Beobachtungsbericht

Beobachtungsnacht auf der Ebenwaldhöhe, 17. Jänner 1999

Beginn 20.30 Uhr MEZ. Der erste gemeinsame Beobachtungsabend mit unseren Freunden von Antares aus St. Pölten. Eigentlich hatten wir geplant, auf dem neuen Platz bei Michelbach zu beobachten, doch leider hatte der Hochnebel seine Obergrenze auf etwa 900m gehoben. Da blieb nur mehr die etwas weiter gelegene Ebenwaldhöhe.

Dort traf man viele alte Bekannte, die diesen wohl einzigen Punkt über der Nebeldecke angesteuert hatten: Gerald Rhemann, Michael Jäger, Walter Koprolin und viele andere.

Unsere kleine Gruppe, die sich zu Walter gesellte, hatte einiges an Instrumentarium, allen voran ein 18" Dob, dann unser 12" SC, zwei 8" SC, ein Telemator und einige Feldstecher.

Bedingungen: Durchsicht 1+ (später 1-), Aufhellung 1+ (später 1-), Seeing 1-2, Bewölkung 0%, trocken, kein Wind, Temperatur ca. 0° C.
 
 
Objekt Teleskop Okular Kommentare
M42 12" P 40 + UHC Extrem detailsreich, vor allem im Zentrum; es zeigen sich drei Helligkeitsstufen: Kernberich um das Trapez (6 Sterne), innere Filamente und äußere Filamente. Letzere gehen über das Gesichtsfeld hinaus und man kann richtig über den Nebel schwenken. Auch die Nachbarnebel M43, NGC 1973-75-77 und NGC 1980 sind sehr deutlich.
18" Ein spezielles Erlebnis! In der äußeren Filamenten erkennt man bereits schwace rötliche und bläuliche Farbtöne, das Zentrum erscheint blaugrün.
NGC 2024 12" P 40 + UHC Flame-Neb., Dunkelstruktur ganz deutlich zu erkennen. Sehr groß.
IC 434 12" P 40 + UHC Pferdekopf-N., der Emissionsnebel ist länglich und recht deutlich. Der Pferdekopf ist als dunkle Einbuchtung bei indirektem Sehen zu erkennen. Auch die beiden vorgelagerten Reflexionsnebel NGC 2023 und IC 435 sind sehr deutlich.
Komet P/1998 U3 (Jäger) 12" P 40 Sehr hell, diffus, relativ deutlich.
P 21 Kern deurlich, sehr runde Coma, sehr kurzer Schweifansatz.
M1 8" Form bereits deutlich zu erkennen
12" P 40 + UHC Diffuse Innenbereiche ohne Filamente, Form deutlich, sehr hell.
P 40 Jetzt sind auch Filamente andeutungsweise zu erkennen. Grenzgröße liegt visuell jenseits 14mag (Sterne im Nebel).
M81, M82 18" Pano 22 Bei M81 ist nicht nur die helle, diffuse Kernregion, sondern die ganze Scheibe mit den beiden Spiralarmen zu erkennen. Bei M82 (sehr hell!) ist das unregelmäßige Staubband ganz leicht zu erkennen. Beide Objekte auf einmal im Gesichtsfeld.
M38 12" P 40 Füllt etwa das halbe Gesichtsfeld mit einer sehr dichten Konzentration an ziemlich gleichmäßig hellen Sternen aus. Auffällig: Einige gerade Sternreihen.
M36 12" P 40 Etwa 1/4 Gesichtsfeld, mäßig konzentriert, mit ziemlich hellen Sternen; liegt in der Milchstraße, daher sehr sternreiche Umgebung, Haufen hat relativ geringen Kontrast zur Umgebung.
M37 12" P 40 Das gesamte Gesichtsfeld ist mit gleichmäßig hellen, schwächeren Sterne aufgefüllt, wobei der Haufen auffällig konzentriert ist. Einige gerade Sternreihen und im Haufenzentrum ein markanter, ziemlich allein stehender, hellerer Stern.
NGC 1778 12" P 40 OStH, Aur; locker, relativ groß, zerstreut, kein sehr auffälliges Objekt.
NGC 1907 12" P 40 OStH, Aur; klein, sehr dicht, hebt sich sehr deutlich von seiner Umgebung ab und ist sehr stark konzentriert.
NGC 2192 12" P 40 OStH, Aur; sehr schwache Sterne, ziemlich klein, konzentriert, bei indirektem Sehen aufgelöst, ansonsten diffus.
M35 12" P 40 Füllt halbes Gesichtsfeld aus, sehr reich, sehr viele helle Sterne, gestreute Helligkeitsverteilung, zwei auffällig hellere Sterne. Im gleichen Gesichtsfeld ...
NGC 2158 12" P 40 ... sehr klein, dicht, hoch konzentriert, bei indirektem Sehen deutlich auggelöst, ansonsten eher diffus.
