Planeten in Bewegung

Venus am Abendhimmel 2016/2017


Alexander Pikhard
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Mit diesem Artikel wollen wir Einsteigern einen besonderen Service bieten. Das Wort Planet leitet sich vom griechischen "planeteis" her, was soviel wie Wanderer bedeutet. Planeten sind also Gestirne, die am Himmel wandern. Doch dieses Wandern der Planeten ist nicht immer leicht zu erkennen. Daher weisen wir hier auf Konstellationen hin, bei denen die Bewegung der Planeten leicht über einen gewissen Zeitraum zu erkennen ist.

Venus beschert uns in acht Jahren fünf Abend- und fünf Morgensichtbarkeiten. Dabei sind auf der Nordhalbkugel der Erde jene Abendsichtbarkeiten am besten, die in den Frühling fallen. Die Abendsichtbarkeit Ende 2016/Anfang 2017 erfüllt dieses Kriterium nicht ganz, ist aber dennoch recht gut.

Nach der oberen Konjunktion am 16. Juni 2016 taucht Venus verhältnismäßig spät am Abendhimmel auf. Erst im August kann sie in der Abenddämmerung erstmals gesehen werden.


Scheinbare Position der Venus am Abendhimmel jeweils zu Ende der bürgerlichen Dämmerung für Wien.

Die Abendsichtbarkeit entwickelt sich in den Monaten August bis November 2016 nur sehr zaghaft aufgrund der flachen Ekliptik am Abendhimmel. Erst im Dezember 2016 entwickelt sie sich besser und erreicht Ende Jänner 2017 ihren Höhepunkt. Im Februar 2017 ist sie noch recht gut, im März 2017 strebt Venus aber rasch zur unteren Konjunktion am 25. 3., bei der sich aufgrund der hohen nördlichen ekliptikalen Breite eine kurze Doppelsichtbarkeit am Abend- und Morgenhimmel ergibt.

Eckdaten:

2016-06-16 obere Konjunktion (unbeobachtbar) 260 Mio. km
2017-01-12 größte östliche Elongation  
2017-01-14 Halbphase (Dichotomie)  
2017-02-17 größter Glanz (-4,9 mag)  
2017-03-25 untere Konjunktion (Doppelsichtbarkeit) 42 Mio. km

Die Daten stammen von CalSky.org, dem interaktiven astronomischen Jahrbuch im Internet.

Im Fernrohr zeigt Venus vor allem gegen Ende der Sichtbarkeit eine markante Phase.


Anblick der Venus im (nicht umkehrenden) Fernrohr im Verlauf der Sichtbarkeit.

Interessierten Leserinnen und Lesern werden jetzt einige interessante Fakten auffallen:

  • Wieso erreicht Venus am 12. Jänner ihre größte Elongation, wo doch obige Grafik am 1. Februar die beste Sichtbarkeit suggeriert?

    Nun, Elongation ist nicht alles. Es kommt ganz darauf an, wie die Ekliptik zum Horizont liegt. Für Abendsichtbarkeiten gilt der Grundsatz: Im Frühling steht die Ekliptik steil und daher günstig zum Westhorizont, im Herbst aber flach und daher ungünstig. Daher sind Abendsichtbarkeiten von Merkur und Venus im Frühjahr am besten. Die optimale Sichtbarkeit ergibt sich, wenn die größte Elongation von der Sonne zu Frühlingsbeginn eintritt.


    Wie gut sich der Winkelabstand eines Planeten von der Sonne (Elongation) auswirken kann, hängt von der Lage der Ekliptik - in deren Nähe sich alle Planeten aufhalten - zum Horizont ab. Liegt die Ekliptik flach zum Horizont, ergibt sich auch bei großer Elongation keine gute Sichtbarkeit. Die beste Sichtbarkeit ergibt sich, wenn die Ekliptik steil zum Horizont steht. Bei Abendsichtbarkeiten ist dies im Frühling, bei Morgensichtbarkeiten im Herbst.

  • Wieso ist Venus gerade am 17. Februar am hellsten?

    Das Helligkeitsmaximum ergibt sich aus der maximalen beleuchteten Fläche der Venus und tritt, da die Bahn der Venus um die Sonne sehr kreisförmig ist, ziemlich genau 36 Tage vor bzw. nach der unteren Konjunktion ein.

  • Wieso taucht Venus erst so lange nach der oberen Konjunktion auf?

