Meteorstrom der Geminiden


Alexander Pikhard

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Unter den Meteorströmen im Jahr sind zwar die Perseiden im August der bekannteste, die Geminiden im Dezember aber der verläßlichste und auch meistens der schönste. Wegen der kalten Jahreszeit und der in dieser häufig vorkommenden Hochnebellagen im Flachland werden sie aber viel weniger beachtet.

Ursprung

Meteore entstehen, wenn kleine Staubteilchen - Meteoroide genannt - in die Erdatmosphäre eintauchen und "verglühen". Dabei erfolgt der Eintritt so schnell (mit bis zu 100 km/s), dass die Staubteilchen augenblicklich verdampfen. Was wir eigentlich beobachten ist der Luftkanal hinter dem Teilchen, der durch die Reibung ionisiert wurde und daher aufleuchtet. Diese Lichterscheinung nennen wir Meteor oder volkstümlich Sternschnuppe.

Staubteilchen sammeln sich vornehmlich in den Bahnen von Kometen, die vor allem in Sonnennähe regelmäßig Staub abgeben. Kreuzt die Erde die Bahn eines Kometen, geraten vermehrt Partikel in die Erdatmosphäre, es kommt zu einem markanten Anstieg an Meteorerscheinungen, wir sprechen von einem Meteorschauer oder auch Meteorstrom. Je nach Breite der Staubbahn dauert dieser einige Stunden bis einige Tage.

Im Fall der Geminiden ist das erzeugende Objekt der heute als Asteroid klassifizierte Phaeton (Asteroid 3200). Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass Phaeton ein "erloschener" Komet ist, also kein Gas und daher keinen Staub mehr absetzt. Jedes Jahr um den 14. Dezember kreuzt die Erde die Bahn dieses Asteroiden (ohne dass jemals die Gefahr einer Kollision bestünde).


Die Bahn des Asteroiden (3200) Phaeton

Warum Geminiden?

Aufgrund der Lage von Erd- und Asteroidenbahn entsteht der Eindruck, dass die Teilchen aus der Richtung des Sternbilds der Zwillinge (Gemini) kommen.


Warum der Eindruck entsteht, die Meteore kommen aus den Zwillingen

Dabei sind Meteore eine Erscheinung der Erdatmosphäre, wie auch ein beeindruckendes Foto beweist, das am 13. August 2011 von der Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS) aufgenommen wurde:


Ein Meteor aus dem Weltraum gesehen

Die Erklärung, warum Meteore aus einem Sternbild zu kommen scheinen, ist rein perspektivisch:


Wie der Eindruck entsteht, die Meteore kommen aus einem bestimmten Sternbild

Charakteristik der Geminiden

Die Geminiden treten im Zeitraum 4. bis 17. Dezember auf, mit einem Maximum um den 14. mit bis zu 120 Erscheinungen pro Stunde unter idealen Bedingungen. Da die Teilchen von hinten auf die bewegte Erde treffen, sind sie relativ langsam (35 km/s) und erscheinen am Himmel daher langsamer als übliche Sternschnuppen. Helle Erscheinungen (heller als die hellsten Sterne) sind häufig. Eine Charakteristik des Stroms ist, dass die Meteorrate bis zum Maximum flach ansteigt, nach dem Maximum aber steil abfällt.

Beobachtung der Geminiden

In mittleren und höheren nördlichen Breiten sind die Beobachtungsbedingungen ideal. Die Zwillinge gehen gegen 18 Uhr MEZ im Ostnordosten auf und bleiben bis zur Morgendämmerung sichtbar, wenn sie im Westen verschwinden. Der Meteorstrom kann also fast die ganze Nacht lang beobachtet werden.


Himmelsanblick um 19 Uhr MEZ (die Grafik zeigt etwa den halben sichtbaren Himmel, also mehr als das Auge überblicken kann)


Himmelsanblick um 19 Uhr MEZ mit Legende


Himmelsanblick um 21.30 Uhr MEZ, Blick Richtung Ostsüdost


Himmelsanblick um 00.00 Uhr MEZ, Blick Richtung Südsüdost


Himmelsanblick um 02.30 Uhr MEZ, Blick Richtung Südsüdwest


Himmelsanblick um 05.00 Uhr MEZ, Blick Richtung Westsüdwest

Die Situation 2015

Das Maximum wird am 14. 12. 2015 um 19 Uhr MEZ erwartet, ist daher für Europa bereits beobachtbar. Die Nacht vom 14. auf den 15. Dezember ist optimal, allerdings steht der Radiant anfangs noch tief und mit höher steigendem Radiaten nimmt die ZHR ab. Der Mond steht drei Tage nach Neumond am Abendhimmel und stört daher nicht.

Tipps zur Beobachtung

Zur Beobachtung von Meteoren braucht man kein Fernrohr! Es wäre unsinnig, mit einem Teleskop zu lauern, bis eine Sternschnuppe zufällig durch das winzige Feld huscht. Meteore beobachtet man mit freiem Auge. Am besten liegend, denn so kann man entspannt einen großen Teil des Himmels überblicken. Das ist im Winter allerdings eine Herausforderung, vor allem an die Ausrüstung. Einfach nur schauen, das ist der Anfang. Wer etwas mehr tun möchte: Zählen! Und nicht vergessen, die visuelle Grenzgröße zu bestimmen. Das geht am besten mit den Sternen des Kleinen Wagens.

Meteore können fotografiert werden, am besten mit einem Fisheye oder zumindest einem starken Weitwinkelobjektiv. Kamera auf ein festes Stativ montieren und senkrecht nach oben fotografieren, bei größerer Brennweite als Fisheye in Richtung Radiant aufnehmen. Bei stehender Kamera bilden sich die Sterne als Strichspuren ab. Abhilfe: Die Kamera auf eine Montierung mit Nachführung schnallen (huckepack am Fernrohr).

Siehe auch:


Ein Beobachtungstipp der WAA
Wir möchten Sie ermuntern, dieses Himmelsereignis zu beobachten. Wenn Sie Anleitungen oder Hilfestellungen dazu benötigen, dann sind Sie bei unseren gemeinsamen Beobachtungen herzlich willkommen. Informationen (Ort, Termin, Treffpunkt und mehr) dazu finden Sie auf unserer Webseite und auf Facebook.

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