Das Beobachten mit Fernrohren (Teleskopen) in einer Gruppe ist eine bereichernde Erfahrung, die den Austausch fördert und das Lernen erleichtert. Es bietet die Möglichkeit, verschiedene Teleskoptypen kennenzulernen und Erfahrungen bei der Objektwahl auszutauschen. Um dies zu fördern, bieten wir gemeinsame Beobachtungsabende an (Astropraxis).
Das Beobachten mit Fernrohren (Teleskopen) in einer Gruppe, oft im Rahmen von "Star Parties" oder öffentlichen Führungen, erfordert bestimmte Verhaltensregeln, um die Sicherheit der Geräte zu gewährleisten und das Erlebnis für alle Beteiligten zu maximieren. Diese Regeln helfen, Beschädigungen an teuren Geräten zu vermeiden und sorgen dafür, dass alle Teilnehmer den Blick in den Weltraum genießen können.
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Verwende nur RotlichtWir benutzen ausschließlich schwaches Rotlicht (Taschenlampen, Stirnlampen), um die Dunkeladaption der Augen nicht zu zerstören. Helles weißes Licht ist bei Beobachtungen störend. Die menschlichen Augen benötigen etwa 30 Minuten, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, wobei die Pupillen weit öffnen und die Empfindlichkeit der Stäbchen (Schwarz/Weiß-Sehzellen) zunimmt. Weißes oder blaues Licht zerstört diese Adaption sofort, da es die Stäbchen blendet, während rotes Licht diese kaum beeinflusst. |
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Verwende keine zu hellen StirnlampenBei der astronomischen Beobachtung in einer Gruppe ist die Verwendung von hellen Stirnlampen ein absolutes Tabu, da es die Beobachtungserlebnisse aller Anwesenden zerstört. Der Hauptgrund ist die notwendige Dunkeladaption und die Störung etwaiger fotografischer Aufnahmen. |
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Leuchte anderen nicht ins GesichtWenn wir uns anderen Personen nähern oder uns mit ihnen unterhalten, schalten wir die Stirnlampe ab. Der direkte Lichtstrahl ins Auge überreizt die Netzhaut, was zu einer sogenannten "Bleichung" des Sehpurpurs führt. Die betroffene Person ist für mehrere Sekunden bis Minuten desorientiert, sieht Punkte oder ist "schneeblind", was bei nächtlichen Aktivitäten hinderlich bis gefährlich sein kann. Helle LED-Stirnlampen sind so intensiv, dass sie besonders aus kurzer Distanz oder bei starker Fokussierung den Augen schaden können. |
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Verwende Licht nur, wenn du es benötigstDie Stirnlampe beim Beobachten nur bei Bedarf einzuschalten, ist essenziell, um die Dunkeladaption der Augen zu erhalten und die Umgebung nicht zu stören. Obwohl Rotlicht die Dunkeladaption weniger stört als Weißlicht, kann auch intensives Rotlicht das Nachtsehen beeinträchtigen. Durch bedarfsweisen Einsatz wird diese Störung minimiert. Und: In der absoluten Dunkelheit wirkt bereits schwaches Licht oft extrem hell, was zur Eigenblendung führt. |
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Kein Licht in der Nähe anderer TeleskopeDas Nähern mit einer eingeschalteten Stirnlampe ist beim gemeinsamen Beobachten mit anderen Astronomie-Begeisterten ein absolutes Tabu, da es nicht nur die Dunkeladaption der Augen zerstört. Wenn jemand in der Nähe fotografiert, kann ein Lichtkegel eine Langzeitbelichtung von mehreren Minuten komplett ruinieren. Schalte deine Stirnlampe aus, bevor du dich dem Teleskop und dem Beobachter näherst. Bewege dich in der Nähe von Fernrohren nur langsam und vorsichtig und mit ausgeschalteter Stirnlampe.
