Beobachtungsbericht

Ebenwaldhöhe, 2. Oktober 1999

Anwesend: Annelise Haika, Alexander Pikhard, Tahir Saban, weiters Wolfgang Howurek und Walter Koprolin sowie einige weitere Beobachter aus Niederösterreich.

Bedingungen: Nach Auflösung einiger hoher Wolkenfelder zunächst kristallklar. Im Lauf der Nach zog dann nochmals ein Wolkenfeld durch, was zu einer etwa 30-minütigen Unterbrechung führte. Ansonsten: Seeing 1, Aufhellung 2 (Wien war wegen hoher Wolken zeitweise unangenehm deutlich zu spüren), Durchsicht 1+. Kaum Wind, Temperatur ca. 10°C, also noch erträglich. Sehr trocken, keine Taubildung.

Alexander Pikhard:

Nach langer Zeit wieder einmal eine eigene Deep-Sky-Nacht, wobei das eigentliche Ziel zwei Kometen waren. Doch zunächst zu den "Klassikern":

Schon in der Dämmerung recht schön waren M11, später auch M57 und M56 (auch schon aufgelöst). M29 im Schwan, quasi eine Mini-Ausgabe des Schützen.

Mit fortschreitender Dämmerung dann eine Tour durch die allseits bekannten Kugelsternhaufen M15, M92 und M13, beeindruckend wie immer. Der Anblick dieser Objekte mit 12" und einem 21mm Pentax-Okular ist kaum zu beschreiben; Plastisch, bis zur Mitte hin aufgelöst, und wegen des guten Seeings gestochen scharfe Sterne. Auch die Galaxie NGC6207 in der Nähe von M13 war einen Blick wert, man erkannte sogar die Staubscheibe in dieser kleinen Kantengalaxie.

Noch rasch ein Blick zu M27 (im 40mm Pentax-Okular mit UHC-Filter so hell, daß im Inneren schon die Details untergingen, dafür kamen die Ausläufer gut zur Geltung) und zu M71 (aufgelöst, aber sehr unregelmäßig geformt).

Jetzt kamen einige Cirren. Als Prüfer, ob nach deren Durchzug alles in Ordnung war, dienten: NGC6888, der Bubble Nebula (gut zu erkennen) und der Cirrus-Nebel (NGC6960 bei 52 Cyg, sehr fein, ohne indirektem Sehen deutlich), NGC6992 (ja, die Filamente am Ende kamen gut heraus) und der Mittelteil des Cirrus-Nebels, der allerdings sehr schwach ist.

Also zu den Kometen:

Dann noch eine Tour durch ein seltener besuchtes Gebiet: M72 (klein und diffus, wenige Sterne), M73 (Kuriosität! Nur vier Sterne... und das hat Messier als Sternhaufen klassifiziert) und NGC7009, der berühmte Saturnnebel. Der, mit OIII-Filter (und 21mm-Okular) zeigte die innere und die äußere Hülle, aber nicht den "Ring", also die beiden länglichen Ausläufer.

Walter und Howdii machten mich dann neugierig auf den Cocoon-Nebel (IC5146), der im 40mm-Pentax ohne jeden Filter doch andeutungsweise zu sehen war. Klar, ein Reflexionsnebel braucht keinen Filter. NGC7008, ein unregelmäßig geformter planetarischer Nebel im Schwan, war auch hochinteressant und deutlich zu sehen.

So, dann war meine Batterie leer. Ich hatte sie ehrlich gesagt zu wenig lang aufgeladen und außerdem rächten sich meine fünf (!) Versuche, das Instrument einzujustieren. Irgendwie hatte ich keine gute Hand dafür gehabt. Also noch eine Runde "klassischer" Objekte auf die gute alte manuelle Weise: M31, M32, M110, M33, h+Chi, Pleiaden M45 und zum Abschluß noch NGC7293, der Hellix-Nebel. Zum genießen sozusagen. Und als Belohnung (und erst jetzt, um die Dunkeladaption nicht zu zerstören), Jupiter und Saturn.

Fazit: Die Fahrt hatte sich gelohnt; angenehm, wie früh es dunkel wird und wie lange man beobachten kann. Kometen mit 13mag sind im 12" machbar, das erweitert das Spektrum.

Anneliese Haika:

Nach einem netten Beobachtungsabend in Wien (1.10.) hatte ich richtig Lust auf dunklen Himmel bekommen. Daher ließ ich mich vom recht
bewölkten Himmel in Wien nicht abschrecken. Auf der Ebenwaldhöhe war dann tatsächlich die Bewölkung weg und nur mehr oder weniger dichte Zirren störten den sonst recht guten Himmel.

Bevor wir uns dem Beobachten widmen konnten, wurden wir beobachtet. Wir hatten am Rand der Wiese aufgebaut, direkt neben dem elektrischen Zaun. Die dort stationierte Kuhherde zeigten sich astronomisch interessiert. Unter lautem Gebimmel kamen sie immer näher. Zeitweise standen etwa 10 Kühe dicht hinter dem dünnen Draht und betrachteten argwöhnisch die Telskope. Hätten wir zu diesem Zeitpunkt schon gewußt, daß der Draht gar nicht elektrisch ist, wären wir wahrscheinlich ziemlich hektisch geworden. Auch die sonstige akustische Kulisse des Abends war bemerkenswert. Von brüllenden Hirschen (?) bis zu hustenden Kühen bot die Natur ihr Bestes, uns zu unterhalten.

Die tatsächlichen Beobachtungsobjekte deckten sich ziemlich mit dem, was ich am Vortag von Wien aus beobachtet hatte. Daher möchte ich hier nicht noch einmal alle aufzählen. Natürlich waren die Objekte von der Ebenwaldhöhe aus wesentlich besser zu sehen. Allerdings war bei M27 der Unterschied nur gering. Offensichtlich filtert der UHC Filter das Stadtlicht recht gut weg. Ein Objekt konnte ich zum 1. Mal selbst entdecken: NGC6960 - ein Teil des Cirrus-Nebels. Ohne UHC kaum erkennbar, war er mit UHC im 35mm Okular recht deutlich zu sehen.
 


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