Beobachtungsbericht

Beobachtungsnacht auf der Ebenwaldhöhe, Donnerstag, 25. Juni 1998

Immer wieder verschoben wir die Wiederholung der abgebrochenen Beobachtung vom 20. Juni; leider ließen wir uns auch durch die in Wien am Abend des 21. aufziehende Bewölkung täuschen; auf der Ebenwaldhöhe war es an diesem Abend wunderschön, wie andere Amateure berichteten.

Immerhin, auch am 25. Juni erstrahlte über der Ebenwaldhöhe ein makelloser Himmel, der nicht nur das Team des Beobachterkurses (Astrostudio Kamera) anlockte, sondern auch andere Amateurastronomen mit Instrumenten bis zu 18 Zoll Durchmesser. Auch Michael Jäger mit seiner legendären Schmidtkamera war da.

Es war ein Abend, wie man ihn sich wünscht: Wolkenlos, dunkel, phantastisches Seeing, warm und windstill, und das ist knapp über 1000 Meter Seehöhe. Astronomie vom Feinsten. Schade, daß es ein Werktag war, aber in dieser Nacht vergaß man die kommenden Mühen eines Arbeitstags mit Schlafauge.

Keine Wolke verhinderte das Einnorden der Instrumente, das dann auch schnell von statten ging. Und bald dienten auch wieder die Doppelsterne als Pausenfüller bis zum Ende der Dämmerung: Albireo, Epsilon in der Leier. Letzterer sorgte in Gerald Rhemanns Celestron 11 mit einem 10,5mm-Pentax-Okular für Aufsehen: Man ist gewohnt, Epsilon entweder schön zentriert in einem sternreichen Feld zu sehen oder jede der beiden Komponenten gut getrennt. Aber in diesem Okular - 15 Boegenminuten Feld und eine 260-fache Vergrößerung - ging beides auf einmal! Welch ein Anblick...

Interessant auch der Anblick von M13 in den unterschiedlichen Rohren von 6 bis 45cm: In den kleinsten Rohren ein diffuser Fleck, bei 11cm am Rand schon aufgelöst, ab 20cm weit aufgelöst. In den großen Rohren, vor allem im 18" Dob, so plastisch und bis in die Mitte aufgelöst, daß man den Eindruck hatte, unmittelbar davorzustehen.

Die Nacht gehörte aber eindeutig den Nebeln im Schützen und Schwan. Und hier zeigte sich die einmalige Kombination der Pentax-Okulare mit einem UHC-Filter; M8 und M17 waren auch in den kleineren und mittleren Instrumenten durchaus beeindruckend, vor allem mit Filter. Aber im C11 mit einem 28mm-Pentax-Okular und UHC-Filter blieb sogar erfahrenen Beobachtern die Luft weg: Man dachte, eine optimal ausbelichtete Schwarzweißfotografie dieser Nebel zu betrachten; jedes noch so kleine Detail trat deutlich hervor und die nebel erschienen so plastisch, daß man meinte, sie angreifen zu können. Umwerfend, es fehlen die Worte!

Den Abschluß bildete der Cirrus-Nebel; im 18" Dob so deutlich, daß man ihm weit folgen konnte, ohne ihn zu verlieren.

"Gekrönt" wurde der Abend durch zwei Iridium-Flares, -6 und -7 mag hell; sie hellten sogar etwas den Himmel auf und erinnerten uns, wie gefährdet der Anblick des Sternenhimmels heute ist. Nicht nur durch immer mehr Wolken infolge globaler Erwärmung, sondern auch durch immer hellere künstliche Erdtrabanten.

AP

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