Beobachtungsbericht

29. Oktober 1999, Sofienalpe

Nach kurzfristigen Zusammenruf konnte eine beachtliche Gruppe von WAA – Mitgliedern (7 Beobachter) den klaren Himmel über Wien bewundern und einen ausführlichen Teleskopvergleich durchführen.

Geräte: 12“ Meade LX200, 2 Stk. 10“ Meade LX200, C8, Vixen R114 Reflektor

Hans Peter Müllner:

Jupiter Binokular (100x und 150x): Wolkenbänder sehr schön mit einzelnen Verdickungen zu erkennen, EB sehr detailreich und dunkel. Saturn Binokular (100x und 150x): Cassini Teilungslinie war eindeutig zu erkennen, der Schattenwurf des Planeten auf dem Ring stellte sich nur mehr als Strich dar. Am Planeten selbst war ein Wolkenband erkennbar. M13 Binokular (100x): Hier kommt die Leistungsreduktion durch das Bino voll zum Tragen, und man erleidet Verluste in der Lichtstärke.

Danach widmete ich mich auf Grund leerer Batterien im Telradsucher und Problemen mit dem Zenitspiegel beim Sucherteleskop dem 10“ Meade LX200 von Robert (noch kein WAA Mitglied).

M13 Binokular (150x): schön aufgelöst, scharf und recht plastisch

M27 Binokular (150x): als schwacher Nebel im Raum erkennbar, es herrschten trotz sichtbarer Milchstraße keine Deep Sky Bedingungen

Vergleich 12“ -10“-8“ SC: Testobjekt Jupiter, Saturn + Kugelsternhaufen

Dieser Bericht stellt ein subjektives Empfinden meinerseits dar und soll keine Abwertung irgendeines Gerätes sein. Der Kugelsternhaufen (M15) erscheint im 12“ besser aufgelöst, nur scheitert es an der Schärfe. Im 10“ erscheinen mir die Sterne spitzer und feiner. Das 8“ kann mit dem Auflösevermögen der beiden Geräte in keinster Weise mithalten und  hinterläßt einen mickrigen Eindruck.Interessanter wird es bei Planeten, wo das 8“ mit dem 10“ annähernd gleich zieht, wo hingegen das 12“ Schwächen zeigt. Am 12“ muß AP schon sein ausgefuchstes Beobachterauge einsetzten, um das Optimum herauszuholen, doch dies ist nichts für Anfänger. Es fehlt dem 12“ eindeutig an Schärfe und Kontrast, könnte aber auch daran liegen, daß das richtige Scharfstellen mit der Einstellschraube nur einem auf das Gerät Geübten gelingt. Am 8“ konnte ein scharfes und ruhiges Bild erreicht werden. Das 10“ konnte gegenüber dem 8“ durch das sichere Auffinden der Saturnmonde punkten, ansonsten waren keine bemerkenswerte Unterschiede feststellbar. Das von mir erwartete Leistungsplus eines 12“ers konnte nur für kürzerste Augenblicke gesehen werden, was zu einem sehr unruhigen Bild führt. Dies konnte auch durch kleinere Vergrößerung nicht behoben werden. Auch lieferte die Verwendung eines Blaufilters keine Kontraststeigerung am 12“.Überrascht war ich hingegen vom 4", der zwar nicht an die Details der größeren Instrument herankam, aber auch schon deutlich vier Wolkenbänder am Jupiter erkennen ließ.Es wäre interessant, welche Aussagen ein Startest liefern würde.

Fazit: Es ist toll, wie gut der telefonische Zusammenruf funktioniert.

Alexander Pikhard:

Zunächst zu den Bedingungen: Aufhellung durch Stadtnähe 2-3, Durchsicht 1, Seeing oberflächlich 1, jedoch muß man heute zwischen zwei Komponenten unterscheiden, einem kurzeriodischen Seeing unter 0,5" und einem langperiodischen Wallen mit ca. 2-3"; diese Struktur entsteht durch unterschiedliche Luftschichten, wobei sehr viel auch direkt vom Boden her kommt - und von den herumstehenden Autos! Windstill, ca. +10°C, also für die Jahreszeit recht warm.

Jupiter, 12" LX-200, 21mm Pentax, Blaufilter: Viele Details zu erkennen. 14mm Pentax: NEB ist deutlich dicker als das SEB, andeutungsweise das EB stellenweise, im NEB links (westl.) von der Mitte eine Verdickung, südl. Halbkugel eher strukturlos, NTrB ist ganz deutlich, mit kleiner Verdickung, in NTrZ ein weißer Fleck. Sonst ist die nördliche Halbkugel relativ dunkel. 2 Monde nahezu in Konjunktion westlich. Jetzt im 14mm Pentyx ohne Blaufilter: Jupiter kommt in der Tat wesentlich besser heraus, ganz im Gegensatz zu den letzten Beobachtungen. Offenbar fungiert eine dünne Dunstschicht ohnedies als Filter. Feine Details im NEB und im NTrB kommen sehr schön zur Geltung, es sind etliche feine Knoten zu erkennen. Das EB ist sehr deutlich, die Farben kommen deutlich heraus. Bino mit 2x15mm: Sensationell detailreich, Farben im NEB kommen gut, NTrB sehr deutlich, SEB ist weniger stark ausgeprägt als das NEB. Restseeing ist bemerkbar.

