Beobachtungsbericht

Beobachtungsnacht auf der Ebenwaldhöhe, 21. Jänner 1999

Beginn 19.50 Uhr MEZ. Ermuntert durch die phantastische Nacht zuvor wagten wir es wieder. Bei der anhaltenden Hochdrucklage konnte auch nicht viel schiefgehen. Die Hochnebeldecke hatte ihre Obergrenze auf 700m.

Diesmal war wieder etwas mehr Betrieb als am Vortag, und wir trafen wieder alte Bekannte: Walter und Howdii machten ebenfalls den Himmel unsicher. Und von unserem Verein hatten sich auch 5 Mitglieder, teilweise spontan, zum Beobachten entschlossen.

Heute hatten wir uns vorgenommen, weniger auf Objektjagd zu gehen, sondern mehr Zeit für Detailstudien an den einzelnen Objekten aufzuwenden.

Bedingungen: Die dünne Mondsichel im SW hellt den Himmel noch etwas auf (als sie unterging, wurde es wirklich merklich dunkler) Durchsicht 1+, Aufhellung 1-2 auf 1+, Seeing 1-2 auf 1++, Bewölkung 0%, trocken, kein Wind, Temperatur ca. -2° C. Durch die dichte Hochnebeldecke dringt so gut wie kein Licht von den umliegenden Gemeinden nach oben. Es ist stockdunkel!
 
