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Der Venusvorübergang
in Wien und weltweit

Bei einem Venusvorübergang hängen die lokalen Umstände - Beginn und Ende, Ort des Durchgangs auf der Sonnenscheibe - ähnlich wie bei einer Sonnenfinsternis vom Beobachtungsort auf der Erde ab.

Transit

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Von Wien aus wandert Venus durch das obere Drittel der Sonnenscheibe. Der Verlauf des Durchgangs wird durch drei Bewegungen geprägt:

  1. Die tägliche Bewegung des Himmelsgewölbes infolge der Erddrehung;
  2. Die scheinbare Wanderung der Sonne entlang der Ekliptik infolge der Umlaufbewegung der Erde um die Sonne; und
  3. Die scheinbare Bewegung der Venus infolge ihres eigenen Umlaufs um die Sonne.

Die rascheste Bewegung ist die Drehung des Firmaments; sie führt Venus und Sonne im Verlauf des Durchgangs von Oste nach Süden.

Betrachten wir die scheinbaren Bewegungen von Sonne und Venus; Venus ist in unterer Konjunktion rückläufig, sie bewegt sich also der Sonne entgegen, daher betritt sie die Sonnenscheibe von Osten und verläßt sie nach Westen.

Obige Grafik zeigt diesem Umstand nicht maßstabgetreu, aber schematisch. Venus ist bis Ende Mai am Abendhimmel sichtbar, dabei ist sie bis 17. Mai recht- und dann rückläufig. Einige Tage vor der unteren Konjunktion - durch die steile Lage der Ekliptik am Abend recht knapp davor - wird sie unsichtbar. Am Tag der unteren Konjunktion, am 8. Juni, wandert sie, entgegen der Bewegungsrichtung der Sonne, über die Sonnenscheibe. Rund drei Wochen nach dem Durchgang taucht Venus dann wieder am Morgenhimmel auf, wo sie rasch wieder rechtläufig wird.


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Der genaue Verlauf für Wien

In dieser Abbildung weist die Richtung zum Himmelsnordpol nach oben; sie entspricht jenem Verlauf, den Betrachter in einem parallaktisch montierten Fernrohr verfolgen können, wobei etwaige Umkehrung durch das Instrument nicht berücksichtig ist.

Phase MESZ Azimut
Sonne
Höhe
Sonne
Positionswinkel
Venus
Abstand
Venus
Erster Kontakt*00 09 29 -18°41°15' 57"
Zweiter Kontakt*00 27 26  -19°39°14' 59"
 01 00 00 -19°33°13' 19"
 02 00 00 -18°19°10' 42"
 03 00 00 -14°358°09' 07"
Mitte*03 29 28 -11°346°08' 54"
 04 00 00 -8°333°09' 07"
Sonnenaufgang04 55 50  313°10' 34"
 05 00 0054° 312°10' 43"
 06 00 0065°297°13' 21"
Dritter Kontakt06 37 3572°14°291°14' 59"
Vierter Kontakt06 55 2375°17°289°15' 58"

* Zeiten geozentrisch, da von Wien aus unbeobachtbar.


Der Durchgang anderswo  zurück  top

Der genaue Verlauf (Kontaktzeiten und Positionswinkel) eines Venusvorübergangs hängt sehr stark vom Beobachtungsort auf der Erde ab. Die nachfolgenden Links enthalten Vorausdaten für eine Vielzahl an Beobachtungsorten:


Sichtbarkeit des Venusvorübergangs vom 6. Juni 2012 (Fred Espenak)

Der Vorübergang ist vollständig sichtbar im westlichen Pazifik, im fernen Osten und Ostaustralien sowie in der Arktis. Teilweise bei Sonnenaufgang sichtbar ist der Transit in Südasien, Ost- und Mitteleuropa und Ostafrika. Teilweise bei Sonnenuntergang sichtbar ist der Transit in Nord- und Mittelamerika und dem äußersten Nordwesten Südamerikas. Gänzlich unsichtbar ist der Transit im Mittel- und Südatlantik, in West- und Südafrika, dem Großteil Südamerikas und der Antarktis.

Interessante Reiseziele, um den Transit in vollem Umfang zu sehen: Hawaii, China (Achtung, Monsun!), das Great Barrier Reef, aber auch das Nordkap (Mitternachtssonne!).


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Das Tropfenphänomen und seine Entzauberung

Die Atmosphäre der Venus bricht in ihren obersten Schichten das Sonnenlicht; dies hat zunächst zur Folge, dass das Scheibchen der Venus etwas kleiner erscheint als die 62", die Venus in unterer Konjunktion an scheinbarem Durchmesser hat.

Noch interessanter wirkt sich die Venusatmosphäre um die Kontakte aus. Alle Beobachter haben bei früheren Durchgängen beobachtet, dass Venus bis nach dem zweiten und schon vor dem dritten Kontakt eigenartig "tropfenförmig" verformt ist, weshalb die genaue Ermittlung der Kontaktzeiten praktisch unmöglich ist.


Verschiedene Beobachtungen des "Topfenphänomens"
(aus der unten zitierten Arbeit)

Es gibt allerdings keine einheitliche Beschreibung dieses Phänomens und auch keine einheitliche Theorie; und es gibt vor allem noch keine Fotos von diesem Phänomen - es genau zu erforschen, bleibt unserer Generation vorbehalten! Die umfassendste Arbeit zu diesem Thema ist immer noch jene von Guido Horn d'Arturo aus dem Jahr 1922, veröffentlicht in den Publikationen der Sternwarte der Universität Bologna:

Aufgrund der besonderen Aktualität gibt es seit August 2003 eine englische Übersetzung dieses Artikels.

Beim Venustransit 2004 wurde das Tropfenphänomen eindeutig nicht mehr beobachtet. Es handelt sich also um die Kombination einer optischen Täuschung verbunden mit nicht perfekter Optik. Die moderne Technik hat das Phänomen entzaubert.


Eindeutig kein Tropfen! Aufnahme mit dem schwedischen Sonnenteleskop auf La Palma,
Original unter vt-2004.solarphysics.kva.se.


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