Beobachtungsbericht: Kaltenleutgeben, 10. Februar 2000

Name: Gerhard Bachmayer

Email: bbachmayer@magnet.at

Datum: 10.2.2000

Zeit: 20:10 - 24:00

Ort: Kaltenleutgeben, Terrasse

Instrument: Maksutov Newtonian Intes Micro MN76, f=1080, F/6

Bedingungen: Sehr trocken, fallweise leichter Wind,sehr gute Durchsicht, Aufhellung durch Mond und Wien im Osten kaum nennenswert.Temperatur 3Grad, auf 0Grad fallend.

Bericht: Im Laufe des Nachmittags begann das Wetter immer vielversprechender zu werden, und um 18h sah es gut genug aus um das Maksutov-Newtonian zum Austemperieren auf die Terrasse zu stellen. Die Luft war klar und trocken genug, sodass Deep Sky Beobachtungen nicht allzusehr unter der "Lichtverschmutzung" durch Mond und Wien im Osten leiden sollten. Leider liess das Funkeln der Sterne den Schluss zu, dass das Seeing wohl nicht so toll sein wuerde, und wirklich, als ich gegen 20:00 h das Rohr gegen Jupiter wendete war alles klar: "Planetenwetter ist das heute wohl nicht". Dem Seeing wuerde ich die Note 2-3 geben, und ich verlor auch rasch das Interesse an Jupiter, Saturn und Mond. Es machte mir aber nicht viel aus, denn heute hat ich was ganz anderes vor: ich wollte mich mal genuesslich durch die Messier Objekte, die von meiner Terrasse um diese Zeit optimal zu sehen waren, durchhanteln. Ausserdem war es auch an der Zeit um einige der neuen Feature von Skymap Pro 6 auszuprobieren. Das Programm erlaubt es nun eine eigene Datenbank mit persoenlichen Beobachtungsdaten anzulegen, bzw. eine individuelle Beobachtungsliste von Objekten anzulegen, die man z.B. nach dem Meridiandurchgang sortieren und dann gezielt durcharbeiten kann. Mit den dazugehoerigen Suchfunktionen lassen sich diese Objekte sehr schnell auf einer extrem detailierten Karte finden. Eingeblendete "Telrad"-Kreise helfen die Suchzeit am Teleskop beim "Star-hopping"sehr zu reduzieren, sodass viele der beobachteten Objekte innerhalb weniger Sekunden im Okular auftauchten - macht richtig Spass! Anscheinend werden hier die von unserer Vorfahren erworbenen "Jaeger- und Sammlerinstinkte" angesproch! en( zumindest bei mir).

Nun aber zu den Beobachtungen (M79 u. M93 waren im Sueden duch einen Berg verdeckt):

M 76 Planetary nebula TeleVue Nagler 7mm 154x: Kleines,zylinderfoermiges Woelckchen, gut sichtbar

M 34 Open cluster TeleVue Panoptic 19mm 57x: Offener Sternhaufen,Durchschnitt

M 77 Galaxy TeleVue Radian 12mm 90x: verschwommenes Fleckchen, keine besonderen Strukturen ausmachbar. Trotz der schon recht niedrigen Hoehe ueber dem Horizont deutlich zu sehen - ein Indiz fuer die gute Transparenz

M 45 Bright nebula TeleVue Ploessl 32mm 34x: Passt gerade noch ins Gesichtfeld, der Nebel um einige der Sterne schwach erkennbar;toll , aber im Televue Ranger mit seinem weiten Gesichtsfeld noch schoener

M 38 Open cluster TeleVue Panoptic 19mm 57x: durchschnittlicher Sternhaufen

M 36 Open cluster TeleVue Panoptic 19mm 57x: durchschnittlicher Sternhaufen

M 37 Open cluster TeleVue Panoptic 19mm 57x: wunderschoener offener Sternhaufen, sehr dicht , "Diamantenstaub", sehr viele Sterne

