Beobachtungsberichte
Beobachtungswochenende auf der Pretulalpe, 11. bis 13. Juni 1999
Der Wetterbericht für dieses Wochenende war geradezu hoffnungslos,
dennoch versuchten wir unser Glück, und immerhin stand ja auch ein
Seminar der Reihe "besser beobachten" auf dem Programm, noch dazu "Deep
Sky".
Die Nacht von Freitag auf Samstag hielt, was sie versprach: Stömender
Regen, an Beobachten nicht zu denken. So diente der Abend dem Studium der
zahlreich vorhandenen Deep-Sky Literatur oder einfach dem geselligen Beisammensein.
12. Juni, mittags
Am Samstag zu Mittag die ersten Wolkenlöcher, und schon gab's was
zu beobachten:
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Sonne, mit einer vielzahl auch sehr weit verzweigter Fleckengruppen.
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Venus, mit deutlicher Phase, schon ganz leicht weniger als halb.
Das "Einnorden" des automatisch gesteuerten 12" LX-200 bei Tag geht schon
recht gut, vor allem, wenn man den Südpunkt ganz genau kennt.
Nacht vom 12. auf den 13. Juni
Der Abend bescherte und dann ein für die Pretul (leider) typisches
Abenteuer: Gerade, als sich die hohe, geschlossene Wolkendecke nahezu gänzlich
aufgelöst hatte (nur im Osten brachen noch einige Gewittertürme
in sich zusammen), fiel vom Norden her der berüchtigte Gipfelnebel
ein, den es fast bei jeder Wetterlage geben kann. Wir versuchten kurz einen
talwärts gelegenen Beobachtungsplatz, doch auch dieser hatte seine
lokale (!) Wolke, von der wiederum am Gipfel nichts zu sehen war.
Zum Glück machte der Nebel für etwa zwei Stunden Pause, sodaß
es doch noch ein Deep-Sky-Abend wurde; wieder war eine ganze Instrumentenflotte
aufgefahren, und alle warteten darauf, das im Seminar "Deep Sky" erlernte
auch in der Praxis zu erproben. Starker Wind aus NW beeinträchtigte
das Einstellen allerdings erheblich.
Die Wetterbedingungen: Bewölkung gegen 1/8, einmal abgesehen vom
Nebel. Seeing 4 (ganz lausig, wegen der instabilen Wetterlage), an Planetenbeobachtung
war nicht zu denken, Aufhellung 2 (die Lichtglocke von Graz störte
ganz enorm), Durchsicht meist 1, außer beim Durchzug von Nebelschwaden.
Die Beobachterteams und ihre Instrumente:
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Bernhard Dewath mit einem 8x50 Feldstecher auf Stativ
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Albert und Gabriele Richter mit einem 6" Newton
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Fam. Fohler-Norek mit einem 8" Meade LX-200
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Hans-Peter Müllner mit einem Celestron-8 auf deutscher Montierung
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Anneliese Haika und Robert Glock arbeiteten mit Annelieses Celestron-8
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Last but not least meine Wenigkeit mit dem 12" Meade LX-200
So kam doch noch die Atmosphäre eines kleinen Teleskoptreffens zustande.
Nun einzelne Beobachtungsberichte und Kommentare, die Liste wird fortgesetzt,
sobald weitere eintreffen:
Alexander Pikhard:
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Die Milchstraße [freis.] ist mit freiem Auge sehr deutlich
strukturiert. Viele interessante Details wie die Teilung im Schwan, die
Schildwolke oder die hellen Sternwolken im Schützen sind gut zu erkennen.
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Venus steht ganz nahe bei M44 [8x50 FS], ein sehr
schöner Anblick!
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Venus [12" LX200, 21mm Pentax] durch Seeing stark beeinträchtigt,
straker Wind läßt das Bild zittern. Kein Abend für hohe
Vergrößerungen und Planetenbeobachtung.
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M13 [12" LX-200, 21mm Pentax] sehr plastisch und gut aufgelöst,
Seeing beeinträchtigt die Erscheinung etwas. Auch in den diversen
8"-Instrumenten ist M13 sehr schön und am Rand aufgelöst, etwa
im [8" LX-200] oder im [C8, 26mm Plössl].
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M57 [12" LX-200, 21mm Pentax] ganz deutlicher Ring, sehr schön.
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M92 [12" LX-200, 10.5mm Pentax] sehr schön, konzentriert,
bis zur Mitte hin Einzelsterne zu erkennen
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M49 [C8, 26mm Plössl] sehr hell, mit deutlichem Kern
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M81, M82 [10x50 FS] einigermaßen gut zu erkennen
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M4 [12" LX-200, 21mm Pentax] sehr deutlich, gut aufgelöst,
locker, man erkennt gut die unregelmäßige Form, die Kernregion
ist schmal und länglich
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M5 [12" LX-200, 21mm Pentax] ein wunderschöner Anblick,
groß, dicht, hell, bis weit in die Mitte hinein aufgelöst, ein
prächtiger Haufen!
