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Planeten in Bewegung

Planetentanz im Sommer 2010

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Mit diesem Artikel auf unserer Homepage wollen wir Einsteigern einen besonderen Service bieten. Das Wort Planet leitet sich vom griechischen "planeteis" her, was soviel wie Wanderer bedeutet. Planeten sind also Gestirne, die am Himmel wandern. Doch dieses Wandern der Planeten ist nicht immer leicht zu erkennen. Daher weisen wir hier auf Konstellationen hin, bei denen die Bewegung der Planeten leicht über einen gewissen Zeitraum zu erkennen ist.

Im Sommer 2010 werden wir am Abendhimmel Zeugen eines seltenen Aufeinandertreffens von gleich vier hellen Planeten und zwei hellen Sternen. Vor dem Hintergrund der viel weiter entfernten Sternbilder Löwe (mit dem hellen Hauptstern Regulus) und Jungfrau (mit dem hellen Hauptstern Spica) tanzen Merkur, Venus, Mars und Saturn. Berücksichtigt man weiters, dass der helle Planet Jupiter schon vor Mitternacht aufgeht, dann sind im Juli alle hellen Planeten im Lauf einer Nacht zu sehen.

In der zweiten Juliwoche beginnt der sonnennahe Planet Merkur eine ungünstige Abendsichtbarkeit. Er geht rasch nach Sonnenuntergang im Nordwesten unter, gemeinsam mit den Hauptsternen der Zwillinge, Castor und Pollux.

Am 10. Juli steht der hellste Planet, Venus, ganz knapp nördlich des Hauptsterns des Löwen, Regulus. Es ist ein ungleiches Paar. Venus wird als Planet von der Sonne beschienen und steht an diesem Abend in einer Entfernung von 108 Mio. Kilometer. Das Licht benötigt lediglich sechs Minuten, um uns zu erreichen. Regulus hingegen ist eine ferne Sonne, 221 Mal so leuchtkräftig wie unsere eigene. Sein Licht benötigt 78 Jahre, um uns zu erreichen. Regulus ist fast sieben Millionen mal so weit von uns entfernt wie Venus!

Der kleine Planet Mars, Anfang des Jahres noch sehr auffällig am Nachthimmel, ist gar nicht mehr so leicht zu identifizieren. Am ehesten verrät ihn seine rötliche Färbung.

Im Lauf nur weniger Tage wird deutlich, wie rasch die Planeten vor dem Hintergrund der Sterne wandern. Merkur, nur schwer in der Dämmerung auszumachen, hat die Sterne der Zwillinge hinter sich gelassen und auch Venus ist Regulus davon geeilt. Auch Mars bewegt sich vor dem Hintergrund der Sterne, nur langsamer als Merkur und Venus. So erreichen die drei Planeten bald Saturn, den langsamsten der hellen Planeten. Mitte Juli eilt dann auch noch der zunehmende Mond an den vier Planeten vorbei.

Regulus und die vier Planeten vermitteln eindrucksvoll, wo die Ebene unseres Sonnensystems im Raum liegt. Dabei stehen alle vier Planeten und Regulus derzeit nördlich der Ekliptik, der Ebene der Erdbahn um die Sonne.

Gegen Ende Juli 2010 wird deutlich, wie Venus unterhalb der Sterne des Löwen über den Himmel zieht. Merkur indes nähert sich Regulus.

Zeit für erste Begegnungen. War es am 10. Juli Venus, so steht heute Merkur dicht bei Regulus, dem Hauptstern des Löwen. Seit Anfang Juni ist dies schon die dritte Begegnung eines hellen Planeten mit diesem Stern, der aufgrund seiner Lage so nahe bei der Ekliptik eben häufig Besuch von Mond und Planeten erhält (und auch fallweise vom Mond bedeckt wird, allerdings nicht im Lauf dieses Jahres). Merkur ist heute 155 Mio. Kilometer entfernt, Regulus fast fünf Millionen Mal weiter.