 
Komet P/1998 U3 (Jäger) P 21 Deutlicher Kern, runde, helle, zentral verdichtete Coma, kein Schweiifansatz.
IC 2149 P 21 PlNeb, Aur; winzigklein, sieht wie ein etwas unscharfes Sternchen aus. Leicht bläulich.
Komet C/1998 M5 (LINEAR) P 21 Sehr tief, aber sehr gut zu sehen; heller Kern (allerdings naher Hintergrundstern), deutlicher, breit aufgefächerter Schweif, Innenbereich 10% Gesichtsfeld, Ausläufer könnten bis an den Rand des Gesichtsfeldes reichen. Bei indirektem Sehen entsteht der Eindruck von 2 - 3 Jets im Schweif.
NGC 7139 P 21 PlNeb, Cep; schwierig; groß, diffus, sehr lichtschwach, strukturlos. Bei eindirektem Sehen deutlich, aber nicht spektakulär.
NGC 7662 P 21 PlNeb, And; sehr hell, rund, zu hell, um Strukturen erkennen zu können. 
P 10.5 + O III Bei längerer Betrachtung erkennt man Ringstrukturen, allerdings unregelmäßig, wie eine Reihe von unzusammenhängenden und ineinanderliegenden Ringbögen.
Freisicht-Intermezzo: Im Südwesten steht die etwa vier Tage alte Mondsichel und Jupiter etwa 4° senkrecht darüber. Ein sehr schöner Anblick, wenngleich der Mond den Himmel doch ziemlich aufhellt.
M 31 P 40 Zwei Spiralarme (links vom Kern), Kern macht 1/3 GesFeld, der ganze Nebel ca. 4 Gesichtsfelder (fast eines im Feldstecher!). Etwa 1 1/2 GesF unterhalb des Kerns NGC 206 als diffuse, aber deutliche Struktur, M 32 sehr hell, auch M 110, dieser oval und diffus mit hellem Kern. Bewegt man sich mit den Feinbewegungen entlang der Außenregionen von M31, kann man bei indirketem Sehen wirklich auch feine Strukturen in der Hauptscheibe des Nebels erkennen.
M 33 P 40 Gut strukturierter kernbereich nit hellem, sternartigen Kern; diffuse Hülle füllt fast das ganze Gesichtsfeld aus, Spiralstruktur angedeutet. Etwas abgelöst die beiden H II-Regionen NGC 595 und NGC 604, die bei indirektem Sehen zu erkennen sind.
Saturn P 5.2 In ruhigen Momenten macht diese Vergößerung sogar noch Sinn, wenngleich man bereits den Effekt der "leeren Vergrößerung" merkt. Viele Details: Cassini-Teilung, Ringschatten, Schatten von Saturn auf dem Ring, Wolkenbänder auf Saturn, Monde. Ein wunderschöner Anblick! Man erkennt deutliche Farbverläufe im Ring: Der C-Ring ist dunkel rötlichbraun, im B-Ring verläuft die Farbe von gelblich nach weißlich, der A-Ring ist etwas dunkler und gelblich. A- und B-Ring sind weißer und heller als der Planetenkörper selbst; dieser ist gelblich mit bräunlich-gelblichen Bändern und Polarregion.
M 77 P 10.5 Sehr heller Kern und deutliche diffuse Hülle.
M 42 P 40 + UHC Aufgrund des sehr guten Seeing sind schon bei der schwachen Vergrößerung extrem viele Details zu erkennen. Im hellen Kernbereich viele dunkle Filamente, die hellen Filamente laufen sehr weit nach außen (wei über ein Gesichtsfeld hinaus).
P 10.5 + UHC Sehr plastische Kernregion. Im Trapez erkennt man deutlich 6 Sterne.
NGC 1980 P 40 Gegend um Iota Orai, einige Reflexionsnebel.
NGC 1973/75/77 P 40 Sehr deutlich, die drei Nebel erscheinen als zusammenhängendes Gebilde, von einigen Dunkelwolken durchsetzt, sehr schön.
NGC 2024 P 40 (Zeta Ori aus Gesichtsfeld). Flammenstruktur ist deutlich, der Nebel wird durch die Dunkelwolken in 5 Teile geteilt.
B 33 P 40 Schwierig! IC 434 ist recht schwach, nach einiger Zeit erkennt man indirekt den Nebel und einen dunklen Fleck in der N-S verlaufenden Nebelschwade. Auch IC 435 und NGC 2023, die beiden kleinen Reflexionsnebel, sind deutlich zu erkennen.
In Howdii's 5.7" mit H-Beta-Filter ist er bereits zu erkennen.
Pano 35 + H-Beta Jetzt im 12" bei indirektem Sehen kein Problem mehr!
M 78 P 40 Hell, ohne Filter leicht grünlich, zwei helle Sterne im Nebel.
NGC 2244 + Rosetta-Nebel P 40 + UHC Sehr detailreich, viele Filamente im Nebel, etwa 1 1/2 Gesichtsfelder, vor allem westlich von 2244 ist der Nebel sehr deutlich. Auch im Feldstecher und anderen kleineren Instrumenten (mit Filtern) gut zu sehen!
NGC 2261 P 21 Wie ein kleiner Komet! Details siehe Bericht vom Vortag.
NGC 2264 P 21 Haufen und Reflexionsnebel deutlich, Conusneben ist nicht zu erkennen.
M 45 In Howdii's 5.7" mit Blaufilter sind die Reflexionsneben extrem deutlich!
M 67 P 40 1/4 Gesichtsfeld, sehr dicht.
M 105, NGC 3384, NGC 3389 P 40 Drei Galaxien im Gesuchtsfeld, zwei hellere und eine schwächere. Alle drei gut zu erkennen.
M 95 P 40 Heller Kern, diffuse, ovale Hülle
M 96 P 40 Größer und diffuser als M95, Kern deutlich, oval.
M 65, M66, NGC 3628 P 40 Drei längliche Galaxien mit z. T. auffälligen Kernen, 3628 hat eine deutliche Staubscheibe.
Komet C/1998 P1 (Williams) P 40 Rund, diffus, ohne merkbaren Kern, kein Schweif.
M 51, NGC 5195 P 40 Prächtig! Spiralarme sind in vollem Verlauf (2 Windungen) zu sehen, auch die helle Brücke zum Begleiter. 
M 101 P 40 Sehr groß, halbes Gesichtsfeld; diffus, Spiralstruktur angedeutet.
M 97 P 40 Hell, rund, Struktur gut zu erkennen.
M 81 P 40 Sehr groß, heller Kern, Spiralarme andeutungsweise.
M 82 P 40 Sehr hell, sehr detailreich!
Ab 21 (Medusa-Neb.) P 40 ?!, bei indirektem Sehen leichte Aufhellung, bei längerer Betrachtung eine Bogenartige Struktur.

