Beobachtungsbericht

Beobachtungsnacht auf der Ebenwaldhöhe, Mittwoch, 23. September 1998

Endlich, nach wochenlangem Schlechtwetter, konnte im Rahmen des jüngsten Beobachterkurses des Astrostudio Kamera auch wieder auf der Ebenwaldhöhe beobachtet werden. Demensprechend dicht mit amateurastronomischer Prominenz besetzt war dieser Wiener Beobachterhausberg.
 
Unsere kleine Gruppe beobachtete mit verschiedenen Instrumenten von 11 bis 31 cm Durchmesser. Typische Instrumente waren die weit verbreiteten 11cm-Newtons, weiters gabe es noch einen 15cm-Dob, ein 8" LX-200, ein C11 und unser 12" LX-200. Mit von der Partie auch Gerald Rhemanns Schmidtkamera und Fraz Kersches wuchtiger Refraktor.

Bedingungen: Kein Wind; kühl, aber nicht unangenehm kalt. Durchsicht 1+, Aufhellung 1+, Seeing zunächst 3-4 (über 4"), später dann 1-2 (unter 2"). Keine Bewölkung, tiefer Dunst im Tal, etwas leichter Nebel, der später auskondensiert (Feuchtigkeit!).

Es werden hier die Beobachtungen am 12" LX-200 beschrieben. Beginn 20.00 MESZ, Ende (unseres Parts) 00.15 MESZ am 24. 9.