Mars nähert sich dem langsamen Planeten Saturn, die nächsten Begegnungen werden nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Das Geschehen verlagert sich langsam von den Sternen des Löwen vor die Sterne der Jungfrau. Merkur beendet seine schwierige Sichtbarkeit am Abendhimmel, während Mars den Saturn eingeholt hat und ihn südlich passiert. Wieder ein ungleiches Paar. Mars ist jetzt 238 Mio. Kilometer von der Erde entfernt, Saturn rund 1,5 Milliarden. Damit ist der Ringplanet mehr als sechs Mal so weit entfernt wie Mars. Dennoch ist Saturn heller als Mars; kein Wunder, Saturn ist fast 20 Mal so groß wie unser äußerer Nachbarplanet.

Venus nähert sich den beiden Planeten und es macht großen Spass, von Abend zu Abend zu verfolgen, welche Form das Dreieck, das die drei Planeten am Himmel bilden, hat.

Mars ist Saturn davon geeilt, Venus eilt ihm hinterher und wird bald Saturn eingeholt haben. Schon ist zu erkennen, dass auch Venus südlich am Saturn vorbei ziehen wird. Die drei Planeten bilden ein Dreieck, an dessen Spitze Saturn steht. Der Tanz der drei Planeten vollzieht sich vor dem südlichen Arm der Jungfrau, der nur aus schwächeren Sternen besteht.

Venus hat Saturn eingeholt und überholt den Ringplaneten südlich. Jetzt bilden die drei Planeten ein rechtwinkeliges Dreieck, und der rechte Winkel liegt bei der hellen Venus. Venus ist 109 Mio. Kilometer entfernt, Saturn 1,5 Milliarden; somit ist der Ringplanet 14 Mal so weit von uns entfernt wie unser sonnennäherer Schwesterplanet Venus.

Ein Monat ist vergangen, seit der Mond das letzte Mal an den tanzenden Planeten vorbei gezogen ist. Mitte August ist dies wieder der Fall. Venus und Mars haben Saturn hinter sich gelassen, der Ringplanet wird seine Sichtbarkeitsperiode 2009/2010 bald beenden.

Venus schickt sich an, Mars zu überholen und beide Planeten streben auf Spica, den hellen Hauptstern der Jungfrau, zu.

Venus hat Mars eingeholt. Einmal mehr steht ein ungleiches Paar vor uns. Venus, nur wenig kleiner als die Erde, aber in eine schneeweiße Atmosphäre aus fast reinem Kohlendioxid eingehüllt, ist heute 109 Mio. km entfernt, der viel kleinere Mars schon 314 Mio. km, also rund dreimal so weit. Kein Wunder also, dass Venus viel auffälliger in der Dämmerung ist.

Venus hat Spica eingeholt. Wie bei der Begegnung mit Regulus zu Beginn des Planetenreigens begegnet hier ein naher Planet einer fernen Sonne. Venus ist noch immer rund 109 Mio. km von uns entfernt und das Licht benötigt von ihr zu uns lediglich sechs Minuten. Spica ist ein blauer Riesenstern, 15.000 Mal so hell wie unsere Sonne. Ihr Licht musste 263 Jahre durch den Raum eilen, um uns zu erreichen. Als die Lichtstrahlen, die uns heute von Spica erreichen, den Stern verließen, werden der Vater Napoleons, der Maler Francisco de Goya, der Astronom Guiseppe Piazzi (Entdecker der Ceres) und wenig später Johann Wolfgang von Goethe geboren! Spica ist 23 Millionen Mal weiter von uns entfernt als Venus.

Jetzt hat auch Mars Spica erreicht. In diesen Tagen werden Saturn, Mars und bald auch Venus ihre Sichtbarkeit am Abendhimmel beenden. Seit ein paar Tagen benötigt man zum Auffinden der schwächeren Planeten ohnedies ein Fernglas, nur Venus ist noch mit freiem Auge zu sehen.

Diese Seite ist eine Kooperation von Astronomie Wien und der WAA.

Details zur Planetenbegegnungen und anderen besonderen Himmelserscheinungen erfahren Sie im Kurs Himmlische Feuerwerke, der am 12. Oktober 2010 im Planetarium Wien beginnt.

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