Diesmal war wieder etwas mehr Betrieb als am Vortag, und wir trafen wieder alte Bekannte: Walter und Howdii machten ebenfalls den Himmel unsicher. Und von unserem Verein hatten sich auch 5 Mitglieder, teilweise spontan, zum Beobachten entschlossen.
Heute hatten wir uns vorgenommen, weniger auf Objektjagd zu gehen, sondern mehr Zeit für Detailstudien an den einzelnen Objekten aufzuwenden.
Bedingungen: Die dünne Mondsichel im SW hellt den Himmel noch etwas
auf (als sie unterging, wurde es wirklich merklich dunkler) Durchsicht
1+, Aufhellung 1-2 auf 1+, Seeing 1-2 auf 1++, Bewölkung 0%, trocken,
kein Wind, Temperatur ca. -2° C. Durch die dichte Hochnebeldecke dringt
so gut wie kein Licht von den umliegenden Gemeinden nach oben. Es ist stockdunkel!
| Komet P/1998 U3 (Jäger) | P 21 | Deutlicher Kern, runde, helle, zentral verdichtete Coma, kein Schweiifansatz. |
| IC 2149 | P 21 | PlNeb, Aur; winzigklein, sieht wie ein etwas unscharfes Sternchen aus. Leicht bläulich. |
| Komet C/1998 M5 (LINEAR) | P 21 | Sehr tief, aber sehr gut zu sehen; heller Kern (allerdings naher Hintergrundstern), deutlicher, breit aufgefächerter Schweif, Innenbereich 10% Gesichtsfeld, Ausläufer könnten bis an den Rand des Gesichtsfeldes reichen. Bei indirektem Sehen entsteht der Eindruck von 2 - 3 Jets im Schweif. |
| NGC 7139 | P 21 | PlNeb, Cep; schwierig; groß, diffus, sehr lichtschwach, strukturlos. Bei eindirektem Sehen deutlich, aber nicht spektakulär. |
| NGC 7662 | P 21 | PlNeb, And; sehr hell, rund, zu hell, um Strukturen erkennen zu können. |
| P 10.5 + O III | Bei längerer Betrachtung erkennt man Ringstrukturen, allerdings unregelmäßig, wie eine Reihe von unzusammenhängenden und ineinanderliegenden Ringbögen. | |
| Freisicht-Intermezzo: | Im Südwesten steht die etwa vier Tage alte Mondsichel und Jupiter etwa 4° senkrecht darüber. Ein sehr schöner Anblick, wenngleich der Mond den Himmel doch ziemlich aufhellt. | |
| M 31 | P 40 | Zwei Spiralarme (links vom Kern), Kern macht 1/3 GesFeld, der ganze Nebel ca. 4 Gesichtsfelder (fast eines im Feldstecher!). Etwa 1 1/2 GesF unterhalb des Kerns NGC 206 als diffuse, aber deutliche Struktur, M 32 sehr hell, auch M 110, dieser oval und diffus mit hellem Kern. Bewegt man sich mit den Feinbewegungen entlang der Außenregionen von M31, kann man bei indirketem Sehen wirklich auch feine Strukturen in der Hauptscheibe des Nebels erkennen. |
| M 33 | P 40 | Gut strukturierter kernbereich nit hellem, sternartigen Kern; diffuse Hülle füllt fast das ganze Gesichtsfeld aus, Spiralstruktur angedeutet. Etwas abgelöst die beiden H II-Regionen NGC 595 und NGC 604, die bei indirektem Sehen zu erkennen sind. |
| Saturn | P 5.2 | In ruhigen Momenten macht diese Vergößerung sogar noch Sinn, wenngleich man bereits den Effekt der "leeren Vergrößerung" merkt. Viele Details: Cassini-Teilung, Ringschatten, Schatten von Saturn auf dem Ring, Wolkenbänder auf Saturn, Monde. Ein wunderschöner Anblick! Man erkennt deutliche Farbverläufe im Ring: Der C-Ring ist dunkel rötlichbraun, im B-Ring verläuft die Farbe von gelblich nach weißlich, der A-Ring ist etwas dunkler und gelblich. A- und B-Ring sind weißer und heller als der Planetenkörper selbst; dieser ist gelblich mit bräunlich-gelblichen Bändern und Polarregion. |