NGC 2141 12" P 40 OStH, Ori; ganz diffus, extrem schwache Sterne, hebt sich vom Hintergrund nur allmählich ab und ist nicht auflösbar. Unregelmäßig geformt. Sehr interessantes Objekt!
NGC 891 18" Sehr deutlich, länglich, zentrale Verdickung, Staubscheibe. Beeindruckend. 1/2 Gesichtsfeld im Pano 20.
12" P 40 Alle Details wie oben beschrieben, aber schwächer. Hier kommen die 6" Unterschied gnadenlos heraus!
Saturn 18" Hier kommt das Seeing durch! Sehr hell, blendet fast. Sehr viele Monde.
12" P 10.5 Etwa die gleichen Details: Ringschatten, Cassini-Teilung, Polarregion, EB.
M79 18" Klein, aber ganz deutlich aufgelöst.
12" P 40 Klein, am Rand deutlich aufgelöst, sonst rund und diffus.
h + Chi 18" Beeindruckend; beide Haufen in einem Gesichtsfeld.
M50 12" P 40 Relativ unauffällig, wenig Kontrast zur Umgebung. Sehr sternreich.
NGC 2254 12" P 40 OStH, Mon; klein, sehr dicht, hebt sich deutlich vom Sternenhintergrund ab, indirekt auflösbar, sehr nett.
NGC 2311 12" P 40 OStH, Mon; hebt sich mittelmäßig vom Sternenhintergrund ab, nicht allzu reich, leicht diffus hinterlegt, nicht sehr auffällig.
NGC 2324 12" P 40 OStH, Mon; sehr reich, sehr dicht, klein, hebt sich deutlich ab. sehr auffällig und interessant.
M46 12" P 40 Füllt halbes Gesichtsfeld mit gleichmäßig hellen, schwächeren Sternen auf. Sehr deutlich ist der planetarische Nebel NGC 2438 im Haufen als Ring zu erkennen.
M45 18" Beeindruckend; alle Reflexionsnebel sind deutlich zu erkennen, die Färbung ist deutlich. Die bestechende Bildqualität des Instruments kommt hier besonders zum Tragen!
M47 12" P 40 Sehr helle Sterne, sehr reiche Sterngegend.
M33 12" P 40 Kernregion sehr deutlich.
M31 18" Beeindruckend. Zwei (!) Spiralarme zu erkennen, M31 geht weit über das Gesichtsfeld hinaus, M32, M110 und NGC 206 sind ebenfalls sehr deutlich zu erkennen.
M76 12" P 40 Hell, deutlich ist die Korkenform zu erkennen.
NGC 1535 12" P 40 PlNeb, Eri; klein, diffus, sehr hell.
NGC 2022 12" P 40 PlNeb, Ori; klein, bläulich, rund, ringförmig.
NGC 2346 12" P 40 PlNeb, Mon; klein, diffus, deutlich, in einem sehr reichen Sternfeld.
NGC 2371-72 12" P 40 PlNeb, Gem; deutlich zwei Zentren zu erkennen, diffus, steht schräg im Sternfeld.
NGC 2419 12" P 40 KStH, Lyn; rund, diffus, klein, deutlich, aber keine Sterne zu erkennen.
Komet C/1998 P1 (Williams) 12" P 40 Steht noch sehr tief (Höhe < 10°), dennoch deutlich, groß, diffus, auch Kern zu erkennen!

Gegen 23.30 Uhr zog Dunst auf; abgesehen von dem drohenden Montag, der zur Heimfahrt mahnte, war auch die Batterie unseres 12" leer und so beendeten wir eine bemerkenswerte Beobachtung.

AP

Walters Bericht:

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Beobachtungsbericht vom Sonntag, den 17.1.1999, Ebenwaldhoehe
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Nach einer langen "Durststecke" ohne brauchbare Beobachtungsnacht legte
sich gerade noch rechtzeitig zum Neumond im Jaenner endlich wieder einmal
ein stabiles Hoch ueber Oesterreich. Am Sonntag, den 17.1.1999, lag ueber
Wien und Umgebung zaeher Hochnebel, dessen Obergrenze im Wetterbericht mit
700-1000m angegeben wurde, darueber waren jedoch Sonnenschein und
wolkenloser Himmel zu erwarten. Howdii konnte diesmal leider nicht
mitkommen, daher fuhr ich alleine auf die Ebenwaldhoehe hinauf, die ja mit
1000m Seehoehe gerade ueber dem Nebel liegen sollte. Da es im Jaenner noch
recht frueh finster wird, fand ich mich schon um 18 Uhr oben ein. Auf der
Ebenwaldhoehe fand ich einen dunkelblauen, klaren Himmel vor, auf dem
schon zahlreiche Sterne zu sehen waren; schon alleine das Heraustauchen
aus der Wiener Nebelsuppe unter so einen praechtigen Sternenhimmel ist ein
Erlebnis fuer sich.

