Die Bedingungen waren ausgezeichnet: Durchsicht 1+, also ganz klare Atmosphäre; Aufhellung mondbedingt hoch - aber wir wollten ja nur den Mond beobachten; Seeing um 1, also unter 1". Kein Wind, Temperatur um die +5°C, wolkenlos.
Auch freisichtig hatte der Himmel einiges zu bieten: Venus stand strahlend hell mittelhoch im Westen, einige Grad senkrecht darunter Saturn. Der Mond im Wintersechseck, unterhalb der Zwillinge, dh mit auffälliger Südbreite [statt möglichen 70° "nur" 61° Höhe war zu verschmerzen].
Wir beobachteten mit dem 12" LX200; zunächst Venus und Saturn. Hier machte sich schon das Seeing bemerkbar. Dennoch erkannte man bei der - sehr hellen - Venus bereits eine deutliche Phase und bei Saturn den Ringschatten und einige Monde.
Nun zum Mond: Erster Durchgang mit 40mm Pentax-Okular und starkem Graufilter:
Sehr viele Details; der Terminator verläuft auf etwa 3° östlicher selenografischer Länge. Alpental direkt am Terminator, mit noch im Schatten liegendem Boden. Alpen direkt am Terminator. Mt. Piton sticht als extrem heller Fleck aus der noch dunklen Seite des Mondes hervor. Aristillus und Autolycus liegen genau am Terminator, wobei der Rand von Autolycus bereits ganz beleuchtet ist, während das Innere des Kraters völlig im Dunkel liegt. Sehr markant der Krater Cassini, dessen Wall lange Schatten bis zum Terminator wirft. Apenninen direkt am Terminator, Schatten bei Mt. Hadley. Hyginus- und Ariadaeus-Rille bereits deutlich zu erkennen. Der Terminator verläuft weiter durch das sehr chaotisch anmutende südliche Bergland.Zweiter Durchgang mit 10mm Pentax-Okular, kein Filter; Norden nach Süden:
Krater Bond: Der Schatten von Bond B reicht weit in die flache Kraterebene hinein. Im nördlich davon gelegenen Krater Barrow reicht der Schatten des flachen Kraterwalls bis zur gegenüber liegenden Seite des Kraters! Der relativ niedere Wall wirft einen extrem zackigen Schatten, die Schatten der höchsten Erhebungen erreichen Längen von 90km!Dritter Durchgang mit 5,2mm Pentax-Okular, also einer fast 600-fachen Vergrößerung! Wieder von N nach S:Alpen: Das Alpental ist extrem deutlich, sein Boden ist noch komplett unbeleuchtet (daher auch keine Spur der Rille). Der alleinstehende Berg Piton sticht extrem hell aus der noch völlig dunklen Ebene des Mare Imbrium heraus. Der Krater Cassini sieht sehr tief aus, spektakulär durch den auch wirklich wesentlich tieferen Krater Cassini A. Beeindruckend auch die Längsrippen, die von Aristillus ausgehen. Der Krater ist zur Hälfte beleuchtet, sein Inneres noch komplett dunkel. Auch das Innere von Autolycus ist völlig dunkel, der Kraterrand aber zur Gänze beleuchtet und sieht wie ein extrem dünner Ring aus.
Apenninen: Extrem beeindruckend! Die dem Mare Imbrium zugewandte Seite ist dunkel, der Hauptkamm ist sehr hell, der Terminator liegt bei Mt. Bradley und dem Krater Conon. Sehr markant ist eine hauchdünne Lavawelle am Ende der Apenninen (7°E, 29°N), die in das Mare Serenitatis hineinreicht und drei isolierte kleine Hügel verbindet. Sie sieht wie eine dünne Schnur mit Verdickungen aus.
Am Nordrand des Sinus Medii ist eine auffällige Bucht um den Krater Ukert, deren Boden noch komplett unbeleuchtet ist und die wie ein spitz ausgefranstes Blatt in das flache Bergland zwischen dem Mare Vaporum und dem Sinus Aestuum hineinreicht. Sehr deutlich das verzweigte Rillensystem beim Krater Triesnecker. Mindestens sechs einzelne Rillen sind zu erkennen! Auch die Hyginus- und Ariadaeus-Rille sind sehr deutlich, wenngleich schon etwas weiter vom Terminator entfernt.
