Name: Gerhard Bachmayer
Email: gerhard.bachmayer@philips.com
Datum: 27.02.2000
Zeit: 18:00 - 00:30
Ort: Kaltenleutgeben, Terrasse
Instrument: Intes Micro MN76 180mm/F6
Bedingungen: Temperatur 6 Grad fallend auf 0 Grad, groesstenteils windstill mit fallweisem leichten Wind, wolkenlos, Transparenz und Kontrast nicht ganz so gut wie am 10.2.2000( leichter Dunst?), Grenzhelligkeit im Zenit 5.8mag. Seeing : Anfangs 1-2, spaeter auf 3 fallend
Bericht: Im Gegensatz zum Vortag hielt der Abend das, was der Tag schon versprach: wolkenloses, klares Wetter, der Wind wurde durch die umgebenden Berge wirksam abgeblockt. Ich baute das Teleskop deshalb schon bei Sonnenuntergang auf, um mit einem austemperierten Instrument moeglichst bald mit meinen Beobachtungen anfangen zu koennen. Ab 18 Uhr war es dann soweit und ich richtete das Rohr Richtung Planeten....wow!! Anscheinend hatte ich die "magischen" zehn Minuten des heutigen Abends erwischt, wo die atmosphaerischen Turbulenzen nahezu auf Null gingen und Jupiter und Saturn scharf und ruhig auch bei staerkerer Vergroesserung im Okular standen. Aber nun zu meinen Beobachrungen:
Jupiter (TeleVue Radian 5mm, 216x ): die beiden duenkleren Polarregionen und 5 Baender ( NTB, NEB, EB, SEB, STB) waren eindeutig zu erkennen.NEB und SEB zeigten einige Verdickungen, und eine duenklere Region erstreckte sich vom EB zum SEB.
Saturn (TeleVue Radian 5mm, 216x ): die Cassini-Teilung war scharf am ganzen sichtbaren Umfang des Planetens erkennbar, ebenso ein Wolkenband und die duenklere Polkappe. Bemerkbar auch der dunkelgraue C-Ring.
Mars (TeleVue Radian 5mm, 216x ): aus purem Uebermut richtete ich das Teleskop auch gegen den schon recht tiefstehende Planeten. Zu sehen war ein kleines, roetliches, strukturloses Scheibchen, das noch dazu auf Grund der atmosphaerischen Brechung einen "oberen" roten und "unteren" blauen Rand hatte. Mehr war auch nicht von einem nur etwa 4 Bogensekunden grossem Objekt unter diesen Bedingungen zu erwarten.
Es war das erst Mal, dass ich am Ende der buergerlichen Daemmerung Planeten beobachtet hatte, und ich muss sagen, dass ich durchaus davon angetan war. Details am Planeten waren bereits deutlich genug zu sehen, und der dunkelblaue Himmel lieferte bei weitem nicht den manchmal unangenehm starken Kontrast wie zu spaeteren Nachtstunden. Ausserdem duerfte doch einiges daran wahr sein , wenn behauptet wird, dass die Daemmerungszeiten meistens auch die atmosphaerisch ruhigsten sind. Nach einer viertel Stunde wurde das Seeing deutlich schlechter und ich legte eine Pause ein um mich anderen Dingen zu widmen.
Als ich gegen 21h wieder meine Beobachtungen aufnahm war es inzwischen dunkel und nach wie vor klar, allerdings gab es eine merkliche Aufhellung des gesamten Himmels, der eher dunkelgrau denn schwarz war. Das machte sich besonders bei kleinen Vergroesserungen bemerkbar, sodass ich im weiteren Verlauf kaum unter 50x ging. Ich wollte auch heute wieder ( mit frisch aufgeladener Batterie) meine Messierliste weiter vervollstaendigen.