| M 77 | P 10.5 | Sehr heller Kern und deutliche diffuse Hülle. |
| M 42 | P 40 + UHC | Aufgrund des sehr guten Seeing sind schon bei der schwachen Vergrößerung extrem viele Details zu erkennen. Im hellen Kernbereich viele dunkle Filamente, die hellen Filamente laufen sehr weit nach außen (wei über ein Gesichtsfeld hinaus). |
| P 10.5 + UHC | Sehr plastische Kernregion. Im Trapez erkennt man deutlich 6 Sterne. | |
| NGC 1980 | P 40 | Gegend um Iota Orai, einige Reflexionsnebel. |
| NGC 1973/75/77 | P 40 | Sehr deutlich, die drei Nebel erscheinen als zusammenhängendes Gebilde, von einigen Dunkelwolken durchsetzt, sehr schön. |
| NGC 2024 | P 40 | (Zeta Ori aus Gesichtsfeld). Flammenstruktur ist deutlich, der Nebel wird durch die Dunkelwolken in 5 Teile geteilt. |
| B 33 | P 40 | Schwierig! IC 434 ist recht schwach, nach einiger Zeit erkennt man indirekt den Nebel und einen dunklen Fleck in der N-S verlaufenden Nebelschwade. Auch IC 435 und NGC 2023, die beiden kleinen Reflexionsnebel, sind deutlich zu erkennen. |
| In Howdii's 5.7" mit H-Beta-Filter ist er bereits zu erkennen. | ||
| Pano 35 + H-Beta | Jetzt im 12" bei indirektem Sehen kein Problem mehr! | |
| M 78 | P 40 | Hell, ohne Filter leicht grünlich, zwei helle Sterne im Nebel. |
| NGC 2244 + Rosetta-Nebel | P 40 + UHC | Sehr detailreich, viele Filamente im Nebel, etwa 1 1/2 Gesichtsfelder, vor allem westlich von 2244 ist der Nebel sehr deutlich. Auch im Feldstecher und anderen kleineren Instrumenten (mit Filtern) gut zu sehen! |
| NGC 2261 | P 21 | Wie ein kleiner Komet! Details siehe Bericht vom Vortag. |
| NGC 2264 | P 21 | Haufen und Reflexionsnebel deutlich, Conusneben ist nicht zu erkennen. |
| M 45 | In Howdii's 5.7" mit Blaufilter sind die Reflexionsneben extrem deutlich! | |
| M 67 | P 40 | 1/4 Gesichtsfeld, sehr dicht. |
| M 105, NGC 3384, NGC 3389 | P 40 | Drei Galaxien im Gesuchtsfeld, zwei hellere und eine schwächere. Alle drei gut zu erkennen. |
| M 95 | P 40 | Heller Kern, diffuse, ovale Hülle |
| M 96 | P 40 | Größer und diffuser als M95, Kern deutlich, oval. |
| M 65, M66, NGC 3628 | P 40 | Drei längliche Galaxien mit z. T. auffälligen Kernen, 3628 hat eine deutliche Staubscheibe. |
| Komet C/1998 P1 (Williams) | P 40 | Rund, diffus, ohne merkbaren Kern, kein Schweif. |
| M 51, NGC 5195 | P 40 | Prächtig! Spiralarme sind in vollem Verlauf (2 Windungen) zu sehen, auch die helle Brücke zum Begleiter. |
| M 101 | P 40 | Sehr groß, halbes Gesichtsfeld; diffus, Spiralstruktur angedeutet. |
| M 97 | P 40 | Hell, rund, Struktur gut zu erkennen. |
| M 81 | P 40 | Sehr groß, heller Kern, Spiralarme andeutungsweise. |
| M 82 | P 40 | Sehr hell, sehr detailreich! |
| Ab 21 (Medusa-Neb.) | P 40 | ?!, bei indirektem Sehen leichte Aufhellung, bei längerer Betrachtung eine Bogenartige Struktur. |
Ende gegen 0.00; die Ergänzungen von anderen Beobachtern folgen noch!