Ende gegen 0.00; die Ergänzungen von anderen Beobachtern folgen noch!

AP

Walters und Howdiis Bericht:

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Beobachtungsbericht vom 21./22. 1. 1999, Ebenwaldhoehe
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Anhaltendes winterliches Hochdruckwetter veranlasste uns am 21. Jaenner
gleich zur naechsten Spechtlexkursion auf die Ebenwaldhoehe. Nebel und
Hochnebel waren tagsueber "brav" unten liegengeblieben, demgemaess war es
in den Niederungen unwirtlich, kalt und nass, gebietsweise gab es sogar
gefrierendes Nieseln und daduch rutschige Strassen. Auf der Ebenwaldhoehe
hingegen erwartete uns ein wahrhaft praechtiger Sternenhimmel. 

Wir (Walter Koprolin und ich, Howdii) starteten um 18:00 Uhr, in der
spaeten Abenddaemmerung, zu dieser Zeit stand die Mondsichel noch
einigermassen hoch am Himmel. Unsere Geraete waren wie beim letzten Mal
mein 4" f/8 APO auf Walters GP-DX, und mein 5.7" f/6 Maksutov-Newton auf
der SP-DX Montierung. Walter hatte auch wieder seinen 60mm
Spielzeugrefraktor dabei. Und schliesslich wollten wir auch Walters neue
Nagler Okulare (9mm und 4.8mm) ausprobieren... 

Obwohl die Optiken noch nicht austemperiert waren, hielten wir gleich auf
Jupiter an, den wir noch knapp ueber den Baumwipfeln erwischten. Der APO
arbeitete mit 200x (4mm Abbe), der Mak-Newton mit 181x (4.8mm Nagler). Das
Seeing erwies sich als erfreulich gut, wenngleich wir auch schon besseres
erlebt haben.  

Auffallend war, dass der 4" APO schneller mit einem brauchbaren Bild "da" 
war, waehrend der Mak-Newton noch mit Tubusturbulenzen kaempfte. Die
machten sich durch einen einseitig "davonschleichenden" Scheibchenrand
bemerkbar, und zeitweilig durch ein geisterhaftes Doppelbild. In beiden
Optiken war der Grosse Rote Fleck gut sichtbar, anfaenglich hielt der APO
das eindeutig bessere Bild, nach einigen Minuten jedoch zeigte der 5.7"
Maksutov-Newton bereits feinere Details in den Wolkenbaendern, trotz etwas
niederer Vergroesserung und immer noch merkbaren Tubusturbulenzen.
 
Jupiter verschwand alsbald hinter den Baeumen, also richteten wir die
Rohre auf Saturn. Nachdem der Mond noch immer keine sinnvolle Deep Sky
Beobachtung zuliess, hielten wir Saturn so lange im Visier, bis der
Maksutov-Newton austemperiert schien. Beide Optiken zeigten Saturn nun
etwa gleich (Vergroesserungen wie vorhin), einzig der rauchig-zarte
C-Ring war im 5.7" leichter gegen den dunklen Himmel zu erkennen als im
APO, wo man schon zweimal hingucken musste, um sicher zu sein. Aber wie
gesagt, auch der 4" Refraktor zeigte den C-Ring gegen den dunklen
Himmelshintergrund, und brachte zudem eine genauso farbreine Abbildung wie
der Mak-Newton. Nur war das Bild logischerweise etwas dunkler im 4", und
Saturn erschien mehr gelblich.  

