Beobachtungsbericht

7. CCD-Workshop, 24. bis 26. September 1999, Mariazell

Wir waren in letzter Zeit nicht gerade gesegnet mit klaren Nächten, umso erfreulicher war es, daß das Wetter gerade zum CCD-Workshop in Mariazell, dessen praktischer Teil auf der gut ausgestatteten Raiffeisen-Volkssternwarte stattfand, sehr gut war.

24./25. September

Bereits in der Dämmerung lösten sich die meisten Reste nachmittäglicher Quellwolken auf; das schlechte Wetter blieb hinter den Bergen im Süden und Südwesten hängen, sodaß sich uns bald ein nahezu wolkenloser Himmel bot. Einige hohe Cirren und Hochnebelreste störten dann und wann, aber nicht sehr. Schmerzlicher war das wirklich grauenvolle Seeing (>3"), das vor allem Planetenbeobachtungen ziemlich störte. Es war recht warm, ungewöhnlich für Ende September und 1000 m Seehöhe. Das Tal füllte sich bald mit Nebel, der im Mondlicht schneeweiß glänzte. Gespenstisch hoben sich nur die drei Türme der Mariazeller Basilika schwarz aus dem weißen See.

Der Mond - einen halben Tag vor Vollmond - tauchte die malerische Gebirgslandschaft in ein unheimliches Licht, obendrein störte er gewaltig, sodaß an Deep-Sky-Beobachtung nicht zu denken war; zum Glück kommen CCD-Kameras auch mit solchen Bedingungen zurecht, und Jupiter und Saturn waren im Verlauf der Nacht dann die lohnenderen Objekte.

Zunächst ein paar visuelle Versuche am 16" LX-200 der Sternwarte: M57, M13, M92, M56. Na ja, nicht viel zu holen bei dem Mond (und immer noch um einige Größenordnungen besser als aus Wien heraus). Aber immerhin war der Komet Lee ohne Probleme zu erkennen!

Mond: Verdammt hell. Am Rand noch einige wenige Spuren eines Terminators, wirklich beeindruckend war das tolle Randprofil beim Südpol, wo die über 10.000 m hohen Berge ganz deutlich herauskamen. Aufnahmen vom Mond wurden keine probiert.

Jupiter und Saturn waren dann begehrte Ziele für visuelle Beobachtungen und CCD-Aufnahmen. Die Stimmung auf der Sterwarte bei den rund 30 Anwesenden war hervorragend, beobachtet wurde auch noch am Refraktor auf der Außenmontierung.

Zu fortgeschrittener Stunde arbeitete dann eine Gruppe vom Gahberg mit einer ST-7 CCD-Kamera samt adaptiver Optik AO7 am 16", und das Zusammenspiel von Kamera + AO7, Steuercomputer (TheSky IV Version 5.0) und LX-200 war beeindruckend. Es gelangen, trotz Mondlichts, Aufnahmen des Kometen Lee und eines weiteren Kometen 14 mag, weniger als 20° vom Mond entfernt! Feine Sache ... Fokussieren und Zentrieren kein Problem dank zweitem Chip, der Bilder in nahezu Echtzeit liefert.

25./26. September

Es schien zunächst so zu sein, daß die Beobachtung an diesem Abend ins Wasser fallen würde. Es wirde mit fortschreitender Stunde immer schwärzer und sah gegen 22 Uhr hoffnungslos aus. Als wir gerade im Internet surften und ich anhand eines Satellitenbildes feststellte, daß über Mariazell ein großes Wolkenloch sein müßte, hörte ich schon das Geräusch der sich öffnenden Kuppel. Rasch hinaus ins Freie: Wolkenlos! Und es war noch wärmer als am Abend zuvor, geschätzte 15° C oder mehr und keinerlei Wind, also wirklich angenehm. Dann und wann zogen kleine, sehr transparente Hochnebelfelder durch. Viele sprachen von "Finsterniswetter". Hmmm...

Und das Seeing war sehr, sehr gut, sicher weit unter einer halben Bogensekunden. Planeten, nehmt euch in Acht!

Der Mond, jetzt einen halben Tag nach Vollmond, erschien in der klaren Luft noch heller, die nächtliche Bergwelt gab eine beeindruckende Kulisse ab. Heute sammelte sich kein Nebel im Tal. Zu warm.

Trotz des Vollmonds gelangen einige recht gute Aufnahmen vom Ringnebel mit einer an sich recht alten StarLight SX. Hier erkannte man auch den Unterschied zur mehr als dreimal so teuren ST-7: Kein Zusammenspiel von Software, Kamera und Teleskop, minutenlanges Fokussieren, noch viel längeres Suchen. Und ohne die aktive Nachführkorrektur von Kamera ans Teleskop arge Nachfrühfehler, trotz parallaktischer Montierung. Die LX-200 sind offenbar nur auf so eine Korrektur hin ausgelegt!

Jupiter und Saturn waren da schon lohnendere Ziele. Bei 4 m Brennweite ist es aber gar nicht mehr so leicht, den Planeten zu treffen. Es dauerte, nur auf die interne Steuerung des LX-200 und den Sucher angewiesen, geschlagene 20 Minuten, bis der Planet auf dem Chip war. Dann aber einige tolle Bilder.

Mit Nachführen zumindest und auch mit Seeing kein Problem hat die Videotechnik. In rund vier Minuten entstehen zwar rund 4 GB an Bilddaten, die wertet der Computer aber später souverän aus, mittelt die Bilder und generiert eine Aufnahme, die schön langsam an das HST erinnert. Und das durften wir live miterleben. Beeindruckend diese Praxisvorführung von Dr. Georg Dittié.

Ergänzungen folgen, sobald der Bericht des Astroteam Mariazellerland vorliegt.

Fazit

Viele, viele neue Kontakte geknüpft. Und sehr viel gelernt. Vor allem, was den Unterschied zwischen billige(re)n und teuren CCD-Kameras ausmacht. Und wieviel Amateure heute leisten können. Eine Grußße vom Gahberg hatte Bilder ausgestellt, aufgenommen mit der SBig ST-8 (der derzeit besten und teuersten Amateur-CCD, 110.000,- aufwärts) mit adaptiver Optik an einem 12" LX-200: Unter absolut gleichwertigen Aufnahmen steht in Burnham's Celestial Handbook (1978) noch "100-inch reflector Mt. Wilson". Keine Übertreibung! Und die Aufnahme von NGC 4565 in Burnham's Handbook (p. 689), aufgenommen mit dem 5m-Spiegel auf Mt. Palomar, ist auch nicht viel besser als die der Gahberg-Gruppe. Fritz Sussmanns (Graz) Aufnahmen von Jupiter und Saturn zeigen das Maximum, das von der Erdoberfläche erreichbar ist. Nur das HST zeigt mehr. Details auf Callisto, mit einem 12" Newton ...

Die WAA wird in dieses Metier einsteigen. Sehr bald sogar. Interessenten willkommen!

AP

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Astroteam Mariazellerland