Erste Aufnahmeserie mit Konverter auf F=6000: Zuerst 5sec für Monde, dann 1/500 bis 1/30 Sekunde auf 100ASA.

Rund eine Stunde später hat sich der Anblick des Planeten sichtbar verändert: Die ganze EZ ist dunkler geworden, das EB ist durchgehend zu erkennen und nicht mehr unterbrochen. Zwischen EB und NEB ist ein deutlicher Wirbel mit zwei auffälligen länglichen Fasern entstanden. Auch das NTrB ist dünkler, in der NTrZ ist eine Störung entstanden. Man erkennt jetzt auch das NTB und blickweise das NNTB, also zwei weitere Bänder in der Nordhemisphäre. Die südliche Hemisphäre ist weiterhin einförmig und recht hell (wer mehr über diese Abkürzungen und die Beobachtungstechnik erfahren möchte, ist zu unserem Seminar "Besser beobachten - Jupiter und Saturn" herzlich eingeladen!)

Dritte Aufnahmeserie wie zuvor, jetzt mit 1/250 bis 1/30 Sekunde.
Vierte Aufnahmeserie wie zuvor, jetzt mit 1/250 bis 1/30 Sekunde.

Saturn: Zweite Aufnaheserie wie oben, 1/250 bis 1/30 Sekunde, dann ca. 10 Sekunden für Monde.

12" LX-200, 14mm Pentax: Cassini-Teilung ist deutlich durchgehend, Ring sehr hell, Planet dunkler mit auffälligen Äquatorband. Viele Monde zu erkennen. Auch der C-Ring war etwas später, als der Planet höher stand, gut zu erkennen.

Einige Deep-Sky-Objekte, die aber bald im Dunst ihre Wirkung verlieren:

M34 ist etwas zu groß und kommt nicht so gut zur Geltung. M76: Eine Überraschung im 21mm-Pentyx und UHC-Filter; man erkennt in den beiden deutlichen Nebelteilen je ein Helligkeitszemtrum, das auf einer Seite deutlich außerhalb der Mitte liegt, und bei indirektem Sehen auch die feinen Nebelausläufer außerhalb der "Hantel". Sehr schön! M31, M32 im 40mm Pentax sehr hell, aber die Ausläufer gehen im Himmelshintergrund unter. M110 ist schwach! NGC185, der dritte Begleiter (liegt in der Cassiopeia) ist sehr flächig und schwach, ist aber noch zu erkennen. An NGC206 und NGC147 scheitere ich bei dieser Hintergrundaufhellung. Es wird immer schlechter!

NGC7662, 14mm Pentax, UHC: Sehr hell, aber in der Mitte leicht verdunkelt, eine Ringstruktur somit angedeutet. M15, 14mm Pentax: Sehr schöm plastisch aufgelöst, feine, punktförmige Sterne. M2 (tief) am Rand deutlich aufgelöst, in der Mitte hell und diffus. NGC7331 ist wiederum sehr auffällig und man erkennt nicht nur die Kantenstellung, sondern auch das Staubband. Wir erkennen jetzt hohe Nebelschwaden, also eine beginnende Hochnebeldecke, und dies erklärt die so unterschiedlichen Anblicke. NGC7789 ist sehr schön aufgelöst, M52 hingegen ist sehr locker und wenig aufregend.

Fazit: Ein lohnender Abend! Schön, daß sich an einem unserer Beobachtungsplätze wirklich auch spontan eine Menge Leute mit Instrumenten einfinden.

Und was hat es jetzt mit den vermeintlich unterschiedlichen Leistungen der Instrumente auf sich? Auf einen Nenner gebracht - je größer der Durchmesser, desto anfälliger für Seeing. Auch wenn es noch so gut aussieht, Seeing gibt es immer. Die Größe der Konvektionszellen in der Luft beträgt ca. 30cm, kleinere Fernrohre kommen da eher ohne Probleme durch als größere. Übrigens: Wer Planeten wirklich genießen will, braucht einen guten Refraktor - und eine dicke Brieftasche! Spiegel sind etwas für Deep Sky und Schmidt-Cassegrains ein Kompromiß, damit man sie transportieren kann.
 


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