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Halte AbstandDas Einhalten von ausreichend Abstand zu anderen Teleskopen bei der Beobachtung ist aus mehreren technischen und sozialen Gründen essenziell: Das Licht von Taschenlampen, Handys, Bildschirmen oder sogar der Rotlichtlampen anderer Beobachter kann die Dunkeladaption der Augen zerstören und Langzeitbelichtungen in der Astrofotografie ruinieren. Wenn Beobachter zu nah beieinander stehen, können Schritte auf dem Boden Vibrationen übertragen, die das Bild zum Wackeln bringen. Ausreichend Abstand verhindert, dass man im Dunkeln versehentlich gegen ein fremdes Stativ stößt und dieses dejustiert oder beschädigt. Genügend Abstand sorgt für ungestörte Beobachtungsbedingungen und ein entspanntes Miteinander unter Sternfreunden. |
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Gehe nicht zwischen den TeleskopenDas Durchlaufen zwischen Teleskopen (besonders bei einer Star Party) gilt ebenfalls als Tabu beim gemeinsamen Beobachten. Das hat im Wesentlichen drei Gründe: Sicherheit, Rücksichtnahme auf die Dunkeladaption und den Schutz der Ausrüstung. Wenn du zwischen Teleskopen hindurchgehst, besteht eine hohe Gefahr, über Stativbeine, Kabel oder Stromversorgungen zu stolpern. Schon leichte Erschütterungen im Boden, verursacht durch Schritte in der Nähe, übertragen sich auf das Teleskop. Bei langzeitbelichteten Aufnahmen führt ein Anstoßen dazu, dass die Aufnahme ruiniert ist. Daher: Den Weg zum eigenen Teleskop immer "außen herum" wählen. |
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Vermeide StolperfallenAndererseits: Lange Kabel sollten bei der Beobachtung (und in der Technik allgemein) vermieden werden, da sie physikalische Probleme verursachen, die die Funktion von Geräten beeinträchtigen oder Gefahren darstellen. Lange Kabel sind eine der häufigsten Ursachen für Unfälle und Verletzungen beim gemeisamen Beobachten. |
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Verstelle anderen nicht die SichtFernrohre sollen, abgesehen vom Mindestabstand, so aufgestellt werden, dass sie sich nicht gegenseitig die Sicht verdecken. Das ist vor allem bei der Beobachtung horizontnaher Objekte wichtig. Beim gemeinsamen Beobachten muss sich die Gruppe auf eine Beobachtungsrichtung einigen. Die Instrumente sind dann entlang einer Linie senkrecht zu dieser Richtung aufzustellen. |
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Blende andere nicht mit Laptop oder TabletDie Verwendung von Laptops bei gemeinsamen astronomischen Beobachtungen (Star Parties) erfordert strenge Etikette, da das weiße Licht von Bildschirmen die Dunkeladaption der Augen anderer Beobachter innerhalb von Sekunden zerstören und fotografische Aufnahmen ernsthaft beeinträchtigen kann. Laptops sollen in einer Lichtschutzbox betrieben werden, sodass das Licht nur für den Benutzer sichtbar ist. Die Öffnung der Box/des Laptops oder zumindest der Bildschirm muss weg von anderen Beobachtern und deren Teleskopen zeigen. Wenn der Laptop kurzzeitig nicht genutzt wird, hänge ein schwarzes Tuch darüber oder verwende wenn möglich den Schlafmodus. |
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Rotlicht auch für BildschirmeVerwende rote Filterfolie auf dem Bildschirm, auch wenn eine Software-Lösung genutzt wird. Aktiviere den extremen Nachtmodus, der alle Farben in Rotabstufungen umwandelt. Stelle die Bildschirmhelligkeit auf das absolute Minimum, das für die Arbeit noch ausreicht. Richte den Bildschirmschoner so ein, dass er den Bildschirm nach maximal 60 Sekunden Inaktivität komplett ausschaltet. Bei Laptops mit beleuchtetem Logo auf dem Deckel muss dieses Logo abgeklebt werden. |
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Vermeide LärmBeim gemeinsamen Beobachten (sei es in der Natur, bei wissenschaftlichen Untersuchungen oder in sozialen Situationen) ist leises Verhalten aus mehreren Gründen wichtig. Echte Beobachtung erfordert oft eine hohe Konzentration, die durch laute Geräusche gestört wird. Ruhe ermöglicht es, sich voll und ganz auf das zu fokussieren, was man sieht, und den Moment bewusst zu erleben. Stille oder leises Verhalten erhöht die Qualität der Beobachtung und minimiert die Störung der Beobachteten. Und: In der Nähe von Wohngebäuden ist die Einhaltung der Nachtruhe Pflicht! |
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Frage, bevor du ein fremdes Gerät bedienen möchtestBeim gemeinsamen Beobachten (z. B. auf Star Partys) gilt ein fremdes Teleskop als das "Heiligtum" des Besitzers. Grundsätzlich darf man an ein fremdes Fernrohr treten, wenn der Besitzer explizit dazu eingeladen hat oder ein allgemeines Angebot zur öffentlichen Beobachtung besteht. Auch wenn viele Astronomen gerne ihre Ausrüstung teilen, bitte sie höflich um Erlaubnis, bevor du das Teleskop berührst oder durchschaust. Berühre das Teleskop oder das Stativ nicht, schon gar nicht die optischen Glasflächen (Linsen, Spiegel). Anfassen kann die sorgfältige Justierung (Kollimation) stören. Frage den Besitzer, ob du nachfokussieren darfst. |