Der erste direkte Vergleich der beiden Optiken am Planeten brachte somit
absolut einen wohl merkbaren Vorsprung des 5.7" Mak-Newton, doch man muss
dem Vierzoeller zugestehen, dass er wiederum recht knapp dran ist, und
erstaunlich viele Details zeigt. Weil das Seeing so gut war, wollte
Walter Saturn gleich mit dem CCD einfangen. Ich packte deshalb die 5x
Barlow aus, nahm das Okular beim APO raus, steckte die Barlow rein, und
gedankenverloren gleich wieder das Okular in die Barlow. Guckte rein um
zu fokussieren - UFF! Was war denn das fuer ein Riesending! Saturn bei
1000x im APO! :-) Wohl ein bissl zuviel, aber immer noch war die
Cassini-Teilung erkennbar, genauso wie das Wolkenband... 

Waehrend der Mond immer tiefer sank, und nur mehr zwischen den Aesten der
Baeume hervorblinzelte, nahm Walter den APO fuer CCD-Arbeit in Beschlag
(mehr darueber im Anschluss an meinen Bericht). Fuer den weiteren Verlauf
war daher der 5.7" f/6 Mak-Newton unser Spechtlgeraet. Mittlerweile war
auch Alex Pikhard mit anderen WAA-Leuten eingetroffen, und er baute sein
12" LX200 in der Nachbarschaft auf. 

Nun aber zu unseren visuellen Beobachtungen dieser praechtigen Nacht, die
sich durch klaren, dunklen Himmel und gutes Seeing auszeichnete. Sehr
viele oder besonders ausgefallene Objekte sind es nicht geworden,
diejenigen, die wir beobachteten, wurden aber ausgiebigst bespechtelt. Ich
moechte nur einige Objekte hier praesentieren:

Zuerst der Orionnebel, M42.  An Okularen kamen der Reihe nach dran: 27mm
Panoptic (32x), 22mm Panoptic (39x), 9mm Nagler (97x), 4.8mm Nagler
(181x). Den UHC-Filter, den ich vorerst verwendete, hab ich schnellstens
wieder abgeschraubt. In dieser hervorragenden Nacht war die Abbildung ohne
Filter weit besser, zeigte viel feinere Details.  Sowohl von der
Ausdehnung her, wie auch von den Strukturen und Filamenten, kann ich guten
Gewissens sagen: SO haben wir M42 im 5.7" noch nie gesehen!  Viele Dinge,
die wir von Beobachtungen mit dem 18" Dob kennen, konnten wir entdecken! 
Hier einige Schmankerln: Bei 181x lagen alle 6 Trapezsterne da wie auf dem
Praesentierteller, klar sichtbar, mit leicht flirrenden Beugungsringen um
die helleren Komponenten. Auch schon bei 97x waren alle Trapezsterne zu
erhaschen, ein Zeichen fuer den guten Kontrast, den man mit dem 9mm Nagler
Okular hat. In den seitlich ausgreifenen "Schwingen" waren feine
Strukturen zu erkennen. Das Kerngebiet des Nebels kontrastreich und voll
von wildem Gewoelk. Der dunkle "Schlund", der von Norden zum Trapez
hineinwaechst, wird knapp vor der "Kammer", in der die Trapezsterne
funkeln, von einer schmalen Lichtbruecke gequert, deutlich erkennbar bei
97x - ein Feature, auf das ich erstmals durch ein HST Bild der "Huygenian
Region" aufmerksam wurde. Feine, isolierte "Nebelspritzer" in der Naehe
der "Schlundoeffnung", die wir vorher noch nie im 5.7" entdeckt hatten. 
M43: Die "Komma"-Form war deutlich, auch Dunkelstrukturen waren zu
erkennen. Und, und, und... 
Man keonnte ueber den Orionnebel tausend Worte verlieren und haette doch
noch immer nicht den visuellen Eindruck vollstaendig beschrieben. Nur wer
selbst ins Okular reinschaut hat das ganze Erlebnis. 

