Beobachtungsbericht: Sofienalpe, 10. Februar 2000

Name: Alexander Pikhard, Andreas Berthold, Astrid Stöckl, Hans Peter Müllner, Dieter Heindl, später Thomas Schmidt.

Email: apikhard@eunet.at

Datum: 10. 2. 2000

Zeit: 18.20 bis 22.00

Ort: Sofienalpe

Instrument: 12" LX-200

Bedingungen: Ein Abend zum Umarmen! Untertags sah es ja gar nicht nach Beobachten aus, umso streßreicher war dann der Aufbruch zur Sofienalpe. Es war recht kühl, gegen Ende der Beobachtung sogar richtig kalt, die Temperatur dürfte unter den Gefrierpunkt gefallen sein. Zum Glück war es trocken. Zeitweise leichter Wind aus W bis NW. Seeing mit ca. 2 noch einigermaßen passabel, aber nicht aufregend. Dafür die Durchsicht! Trotz 5 Tage alten Mondes keine Beeinträchtigung bei Deep Sky. Die Milchstraße war zumindest in Cassiopeia, Perseus und Furhmann gut zu sehen, der Himmel war dunkel. Die Aufhellung war wesentlich geringer als an manchen Tagen ohne Mondlicht!

Doch beginnen wir in der Dämmerung: Merkur hatten wir gerade noch erwischt. Sehr schwach stand er im Dunst, knapp über dem Horizont. Doch eine volle Entschädigung bot die traumhafte Konstellation Mond-Jupiter und Saturn. Der Abend begann dann auch mit einigen Panoramafotos, die - so sie etwas werden - hier erscheinen werden:

Fotoserie: Feststehende Kamera, Kodak Royal 1000. 35mm Horizont mit Merkur und Mars, 2s und 10s. 70mm Mond-Jupiter-Saturn, 3s, 10s. 35mm Mond-Jupiter-Saturn-Pleiaden-Hyaden, 3s, 10s, 20s. Orion bis Hyaden, 4s, 10s, 20s.


Ekliptik-Panorama, von rechts nach links Mond (überbelichtet), Jupiter, Saturn, Pleiaden und Hyaden.
20 Sekunden auf Kodak Royal 1000, 35mm f/5.6. Direkt vom Negativ mit 1200dpi gescannt und digital verbessert.

Mond: 40mm ohne Filter - viel zu hell! Aber: Die dunkle Seite (aschgraues Mondlicht!) ist sehr gut zu sehen, der dunkle Mondrand deutlich, und - halt! Eine Sternbedeckung steht unmittelbar bevor! Woher jetzt eine Stoppuhr nehmen? Nicht nötig, die Zeitnehmung erfolgt mit - Handy und Diktiergerät! Die genaue Zeit der Bedeckung wurde gestoppt zu 19:10:37,9 Meßfehler (verfahrensbedingt) ca. 0,1 bis 0,2 Sekunden, was leider sehr viel ist. Wie erfolgte die Zeitnehmung? Also, ein Anruf bei 1503 (sprechende Uhr - 1505 wäre besser gewesen) und das Zeitsignal vom Handy aufs Diktiergerät aufgenommen (in Zukunft muß ich dazu die Freisprecheinrichtung verwenden, die Störgeräusche auf dem Band durch die Funkübertragung machten die Aufzeichnung fast unauswertbar). Der Bedeckungszeitpunkt wurde durch ein lautes "jetzt" dazunotiert und das ganze zu Hause mit einer Stoppuhr auf 1/10s ausgewertet. Eine unkonventionelle Technik, aber sie funktioniert. So, und welcher Stern war das eigentlich (für die Auswerung auch nicht uninteressant)? Im Himmelskalender war keine Bedeckung angeführt, dh der Stern muß doch ein schwächerer gewesen sein. Jetzt muß Starry Night Pro herhalten. Bei dem bedeckten Stern handelt es sich um SAO 109952 = HIP 7156 = TYC 31-683-1, ein 7,39mag heller Stern, in Wirklichkeit 1553 Lj entfernt und ein roter Riese mit 222 Sonnenradien und 6500-facher Sonnenleuchtkraft. Wow... Nun zum Beobachtungsort, der Lagerwiese auf der Sofienalpe, genau auf der Kuppe. Die CD-Rom "Austrian Map" des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen verrät die genauen geographischen Koordinaten zu: Länge = 16° 13' 50" Ost, 48° 14' 47" Nord, Seehöhe 482m. Jetzt ist die Messung auswertbar. Instrument: Cassegrain 30,5/305cm. Das war meine erste Sternbedeckung seit vielen Jahren, und - ja - es fängt wieder an, großen Spaß zu machen!

Die folgenden Aufnahmen wurden zunächst von handelsüblichen Laborausarbeitungen eingescannt. Diese erwiesen sich wiederholt als unbrauchbar. Also selbst entwickeln? Im Juli 2000 erstand ich einen Scanner, der auch Dias und Negative direkt einscannen kann. Die Resultate waren umwerfend, vor allem nach digitaler Nachbearbeitung mit allen Tricks.

Fotoserie: Mond, f/10, F=3000 (fokal), Fuji 400. 1/1000s, 1/500s, 1/250s, 1/125s, 1/60s.


Mond, 1/60s auf Fuji 400, F=3000mm (LX-200 fokal).
Direkt vom Negativ mit 1200dpi gescannt und digital nachbearbeitet.

Und das ganze noch einmal. Dann f/20, F=6000 (Konverter), Fuji 400. Südregion. 1/1000s, 1/500s, 1/250s, 1/125s, 1/60s, 1/30s.Dann mit f/5.6, F=140 (Tele) für aschgraues Licht, 1/1000s, 1/500s, 1/250s.


