Beobachtungsbericht

15. Oktober 1999, Hafnerberg

Herr Rehmann veranstaltete für seine Kunden wieder einmal ein Beobachtungsseminar auf der Ebenwaldhöhe. Auf der Fahrt dorthin sahen wir schon wieder dieselben Wolken wie am Mittwoch. Welch ein Schreck, denn es drohte schon wieder eine Autonacht zu werden. Der Versuch, jemanden telefonisch zu erreichen, scheiterte am schlechten Ausbau des Handynetzes bzw. an leeren Akkus mancher Teilnehmer. So blieb uns nichts anderes übrig, als auf die Ebenwaldhöhe hinauf zu fahren und uns dem Autokonvoi (17 Fahrzeuge) anzuschließen, der uns wieder zurück zum Hafnerberg brachte (Muß ein komischer Anblick für die Einwohner des verschlafenen Kleinzells gewesen sein, soviele Autos auf einmal zu sehen.). Am Hafnerberg entschieden wir uns trotz 1/3 Bewölkung, mit der Beobachtung zu beginnen.

Teilnehmer: Rhemann mit einer Menge von Kunden, Alexander Pikard, Pia Strnadl, Hans Peter Müllner und später noch Ilse Kreiner.

Instrumente: Sehr viele (C-14 auf Losmandy Montierung, 18" Dobson, Meade 12" LX 200, mehrere Meade und Celestron 8" , einige Vixen R114 Reflektoren), kurz die ganze Bandbreite von transportablen Geräten.

Hans-Peter Müllner:

Mein Ziel (HPM) war es, mein Binokular mit hoher Vergrößerung zu testen. Dies scheiterte einerseits an einem nicht vorhandenen zweiten LV-7 Okular bzw. an der Tatsache, das Anneliese mit ihren kurzbrennweitigen Pentaxokularen auf dem Beobachtungstreff auf der Sofienalpe war. Für allfälliges Schnackerln von Anneliese um 21:00 Uhr entschuldige ich mich hiemit. Daraufhin widmete ich mich den anwesenden Instrumenten.

Beobachtungen:
Jupiter mit C-14 + Binokular mit zwei 21 mm Pentax Okularen: Ich hatte das Glück den Mond Io hinterm Jupiter hervorkommen zu sehen (laut SuW um 20:57), Details (SEB und NEB) waren schon sichtbar aber später dann viel besser erkennbar. AP befand sich um Mitternacht bei Anblick des Jupiters durch sein Teleskop mit UHC Filter in höchster Ekstase.

M13 mit C-14 + Binokular mit zwei 21 mm Pentax Okularen: Dies führte zur Diskussion über die Unterschiede des monokularen und binokularen Sehens, welches am Mangel fairer Vergleiche scheiterte. Man hat den Eindruck, daß bei schwächerer Vergrößerung (26 mm Okular) die Sterne eindeutig schärfer sind als durch das Binokular mit 21mm Okularen. Bei monokularem Benützen eines 21 mm Okulars waren die Sterne ebenfalls unschärfer. Generell glaubt man, bei verschiedenen Vergrößerungen unterschiedliche Sternhaufen zu
erkennen.

M27 im 18" Dobson: Hat es mir nicht sehr angetan (Dobson wurde danach auch neu justiert)

Die Beschreibung anderer Objekte überlasse ich Alex. Erwähnenswert war eigentlich nur noch der Cirrusnebel im 12" Meade LX 200.

Fazit: War trotz anfänglichem Wetterschreck ein lohnenswerter Abend mit skurrilen Ereignissen (Autokonvoi und Anfängern mit penetranten Weißlicht), leider schon ziemlich frostig (PS).

(HPM)

Alexander Pikhard:

Der Beschreibung der Aufregenden Anfahrt habe ich nichts hinzuzufügen, außer daß es bemerkenswert war, auf der schmalen Straße von der Ebenwaldhöhe einen waschechten Stau zu erleben, das unserem Konvoi einer entgegenkam (was sich der wohl gedacht hat?).

Zum Beobachtungsort Hafnerberg: Gar nicht so übel; die Bedingungen ware nicht so toll (Seeing 2-3, später 2), Durchsicht 2 (irgendwas "lag in der Luft", wahrscheinlich ganz leichter Nebel, Aufhellung 3 (Wien ist doch sehr nahe). Und das ist der Punkt: Der Platz ist sicher genau der Mittelwert aus Sofienalpe (sehr dicht an Wien) und der Ebenwaldhöhe (eine Stunde Fahrzeit). Also ein interessanter Fleck für genau solche Nächte mit etwas Mond, wo die Ebenwaldhöhe etwas zu schade ist.

Noch etwas: Bei Nordstau ist die Ebenwaldhöhe zu meiden. Wie man diese Woche zweimal bemerkt hat...

Mond: 12" LX200, 50mm Orth: Schöne Strukturen, aschgraues Licht deutlich, starke Beeinträchtigung durch Seeing (tief!)

M11: 12" LX200, 21mm Pentax: Schön aufgelöst.

