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Lichtverschmutzungs-Alarm und BeobachtungsaufrufDie Flutlichtpiste auf dem SemmeringDas Problem
Vor einigen Tagen habe ich anläßlich einer Beobachtung am 3. 2. auf der Ebenwaldhöhe von einer starken Aufhellung im Süden, vermeintlich aus dem Raum Wiener Neustadt, berichtet. Die Aufhellung war so stark, dass der Himmel bis in die Höhe des Orion beeinträchtigt war.
Die Lichtverschmutzung auf der Ebenwaldhöhe, Blick nach Südosten. Das Licht ist so hell, daß es sich im Autodach spiegelt (Vordergrund). Oberhalb von Sirius eine Flugzeugspur. Sehen in Zukunft alle unsere Sternfeldaufnahmen so aus? 16 Sekunden bei äquivalent 400 ASA, F=28mm. Dieses Wochenende wurde im Zuge der Anreise und auch im Zuge der Beobachtungen aus Mariazell (!) klar, daß es sich beim Verursacher um die Flutlichtpiste auf dem Semmering handelt, die den Himmel über -zig km weit sichtbar aufhellt (Ebenwald ca. 40km, Mariazell ebenfalls ca. 40km Luftlinie). Die Piste hat unter der Woche bis 21 Uhr, am Wochenende bis 22 Uhr Betrieb. Wir haben also Verhältnisse wie im Sommer ... Wir sind gegen den Wintertouristmus wahrscheinlich machtlos, werden das Thema aber bei österr. Astronomietag, Workshop am 21. 4., erörtern, es werden dort auch Vertreter des Umweltbundesamts anwesend sein. Um das Problem in seiner Auswirkung genauer Beschreiben zu können - so liegen uns etwa Berichte vor, dass im Raum Payerbach/Reichenau die Beobachtung der Orion-Region deutlich eingeschränkt ist - bitten wir dringend um Sichtminderungsbeobachtungen aus dem betroffenen Bereich, d.i. rund 50-70km Umkreis um den Semmering. Besonders dramatisch betroffen dürften die beliebten Beobachtungsplätze auf dem Stuhleck und der Pretul sein. Alexander Pikhard Resourcen Von Seiten des Instituts für Astronomie der Universität Wien und des Vereins Kuffner-Sternwarte wird die Aktion "Wie viele Sterne sehen wir noch", die im Rahmen der Science-Week 2001 ins Leben gerufen wurde, mittlerweile fortgesetzt. Sie stellen die folgenden Resourcen zur Verfügung:
Reaktionen Ich kann Ihre Beobachtungen von der Ebenwaldhöhe leider nur bestätigen. Mein Wochenendsitz in Edlach/Rax, von wo aus ich beobachte, liegt noch viel näher an der Quelle des Übels, da ich nur ca. 20km Luftlinie davon entfernt bin. Der dazwischen befindliche Kreuzberg wirkt zwar etwas dämpfend, aber kann die Ursache auch nicht beseitigen. Insbesondere die Beobachtung der Orion-Region wird an meinem Standort vor 22 Uhr stark beeinträchtigt. Ich habe an den letzten Wochenenden Kodak E200 und P1600 getestet, vor allem um die Ausbelichtungszeiten für meinen Standort zu ermitteln, leider dummerweise nicht die Uhrzeiten notiert. Ich werde von 15.2-17.2 wieder in Edlach sein und stehe für einen gezielten Beobachtungsauftrag zur Verfügung. Wenn gewünscht bitte Anruf tagsüber unter 512-72-34. Ich stehe übrigens mit Herrn Vollmann in Kontakt, der 5km weiter in Payerbach beobachtet, und der davon auch betroffen sein müßte, da seine Hauptbeobachtungsrichtung nach meinen Ortskenntnissen auch den Bereich O-S-W abdeckt. Filmmaterial könnte ich am 22.2. zum Astro-Cafe mitbringen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Thomas Schröfl Hallo "lichtgeplagte", ich beobachte etwa 10 km nordnordöstlich der Schipiste, am Geyerhof 8 in 600m Seehoehe. Seit dem Winter 1998/99, als die Flutlichtanlage abends in Betrieb ging ist sie natuerlich deutlich merkbar. Ich habe keine quantitativen Messungen, aber sehr viele Vergleichsmoeglichkeiten mit vorher bzw. zu Zeiten wo das Flutlicht ausgeschaltet ist. Kurz zur Charakterisierung meines Beobachtungsortes: nicht perfekt (wo gibts das in Oesterreich?), aber ziemlich gut. Durch die klare Luft (normalerweise wenige Aerosole) ist die Aufhellung durch die umliegenden Ortschaften zwar deutlich sichtbar, beeintraechtigt aber den Himmel nur wenig. Ausnahme ist wenn sich viel Feuchtigkeit in der Luft befindet, dann ist die Himmelsaufhellung deutlich staerker. Die freisichtige Grenzgroesse ist durchschnittlich etwa 6,0 bis 6,5mag in guten Naechten, 5,5 bis 6,0 mag in aufgehellteren Naechten. Bei der Beobachtung zeigt sich dass dort wo Filter helfen koennen (Emissionsnebel), auch Extrembeobachtungen moeglich sind. So habe ich mit einem UHC-Filter mit freiem Auge den Nordamerikanebel und Barnards Loop im Orion gesehen, mit einem 130mm Refraktor den Pferdekopfnebel. Dort wo Filter nicht helfen (Galaxien, Kometen z.B.) ist die Himmelsaufhellung merkbar gegenueber Beobachtungen in grosser Seehoehe in den Alpen. Bei Betrieb der Flutlichtanlage am Hirschenkogel reflektiert der Schnee der Schipiste das Licht etwa nach NW (etwas aus meinem Feld). Trotzdem ist waehrenddessen zwischen Sueden und Suedwesten bis etwa 30 Grad Hoehe ein Lichtdom zu sehen; die Ausmasse haengen sehr stark von Feuchtigkeit/Cirren etc. ab. Je mehr in der Luft ist, um so groesser wird der Lichtdom. Im Zenit und in anderen Richtungen ist die Beeintraechtigung wenig merkbar, aber messbar: die freisichtige Grenzgroesse sinkt um 0.2-0.5mag, je nach Klarheit der Luft. Nach dem Abschalten des Flutlichts geht es deutlich besser. Zur Beurteilung der Himmelsklarheit und Aufhellung ist meiner Ansicht nach neben der freisichtigen Grenzgroesse vor allem auch die Sichtbarkeit der Milchstrasse gut geeignet (welche/wieviele Details usw.). Soweit einige meiner Erfahrungen dazu! Klaren und dunklen Himmel wünscht, Wolfgang Vollmann Ich war zu den Osterfeiertagen wieder in Payerbach. Von dort ist die Aufhellung der Nachtpiste am Semmering/Hirschenkogel sehr deutlich sichtbar wie beiliegendes Photo belegt. Dieses wurde direkt vom Bahnhof Payerbach in Richtung Süden aufgenommen.
Gerhard Eber
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