Beobachtungsbericht: 27. Februar 2000

Name:           "Nick" Michael Martinides, Andreas Kapeller

Datum:          27.02.2000

Zeit:           21h00 - 23h00

Ausrüstung:     MEADE ETX-90EC (d=90mm, f=1250mm),
                Okulare 26mm (48x) und 15mm (83x),
                Feldstecher 10x50,
                Rotlicht-Taschenlampe,
                Karkoschka: "Atlas für den Himmelsbeobachter" (Kosmos),
                sowie eine kleine Leiter zum Anlehnen bzw. Aufstützen.

Ort:            Nord-östlich von Wien, zwischen Leopoldsdorf und Lassee,
                auf einem Feldweg Richtung Norden (Untersiebenbrunn etc.).

Bedingungen:    Durchsicht: 2, Aufhellungen: 2, Seeing: 4

Der Beobachtungsplatz liegt für Wiener die im 22. Bezirk wohnen, sehr günstig:
ca. 20 Minuten Fahrzeit und bis auf die vielen Hasen keine Verkehrsprobleme.
Nennenwerte Aufhellungen gibt es eigentlich nur in Richtung westen/Wien: mittel,
bzw. in Richtung osten/Hainburg-Pressburg: gering, der Blick nach Süden ist frei.
Da die Straße durch eine leichte Bodenwelle verdeckt ist, stören die Scheinwerfer
der vorbeifahrenden Autos nicht. Die umliegenden Ortschaften sind kein Problem.
Der Feldweg ist eben und breit genug, um mit dem Auto umdrehen zu können.

Nachdem es den ganzen Tag außergewöhnlich schön und vor allem wolkenlos war,
hofften wir, endlich wieder einen tollen Beobachtungsabend zu erleben.
Möglicherweise waren die Erwartungen etwas zu hoch angesiedelt, denn so
eine Jubelstimmung wie im September'99 am Stuhleck wollte nicht aufkommen.
Das Seeing war wegen dem Wind schlecht -> kein Abend für Planetenbeobachtung.
Zu Beginn war es eigentlich unerwartet warm, durch den zunehmenden Wind wurde
uns aber gegen Ende dann doch ziemlich kalt. Die Luft war sehr trocken.
Die Durchsicht war enttäuschend, denn die Milchstraße war nur zu erahnen.

Trotzdem war eine lange Liste von Deep-Sky-Objekten mit freiem Auge erkennbar:
- NGC884/869: "Doppelsternhaufen" (Cassiopeia)
- M42/43:     "Orionnebel"
- M35:        Offener Sternhaufen (Gemini)
- M47:        Offener Sternhaufen (Monoceros)
- M44:        Offener Sternhaufen (Cancer)

Zum Aufsuchen der anderen Deep-Sky-Objekte hat sich wieder die Kombination aus
Feldstecher und dem sehr preiswerten Himmelatlas von Karkoschka bewährt:
Karkoschka zeigt die Deep-Sky-Objekte sowohl auf einer Übersichtskarte (auf
der nur die hellsten Sterne eines Sternbildes verzeichnet sind), als auch auf
einer Detailkarte (auf der Sterne bis 9m verzeichnet sind). Die Übersichtskarte
dient zur Orientierung mit freiem Auge, die Detailkarte entspricht dem Anblick
im Feldstecher. Da der Sucher des MEADE ETX ebenfalls seitenrichtig abbildet,
ist der Feldstecher die ideale Unterstützung. ... und was der Feldstecher
nicht zeigt, ist auch für das "kleine" ETX erfahrungsgemäß zu lichtschwach.

So war auch diesmal die Liste der gefundenen Deep-Sky-Objekte beachtlich.
Wir begannen dort, wo die Beobachtung im September'99 endete: bei M36/37/38.

- M38:     Offener Sternhaufen (Auriga), sehr schön in Einzelsterne aufgelöst,
           ungewöhnliche Struktur: kaum Verdichtung zum Zentrum hin sondern
           Anordnung der Sterne wie die Arme eines Seesterns. 

- M36:     Offener Sternhaufen (Auriga), der kleinste und unspektakulärste
           dieser drei Sternhaufen.

- M37:     Offener Sternhaufen (Auriga), ähnlich groß und hell wie M38, aber
           im Vergleich dazu ein "typischer" Sternhaufen mit Zentrumsverdichtung.

- M42/43:  Reflexions-Nebel (Orion), "Orionnebel"
           Natürlich eines der Highlights, um alle Details zu beschreiben müßte
           man eine Zeichnung anfertigen und diese dann mit Fotos vergleichen.

- M78:     Reflexions-Nebel (Orion), zwei Sterne umgeben von einem kreisförmigen
           und gleichförmig hellen strukturlosen Nebel.

- M41:     Offener Sternhaufen (Canis Major), wenige aber vergleichweise helle Sterne.

- NGC2362: Offener Sternhaufen (Canis Major), rund um einen sehr hellen Stern
           gruppieren sich viele lichtschwache Sterne, der Wechsel von direktem
           zu indirektem Sehen führt zu einem interessanten Blink-Effekt.

- M93:     Offener Sternhaufen (Puppis),

- M35:     Offener Sternhaufen (Gemini), sehr viele Sterne, deutlich aufgelöst.

- NGC2392: Planetarischer Nebel (Gemini), "Eskimonebel", relativ nahe bei einem
           gleich hellen Stern, daher leicht als PN erkennbar: bereits bei
           Vergrößerungen von 50x bis 100x deutlich als ovaler Nebel erkennbar.
           Höhere Vergrößerungen möglich aber wegen schlechtem Seeing nutzlos.

- NGC2264: Offener Sternhaufen (Monoceros), "Weihnachtsbaum-Sternhaufen"
           einige sehr helle Sterne, Nebel nicht erkennbar. 

- M47:     Offener Sternhaufen (Monoceros), NGC2422, einige sehr helle Sterne.

- M46:     Offener Sternhaufen (Monoceros), äußerst viele aber lichtschwache
           Sterne, im Feldstecher gerde noch als sehr blasser Fleck erkennbar,
           der PN NGC 2438 war auf Anhieb nicht zu finden.

- M44:     Offener Sternhaufen (Cancer), "Praesepe", ein tolles Objekt für
           den Feldstecher, zu groß für das Sichtfeld im Fernrohr.

- M67:     Offener Sternhaufen (Cancer), sehr schöner Sternhaufen, viele Sterne.

- M48:     Offener Sternhaufen (Hydra), schöner heller Sternhaufen.

Nicht gefunden habe ich trotz ausgiebiger Suche die Deep-Sky-Objekte NGC2129 (bei M35),
NGC2261 (Hubble-Nebel bei NGC2264), NGC2438 (Ringnebel in M46) und NGC2903.
Aber möglicherweise lag das auch daran, daß zum Schluß die Finger schon klamm waren
und die Zeit schon sehr fortgeschritten war. Aber auch so war es ein toller
Beobachtungsabend, zwar kein Messier-Marathon, aber es konnten doch wieder einige
Objekte mehr auf meiner Wunsch-Liste erfolgreich abgehakt werden.

e-Mail:         michael.martinides@siemens.at

URL:            http://mitglied.tripod.de/Nick9000/index.html