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M10 [12" LX-200, 21mm Pentax] recht groß, rund, plastisch,
diffuser Hintergrund und bis zur Mitte hin Einzelsterne gut zu erkennen
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M12 [12" LX-200, 21mm Pentax] groß, viel lockerer als
M10, diffuser Kern, Hülle mit sehr unterschiedlich hellen Sternen
bis zur Mitte hin gut zu erkennen
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NGC 6210 [12" LX-200, 21mm Pentax] kleiner, bläulicher,
runder, diffuser Fleck. Hell. Man versteht hier den Namen "planetarischer"
Nebel - das Objekt sieht wirklich wie Uranus bei schlechtem Seeing aus!
Gegen Mitternacht fiel der Nebel wieder ein. Und ein anderer Effekt bedeutete
nach und nach für alle Beobachtung zumindest eine Pause, aufgrund
des Wetters den endültigen Abbau: Tau! Alle Instrumente waren naß,
auch Taukappen kapitulierten. Sogar der Hauptspiegel des 6" Newton war
beschlagen. Zuerst erwischte es Feldstecher und Sucher, dann die weniger
geschützen SCs und schließlich alle Instrumente, auch die mit
überlangen Taukappen. Viele Instrumente und Zubehörkoffer wurden
zum Trocknen mit aufs Lager genommen.
Gegen 3 Uhr früh, so wurde beobachtet, hatte sich der Nebel dann
wieder gelegt; aber da wurde es dann auch schon wieder hell...
13. Juni, morgens
Ein strahlender Morgen; wir nützten ihn für eine letzte Beobachtung
(es mußte ohnedies alles gut verstaut werden) am 12" LX-200:
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Sonne [12" LX-200, 50mm Ortho], wieder mit vielen Flecken,
die Gruppen hatten sich aber gegenüber dem Vortag in ihrer Struktur
deutlich verändert
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Jupiter [12" LX-200, 21mm Pentax] auf tiefblauem Himmelshintergrund
nicht nur deutlich zu sehen, sondern auch mit vielen Details: Nicht nur
die beiden EB, sondern auch einige dünne B in der nördlichen
Hemisphäre und ein deutlicher dunkler Fleck, S-Halbkugel bis auf die
Polregion weniger detailreich. Ein sehr schöner Anblick. Gutes Einnorden
bei Tag bringt ungeöhnliche Objekte!
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Deneb [12" LX-200, 21mm Pentax] mehr als Gag, aber sehr deutlich
zu erkennen. Seeing noch immer lausig.
Gegen 10 Uhr sollte eine hohe Wolkendecke von Osten (!) her auch diesen
schönen Himmel bedecken. Aber immerhin bescherte sie uns noch einen
prachvollen, rundherum geschlossenen Sonnenhalo, der eifrig fotografiert
wurde.
So war dieses Wochenende nicht gänzlich umsonst; obwohl wir
es aufgrund des Wetterberichts nicht erwarten hätten dürfen,
kamen wir immerhin zu rund zwei Stunden Deep-Sky und zwei interessanten
Tagbeobachtungen mit Sonne und hellen Planeten. Immerhin.
Der Beobachtungsplatz Pretul ist seit langem nicht unumstritten.
Keine Frage, die Hütte mit ihrer guten Ausstattung und der äußerst
entgegenkommenden Wirtsfamilie (so wurde eine eigene Außensteckdose
montiert; in der Nacht Tee in Thermoskannen, etc.) ist ideal geeignet für
ein geselliges Vereinsleben und die Möglichkeit, 5 Minuten nach dem
Einpacken des Fernrohrs in einem weichen Bett zu liegen, ist verlockend.
Dazu kommt der phantastische Horizont. Probleme bereitet allein die klimatische
Situation dieses Ortes: An der Wetterscheide gelegen, bekommt die Pretul
immer etwas vom Schlechtwetter ab, ob es jetzt von Südwesten, Südosten
oder Nordwesten kommt. Und auch außerhalb der Störungsfronten
sorgte der Gipfelnebel schon oft für Enttäuschungen. Einige erinnern
sich an einen Abend im Herbst vor zwei Jahren (zeitgleich mit dem ITT):
Wolkenloser Himmel in ganz Österreich, vielleicht sogar in ganz Mitteleuropa.
Das Azorenhoch von seiner schönsten Seite. Und genau auf der Pretul,
über der Gipfelkuppe, die einzige Wolke im Umkreis von hunderten Kilometern!
Und das war leider kein Einzelfall. Ich bitte daher alle, die dies lesen
und an unseren Beobachtungswochenenden auf der Pretul teilgenommen haben
oder noch teilnehmen wollen, um ein kurzes Feedback, ihre perönlichen
Pretul-Erfahrungen, und ob und wie wir in Zukunft solche Wochenenden gestalten
sollen. Alle Ideen sind willkommen!
AP [Editor]
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