Beobachtungsbericht

Beobachtungsabend auf der Sofienalpe, Samstag/Sonntag, 3./4. Juli 1999

Nach langer Zeit wieder ein makelloser Abend: Keine Spur von einer Wolke, sehr warm, windstill, dazu recht gure Durchsicht (1+) und akzeptables Seeing (2-3), die Hintergrundaufhellung durch lange Dännerung, frühen Mondaufgang und die Nähe zur Stadt natürlich gegeben (2-3).

Es hatte sich ein ganz passables Grüppchen an Beobachtern und Instrumenten eingefunden: Anneliese Haika mit einem C8, ebenso Hans Peter Müllner mit Freundin und C8, Martin Kellner mit Familie und einem 10" LX-200, Wolfram Patzl sowie ich mit dem 12" LX-200.

Die Stimmung war interessant: Auf der - gar nicht so nahen - Rieglerhütte gab's eine Schulschluß-Party mit Musik aus den 70ern. Die war auf der Sofienalpe noch so laut, als hätten wir beim Beobachten ein Radio dabeigehabt und auf "ziviliserte" Lautstärke eingestellt. Da die Musik aber durchaus dem Geschmack unserer Gruppe entsprach, war's eine angenehme Bereicherung.

Alexander Pikhard:

Bereits in der Dämmerung - tja, eigentlich beobachteten wir immer in der Dämmerung, also korrekt: Bereits in der bürgerlichen Dämmerung begannen wir mit den hellsten Objekten:

Es folgten einige Doppelsterne; der Objektkatalog des LX-200 bedarf aber einiger Ergänzungen; wer kennt denn auch die bekanntesten Doppelsterne nur nach der ADS-Nummer! Dann war es doch dunkel genug und wir konnten mit Deep-Sky Objekten beginnen: Nun wurde es Zeit für "Exoten", also Objekte, die man nicht jedesmal beobachtet; das sollte auch ein Test sein, was in der Nähe von Wien noch drinnen ist und was nicht mehr. Alle [12" LX-200, 21mm Pentax]. Sieht also recht gut aus. Die Objekte standen sehr nahe dem Zenit (NGC 6229 sogar ziemlich genau im Zenit). Noch ein Intermezzo mit bekannteren Objekten: Als nächstes wollte ich wissen, was bei den schwächeren Nebeln zu machen ist: Wie sieht es mit den Nebeln im Schützen aus? Die tiefstehenden Objekte leiden eben schon sehr unter dem Streulicht der Stadt. Etwas höher sieht es wieder besser aus. Noch einmal begab ich mich auf die Suche nach Exoten: Ausklang: Auch Erdsatelliten sorgen für viel Abwechslung: Hervorzuheben sind ein Iridium-Flare so um die -1 mag bei Arcturus und einer interessanter Vorbeiflug der ISS bei Spica und Mars.

Eine sehr schöne Nacht und erstaunlich, was man in der Nähe von Wien alles sehen kann, wenn die Bedingungen passen. Schade, daß es so spät dunkel wird. Das vereitelt derartige Aktivitäten, wenn man am nächsten Tag arbeiten muß. Zum Glück werden die Nächte jetzt schon wieder länger!

Ende gegen 1 Uhr.

AP

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