AP
Walters und Howdiis Bericht:
------------------------------------------------------ Beobachtungsbericht vom 21./22. 1. 1999, Ebenwaldhoehe ------------------------------------------------------ Anhaltendes winterliches Hochdruckwetter veranlasste uns am 21. Jaenner gleich zur naechsten Spechtlexkursion auf die Ebenwaldhoehe. Nebel und Hochnebel waren tagsueber "brav" unten liegengeblieben, demgemaess war es in den Niederungen unwirtlich, kalt und nass, gebietsweise gab es sogar gefrierendes Nieseln und daduch rutschige Strassen. Auf der Ebenwaldhoehe hingegen erwartete uns ein wahrhaft praechtiger Sternenhimmel. Wir (Walter Koprolin und ich, Howdii) starteten um 18:00 Uhr, in der spaeten Abenddaemmerung, zu dieser Zeit stand die Mondsichel noch einigermassen hoch am Himmel. Unsere Geraete waren wie beim letzten Mal mein 4" f/8 APO auf Walters GP-DX, und mein 5.7" f/6 Maksutov-Newton auf der SP-DX Montierung. Walter hatte auch wieder seinen 60mm Spielzeugrefraktor dabei. Und schliesslich wollten wir auch Walters neue Nagler Okulare (9mm und 4.8mm) ausprobieren... Obwohl die Optiken noch nicht austemperiert waren, hielten wir gleich auf Jupiter an, den wir noch knapp ueber den Baumwipfeln erwischten. Der APO arbeitete mit 200x (4mm Abbe), der Mak-Newton mit 181x (4.8mm Nagler). Das Seeing erwies sich als erfreulich gut, wenngleich wir auch schon besseres erlebt haben. Auffallend war, dass der 4" APO schneller mit einem brauchbaren Bild "da" war, waehrend der Mak-Newton noch mit Tubusturbulenzen kaempfte. Die machten sich durch einen einseitig "davonschleichenden" Scheibchenrand bemerkbar, und zeitweilig durch ein geisterhaftes Doppelbild. In beiden Optiken war der Grosse Rote Fleck gut sichtbar, anfaenglich hielt der APO das eindeutig bessere Bild, nach einigen Minuten jedoch zeigte der 5.7" Maksutov-Newton bereits feinere Details in den Wolkenbaendern, trotz etwas niederer Vergroesserung und immer noch merkbaren Tubusturbulenzen. Jupiter verschwand alsbald hinter den Baeumen, also richteten wir die Rohre auf Saturn. Nachdem der Mond noch immer keine sinnvolle Deep Sky Beobachtung zuliess, hielten wir Saturn so lange im Visier, bis der Maksutov-Newton austemperiert schien. Beide Optiken zeigten Saturn nun etwa gleich (Vergroesserungen wie vorhin), einzig der rauchig-zarte C-Ring war im 5.7" leichter gegen den dunklen Himmel zu erkennen als im APO, wo man schon zweimal hingucken musste, um sicher zu sein. Aber wie gesagt, auch der 4" Refraktor zeigte den C-Ring gegen den dunklen Himmelshintergrund, und brachte zudem eine genauso farbreine Abbildung wie der Mak-Newton. Nur war das Bild logischerweise etwas dunkler im 4", und Saturn erschien mehr gelblich. Der erste direkte Vergleich der beiden Optiken am Planeten brachte somit absolut einen wohl merkbaren Vorsprung des 5.7" Mak-Newton, doch man muss dem Vierzoeller zugestehen, dass er wiederum recht knapp dran ist, und erstaunlich viele Details zeigt. Weil das Seeing so gut war, wollte Walter Saturn gleich mit dem CCD einfangen. Ich packte deshalb die 5x Barlow aus, nahm das Okular beim APO raus, steckte die Barlow rein, und gedankenverloren gleich wieder das Okular in die Barlow. Guckte rein um zu fokussieren - UFF! Was war denn das fuer ein Riesending! Saturn bei 1000x im APO! :-) Wohl ein bissl zuviel, aber immer noch war die Cassini-Teilung erkennbar, genauso wie das Wolkenband... Waehrend der Mond immer tiefer sank, und nur mehr zwischen den Aesten der Baeume hervorblinzelte, nahm Walter den APO fuer CCD-Arbeit in Beschlag (mehr darueber im Anschluss an meinen Bericht). Fuer den weiteren Verlauf war daher der 5.7" f/6 Mak-Newton unser