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Partielle Sonnenfinsternis

20. März 2015

Sonnenfinsternis

Alexander Pikhard

Am Vormittag des 20. März 2015 ereignet sich eine partielle Sonnenfinsternis. Die Finsternis ist von Wien aus in vollem Verlauf beobachtbar und die Sonne wird immerhin zu 70% verfinstert.

Es handelt sich um die letzte von Wien aus zu beobachtende Sonnenfinsternis bis zum 10. Juni 2021.


 
Die Finsternis global  top

Die Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 ist zentral und total. Das Sichtbarkeitsgebiet umfasst Nordafrika, Europa und die auf der Tagseite der Erde liegenden Teile der Arktis. Die Zentrallinie verläuft durch den Nordatlantik. Bedingt durch den tiefen Sonnenstand in der Arktis ist der Totalitätsstreifen sehr breit, trifft aber kaum auf Land. Lediglich die Färöer-Inseln und Spitzbergen liegen im Totalitätsgebiet, während Island, Schottland und Norwegen deutlich verfehlt werden.


Animation des Finsternisverlaufs aus NASA Eclipse Web Site, eclipse.gsfc.nasa.gov

Die Finsternis gehört zu dem recht alten Saros-Zyklus 120 (es ist die 51. von 71 Finsternissen in diesem Zyklus). Der Zyklus begann am 27. Mai 933 und endet am 7. Juli 2195. Da der Zyklus sehr alt ist, ist diese Finsternis die vorletzte zentrale in ihm. Die letzte wird die totale Sonnenfinsternis vom 30. März 2033 sein, die ebenfalls in der Arktis (Beringstraße) zu sehen sein wird.


Finsternisdaten aus NASA Eclipse Web Site

Weitere Informationen auf


 
Verlauf für Wien  top

Eckdaten für Wien:

  MEZ Azimut Höhe Verfinsterung
Beginn 09:36:32,0 135,3° 32,2°  
Maximum 10:45:31,8 155,0° 38,8° 69,6%
Ende 11:57:09,2 178,2° 41,6°  

Die Daten stammen aus www.calsky.org und gelten exakt für die Sofienalpe bei Wien. Für das Wiener Stadtgebiet sind Abweichungen im Sekundenbereich möglich.

Zu wieviel Prozent wird die Sonne verfinstert? Manche Quellen geben rund 70%, andere rund 63% für Wien an. Nun, beides stimmt. Die 70% Grad der Verfinsterung beziehen sich auf den Durchmesser der Sonne, die 63% Abdeckung auf die Fläche (und damit auf die Helligkeit), wie unsere Grafik zeigt:


Zur Erklärung: Grad der Verfinsterung (% vom Durchmesser) vs. Abdeckung (% der Fläche)

 

 
Sicherheitshinweise  top

Um die Finsternis zu beobachten, müsste man direkt in die Sonne blicken. Die Beobachtung der Sonne ohne geeigneten Schutz ist extrem gefährlich und kann schnell zu unheilbaren Augenschäden, ja bis zum völligen Erblinden führen!

Mit freiem Auge beobachtet man am besten mit einer Finsternisbrille, wie wir sie schon 1999 anläßlich der totalen Sonnenfinsternis und bei den Venustransits 2004 und 2012 verwendet haben. Spezielle Folien filtern das Sonnenlicht auf ein Hunderttausendstel seiner Intensität und machen die Beobachtung der Sonne damit sicher. Alle anderen Hilfsmittel wie rußgeschwärzte Gläser sind nicht sicher genug!

Für Beobachtungen mit Feldstechern oder Fernrohren muss das Licht mit einer solchen Filterfolie unbedingt schon vor der Öffnung gefiltert werden, um Augenschäden durch unsachgemäße Handhabung oder Schäden am Gerät durch die Wärmeentwicklung zu vermeiden. Wer noch nie die Sonne durch ein Fernrohr beobachtet hat, sollte die nur unter Anleitung eines erfahrenen Sonnenbeobachters tun. Im Zweifelsfall ist der Besuch einer Volkssternwarte die sicherste Variante.