Jupiter: 12" LX200, 14mm Pentax, Blaufilter Wr. 80A: Das bringt's! In Momenten ruhigen Seeings (auf die man warten mußte) kamen enorm viele Details heraus. Und der Filter verstärkt vor allem die Farben; so erschienen die Polarregionen gelb, die Zonen weiß und die Bänder rötlichbraun mit gelblichen Übergangszonen zu den Zonen. Dann noch einmal mit LV-7 und besagtem Blaufilter: Extrem viel Detail! SEB und NEB lachsrosa mit gelblichen Rändern, in der hellen EZ erkennt man eine feinkörnige Struktur und stellenweise, also nicht durchgängig, das EB (sehr selten zu sehen!). Im SEB S-Rand schärfer, NEB 2-3 Verdickungen, NTrB deutlich, NPR weit ausgeprägt und geht bis in die gemäßigten Breiten, dort zwei weitere Bänder angedeutet. SPR heller als NPR, nicht sehr ausgeprägt, STrB angedeutet. SPR und NPR erscheinen gelblich. Insegesamt kommt die Randverdunkelung des Planeten deutlich heraus!

Saturn, gleiche Konfiguration: Hier sticht der Farbunterschied Planet-Ring hervor: Der Planet ist deutlich gelblich, der Ring dagegen weiß. Später auch LV-7 mit Blaufilter: Die Cassini-Teilung in vollem Verlauf zu sehen, und im sichtbaren NEB eine dunkle Verdickung. Zahlreiche Monde.

NGC6960 (Cirrnus-N.) bei 52 Cyg, 40mm Pentax mit UHC: Kommt sehr deutlich heraus, sogar mit feinen Filamenten. NGC6992 (Cirrus-N.) im 18" Dob mit 20mm Nagler und OIII-Filter: Sehr plastisch, füllt viele Gesichtsfelder, beeindruckend vor allem das filamentreiche Ende. Im 12" LX2000 mit 40mm Pentax und UHC: Ca. 3 Gesichtsfelder (etwa 3°) groß und die feinen Filamente kommen eigentlich genauso gut heraus!

M27 im C-14 mit 20mm Nagler und OIII: Feine Details im Nebel, Zentralstern angedeutet. Im 12" LX200 mit 40mm Pentax und UHC: Auch sehr schön, sehr kontrastreich, viel schlechter als zuvor im C-14 ist der Anblick nicht; lediglich der Zentralstern kommt nicht so wirklich durch. Die Nebelstrukturen sind aber die gleichen (Öffnungsverhältnis!). M57 im 12" LX2000 mit 14mm Pentax und UHC-Filter: Ring sehr deutlich, wenig Details (tief, Dunst).

M31 im 18" Dob: Kern sehr hell, ein Sprialarm, beide Begleitgalaxien. Sehr groß...

NGC6888 (Bubble), im 12" LX-200, 40mm Pentax mit UHC: Erstaunlicherweise sehr gut zu sehen; ein Blick zum Himmel hätte dies nicht vermuten lassen. Es liegt die Vermutung nahe, daß die Aufhellung doch schon sehr durch die nahe Stadt bedingt ist und hier filtert der UHC-Filter genau die störenden Wellenlängen raus.

NGC281 (Diffuser Nebel in der Cassiopeia) im LX200 mit 40mm Pentax und UHC: Sehr deutlich, groß, um Gruppe hellerer Sterne, läuft nach außen wie ein Kleeblatt auseinander und zeigt einige Strukturen. Ein für mich neues Objekt, das sicher im Herbst einen Fixplatz erhält.

Einige Sternhaufen in der Cassiopeia: M103, 12" LX200, 40mm Pentax: Schön! Es kommen sogar die Farben der einzelnen Sterne heraus. NGC457, gleiche Konfiguration: Auch sehr schön, zwei sehr helle Sterne, sehr locker, auch hier sind Sternfarben zu erkennen. NGC663, ebenso: Locker, hebt sich relativ wenig vom Hintergrund ab.

NGC891: 12" LX2000, 40mm Pentax: Schwach, indirekt aber deutlich, länglich und mit dunklem Band. Tja, Ilse Kreiner, Pia Strnadl und ein weiterer Beobachter sahen nichts... Muß wohl wirklich sehr schwach gewesen sein.

M33 im 18" Dob: Spiralarme angedeutet. Im 12" LX-200 mit UHC-Filter(!) erkennt man recht deutlich den Emissionsnebel NGC604. h+Chi Per: Natürlich sehr schön (12" LX200, 40mm Pentax). NGC1501 (Plan. Nebel in Camelopardalis), 12" LX200, 40mm Pentax: Sehr deutlich, rund und diffus.

Fazit: Es zeigte sich einmal mehr, daß das 12" LX-200 ein universelles Instrument für alle visuellen Anwendungen ist, das seine Leistung sowohl bei Deep Sky als auch bei Planeten bringt. Und es zeigte sich auch, daß bei etwas schlechteren Bedingungen (Seeing, Durchsicht) die Vorteile größerer Instrumente schnell verloren gehen. Zwischen 18" Dob, 14" C-14 und 12" LX200 waren keine weltbewegenden Unterschiede zu bemerken (zur Verteidigung der Ehre des 18" Dob muß ich sagen, daß die Dinge bei optimalen Bedingungen ganz anders aussehen - man hat nur noch weniger brauchbare Nächte...). Mit dem C-14 konnte ich zuwenig lang Vergleiche anstellen - die beiden Instrumente standen 15 Autos weit auseinander, eine lange Distanz im Dunkeln!

Es zeigte sich auch, wie wichtig Einschulung und gemeinsames Beobachten, vor allem für Anfänger sind. Mehr als einer, der zu fortgeschrittener Stunde mit hell aufgeblendeter weißer Taschenlampe den Weg beleuchtete oder eine Viertelstunde lang bei eingeschalteter Innenbeleuchtung sein Instrument ins Auto lud.

Und die WAA konnte sich als kompetente Anlaufstelle für Teleskop-Neulinge präsentieren. Das war besonders wichtig und ist einmal mehr gelungen!

(APi)
 
 
 

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