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Wenn doch einmal weißes Licht nötig istWenn beim gemeinsamen Beobachten weißes Licht notwendig wird (technischer Notfall), ist das oberste Ziel, die Dunkeladaption der Augen der anderen Beobachter so wenig wie möglich zu stören. Rufe laut und deutlich eine Warnung, bevor du das Licht einschaltest, z.B. "Achtung, Weißlicht!". Dies gibt anderen die Möglichkeit, ihre Augen oder Geräte zu schützen oder kurz wegzuschauen. Richte das Licht immer direkt auf den Boden oder auf die Arbeitsfläche. Vermeide auf jeden Fall, mit der Taschenlampe direkt in Richtung der Augen anderer Personen oder direkt in Teleskopöffnungen zu leuchten. |
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Kein Fern- oder AbblendlichtDas Abblenden oder komplette Ausschalten des Lichts am Fahrzeug ist beim gemeinsamen Beobachten mit Teleskopen unerlässlich, um die Dunkeladaption der Augen aller Teilnehmer zu schützen. Helles Licht (insbesondere weißes Scheinwerferlicht) stört die Beobachtung massiv. Das Abblenden ist ein Zeichen von Rücksichtnahme. Nutze, wenn möglich, nur Standlicht beim Einfahren. |
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Halte eine Parkordnung einMehrere Fahrzeuge sollen so abgestellt werden, dass für alle das problemlose zu- und abfahren möglich ist, ohne andere stark zu behindern. Das spart nicht nur Platz, sondern sorgt auch für geringstmögliche Störung durch die Fahrzeugbeleuchtung (auch Rückfahrscheinwerfer und Bremslichter stören die Beobachtung). |
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Scheinwerfer nicht auf die Teleskope richtenStelle das Fahrzeug so ab, dass die Scheinwerfer nicht auf die Teleskope gerichtet sind. Dies vermeidet Blendung und Lichtverschmutzung beim Zu- und Abfahren. Dies ist vor allem beim Abfahren wichtig, da dies meist spät und bei Dunkelheit erfolgt. Es wird empfohlen, das Fahrzeug bereits vor dem Beobachtungsplatz so zu wenden, dass Scheinwerfer bei der Abfahrt nicht auf die Teleskope leuchten. |
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Vermeide InnenbeleuchtungOft ist es nötig, Fahrzeugtüren offen zu halten, um auf Zubehör zugreifen zu können. Bei vielen Fahrzeugen bleibt dann die Innenbeleuchtung (Fahrgastraum oder Kofferraum) eingeschaltet, was ebenfalls beim Beobachten stört. Wenn sich die Innenbeleuchtung nicht ausschalten lässt, überklebe sie mit einem lichdichten Klebeband. Bleibt das Fahrzeug in der Nähe, sperre es nicht ab. Viele Fahrzeuge schalten beim Aufsperren jede Menge Beleuchtung ein. |

Laserklassen und ihre Gefahren. Quelle: AUVA.
Grüne Laserpointer sind kein Spielzeug und können in Sekundenbruchteilen schwere, bleibende Schäden an der Netzhaut des Auges verursachen. Der direkte Blick in den Strahl muss unbedingt vermieden werden. Beim Einsatz ist auf die Laserklasse zu achten. Es ist sicherzustellen, dass keine Flugzeuge, Hubschrauber oder andere Personen angestrahlt werden. Aufgrund des Gefahrenpotenzials aus obiger Tabelle sind beim gemeinsamen Beobachten mit Fernrohren nur Laser der Klasse 1 unbedenklich. Wegen der Störung beim Beobachten sind sie beim Beobachten in einer Gruppe gänzlich untersagt.
Grüne Laserpointer, besonders günstige Modelle, können eine zu hohe Ausgangsleistung haben. Da grünes Licht vom Auge sehr gut wahrgenommen wird, ist die Versuchung groß, stärkere Laser zu verwenden, was bei direktem oder indirektem Augenkontakt zu schweren Netzhautschäden führen kann. Ein grüner Laserstrahl ist sehr hell und kann die Dunkelanpassung für alle Umstehenden sofort zerstören, was minutenlanges Warten erfordert, bis man wieder schwache Sterne sehen kann. Für Astrofotografen ist ein grüner Laser, der durch das Bild wandert, eine Katastrophe, da er Langzeitbelichtungen ruinieren kann. Viele billige grüne Laser erzeugen das grüne Licht durch einen Frequenzverdopplungsprozess aus Infrarotlicht (IR). Wenn der verbaute IR-Filter fehlt oder minderwertig ist, tritt neben dem sichtbaren grünen Licht auch unsichtbare, hochenergetische IR-Strahlung aus, die das Auge schädigen kann, ohne dass man einen Blendeffekt bemerkt.
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Kein grüner Laser zum Erklären des HimmelsUm einer Gruppe Interessierter den Himmel zu erklären, darf beim gemeinsamen Beobachten kein grüner Laserpointer verwendet werden. Nütze das Instrument der menschlichen Sprache, um Sternbilder zu erklären, auch wenn das vielleicht ein wenig aufwändiger ist. Auch aus Respekt zur Natur. |
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Kein grüner Laser unter FlugroutenEin grüner Laserstrahl wird vom menschlichen Auge besonders hell wahrgenommen und kann zu vorübergehender Erblindung oder sogar dauerhaften Netzhautschäden bei Piloten führen. Das Anvisieren von Flugzeugen mit Lasern ist kein Kavaliersdelikt. Es handelt sich um einen gefährlichen Eingriff in die Sicherheit der Luftfahrt, der in Österreich strafrechtlich verfolgt wird und zu hohen Haft- oder Geldstrafen führen kann. In der Nähe von Flugrouten (z.B. Sophienalpe) ist der Einsatz eines grünen Lasers kein harmloses Vergehen! |
Dieser Text wurde bearbeitet mittels künstlicher Intelligenz (KI).
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