Walters Nagler-Okulare habe sich am Orionnebel bestens bewaehrt, das
grosse Bildfeld ist schon ein Komfort fuer sich. Wenn man das 9mm Nagler
mit 2" Schuerze verwendet, muss man den Fokussierer am Mak-Newton fast
ganz rausschrauben, da kommt man schon fast an die Grenzen, ebenso ergeht
es mit dem 22mm Panoptik.

Als naechstes Objekt moechte ich IC434/B33, den Pferdekopfnebel,
herausgreifen. Wir gingen wiederum mit H-Beta Filter zu Werke, als Okulare
kamen das 35mm Panoptic (25x) und das 27mm Panoptic zum Einsatz. Und wie
aufgrund der besseren Bedingungen als letztens am 19. nicht anders zu
erwarten war, erwies sich der Pferdekopfnebel als fast leichte Beute! Wohl
musste man indirekt gucken, doch war der Dunkelnebel problemlos immer
wieder sekundenlang zu halten. Als Beweis, dass wir hier kein
Sternenlatein verzapfen :-), haben wir Alex Pikhard als "Testbeobachter"
beigezogen, auch er hatte kein Problem, den Pferdekopfnebel zu sehen.
Interessant: Letztens, am 19., war es angebracht den hellen Stern Alnitak
wenigstens sehr an den Rand des Gesichtsfeldes zu positionieren, wo er
durch die Randvignettierung (die durch den kleinen Fangspiegel bedingt
ist, und sich mit dem 35mm Okular schon stark bemerkbar macht) 
"abgedunkelt" wurde. Jetzt aber konnte man Alnitak ruhig im Feld lassen,
er beeintraechtigte die Beobachtung nicht. Auch mit dem 27mm Panoptic
Okular war der Dunkelnebel B33 sicher zu erkennen, die Beobachtung
profitierte sogar von der etwas hoeheren Vergroesserung. Der
Pferdekopfnebel war nicht nur ein dunkler Schatten, nein, es war weit mehr
zu erkennen: An der "Genickseite" (Richtung Sueden) war der Dunkelnebel
scharf begrenzt, auch oben ueber den "Scheitel", und die markante Stufe
von der Stirn zur Schnauze war ebenfalls zu erkennen! Schnauzenseitig war
der Nebel schliesslich weniger scharf begrenzt, und leicht diffus. Und
beeindruckend war der Kontrast, der Dunkelnebel hob sich kohlrabenschwarz
von dem schwach glimmenden Nebelstrip IC434 ab. Schliesslich juckte es
mich noch, das ganze ohne Filter zu versuchen. Dazu verwendete ich das
27mm Okular, weil nun war es doch angebracht, den hellen Alnitak aus dem
Feld zu bringen. Und zu meinem Erstaunen war indirekt durchaus was von
IC434 zu erhaschen! Ich versuchte ein wenig Augengymnastik, und
tatsaechlich gelang es mir fuer den Bruchteil einer Sekunde eine scharfe
Unterbrechung des Nebelstrips zu erhaschen, genau an der Position, wo der
Pferdekopfnebel sitzt. So gesehen erscheinen mir Beobachtungen mit 6"
Oeffnung, ohne Filter, wie es unsere amerikanischn Kollegen fallweise
berichten, durchaus realistisch. 

Auch unser Pleiaden-Experiment mit Blaufilter wiederholten wir. Wuiiii,
das kam schon an Eindruecke von Fotos heran! Der Merope-Nebel sonst nur
als schlankes Oval zu sehen, zeigte weitreichende, schwache Auslaeufer,
die Strich-Filamente ueber Merope selbst waren erkennbar, und Maia zeigte
das auf Fotos auffaellige "Schwanzerl". Auch Alex hat diesen Anblick
bewundert. Beobachtet wurde mit dem 22mm Panoptic Okular (39x), das die 
Pleiaden formatfuellend einfasst.

