Merkurtransit, 11. November 2019

Alexander Pikhard

Das bemerkenswerteste Himmelsereignis des Jahres 2019 ist der Transit des Planeten Merkur vor der Sonne am Nachmittag des 11. November (Montag). Von 13.35 Uhr MEZ bis zum Sonnenuntergang um 16.22 Uhr MEZ (Wien) kann beobachtet werden, wie das winzige Scheibchen des kleinsten Planeten unseres Sonnensystems über die Sonnenscheibe wandert. Für Wien ist das knapp mehr als die Hälfte des Transits.

Da es sich um einen Transit vor der Sonne handelt, sind unbedingt zu beachten, um Augenschäden zu vermeiden:


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Anders als bei einem Venustransit (2004, 2012) kann Merkur nicht mit freiem Auge gesehen werden. Das Planetenscheibchen hat einen scheinbaren Durchmesser von nur rund 12 Bogensekunden und ist somit kleiner als ein durchschnittlicher Sonnenfleck.


Der Merkurtransit am 7. Mai 2003. Foto: Klaus Reiser.

Da Merkur weiter von der Erde entfernt ist als die Venus, wandert er scheinbar langsamer über die Sonnenscheibe als unser Nachbarplanet, obwohl er sich in Wirklichkeit schneller bewegt. So dauert dieser Transit fünfeinhalb Stunden. Etwas mehr als die Hälfte des Transits kann von Wien aus beobachtet werden. Die Sonne geht für Wien kurz nach der Mitte des Transits unter.

Der Merkurtransit ist eine Sonnenfinsternis, allerdings:

  • Die Sonne hat einen Durchmesser von fast 1,4 Millionen Kilometer (rund 109 Erddurchmesser) und ist bei der Mitte des Transits 151,05 Millionen Kilometer von der Erde entfernt;

  • Merkur hat einen Durchmesser von lediglich 4.874 Kilometer (rund 38% des Erddurchmessers) und ist bei der Mitte des Transits 101 Millionen Kilometer von der Erde entfernt;

  • Merkur deckt beim Transit vom 11. November 2019 nur 0,5% der Sonne bezogen auf den Durchmesser und gar nur 0,003% bezogen auf die Sonnenfläche ab.

Die Mitte des Transits ist die genaue untere Konjunktion des Planeten Merkur zur Sonne (bezogen auf die Bahnebene, nicht auf Ekliptik oder Äquator). Da sich ein innerer Planet (Merkur, Venus) um die untere Konjunktion stets rückläufig bewegt, wandert er bei einem Transit von Osten (links) nach Westen (rechts) über die Sonne.


Der Merkurtransit für Wien in Zahlen. Daten aus www.calsky.org .

Merkurtransits sind häufiger als Venustransits. Eine Merkregel ist, dass in etwa so viele Merkurtransits pro Jahrhundert auftreten wie Venustransits in einem Jahrtausend - sie sind also rund zehnmal häufiger. Aufgrund ihrer Länge sind die Chancen auch recht gut, an einem Ort zumindest einen Teil des Transits verfolgen zu können.


Merkurtransits im 21. Jahrhundert. Daten aus www.calsky.org .

Die Tabelle zeigt sehr deutlich, dass Merkurtransits nur rund um den 8. Mai und 11. November stattfinden können. Das liegt an der Lage der Knoten der Merkurbahn, die sich nur sehr langsam verändern (ca. 1,2° pro Jahrhundert). Mit einer siderischen Umlaufzeit von nur 88 Tagen um die Sonne steht Merkur alle 108 bis 130 Tage in unterer Konjunktion zur Sonne. Die Unregelmäßigkeit ergibt sich durch die starke Bahnexzentrizität des Merkur von 0,2. Da die Merkurbahn zur Ekliptik außerdem um beachtliche 7° geneigt ist, kommt es auch nicht bei jeder unteren Konjunktion zu einem Transit, sondern nur dann, wenn die untere Konjunktion nahe bei einem der beiden Knoten der Merkurbahn stattfindet. Dies ist gegenwärtig im Mai (absteigender Knoten) und November (aufsteigender Knoten) der Fall.


Zum Zustandekommen von Merkurtransits. WAA-Grafik nach ESO.

Ein so deutlicher Rhythmus wie bei den Venustransits (105½ - 8 - 121½ - 8 = 243 Jahre) ergibt sich beim Merkur nicht. Merkurtransits treten in Abständen von 3½, 7, 9½, 10 oder 13 Jahren auf. Da 46 Umläufe der Erde um die Sonne ungefähr 191 Umläufen des Merkur um die Sonne entsprechen, wiederholt sich ein derartiger Zyklus nach 46 Jahren:

  • 2006/11 + 9½ = 2016/5 + 3½ = 2019/11 + 13 = 2032/11 + 7 = 2039/11 + 9½ = 2049/5 + 3½ = 2052/11
  • 2052/11 + 9½ = 2062/5 + 3½ = 2065/11 + 13 = 2078/11 + 7 = 2085/11 + 9½ = 2095/5 + 3½ = 2098/11
  • usw.

Auch bei einem Merkurtransit hängen scheinbare Bahn über die Sonne und vor allem die Orte und Zeiten der Kontakte vom Beobachtungsort auf der Erde ab. Da die Kontaktzeiten angesichts des winzigen Merkurscheibchens noch viel schwierieger zu bestimmen sind als bei der Venus, wurden Merkurtransits im Gegensatz zu jenen der Venus nicht ernsthaft für die Vermessung des Sonnensystems in Betracht gezogen. Immerhin entwickelte Edmond Halley bei der Beobachtung des Merkurtransits vom 7. November 1677 auf St. Helena die Idee, die Astronomische Einheit mit Hilfe der Transitmethode zu bestimmen.

Noch zwei historische Schmankerl:

  • Johannes Kepler sagte in seinen Rudolfinischen Tafeln erstmals einen Merkurtransit voraus, und zwar für den 7. November 1631. Kepler verstarb wenige Monate vor diesem Ereignis, doch Pierre Gassendi beobachtete diesen Transit von Paris aus. Es war die erste Beobachtung eines Merkurtransits vor der Sonne.

  • Edmond Halley beobachtete den Merkurtransit vom 7. November 1677 auf der Atlantikinsel St. Helena. Dort kam ihm die Idee, die - viel selteneren - Venustransits zur Bestimmung der Entfernung Erde-Sonne zu verwenden.

Siehe auch:

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