 
Albireo Pentax 21mm, ganz deutlich.
M57 Im P21 schon sehr deutlich. Im P10.5 mit OIII-Filter zeigt sich der Nebel sehr kontrastreich, der Ring ist an den Längsenden deutlich diffus aufgefächert, innen aufgehellt, aber recht scharf begrenzt.
M17 P21 + UHC-Filter, beeindruckend kontrastreich, auch alle feinen Ausläufer sind gut zu erkennen, obwohl das Objekt nur etwa 10° hoch steht.
Komet Giacobini-Zinner  P40 sehr deutlich, diffuer Kern und leicht längliche Coma.
Komet Linear M5 Extrem schwierig, da mitten in der Michstraße bei Gamma Cygni in einem sehr reichen Sternfeld. Im P40 entsteht zunächst der Eindruck von einem Sternchen 11mag mit kurzem Schweifansatz. Im P10.5 kann aber ein kleines, kreisrundes, diffuses Wölkchen von dem benachbarten Stern getrennt werden.
NGC6888 P40 + UHC-Filter, sehr plastisch, offener, stehender elliptischer Bogen, rechts offen, links oben deutlich heller, feine Strukturen. Ein zweiter, schwacher Bogen scheint quer zu liegen, sodaß der Nebel wie ein kleines griechisches Theta aussieht.
M31 und Begl. P40, sehr hell, Kern von M31 und Ausläufer, erster Sprialarm deutlich. In diesem erkennt man die Sternwolke NGC206, die eigentlich eine kannibalisierte Zwerggalaxie ist (groß, diffus). M32 und M110 sind deutlich.
M33 P40, sehr groß und diffus, Spiralstruktur blickweise. P10.5+UHC: Die HII-Region NGC604 ist als kleiner, leicht diffuser Fleck ganz deutlich zu erkennen.
M13 P10.5, es fehlen die Worte. Plastisch, bis ins Zentrum aufgelöst. NGC6207 ist auch sehr deutlich, mit etwas Struktur.
NGC 6960 Cirrus-N., Teil 1, P40+UHC, eleganter geschwungener Bogen, an einem Ende spitz auslaufend, am anderen Ende diffus aufgefächert, es sind viele einzelne Filamente zu erkennen. 52 Cyg stört enorm!
NGC 6992 Cirrus-N., Teil 2, P40+UHC, extrem viel Detail, sehr viele kleine, sich überkreuzende Filamente unterschiedlicher Helligkeit. Da verschlag es sogar langgedienten Beobachtern die Sprache!
(o. Bez.) Cirrus-N., Teil 3 (Mittelteil), P40+UHC, sehr detailliert und Filamentreich
Uranus P10.5, rund, sehr bläulich, deutliches Scheibchen, mit indir. Sehen blickweise unterhalb kleines sternartiges Objekt (Zenitspiegel nach W gedreht), das ein Mond sein könnte. Rekonstruktion mit Starry Night Deluxe: Titania, 14,0 mag, an der entsprechenden Position! Es herrschte eine freisichtige Grenzgröße von ca. 6.5 mag, also kann man mit 12" um ca. 8 mag schwächer sehen, also 14.5 mag. Es könnte sich also realisitischerweise um den größten Uranusmond, Titania, gehandelt haben!
Neptun P10.5, rund, kleines Scheibchen, mit indir. Sehen blickweise unterhalb kleines sternartiges Objekt (Zenitspiegel nach W gedreht), das ein Mond sein könnte. Rekonstruktion mit Starry Night Deluxe: Triton, 13,6 mag, stand in entsprechender Elongation. Es herrschte eine freisichtige Grenzgröße von ca. 6.5 mag, also kann man mit 12" um ca. 8 mag schwächer sehen, also 14.5 mag. Es könnte sich also realisitischerweise um den größten Neptunmond, Triton, gehandelt haben. Leider wurde der Positionswinkel des Zenitspiegels nicht notiert. 
Jupiter P10.5, NEB und SEB sehr deutlich, im s.NEB einige BAYs, im EB (sehr schmal) einige dunkle SECTs. Im SEB eine große, dunkle DIST vom Rand bis in die Scheibenmitte, auf der linken Seite merklich aufgehellt. STrB sehr deutlich und breit, ein dunkler SPOT, das STB ist schwach, das SSTB deutlich mit einem SPOT, SSSTB mit SPR verschmolzen, SPR sehr ausgeprägt und dunkel. s.NEB drei helle BAYs. NTrZ sehr bleichmäßig. NTrB zwei dunkle SPOTs. NTB links fading, rechts dunkle SECT. Die anderen NTBs mit NPR zu einer mittelhellen amorphen Masse verschmodzen. Schöne Farben. NEB und SEB bräunlich, an den Rändern einige bläucliche Strukturen. Mit Blaufiler Kontrast noch verstärkt, allerdings nur in den B, nicht in den Z. Wer das jetzt nicht verstanden hat, dem sei das Seminar "Besser beobachten - Jupiter und Saturn" empfohlen. Dort wird u.a. erklärt, wie man Wolkenformationen auf Jupiter offiziell beschreibt.
Saturn P10.5, sehr plastisch und kontrastreich, Cassini-Teilung in vollem Verlauf zu erkennen, bei ruhiger Luft auch ca. 3 Längsstrukturen im B- und eine im A-Ring. NEB deutlich, ein schwächeres NTrB zu erkennen, NPR deutlich. C-Ring, rotbraun, schön zu erkennen. Einige Monde: Titan, nahe einem hellen Stern, Rhea, Tethys, Dione knapp unterhalb Saturn. Zur "Geheimsprache" siehe oben!
M45 P40, mehr als ein Gesichtsfeld. Ob die blauen, diffusen Höfe um die hellen Sterne vom Dunst herrühren oder Reflexionsnebel sind, ist unklar, ich tippe auf ersteres.
NGC7293 Hellix-N., P40 + UHC, diffus, rund, Ring (Mitte dunkel, außen sehr unregelmäßig)
NGC7009 Saturn-N., P10.5+UHC, hell, blau, Form mit Phantasie
NGC7331 P21, hell, länglich N-S, sehr deutlich
NGC7317/19/20 Stephen's Quintet, P21, diffus, unterschiedlich orientiert, unterschiedliche Formen. 4 Gx leicht zu erkennen.
 
Ende gegen 00.30 Uhr.

AP

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