Ein Schauobjekt war auch der Rosettennebel. 27mm Panoptic und UHC-Filter
waren die beste Kombination. Der Nebelring ist darin schoen eingerahmt,
zeigt seinen bizarren Umriss, und erzeugt durch subtile Helligkeitsunterschiede
einzelner "Wolken" einen zarten und luftigen Eindruck. Ein Anblick, den
sich auch Alex nicht entgehen liess.

Unter anderem holten wir uns auch M81, M82 und NGC3077 ins Okular, alle
drei auf einen Schlag (27mm Panoptic). An M81 war sogar eine Andeutung
von den Spiralarmen zu erkennen. M82 zeigte selbst bei dieser niedrigen
Vergroesserung Struktur.

Mittlerweile machte sich bei mir schon Muedigkeit bemerkbar, ich jammerte
Walter an, dass ich M97 nicht finde, weil ich im Sucher unter den vielen 
Sternen die Orientierung verloren hatte, pruefte aber nicht im Okular.
Walter wieder ging unvoreingenommen hin, guckte rein, und meinte nur:
Was willst denn, sind eh da, alle zwei, M97 und M108! :-)
Wir steckten nun das 4.8mm Nagler in den Fokussierer, und zoomten uns
so auf M97 rein, ohne Filter. Der Nebel war ungewoehnlich hell zu sehen,
ein Beweis fuer die Guete der Nacht. Und ob's wer glaubt oder nicht,
es war irgendwas Dunkles zu erkennen, das Scheibchen praesentierte sich
nicht nur in uniformer Helligkeit. Freilich kann man nicht sagen, wir
haetten die Augen gesehen, aber zumindest vermutet. Ich merkte mir
zumindest die Orientierung der vermuteten Augen zu einem benachbarten, 
helleren Stern. Zuhause pruefte ich anhand eines Fotos nach, und promt!
Die Augen haben genau diese Lage!

Bevor ich meine Ausruestung zusammenpackte, stellten wir noch schnell
M3 in beiden Optiken ein, im APO, und im Mak-Newton. Bei rund 200x konnte
der 5.7" Einzelsterne ohne grosse Muehe zeigen, dem 4" ging aber deutlich
das Licht aus. Nur indirekt, mit auesserster Augengymnastik und zusaetzlicher
Dunkeladaption am Okular konnte man auch im kleineren Linser Einzelsterne
ausnehmen.

Fuer mich ging damit eine denkwuerdige Spechtlnacht zu Ende, und was
Walter alles mit seinem "Photonensauger" angestellt hat, berichtet
er gleich im Anschluss...

Howdii

CCD-Aufnahmen vom 21/22.1.1999
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Da wir diesmal zwei hervorragende Optiken mit dabei hatten, naemlich
Howdiis 5.7" Maksutov-Newton und seinen 4" f/8 Apochromatischen
Refraktor, konnten wir eines der beiden Geraete fuer CCD verwenden,
waehrend das andere fuer visuelle Beobachtungen frei blieb. Die Nacht
zeigte gutes, wenn auch nicht ausgezeichnetes Seeing bei der visuellen
Saturnbeobachtung, daher beschloss ich Saturn mit dem CCD aufzunehmen. 
Howdii hatte den fuer CCD-Aufnahmen mit dem Mak-Newton benoetigten flachen
Adapter daheim vergessen (vielleicht absichtlich? :-)), daher blieb "nur" 
der APO fuer die CCD-Aufnahmen, den wir sowieso testen wollten. 

Um Details des Planeten auf's CCD zu bringen, benoetigt man schon
Brennweiten ueber 3m, wir verwendeten daher die ausgezeichnete Tele Vue
"Powermate" 5x Barlow-Linse und erreichten somit 4 Meter Brennweite mit
dem Refraktor. Das Einstellen des Planeten gestaltete sich bei dieser
Brennweite muehsam, da das Bildfeld des CCDs recht klein ist, ausserdem
unterschaetzten wir das Gewicht des CCDs: Auf dem langen Hebelarm mit 2"
Prisma und Barlow-Linse zwischen APO und CCD wirkte sich das Gewicht in
einem Durchbiegen des ganzen Systems aus, wodurch sich das Bildfeld um
mehrere Bogenminuten verschob, wenn man zwischen Zentrierokular und CCD
hin- und herwechselte - ein Effekt, den wir erst in den Griff bekommen
mussten. Wir brauchten daher mit Unterbrechnungen eine gute Stunde, bis
Saturn endlich auf dem Bildfeld des CCDs eingefangen war.