Öffentliche Beobachtung der Sonnenfinsternis am 20. März 2015 von 09 bis 12 Uhr MESZ, an den folgenden Orten, nur bei wolkenfreiem Himmel!

  • Wien 1, Maria-Theresien-Platz vor dem Naturhistorischen Museum
  • Wien 1, Urania Wien, Dachterrasse, im Rahmen des Programms der Urania-Sternwarte
  • Niederösterreich, Sollenau, Hauptplatz

 
Die nächsten Sonnenfinsternisse für Wien  top

Nach der partiellen Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 kommt auf Wien eine lange Zeit ohne Sonnenfinsternisse zu. Die nächsten Finsternisse, alle partiell, sind:

  • 10. 06. 2021, partiell, 12%
  • 25. 10. 2022, partiell, 41%
  • 29. 03. 2025, partiell, 14%
  • 12. 08. 2026, partiell, 89% (total in Grönland, Island, Spanien und Balearen)

Für Details siehe die nächsten Sonnenfinsternisse für Wien.


 
"Entwarnung" für dieses Ereignis  top

In den Medien grassieren Artikel, in denen aus Anlass der Sonnenfinsternis mit ihrer dreistündigen Dunkelheit ein Energie-Blackout in Deutschland und Österreich befürchtet wird, da Solarstrom mittlerweile einen hohen Anteil an der Energieversorgung hat. Das ist kompletter Unsinn. Hier die wichtigsten Gegenargumente:

  • Es handelt sich um eine partielle Sonnenfinsternis. In Wien wird die Sonne zu maximal 70%, in Norddeutschland zu maximal 80% verfinstert. Dabei bleibt die Sonne stets wesentlich heller als bei bedecktem Himmel.

  • Es herrscht nicht drei Stunden lang Dunkelheit. Über den Zeitraum der Finsternis wird die Sonne langsam und kontinuierlich von 0% bis zum Maximum und dann wieder langsam und kontinuierlich bis 0% verfinstert, wie obige Grafik deutlich zeigt.

  • Die Dunkelheit setzt also nicht schlagartig ein und endet auch nicht schlagartig.

  • Eine totale Verfinsterung tritt nur auf den Färöer-Inseln und Svalbard auf, die Totalität dauert dort maximal 2 Minuten 47 Sekunden. Das Foto, das den meisten derartigen Artikeln in den Medien beigefügt ist, zeigt in der Tat eine totale Sonnenfinsternis. Eine solche tritt weder in Deutschland noch in Österreich ein.

  • Ohne die spezielle Ankündigung würde die Finsternis niemandem auffallen, es sei denn, die Sonne kann durch eine recht dichte Nebel- oder Wolkendecke ohne besonderen Schutz beobachtet werden (Achtung, auf keinen Fall ausprobieren). Der Abfall der Helligkeit im Tageslicht unterscheidet sich nicht von jenem, der durch leichte Bewölkung hervorgerufen wird.

Es ist wirklich bedauernswert, dass sogar Qualitätsmedien vor dieser Panikmache vor einem völlig harmlosen Naturschauspiel nicht Halt machen.



Ein Beobachtungstipp der WAA
Wir möchten Sie ermuntern, dieses Himmelsereignis zu beobachten. Wenn Sie Anleitungen oder Hilfestellungen dazu benötigen, dann sind Sie bei unseren gemeinsamen Beobachtungen herzlich willkommen. Informationen (Ort, Termin, Treffpunkt und mehr) dazu finden Sie auf unserer Webseite und auf Facebook.

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Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie, Fraungrubergasse 3/1/7, A-1120 Wien. Telefon 0664/256-1221. e-Mail admin@waa.at. Bankverbindung PSK 92.089.091. Webdesign und für den Inhalt verantwortlich: Dipl.-Ing. Alexander Pikhard.