Zu dieser Jahreszeit kann natuerlich keine Beobachtungsnacht ohne einen Blick auf M42 beginnen. Beeindruckend wie immer , im Trapezium war diesesmal auch die E - Komponente bei 90x zu erkennen, die F-Komponente zeigte sich widerspenstig und entzog sich einer Entdeckung.
M 103, Open cluster (TeleVue Panoptic 19mm, 57x) : Kleiner offener Sternhaufen,durchschnittliches Erscheinungsbild
M 52, Open cluster ( TeleVue Panoptic 19mm, 57x) : Kleiner offener Sternhaufen, recht dicht mit vielen Sternen, reizvoller Anblick
M 108, Galaxy (TeleVue Panoptic 19mm, 57x) : Ausgepraegt laenglich,heute nur schwacher Kontrast,trotzdem mit direkter Sicht zu erkennen, hat etwas Struktur
M 97, Planetary nebula (TeleVue Radian 12mm , 90x) : "Eulennebel", recht grosser planetarischer Nebel, mit UHC bzw OIII Filter Schattenstruktur im Nebel mit indirektem Sehen zu erahnen
NGC 223, Bright nebula (TeleVue Ploessl 32mm, 34x) : "Rossettennebel".Um die ganze Struktur im Okular zu sehen musste ich zur niedrigsten Vergroesserung greifen, mit dementsprechendem Kontrastverlust. Ohne Filter keine Chance, mit OIII-Filter gaaaanz schwache wolkige Struktur wahrnehmbar. Habe ich unter pechschwarzem Karibikhimmel deutlich besser mit meinem kleinen 70mm Televue Ranger ohne Filter gesehen.
M 66, Galaxy ( TeleVue Panoptic 19mm, 57x) : oval, deutlich erkennbar, helleres Zentrum, und im selben Gesichtsfeld
M 65, Galaxy ( TeleVue Panoptic 19mm, 57x) : ziggarenfoermig, deutlich erkennbar, helleres Zentrum; im gleiche Gesichtsfeld zeigte sich auch noch
NGC 3628, Galaxy ( TeleVue Panoptic 19mm, 57x) : groesser als M66 bzw. M65, aber gerade noch mit direkter Sicht erkennbar. Oval, geringe Oberflaechenhelligkeit, kein Zentrum erkennbar.
Als ich zwecks Auswahl des naechsten Beobachtungsobjektes mein Skymap Pro 6 konsultierte bemerkte ich durch Zufall, das der Kleinplanet (2)Pallas "haarscharf" an M47 vorbeizog und mit Mag. 7.6 leicht zu finden sein sollte. Ich fand ihn dann auch um 23:15 in der Naehe des Sterns TYC 5409-871-1( Mag. 8.85). Eine Ueberpruefung um 12:15 zeigte dann, dass der Asteroid um ca. 1Bogenminute nach Norden weitergezogen war.
M 105, Galaxy ( TeleVue Panoptic 19mm, 57x) : kleies Oval mit etwas hellerem Zentrum, und im gleichen Gesichtsfeld
NGC 3384, Galaxy ( TeleVue Panoptic 19mm, 57x) : kleies Oval mit etwas hellerem Zentrum
M 95, Galaxy ( TeleVue Panoptic 19mm, 57x) : oval, Zentrum kaum heller; im selben Gesichtsfeld wie
M 96, Galaxy ( TeleVue Panoptic 19mm, 57x) : oval, relativ helles Zentrum
M 94, Galaxy ( TeleVue Panoptic 19mm ,57x) : fast rund, sehr helles Zentrum
M 51, Galaxy ( TeleVue Panoptic 19mm, 57x) : schoener Anblick, Struktur der Spiralarme zu erahnen, leider war die Hintergrundsaufhellung zu gross um mehr zu erkennen. Verbindung zur Nachbargalaxie NGC 5195 bemerkbar.
Inzwischen war es 00:30, und da der naechste Tag wieder einmal ein Arbeitstag war, beschloss ich alles schnell abzubauen und mich Richtung Bett zu begeben.
Gerhard Bachmayer