Die Aufnahmen des Planeten zeigen Cassiniteilung, Wolkenband und helles
Aequatorband, ausserdem den Ringschatten und den Schatten des Planeten auf
die Ringe. Und wer genau hinguckt, kann sogar den C-Ring gegen den 
Himmelshintergrund entdecken. 30 Millisekunden Integrationszeit erwiesen sich 
als ausreichend, um den Planeten gut zu belichten. 

Da der Mond nach dieser Aktion schon untergegangen war, und der Himmel
ausgezeichnete Transparenz zeigte (ich habe die Grenzgroesse mit 6.5 mag
geschaetzt), beschloss ich ein Mosaik des Orionnebels M42/43 mit dem APO
zu erstellen. Also schwenkte ich auf Orion, nahm die Barlow-Linse heraus
und begann den Orionnebel abzulichten. Der ist wenigsten gross genug, so
dass man ihn mit dem CCD kaum verfehlen kann. :-) Integrationszeiten von 1
Minute saturierten das Zentralgebiet hoffnungslos, deshalb verkuerzte ich
die Integrationszeit bis auf 5 Sekunden, dennoch wiesen die hellsten
Sterne Blooming-Streifen auf, die ich erst beim nachtraeglichen Bearbeiten
der Bilder herausbekam. Fuer die schwaecheren Randgebiete erwies sich die
Integrationszeit von einer Minute als gerade richtig. Insgesamt benoetigte
ich 17 Einzelbilder um den Nebel einigermassen komplett abzulichten, in
vielen Gebieten ueberschneiden sich die Aufnahmen, um dort ein besseres
Signal/Rausch-Verhaeltnis zu erhalten. 

Waehrend die einzelnen Frames vom CCD auf den Laptop uebertragen wurden,
begab ich mich immer wieder zu Howdiis Maksutov-Newton und zum 12" 
Schmidt-Cassegrain von Alex, um visuelle Beobachtungen durchzufuehren, der
Schirm vom Laptop - obwohl so weit wie moeglich abgedunkelt - stoerte die
Dunkelanpassung des Auges in so einer guten Nacht natuerlich ein wenig,
dennoch konnte ich auch unmittelbar vom Bildschirm zum Okular des
Maksutov-Newton ueberwechseln, um darin den Pferdekopfnebel B33 indirekt
zu sehen. Natuerlich habe ich mir auch den Orionnebel in Howdiis 5.7"
angeschaut.

Das fertige CCD-Mosaik ist inzwischen schon auf meiner Homepage zu sehen,
ebenso wie alle anderen hier erwaehnten CCD-Bilder. Howdii meint, mit dem
M42/43-Bild ist mir ein kleines Meisterwerk gelungen. Einfach war's nicht
- 17 Bilder sind eine ganze Menge zum Bearbeiten und schwierig zum
Zusammensetzen, ich musste ausserdem die zentrale Helligkeit des Nebels
herabsetzen, damit man auch dort noch Details erkennt. Die Abbildung kommt
aber dem visuellen Eindruck, den man vom Orionnebel im Teleskop hat, recht
nahe, wenn man auch beruecksichtigen muss, dass die spektrale
Empfindlichkeit des CCDs gegenueber dem Auge in Richtung der langen
Wellenlanegen (rot) verschoben ist, blaue Nebelpartien werden daher
weniger hell als rote Nebelteile abgebildet. 