Hipparchus und Albategnius liegen direkt am Terminator. Der Boden des Kraters Klein (in Albategnius) ist noch dunkel, der beleuchtete Rand dieses Kraters zeigt einige interessante Terrassen.
Weiter im Süden ein weitere spektakulärer Anblick: Eine einzelne, isolierte Bergspitze, weit vom Terminator entfernt, und ein großer Krater [Walter], dessen Boden noch gänzlich unbeleuchtet ist, von dessen Zentralberg nur die Spitze beleuchtet ist und in dem der Schatten des Zentralbergs bis über die beleuchteten Hänge des Kraterwalls hinaus in die dunkle Seite des Mondes hineinreicht. Schon innerhalb weniger Minuten erkennt man, wie die Beleuchtung dieser Bergspitzen zunimmt und sogar neue aus dem Dunkel auftauchen - und dies, obwohl eine Lunation fast 30 Tage dauert und sich der Terminator nur langsam vorwärtsbewegt. Die isolierte Bergspitze auf der dunklen Seite stellt sich bald als Teil der zusammengewachsenen Wälle der Krater Regiomontan und Purbach heraus. Auch eine Erhöhung am Kraterrand von Walter W ragt erleuchtet aus der dunklen Seite heraus. Auffällig auch die Kraterreihe Walter B - A - Miller ist deutlich zu sehen. In den beleuchteten Teilen der Kraterwälle von Werner und Aliacensis erkennt man auffällige Terrassenstrukturen.
Weiter im Süden ist das Gelände sehr chaotisch. Nördlich des Kraters Moretus liegt eine Senke noch im Dunklen, sodaß der Terminator auffällig weit in die beleuchtete Seite hineinragt. Auch der Krater Stöfler zeigt viele Details.
Das Seeing erlaubt diese Vergrößerung, zumindest blickweise, noch!In den rund zwei Stunden, in denen wir den Mond beobachtet haben, konnte man deutliche Veränderungen in den Beleuchtungsverhältnissen erkennen. Zuletzt war auch der Kraterrand von Aristillus zur Gänze beleuchtet und im Krater Walter waren bereits mehrere Erhebungen vom Licht der Sonne erfaßt.Den Alpen vorgelagert ist ein chaotisches Hügelland (Mitte bei 6°E, 46°N) mit vielen kleinen Strukturen. Von Cassini gehen drei spitze Schattenkegel richtung Terminator aus und berühren diesen fast. Auch die Rippen um Aristillus sind noch detailreicher als zuvor.
Am N-Ende der Apenninen, um den Gebirgsstock Fresnel, liegt bereits ein kleiner Teil des Palus Putredinis im Hellen. In ihm erkennt man jetzt deutlich die breiteste der Fresnel-Rillen.
Die Triesnecker-Rillen sind extrem deutlich, das gesamte Rillensystem ist gut zu erkennen; am Südrand des Sinus Medii läuft eine dünne Rille waagrecht durch die Krater Oppolzer und Flammarion.
Im Krater Walter ist jetzt nicht nur die Spitze des Zentralberges, sondern auch der Wall eines kleinen Sekundärkraters im Osten des Kraters beleuchtet. Dieser kleine Krater sieht aus, als würde er mit einem Spotlight künstlich beleuchtet! Von dem Kraterrand bei Purbach und Regiomontan sind jetzt bereits drei Gipfel beleuchtet! Südlich von Walter liegt ein kleiner, runder Krater, dessen Boden noch dunkel ist, in den aber durch eine Eikerbung im Kraterwall ein dünner Sonnenstrahl in den Kraterboden fällt.
Wir betrachten auch den glatten Mondrand auf der beleuchteten Seite und können die Reliefs einzelner Berge und Krater ganz deutlich ausmachen.
Auch die Bedeckung eines unbenannten Sterns 7,3-ter Größe in den Zwillingen am dunklen Mondrand - der im Okular noch deutlich zu sehen war! - war auffällig und gut zu beobachten. Schade, daß es keine Vorausdaten gegeben hat.
Der Abend war wirklich auffällig gut. Am nächsten Tag berichtete Frederik Artner, die Triesnecker-Rille selbst in einem 63mm-Refraktor gesehen zu haben! Wenn das nicht Lust aufs Mondbeobachten macht, was dann?
AH, AP