Spechtlgeraet. Mittlerweile war auch Alex Pikhard mit anderen WAA-Leuten eingetroffen, und er baute sein 12" LX200 in der Nachbarschaft auf. Nun aber zu unseren visuellen Beobachtungen dieser praechtigen Nacht, die sich durch klaren, dunklen Himmel und gutes Seeing auszeichnete. Sehr viele oder besonders ausgefallene Objekte sind es nicht geworden, diejenigen, die wir beobachteten, wurden aber ausgiebigst bespechtelt. Ich moechte nur einige Objekte hier praesentieren: Zuerst der Orionnebel, M42. An Okularen kamen der Reihe nach dran: 27mm Panoptic (32x), 22mm Panoptic (39x), 9mm Nagler (97x), 4.8mm Nagler (181x). Den UHC-Filter, den ich vorerst verwendete, hab ich schnellstens wieder abgeschraubt. In dieser hervorragenden Nacht war die Abbildung ohne Filter weit besser, zeigte viel feinere Details. Sowohl von der Ausdehnung her, wie auch von den Strukturen und Filamenten, kann ich guten Gewissens sagen: SO haben wir M42 im 5.7" noch nie gesehen! Viele Dinge, die wir von Beobachtungen mit dem 18" Dob kennen, konnten wir entdecken! Hier einige Schmankerln: Bei 181x lagen alle 6 Trapezsterne da wie auf dem Praesentierteller, klar sichtbar, mit leicht flirrenden Beugungsringen um die helleren Komponenten. Auch schon bei 97x waren alle Trapezsterne zu erhaschen, ein Zeichen fuer den guten Kontrast, den man mit dem 9mm Nagler Okular hat. In den seitlich ausgreifenen "Schwingen" waren feine Strukturen zu erkennen. Das Kerngebiet des Nebels kontrastreich und voll von wildem Gewoelk. Der dunkle "Schlund", der von Norden zum Trapez hineinwaechst, wird knapp vor der "Kammer", in der die Trapezsterne funkeln, von einer schmalen Lichtbruecke gequert, deutlich erkennbar bei 97x - ein Feature, auf das ich erstmals durch ein HST Bild der "Huygenian Region" aufmerksam wurde. Feine, isolierte "Nebelspritzer" in der Naehe der "Schlundoeffnung", die wir vorher noch nie im 5.7" entdeckt hatten. M43: Die "Komma"-Form war deutlich, auch Dunkelstrukturen waren zu erkennen. Und, und, und... Man keonnte ueber den Orionnebel tausend Worte verlieren und haette doch noch immer nicht den visuellen Eindruck vollstaendig beschrieben. Nur wer selbst ins Okular reinschaut hat das ganze Erlebnis. Walters Nagler-Okulare habe sich am Orionnebel bestens bewaehrt, das grosse Bildfeld ist schon ein Komfort fuer sich. Wenn man das 9mm Nagler mit 2" Schuerze verwendet, muss man den Fokussierer am Mak-Newton fast ganz rausschrauben, da kommt man schon fast an die Grenzen, ebenso ergeht es mit dem 22mm Panoptik. Als naechstes Objekt moechte ich IC434/B33, den Pferdekopfnebel, herausgreifen. Wir gingen wiederum mit H-Beta Filter zu Werke, als Okulare kamen das 35mm Panoptic (25x) und das 27mm Panoptic zum Einsatz. Und wie aufgrund der besseren Bedingungen als letztens am 19. nicht anders zu erwarten war, erwies sich der Pferdekopfnebel als fast leichte Beute! Wohl musste man indirekt gucken, doch war der Dunkelnebel problemlos immer wieder sekundenlang zu halten. Als Beweis, dass wir hier kein Sternenlatein verzapfen :-), haben wir Alex Pikhard als "Testbeobachter" beigezogen, auch er hatte kein Problem, den Pferdekopfnebel zu sehen. Interessant: Letztens, am 19., war es angebracht den hellen Stern Alnitak wenigstens sehr an den Rand des Gesichtsfeldes zu positionieren, wo er durch die Randvignettierung (die durch den kleinen Fangspiegel bedingt ist, und sich mit dem 35mm Okular schon stark bemerkbar macht) "abgedunkelt" wurde. Jetzt aber konnte man Alnitak ruhig im Feld lassen, er beeintraechtigte die Beobachtung nicht. Auch mit dem 27mm Panoptic Okular war der Dunkelnebel B33 sicher zu erkennen, die Beobachtung profitierte sogar von der etwas hoeheren