Mond, 1/60s auf Fuji 400, F=6000mm (LX-200 fokal und 2-fach Konverter).
Direkt vom Negativ mit 1200dpi gescannt und digital nachbearbeitet.

Visuell bot der Mond einen tollen Anblick, obwohl leichtes Seeing doch etwas stört. Beobachtet wurde mit 21mm- und 14mm Pentax und Graufilter. Vor allem um Theophilus, Cyrillus und Catharina kamen sehr viele Details deutlich heraus.Auffällig der tropfenförmige Krater Torricelli [Hans Peter, er hat den Mond visuell genauer beobachtet mit seinem C8 und Binokular, hat in dieser Region auch die Gutenberg-Rille erkannt].

Jupiter: 14mm-Okular ist fast schon zu stark bzw. das Seeing zu schlecht. Details: Interessante Phänomene in der EZ. Das EB ist stark verbreitet zu einem grauen, stark gestörten Band, das durch eine ganz dünne, helle Zone vom NEB und durch eine breitere helle Zone vom SEB getrennt ist. Es sieht so aus, als hätte sich diese breiterem helle südliche Zone aus dem vor einigen Tagen aufgetauchten hellen Balken entwickelt. SEB erscheint nur halb so breit wie das NEB, auch das ist interessant. STrZ ist schmal, aber deutlich. STB ist dünn und schwach und geht fast nahtlos in die ziemlich strukturlose SPR über. Im Norden ist die Sache anders; NTB und NNTB sind deutlich, wenngleich sehr dünn und gerade, also ohne Störungen. N3TB ist angedeutet. Im NEB sind einige dunkle Störungen, eine nahe beim Zentralmeridian, eine weitere westlich davon. An dieser Stelle weist der s-Rand des NEB eine deutliche "Stufe" auf. SEB östl. der Scheibenmitte eine kleine Einbuchtung.

Saturn: 14mm-Okular, sehr schön. Die klassischen Details sind alle da: Cassini-Teilung durchgehend, Planeten- und Ringschatten, C-Ring ist ziemlich deutlich (heute eher grau) und vor allem auf dem Planeten einige interessante Details. EZ ist nach wie vor sehr hell, zeigt aber ein ganz dünnes Zentralband. SEB ist sehr dunkel, verschmilzt mit der SPR abgesehen von einer ganz dünnen, helleren Zone. Östl. der Scheibenmitte im SEB ein dunklerer Fleck. Viele Monde.

M45: 40mm-Okular zeigt nur den Zentralbereich. Foto: Fuji 400, f/5.6 F=140, 1 min.


Pleiaden, Fuji 400, 1 Minute, F=140, f/5.6. Direkt vom Negativ mit 1200dpi gescannt und digital nachbearbeitet.

M42: 40mm-Okular und O-III-Filter: Ein gigantischer Anblick! Der Himmelshintergrund ist schwarz und der Nebel reicht bis an den Rand des Gesichtsfelds, sowohl die feinen Ausläufer als auch die reich strukturierte Kernregion kommen deutlich heraus. Daran kann man sich nicht sattsehen! Auch ohne Filter sehr schön, die Bedingungen sind heute wirklich einzigartig für diese Nähe zur Großstadt!

Fotos: Fuji 400, f/5.6 F=140, Region von den Gürtelsternen bis Rigel, 2 min. Zweimal. Dann fokal im LX-200, f/10 F=3000, 2 min., zweimal. Bin sehr gespannt, was daraus wird...


Ein Bild (oder zwei) sagt mehr als 1000 Worte: Orion, Fuji 400, 2 Minuten,
F=140, f/5.6. Alles da: Orionnebel, Pferdekopf, Flame-N., Barnard's Loop
und Rosetta-Nebel (links). Direkt vom Negativ mit 1200dpi gescannt und
digital nachbearbeitet. Die Fokalaufnahmen von M42 waren zwar gut belichtet
und gut nachgeführt, aber leider unscharf...


Die Milchstraße im Fuhrmann, 2 Minuten auf Fuji 400 wie oben.
Ebenfalls direkt vom Negativ gescannt und digital nachbearbeitet.
Zahlreiche Deep-Sky-Objekte sind auf dieser Aufnahme zu erkennen, daher
eine kleine Karte zur Erläuterung:

Fuhrmann-Haufen: Foto: Fuji 400, f/5.6 F=140, 2 min. Mit 40mm-Okular im LX-200 betrachtet: M36 und M37, letzterer ist wirklich eines der schönsten Objekte am Winterhimmel! Noch zwei bekannte Nebel mit 40mm und O-III-Filter: M1 (man erkennt sogar die Form deutlich!) und NGC2392.

Zum Abschluß: Astrophysik pur! Andreas hat sein Baader-Spektralgitter da und wir sehen uns Sternspektren an. Sirius: Beeindruckend deutlich die Wasserstofflinien, gestochen scharf. Beteigeuze: Mehrere deutliche Metalloxid-Banden, die sich sogar in einzelne Linien auflösen lassen. Sehr schön, dieses Baader-Gitter ist eine willkommene Bereicherung unserer Beobachtungen!

Beim Abbau haben wir schon kräftig gefroren. Aber es hat sich gelohnt. Eine tolle Nacht, eine tolle Stimmung (6 Beobachter an 5 Instrumenten), und viele neue Ausblicke - die erste einigermaßen seriöse WAA-Beobachtung einer Sternbeckung und Sternspektren als neue Attraktion.

APi