Beobachtungsbericht
Beobachtungsabend auf der Sofienalpe, Freitag, 21. Mai 1999
Nun hatte auch einmal ein Beobachtertreff Glück: Entgegen allen Wettervorhersagen
- es sollte in Strömen regnen - klarte der Himmel am Nachmittag auf.
Rund um Wien konnte man die in sich zusammenstürzenden Gewittertürme,
teilweise noch mit Blitzen darin, verfolgen. Aber über der Sofienalpe
wurde der Himmel immer klarer und klarer. Wäre der Mond nicht gewesen,
es wäre eine Deep-Sky-Nacht erster Güte gewesen, wie man sie
nur von höher gelegenen Plätzen kennt.
Die Bedingungen: Bewölkung anfangs 1/8, dann fast wolkenlos. Durchsicht
1++ (der heftige Regen des Vortages hatte die Atmosphäre von jeglichem
Staub gereinigt), Aufhellung 3 (durch den 5 Tage alten Mond), Seeing 2-3,
also eher schlecht, was bei der Wetterlage niemanden verwundert.
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Die Venus ist jetzt schon deutlich größer als der Mars;
durch das extreme Seeing war die Phase dennoch deutlich zu erkennen.
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Der Mond zeigte eine seiner besonders schönen Regionen um die
Krater Theophilus, Cyrillus und Catharina; die Altai-Wand war sehr deutlich
zu erkennen.
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Mars war weniger detailreich, in erster Linie wegen des Seeings,
das gerade in dieser Richtung besonders schlecht war. Nur wenige Details
waren zu erkennen. Auffällig: Viel weniger Kontrast als in den Wochen
zuvor. Und der Planet ist schon deutlich kleiner geworden. Dafür bietet
er mit freiem Auge einen besonders netten Anblick: Mit der nur wenige Grad
entfernten Spica ergibt sich ein Doppelgestirn, das eine auffallende Ähnlichkeit
mit Albireo bei hoher Vergrößerung hat!
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Dann wagten wir die Herausforderung: Nur wenige Grad über dem Westhorizont
erspähten wir den Kometen Lee (C/1999 H1). Ein Grenzobjekt,
das aber von den meisten Beobachtern bei indirektem Sehen erkannt wurde.
Seine Helligkeit liegt bei etwas mehr als 8 mag lt. Ephemeride, eine Helligkeitsschätzung
war wirklich noch nicht möglich. Im Feldstecher war er nicht zu sehen,
das 12" LX-200 brachte ihn gerade noch. Ein Kometensucher wäre das
ideale Gerät gewesen.
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Die Raumstation MIR bot einen schönen Vorüberflug und
erreichte dabei eine Helligkeit, die zwischen jener von Deneb und Vega
lag.
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Zum Abschluß doch noch einige Deep-Sky-Objekte, die, trotz Mondes,
noch nie so gut auf der Sofienalpe beobachtet wurden: M3, M13
und M92, jeweils bis in die Mitte hin aufgelöst. Besonders
M3 und natürlich M13 (bei höherer Vergrößerung) waren
wirklich beeindruckend.
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M57 als wunderschöner Ring; sogar die Aufhellung in der Mitte
und der nicht gleichmäßige Helligkeitsverlauf zum Rand hin waren
zu erkennen.
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M51 mit Begleiter zeigte sogar die Spiralarme. Und das, obwohl der
Mond gar nicht so weit entfernt war. Aber M51 stand eben im Zenit.
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M81 zeigte viele Details; die lange Kantengalaxie war sehr hell
und einige der Dunkelwolken kamen deutlich heraus. Im 50mm-Okular waren
selbst im 12" M81 und M82 (gerade noch) in einem Gesichtsfeld zu
erkennen.
Es war sehr feucht; die Instrumente mußen über Nacht austrocknen,
so naß war alles. Und der weiche Boden hinterließ noch weite
Spuren... Dennoch ein bemerkenswerter Abend. Auch eine interessante Erkenntnis:
Man kann das 12" LX-200 auch durchaus von Hand betreiben, ohne Elektronik.
Macht sogar Spaß. Und ist notwendig, wenn man vergißt, die
Batterie aufzuladen :-( Dank einer 15-Minuten-Ladung an Hans-Peter Müllners
Auto ging's für den Rest des Abends aber wieder reibungslos.
Die Simmung war wieder ausgezeichnet. Schönes Wetter macht eben
gute Laune, vor allem, wenn man nicht damit rechnet. Immerhin hatte unser
Grüppchen von 11 Mitgliedern 2 Fernrohre und einige Feldstecher mit.
Und ein kleine Gruppe mit altbekannten Beobachtern von der Kuffner-Sternwarte
(Walter, Bernhard und Alexander) gesellte sich am Abend auch unter diesen
klaren Himmel.
Was lernen wir aus diesem Abend: Trau' keinem Wetterbericht - vertrau'
nur Deiner Erfahrung und Deinem Beobachterinstinkt! Gilt leider auch in
der umgekehrten Richtung ...
AP
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