Beobachtungsbericht

Beobachtungsnacht auf der Ebenwaldhöhe, 7. Mai 1999

Beginn 20.30 Uhr MEZ. Es war einer jener Abende, an dem man froh, ja geradezu glücklich darüber war, die Hoffnung nicht aufgegeben und den inneren Schweinehund besiegt zu haben; denn bis etwa 19 Uhr (MESZ) sah es in Wien noch hoffnungslos aus. Doch das Satellitenbild und der Astro-Wetterdienst sagen für den Nordosten Österreichs eine sternklare Nacht voraus.

Also wagten wir es; immerhin warteten die Teilnehmer des letzten Beobachterkurses vom Astrostudio Kamera schon satte drei Wochen auf ihre Beobachtungspraxis, und auch wir von der WAA waren reichlich ausgehungert nach schönen Deep-Sky Objekten.

Es sollte eine Spitzennacht werden: Durchsicht und (nach Ende der Dämmerung) ein klares 1++, besser geht es nicht. Das Seeing, anfangs noch 2-3, sollte sich ebenfalls auf ein 1++ entwickeln, dh unter 0,5" liegen. Kein Wind, keine allzu tiefe Temperatur, keine Spur eines Wölkchens. Herz, was willst Du mehr?

Nach und nach stellten die Beobachter ihre Instrumente auf; unser [AP] 12" LX-200 [wer jemals wissen will, wo die Schwachstellen liegen: Im Stativ! Näheres gebe ich gerne bei einem unserer Beobachtertreffs zum Besten], das seine optischen Qualitäten einmal mehr unter Beweis stellen sollte. Gerald Rhemann mit seinem C-11 auf der bombenfesten Losmandy-Montierung; noch ein 12" Newton, der aber einer dringenden Justierung bedurfte; Hans-Peter Müllner mit seinem C-8 [und dem unverwechselbar bequemen Beobachter-Sitz]; noch ein 8" LX-200 und einige 4" Newtons rundeten das Bild ab. Mit von der WAA-Partie auch Anneliese und Robert.

Der Himmel bot auch für das freie Auge einen phantastischen Anblick: Die untergehenden Wintersternbilder im Westen, mit der blendend hellen Venus mittendrin, Mars, Spica und Arcturus im Osten als farbenfrohes Dreieck, Löwe und der auffallende Sternhaufen Coma Berenicis im Süden, Großer Bär im Zenit und die Sterne des Sommerdreiecks aufgehend im Nordosten.


Gegen 22.58 Uhr beobachteten wir einen Iridium-Flare (Iridium 59) mit -6mag, der kurzzeitig Venus auf den zweiten Platz verwies.
 


Ende gegen 1.45 Uhr MESZ, knapp vor Mondaufgang. Es hat sich wieder einmal gezeigt, wie lohnend der spontane Entschluß zum Beobachten sein kann -- eigentlich keine Überraschung für Amateurastronomen in unseren Breiten!

AP



WAA-Homepage     WAA-Sitemap