M 1 Supernova remnant TeleVue Radian 12mm 90x: Nebelfleckchen, ansatzweise Strukturen erkennbar, heute sehr leicht zu finden, guter Kontrast

M 42 Bright nebula TeleVue Panoptic 19mm 57x : Hervoragend wie immer, heute aber besonders viel zu sehen, auch im Feld suedlich der grossen Schwingen. Das Seeing erlaubt im Trapezium nur die Komponenten A-D zu sehen, E u. F koennen nicht aufgeloest werden

M 43 Bright nebula TeleVue Panoptic 19mm 57x: Der kleine Bruder von M42, heute etwas struktutierter als sonst von diesem Beobachtungsort zu sehen

M 78 Bright nebula TeleVue Radian 12mm 90x: Heute ganz leicht zu finden, deutliches Nebelchen das sich in Richtung SO verliert

NGC 2071 Bright nebula TeleVue Radian 12mm 90x Nebelchen, mit direkter Sicht zu sehen

M 35 Open cluster TeleVue Panoptic 19mm 57x: Durchschnittlicher offener Sternhaufen

M 41 Open cluster TeleVue Panoptic 19mm 57x: Durchschnittlicher offener Sternhaufen

M 50 Open cluster TeleVue Panoptic 19mm 57x: durchschnittlicher offener Sternhaufen

M 47 Open cluster TeleVue Panoptic 19mm 57x: durchschnittlicher offener Sternhaufen, recht gross

NGC 2423 Open cluster TeleVue Radian 12mm 90x: offener Sternhaufen, viele kleine Sterne, fast wie ein Nebel

M 46 Open cluster TeleVue Radian 12mm 90x: schoener offener Sternenhaufen, mit planetarem Nebel NGC2438, eine Augenweide! NGC 2438 Planetary nebula TeleVue Radian 12mm 90x: elliptischer planetarer Nebel, leicht zu sehen

M 48 Open cluster TeleVue Radian 12mm 90x: Ein Duchschnittshaufen, nichts besonderes

M 44 Open cluster TeleVue Ploessl 32mm 34x: sehr gross, passt gerade noch ins Gesichtsfeld, recht beeindruckend, aber nur mit diesem Okular. Ist im TeleVue Ranger noch schoener zu sehen

M 67 Open cluster TeleVue Panoptic 19mm 57x: recht netter offener Sternhaufen

M 81 Galaxy TeleVue Radian 12mm 90x: leicht zu sehen, bei indirektem Sehen ansatzweise Spiralstrukturen zu erahnen. Fuer mehr ist der Kontrast zum Hintergrund zu gering

M 82 Galaxy TeleVue Radian 12mm 90x: schoene Kantenlage, sehr hell, Staubwolken zu erahnen

NGC 3077 Galaxy TeleVue Radian 12mm 90x: kleines Nebelscheibchen, problemlos zu sehen

Hier musste ich dann leider passen, da der Akku mangels Saft seinen Geist aufgab und mir eine Zwangsruhe verordnete. Ich haette sonst wohl noch ein bis zwei Stuendchen nachgelegt. Aber auch so war ich recht zufrieden und hoffe, dass der Wettergott in drei bis vier Wochen fuer ein aehnliches Unternehmen wieder mitspielt. Abschliessend ist zu bemerken, dass bei solchen atmosphaerischen Bedingungen wie an diesem Abend auch ein einigermassen dunkler Beobachtungsort Nahe bei Wien sehr wohl fuer Deep Sky geeignet sein kann, man muss die Objekte nur sorgfaeltig genug auswaehlen. Ich denke , dass ich das Beobachtungspotential bei mir zu Hause bei weitem noch nicht ausgeschoepft habe - und seien wir uns ehrlich: ist es nicht toll wenn man die Instrumente innerhalb von 5 Minuten abgebaut hat und danach gleich ins Bett fallen kann?

Gerhard Bachmayer