Zunaechst war ich der einzige Beobachter auf der Ebenwaldhohe und machte
mich an's Aufbauen meines 8" f/10 Schmidt-Cassegrain Reflektors und meines
63/840 Telemantor Refraktors, letzterer sollte als Leitrohr fuer Fotos mit
Teleobjektiv dienen. Die freisichtige Grenzgroesse des Himmel lag bei etwa
6.3 mag. Anfangs herrschte ausgezeichnetes Seeing, an Jupiter sah ich im
kleinen Refraktor 5 Baender. Der Orionnebel zeigte im 8" Teleskop subtile
Details bei mittleren Vergroesserungen, und der Krebsnebel M1 zeigte im
neuen Panoptik 22mm-Okular seine Form und erschien nicht gleichmaessig
beleuchtet, sondern leicht "gemottelt", eine Andeutung der Filamente, die
erst in groesseren Teleskopen eindeutig auszumachen waren. Filter helfen
beim Krebsnebel uebrigens nicht, da das Licht des Supernovaueberrestes aus
Synchotronstrahlung und nicht aus Linienemission entsteht.

Mitterweile sind zahlreiche andere Beobachter auf die Ebenwaldhoehe
heraufgekommen - zuerst Hr. Rhemann und Hr. Jaeger mit Anhang und grossen
Schmidtkameras, wie immer auf Kometenjagd, die sich der Strasse zur
Ebenwaldhuette entlang aufgestellt haben, spaeter andere Amateure, die
sich auf der Strasse zum Bauernhof hin aufgestellt haben. Gegen 21 Uhr
ploetzlich eine Kolonne von 5 Autos, die alle auf den Parkplatz zu mir
kamen: Die gesammelten Beobachter der Vereine WAA and Antares, die von
einem anderen Beobachtungsplatz, der unter dem Nebel lag, hierher
uebersiedeln mussten! Alex Pikhard vom WAA stellte sein 12"
Schmidt-Cassegrain Teleskop nicht weit von mir auf und zeigte mir gleich
einmal den Orionnebel (praechtig!), spaeter den Kometen Jaeger: Der Komet 
ist ueberraschend hell und gut zu sehen, zeigt einen sternfoermigen Kern 
mit diffuser Koma rundherum. Auch den Pferdekopfnebel B33 konnten wir im 
12" bei 75x mit UHC-Filter indirekt als dunklen "Finger", der in den
Nebelstreifen IC 434 hineinragt, erkennen. Saturn zeigte bei 286x im 12"
so wie in meinem 8" SCT 3 Monde, die Cassiniteilung und ein dunkles Band
(EB), nicht viel mehr, da sich das Seeing inzwischen ein wenig
verschlechtert hatte.

Durch den 18" Eigenbau-Dob von Thomas Maurer vom St. Poeltner Verein
Antares konnte ich einen Blick auf die beiden Galaxien M81 und M82 im
Grossen Baeren werfen: Die Spiralarme von M81 sowie die Staubbaender im
Zentrum vom M82 waren mit gutem Kontrast zu erkennen. Mehr zu den
Beobachtungen im 18" Dob und im 12" SCT findet sich in einem Bericht von
Alex Pikhard auf der WWW-Seite des WAA.

Ich war zwischen den Beobachtungen immer wieder mit Fotos mit dem
Teleobjektiv und Normalobjektiv beschaeftigt, Aufnahmeobjekte waren die
Nebeln IC 405, IC 410 und der Sternhaufen M38 im Fuhrmann sowie die
Plejaden und Panoramas der Wintermilchstrasse, die bei der guten
Transparenz der Nacht auf der Ebenwaldhohe besonders auffaellig war.

Gegen 23:30 zogen die Beobachter von WAA und Antares wieder ab, ich
hingegen fotografierte weiter bis 00:45. Gegen Ende meiner letzten
Belichtung liess die Transparenz ploetzlich nach, und binnen Minuten war
der Himmel bedeckt, und ich stand mittem in den Wolken: Die angekuendigte
Wolkenfront war auf der Ebenwaldhoehe fast horizontal dahergekommen. Da
hiess es fuer alle noch verbliebenen Amateure: Einpacken! Gegen 2:30 war
ich wieder daheim in Wien.

Insgesamt war es eine praechtige Astronacht in netter Gesellschaft. :-)

DI Mag. Walter Koprolin


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