Vergroesserung. Der Pferdekopfnebel war nicht nur ein dunkler Schatten, nein, es war weit mehr zu erkennen: An der "Genickseite" (Richtung Sueden) war der Dunkelnebel scharf begrenzt, auch oben ueber den "Scheitel", und die markante Stufe von der Stirn zur Schnauze war ebenfalls zu erkennen! Schnauzenseitig war der Nebel schliesslich weniger scharf begrenzt, und leicht diffus. Und beeindruckend war der Kontrast, der Dunkelnebel hob sich kohlrabenschwarz von dem schwach glimmenden Nebelstrip IC434 ab. Schliesslich juckte es mich noch, das ganze ohne Filter zu versuchen. Dazu verwendete ich das 27mm Okular, weil nun war es doch angebracht, den hellen Alnitak aus dem Feld zu bringen. Und zu meinem Erstaunen war indirekt durchaus was von IC434 zu erhaschen! Ich versuchte ein wenig Augengymnastik, und tatsaechlich gelang es mir fuer den Bruchteil einer Sekunde eine scharfe Unterbrechung des Nebelstrips zu erhaschen, genau an der Position, wo der Pferdekopfnebel sitzt. So gesehen erscheinen mir Beobachtungen mit 6" Oeffnung, ohne Filter, wie es unsere amerikanischn Kollegen fallweise berichten, durchaus realistisch. Auch unser Pleiaden-Experiment mit Blaufilter wiederholten wir. Wuiiii, das kam schon an Eindruecke von Fotos heran! Der Merope-Nebel sonst nur als schlankes Oval zu sehen, zeigte weitreichende, schwache Auslaeufer, die Strich-Filamente ueber Merope selbst waren erkennbar, und Maia zeigte das auf Fotos auffaellige "Schwanzerl". Auch Alex hat diesen Anblick bewundert. Beobachtet wurde mit dem 22mm Panoptic Okular (39x), das die Pleiaden formatfuellend einfasst. Ein Schauobjekt war auch der Rosettennebel. 27mm Panoptic und UHC-Filter waren die beste Kombination. Der Nebelring ist darin schoen eingerahmt, zeigt seinen bizarren Umriss, und erzeugt durch subtile Helligkeitsunterschiede einzelner "Wolken" einen zarten und luftigen Eindruck. Ein Anblick, den sich auch Alex nicht entgehen liess. Unter anderem holten wir uns auch M81, M82 und NGC3077 ins Okular, alle drei auf einen Schlag (27mm Panoptic). An M81 war sogar eine Andeutung von den Spiralarmen zu erkennen. M82 zeigte selbst bei dieser niedrigen Vergroesserung Struktur. Mittlerweile machte sich bei mir schon Muedigkeit bemerkbar, ich jammerte Walter an, dass ich M97 nicht finde, weil ich im Sucher unter den vielen Sternen die Orientierung verloren hatte, pruefte aber nicht im Okular. Walter wieder ging unvoreingenommen hin, guckte rein, und meinte nur: Was willst denn, sind eh da, alle zwei, M97 und M108! :-) Wir steckten nun das 4.8mm Nagler in den Fokussierer, und zoomten uns so auf M97 rein, ohne Filter. Der Nebel war ungewoehnlich hell zu sehen, ein Beweis fuer die Guete der Nacht. Und ob's wer glaubt oder nicht, es war irgendwas Dunkles zu erkennen, das Scheibchen praesentierte sich nicht nur in uniformer Helligkeit. Freilich kann man nicht sagen, wir haetten die Augen gesehen, aber zumindest vermutet. Ich merkte mir zumindest die Orientierung der vermuteten Augen zu einem benachbarten, helleren Stern. Zuhause pruefte ich anhand eines Fotos nach, und promt! Die Augen haben genau diese Lage! Bevor ich meine Ausruestung zusammenpackte, stellten wir noch schnell M3 in beiden Optiken ein, im APO, und im Mak-Newton. Bei rund 200x konnte der 5.7" Einzelsterne ohne grosse Muehe zeigen, dem 4" ging aber deutlich das Licht aus. Nur indirekt, mit auesserster Augengymnastik und zusaetzlicher Dunkeladaption am Okular konnte man auch im kleineren Linser Einzelsterne ausnehmen. Fuer mich ging damit eine denkwuerdige Spechtlnacht zu Ende, und was Walter alles mit seinem "Photonensauger" angestellt hat, berichtet er gleich im Anschluss... Howdii