Nach M42/43 nahm ich noch den unmittelbar noerdlich gelegenen "Ape Man
Nebula" NGC 1973/75/77 auf's Korn - einen inmitten von hellen Sternen
gelegenen gemischten Emissions-, Reflexions- und Dunkelnebel, wobei die
Gestalt des Dunkelnebels dem ganzen Gebilde ihren Namen gegeben hat.
Dieser Nebel, er ist visuell nicht schwierig und auf vielen Fotos der
Region farbenpraechtig abgebildet, erwies sich als nicht besonders
"CCD-freundlich", da ihn die hellen Sterne bei der erforderlichen
zweiminuetigen Belichtungszeit mit lange Blooming-Streifen ueberdeckten. 

Nach diesen Aufnahmen, es war inzwischen schon nach Mitternacht, machte
sich Howdii schon an's Zusammenraeumen, und nahm mir daher die gute
"CCD-Optik" (den 4" APO) weg - mir blieb nichts anderes uebrig, als auf
meinen kleinen 60 mm f/6.9 Achromaten auszuweichen. :-)

Den habe ich in dieser Nacht "ernsthaft" getestet, indem ich ihn auf meine 
GP-DX Montierung gesetzt und das CCD hinten reingesteckt habe.
Zunaechst gab's Probleme wegen der etwas unguenstig gelegenen 
Feststellschraube im 1.25"-Anschluss, aber dieses Problem haben
wir schnell in den Griff bekommen. M35 war das erste Abbildungsobjekt,
jedoch ist dieser Sternhaufen selbst bei einer Brennweite von knapp ueber
400mm etwas zu gross fuer das kleine Bildfeld des CCDs und kommt nicht so
recht zur Geltung. 

So zum Spass, und um die Grenzen des kleinen Refraktors zu sehen, habe ich
daher auf M101 geschwenkt und zum Positionieren einmal eine 30s-Aufnahme
gemacht. Das Result hat mich fast vom Hocker gerissen: Da stand die
Galaxie, mit Spiralarmen, und das nur mit 60mm Oeffnung! Das Resultat von
mehreren addierten Aufnahmen ist mittlerweile auf meiner Homepage
(WWW-Adresse am Ende dieses Berichts) zu sehen, hier kommen auch die
mehrere grossen HII-Regionen der Galaxie deutlich als Knoten in den
Spiralarmen heraus. Abschliessend schwenkte ich noch auf M81, die
CCD-Bilder zeigen auch hier deutlich die Spiralarme. Die Grenzgroesse der
Sterne in diesem Bild betraegt 15.4 mag, das ist mehr als die visuelle
Grenzgroesse meines 8" f/10 Schmidt-Cassegrain Teleskops! 

Man sieht, dass man auch einen kleinen, billigen Refraktor durchaus fuer
akzeptable CCD-Aufnahmen verwenden kann, wenn man auch sagen muss, dass
die Sternabbildungen etwas gross geworden sind, eine Folge der
sphaerischen Abberation und des Farbfehlers des kurzbrennweitigen 
Achromaten.

Visuell haben wir auch in dieser Nacht mit dem kleinen Teleskop in der
Wintermilchstrasse herumgestoebert, das grosse Bildfeld und die
kontrastreiche Abbildung in guten Okularen (die durchaus doppelt so teuer
sind wie das Teleskop selbst) bei niedrigen Vergroesserungen sind wirklich 
beeindruckend.

Ganz nebenbei liess ich wahrend all diesen Aktivitaeten auch noch
unbeaufsichtigte Strichspurfotos mit Baeumen als Vordergrund 
mit einem Fisheye-Objektiv laufen. 

Damit endete diese so erfolgreiche CCD-/Test-/Beobachtungsnacht fuer mich
gegen 4 Uhr frueh, und ich war nicht einmal der letzte, der den
Beobachtungsort verliess, andere Sternfreunde waren immer noch mit
Langzeitbelichtungen beschaeftigt. Schoene Naechte wie diese koennte es
ruhig oefter geben! 

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