurze Doppelsichtbarkeit der Venus ist eines der interessantesten Himmelsereignisse 2017.

Interessante Begegnungen:

Am Anfang des Jahres stehen Venus und Mars lange am Abendhimmel nahe beisammen, ohne dass es zu einer echten Begegnung bei diesem ungleichen Paar kommt. In der endenden Morgensichtbarkeit der Venus kommt es im November 2017 zu einer unauffälligen, aber engen Begegnung mit Jupiter am Beginn dessen nächster Sichtbarkeitsperiode.

Mars

Mars steht am 27. Juli 2017 in Konjunktion mit der Sonne und ist damit 2017 niemals ein auffälliges Objekt am Himmel. Im Mai endet seine Sichtbarkeitsperiode 2015-2017. Im Herbst 2017 taucht Mars wieder am Morgenhimmel auf und beginnt seine Sichtbarkeit 2017-2018, die im Juli 2018 spektakulär werden wird.

In der endenden Sichtbarkeitsperiode kommt es im Jänner und Februar zu einer Annäherung an die Venus und Anfang Jänner zu engen Begegnungen mit Uranus und Neptun.

In der beginnenden Sichtbarkeitsperiode 2017 - 2019 kommt es im September und Oktober zu Begegnungen mit Merkur und Venus.

Jupiter

Jupiter steht am 7. April in Opposition zur Sonne. Die beste Sichtbarkeit ist somit von Februar bis Juni 2017. Der Riesenplanet ist bis Anfang Oktober und dann wieder ab November 2017 zu sehen.

Jupiter zieht 2017 seine Bahn in der Nähe von Spica; Begegnungen mit anderen Planeten sind selten und finden nur am Anfang und Ende der Sichtbarkeit statt.

Saturn

Saturn ist nach wie vor ein Objekt am Frühsommerhimmel. Am 15. Juni steht er in Opposition zur Sonne. Die beste Sichtbarkeit ist von April bis August.

Uranus und Neptun

Finsternisse und Bedeckungen

Sonnenfinsternisse

2017 finden zwei Sonnenfinsternisse statt, von denen keine von Mitteleuropa aus zu beobachten ist. Die Totale Sonnenfinsternis vom 21. August 2017 ist die "Great American Eclipse", ein riesiges Medienspektakel in den USA und der Saros-Nachfolger "unserer" totalen Sonnenfinsternis vom 11. August 1999.

Mondfinsternisse

2017 finden zwei unauffällige Mondfinsternisse statt, die bei uns zumindest teilweise beobachtbar sind.

Bedeckungen

Was dem Jahr an Finsternissen fehlt, machen Bedeckungen heller oder interessanter Sterne wett. Zu den fünf Aldebaran-Bedeckungen gesellen sich noch je eine von Regulus und Porrima (γ Virginis).

Weitere interessante Erscheinungen

Kometen

Für das Jahr 2017 könnten einige Kometen interessante Objekte für Amateurastronomen werden, darunter drei bekannte kurzperiodische Kometen. Vorhersagen der Helligkeitsentwicklung sind aber immer mit Vorsicht zu genießen. Vielversprechend sind:

Eine sehr gute Übersicht über die aus heutiger Sicht zu erwartenden Kometen gibt es hier von Seiichi Yoshida:

Asteroiden

Am 10. Februar 2017 kommt der Asteroid 2014 DV110 der Erde näher als der Mond. Am 12. Oktober 2017 könnte der Asteroid 2012 TC4 der Erde auf die 0,04-fache Mondentfernung nahe kommen. Eine Impaktgefahr besteht nicht.

Meteore


Die wichtigsten Meteorströme 2017


Veränderliche

2017 bis 2019 kommt es zu einer Verfinsterung von VV Cep B. Eine solche tritt nur alle 20,4 Jahre ein. Dabei wird der von einer Gasscheibe umgebene Begleiter von dem halbtransparenten Überriesen bedeckt.

2017 bis 2018 kommt es zu einem Transit des Planeten Beta Pictoris b vor seinem Hauptstern. Der rund vier Größenklassen helle Stern sollte genau fotometriert werden, ist aber leider von Europa aus nicht zu sehen.


Ausblick auf die kommenden Jahre

2018

Herausragendes Ereignis ist die Marsopposition am 27. Juli, in der der Rote Planet eine Entfernung von 57,6 Mio. km und eine scheinbare Helligkeit von -2,8 mag erreichen wird. Es ist eine perihelnahe Opposition des Mars, vergleichbar, aber nicht so günstig, wie jene vom 28. August 2003. Leider findet sie so weit südlich am Himmel statt, dass sie von Mitteleuropa aus nicht perfekt zu beobachten ist.

In der Nacht vom 27. auf den 28. Juli findet zudem eine Totale Mondfinsternis statt, die in ihrer partiellen und totale Phase von Wien aus praktisch zur Gänze zu beobachten ist. Wegen des Zusammenfallens von Mondfinsternis und Marsopposition wird hier vielerorts - etwas übertrieben - von einem Jahrhundertereignis gesprochen.

Die kurzperiodischen Kometen 21P/Giacobini-Zinner und vor allem 46P/Wirtanen werden gut zu beobachten sein, Letzterer könnte sogar freisichtig werden. Die Serien der Bedeckungen von Aldebaran und Regulus durch den Mond enden in diesem Jahr, nur eine Erscheinung ist noch bei uns zu beobachten.

Kein Himmelsereignis, aber wichtig: Von 20. bis 31. August findet in Wien die 30. Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU), die größte astronomische Konferenz der Welt, statt.

2019

Am 21. Jänner findet eine totale Mondfinsternis statt, deren Totalität von Wien aus zur Gänze zu beobachten ist. In der Nacht von 16. auf 17. Juli findet eine partielle Mondfinsternis statt, die von Wien aus zur Gänze zu beobachten sein wird.

Am 11. November kommt es zu einem Transit des Merkur vor der Sonne, der von Mitteleuropa aus teilweise bis zum Sonnenuntergang zu sehen sein wird, in Wien etwa bis zur Hälfte.

2020

Das herausragende und wirklich seltene Himmelsereignis in diesem Jahr ist die enge Begegnung von Jupiter und Saturn am 21. Dezember. Die beiden langsamsten der hellen Planeten begegnen einander nur alle 20 Jahre.

 

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Ein Beobachtungstipp der WAA
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