CCD-Aufnahmen vom 21/22.1.1999 ------------------------------ Da wir diesmal zwei hervorragende Optiken mit dabei hatten, naemlich Howdiis 5.7" Maksutov-Newton und seinen 4" f/8 Apochromatischen Refraktor, konnten wir eines der beiden Geraete fuer CCD verwenden, waehrend das andere fuer visuelle Beobachtungen frei blieb. Die Nacht zeigte gutes, wenn auch nicht ausgezeichnetes Seeing bei der visuellen Saturnbeobachtung, daher beschloss ich Saturn mit dem CCD aufzunehmen. Howdii hatte den fuer CCD-Aufnahmen mit dem Mak-Newton benoetigten flachen Adapter daheim vergessen (vielleicht absichtlich? :-)), daher blieb "nur" der APO fuer die CCD-Aufnahmen, den wir sowieso testen wollten. Um Details des Planeten auf's CCD zu bringen, benoetigt man schon Brennweiten ueber 3m, wir verwendeten daher die ausgezeichnete Tele Vue "Powermate" 5x Barlow-Linse und erreichten somit 4 Meter Brennweite mit dem Refraktor. Das Einstellen des Planeten gestaltete sich bei dieser Brennweite muehsam, da das Bildfeld des CCDs recht klein ist, ausserdem unterschaetzten wir das Gewicht des CCDs: Auf dem langen Hebelarm mit 2" Prisma und Barlow-Linse zwischen APO und CCD wirkte sich das Gewicht in einem Durchbiegen des ganzen Systems aus, wodurch sich das Bildfeld um mehrere Bogenminuten verschob, wenn man zwischen Zentrierokular und CCD hin- und herwechselte - ein Effekt, den wir erst in den Griff bekommen mussten. Wir brauchten daher mit Unterbrechnungen eine gute Stunde, bis Saturn endlich auf dem Bildfeld des CCDs eingefangen war. Die Aufnahmen des Planeten zeigen Cassiniteilung, Wolkenband und helles Aequatorband, ausserdem den Ringschatten und den Schatten des Planeten auf die Ringe. Und wer genau hinguckt, kann sogar den C-Ring gegen den Himmelshintergrund entdecken. 30 Millisekunden Integrationszeit erwiesen sich als ausreichend, um den Planeten gut zu belichten. Da der Mond nach dieser Aktion schon untergegangen war, und der Himmel ausgezeichnete Transparenz zeigte (ich habe die Grenzgroesse mit 6.5 mag geschaetzt), beschloss ich ein Mosaik des Orionnebels M42/43 mit dem APO zu erstellen. Also schwenkte ich auf Orion, nahm die Barlow-Linse heraus und begann den Orionnebel abzulichten. Der ist wenigsten gross genug, so dass man ihn mit dem CCD kaum verfehlen kann. :-) Integrationszeiten von 1 Minute saturierten das Zentralgebiet hoffnungslos, deshalb verkuerzte ich die Integrationszeit bis auf 5 Sekunden, dennoch wiesen die hellsten Sterne Blooming-Streifen auf, die ich erst beim nachtraeglichen Bearbeiten der Bilder herausbekam. Fuer die schwaecheren Randgebiete erwies sich die Integrationszeit von einer Minute als gerade richtig. Insgesamt benoetigte ich 17 Einzelbilder um den Nebel einigermassen komplett abzulichten, in vielen Gebieten ueberschneiden sich die Aufnahmen, um dort ein besseres Signal/Rausch-Verhaeltnis zu erhalten. Waehrend die einzelnen Frames vom CCD auf den Laptop uebertragen wurden, begab ich mich immer wieder zu Howdiis Maksutov-Newton und zum 12" Schmidt-Cassegrain von Alex, um visuelle Beobachtungen durchzufuehren, der Schirm vom Laptop - obwohl so weit wie moeglich abgedunkelt - stoerte die Dunkelanpassung des Auges in so einer guten Nacht natuerlich ein wenig, dennoch konnte ich auch unmittelbar vom Bildschirm zum Okular des Maksutov-Newton ueberwechseln, um darin den Pferdekopfnebel B33 indirekt zu sehen. Natuerlich habe ich mir auch den Orionnebel in Howdiis 5.7" angeschaut. Das fertige CCD-Mosaik ist inzwischen schon auf meiner Homepage zu sehen, ebenso wie alle anderen hier erwaehnten CCD-Bilder. Howdii meint, mit dem M42/43-Bild ist mir ein kleines Meisterwerk gelungen. Einfach war's nicht - 17 Bilder sind eine ganze Menge zum Bearbeiten und schwierig zum Zusammensetzen, ich musste ausserdem die zentrale Helligkeit des Nebels herabsetzen, damit man auch dort noch Details erkennt. Die Abbildung kommt aber dem visuellen Eindruck, den man vom Orionnebel im Teleskop hat, recht nahe, wenn man auch beruecksichtigen muss, dass die spektrale Empfindlichkeit des CCDs gegenueber dem Auge in Richtung der langen Wellenlanegen (rot) verschoben ist, blaue Nebelpartien werden daher weniger hell als rote Nebelteile abgebildet. Nach M42/43 nahm ich noch den unmittelbar noerdlich gelegenen "Ape Man Nebula" NGC 1973/75/77 auf's Korn - einen inmitten von hellen Sternen gelegenen gemischten Emissions-, Reflexions- und Dunkelnebel, wobei die Gestalt des Dunkelnebels dem ganzen Gebilde ihren Namen gegeben hat. Dieser Nebel, er ist visuell nicht schwierig und auf vielen Fotos der Region farbenpraechtig abgebildet, erwies sich als nicht besonders "CCD-freundlich", da ihn die hellen Sterne bei der erforderlichen zweiminuetigen Belichtungszeit mit lange Blooming-Streifen ueberdeckten. Nach diesen Aufnahmen, es war inzwischen schon nach Mitternacht, machte sich Howdii schon an's Zusammenraeumen, und nahm mir daher die gute "CCD-Optik" (den 4" APO) weg - mir blieb nichts anderes uebrig, als auf meinen kleinen 60 mm f/6.9 Achromaten auszuweichen. :-) Den habe ich in dieser Nacht "ernsthaft" getestet, indem ich ihn auf meine GP-DX Montierung gesetzt und das CCD hinten reingesteckt habe. Zunaechst gab's Probleme wegen der etwas unguenstig gelegenen Feststellschraube im 1.25"-Anschluss, aber dieses Problem haben wir schnell in den Griff bekommen. M35 war das erste Abbildungsobjekt, jedoch ist dieser Sternhaufen selbst bei einer Brennweite von knapp ueber 400mm etwas zu gross fuer das kleine Bildfeld des CCDs und kommt nicht so recht zur Geltung. So zum Spass, und um die Grenzen des kleinen Refraktors zu sehen, habe ich daher auf M101 geschwenkt und zum Positionieren einmal eine 30s-Aufnahme gemacht. Das Result hat mich fast vom Hocker gerissen: Da stand die Galaxie, mit Spiralarmen, und das nur mit 60mm Oeffnung! Das Resultat von mehreren addierten Aufnahmen ist mittlerweile auf meiner Homepage (WWW-Adresse am Ende dieses Berichts) zu sehen, hier kommen auch die mehrere grossen HII-Regionen der Galaxie deutlich als Knoten in den Spiralarmen heraus. Abschliessend schwenkte ich noch auf M81, die CCD-Bilder zeigen auch hier deutlich die Spiralarme. Die Grenzgroesse der Sterne in diesem Bild betraegt 15.4 mag, das ist mehr als die visuelle Grenzgroesse meines 8" f/10 Schmidt-Cassegrain Teleskops! Man sieht, dass man auch einen kleinen, billigen Refraktor durchaus fuer akzeptable CCD-Aufnahmen verwenden kann, wenn man auch sagen muss, dass die Sternabbildungen etwas gross geworden sind, eine Folge der sphaerischen Abberation und des Farbfehlers des kurzbrennweitigen Achromaten. Visuell haben wir auch in dieser Nacht mit dem kleinen Teleskop in der Wintermilchstrasse herumgestoebert, das grosse Bildfeld und die kontrastreiche Abbildung in guten Okularen (die durchaus doppelt so teuer sind wie das Teleskop selbst) bei niedrigen Vergroesserungen sind wirklich beeindruckend. Ganz nebenbei liess ich wahrend all diesen Aktivitaeten auch noch unbeaufsichtigte Strichspurfotos mit Baeumen als Vordergrund mit einem Fisheye-Objektiv laufen. Damit endete diese so erfolgreiche CCD-/Test-/Beobachtungsnacht fuer mich gegen 4 Uhr frueh, und ich war nicht einmal der letzte, der den Beobachtungsort verliess, andere Sternfreunde waren immer noch mit Langzeitbelichtungen beschaeftigt. Schoene Naechte wie diese koennte es ruhig oefter geben!