    Die Erklärung liegt darin, dass Venus am Abend nach der oberen Konjunktion nur langsam an Elongation von der Sonne gewinnt.

  • Wie kommt diese Grafik überhaupt zustande?

    Das ist nicht einfach zu erklären, es ist komplexe Himmelsgeometrie. Einerseits zieht Venus ihre Bahn vor dem Hintergrund der Sterne (die in der hellen Dämmerung, abgesehen von den hellsten, noch nicht zu sehen sind), andererseits ändert sich von Abend zu Abend die Lage der Ekliptik zum Horizont.

Noch ein paar wissenswerte Details zur Bewegung der Venus:

Venus umkreist die Sonne innerhalb der Erdbahn, sie ist ein so genannter "unterer" Planet. Wir können Venus nie die ganze Nacht über sehen, da sie von der Erde aus nie der Sonne gegenüber stehen kann.

Die wichtigsten Phasen in der Sichtbarkeit der Venus sind die obere Konjunktion (Venus steht hinter der Sonne), die untere Konjunktion (Venus steht vor der Sonne) und die größte östliche bzw. westliche Elongation (Venus erreicht, von der Erde aus betrachtet, den größten Abstand von der Sonne).

Da die Bahn der Venus gegenüber der Erdbahn leicht geneigt ist, steht Venus bei ihren Konjunktionen meist nicht genau vor oder hinter der Sonne, sondern etwas oberhalb oder unterhalb.

Eine Venussichtbarkeit beginnt nach der oberen Konjunktion OK (1) immer am Abendhimmel, meist einige Wochen nach der OK. Wie lange, hängt von der Lage der Ekliptik zum Horizont ab.

Bis zur größten östlichen Elongation (beste Abendsichtbarkeit) vergehen im Mittel 221 Tage.

Während der Abendsichtbarkeit kommt Venus der Erde näher. Sie wird im Lauf der Sichtbarkeit daher im Fernrohr größer, nimmt aber ab, da sie zwischen Erde und Sonne wandert.

Die größte scheinbare Helligkeit erreicht Venus, wenn sie uns die größte beleuchtete Fläche zeigt. Das ist genau 35 Tage vor und nach der unteren Konjunktion der Fall.

In der unteren Konjunktion wechselt Venus rasch von einer Abend- auf eine Morgensichtbarkeit. Unter Umständen kann Venus auch während der UK beobachtet werden, wenn sie genügend nördlichen oder südlichen Winkelabstand von der Sonne hat.

Die Morgensichtbarkeit endet wiederum einige Wochen vor der oberen Konjunktion, ein synodischer Umlauf endet dann.

Während der Morgensichtbarkeit entfernt sich Venus von der Erde. Sie wird im Lauf dieser Sichtbarkeit im Fernrohr immer kleiner, nimmt aber wieder zu.

Die größte scheinbare Helligkeit wird 35 Tage nach der unteren Konjunktion erreicht.

In acht Jahren gehen sich ziemlich genau fünf synodische Umläufe (Sichtbarkeitsperioden mit je einer Abend- und einer Morgensichtbarkeit) aus. Diese Regelmäßigkeit war schon den alten Babyloniern bekannt, die sie Ishtar-Periode nannten (Ishtar ist die babylonische Entsprechung zur römischen Venus).

Während dieser acht Jahre kommt es also fünf Mal zu einer unteren Konjunktion, wobei die Orte von Erde und Venus bei der UK ein Fünfeck beschreiben.

Es gibt allerdings leichte Abweichungen von dieser Idealform.

Die Bahn der Venus ist zur Erdbahn geneigt. So kommt es nur ganz selten vor, dass Venus in der unteren Konjunktion über die Sonne wandert (zuletzt am 8. Juni 2004, das nächste Mal am 6. Juni 2012).

Die Ishtar-Periode ist etwas kürzer als acht Jahre, bedingt durch eine leichte Verschiebung der Venusbahn gegenüber der Erdbahn. So kommt es dazu, dass sich dieses "Fünfeck" der unteren Konjunktionen langsam um die Sonne dreht, in einer der Umlaufrichtung der Planeten entgegengesetzten Richtung.

Aus diesem Umstand folgt der eigenartige Rhythmus der Venustransits von 8 - 105½ - 8 - 121½ - ... Jahren.

Das alles ist keine schwarze Magie, sondern eine Laune der Natur!

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