Als ich letzte Nacht (7.4.2000) in Wien-Florisdorf (16°24'46" E, 48°15'13" N) um 1:30 MESZ aus dem offenen Fenster hinausgeschaut habe, ist mir ein sonderbares rotes Leuchten aufgefallen, das fast 1/3 des Himmels überdeckt hat. Der Himmel war zu der Zeit fast klar, abgesehen von ein paar vereinzelten Haufenwolken. Die Lichterscheinung war diffus, von Farbe, Intensität und Intensitätsverlauf ungefähr wie wenn man eine schwache LED-Taschenlampe aus 1m Entfernung gegen eine Wand richtet. Ein diffuses Intensitätsmaximum war in der Erscheinung auszumachen, das sich in ca. 30 Grad Höhe langsam vom NW nach N bewegt hat, um dann dort zu verblassen und vom NW wieder neu zu beginnen. Eine vereinzelte Haufenwolke ist vor der Leuchterscheinung vorübergezogen, und zwar im Vordergrund, und die Wolke war in keiner Weise davon beleuchtet.
Fasziniert von der Lichterscheinung habe ich meinen Fotoapparat geholt. Leider war zu diesem Zeitpunkt (2 Uhr) die Erscheinung schon viel schwächer als eine halbe Stunde vorher, trotzdem habe ich dann vom Fenster aus mehrere minutenlang belichtete Fotos mit dem Weitwinkelobjektiv gemacht. Das Maximum befand sich zu dieser Zeit ungefähr in der Cassiopeia. Um 2:15 ist das Leuchten dann schließlich ganz verblaßt.
Die plausibelste Erklärung ist wohl, daß es sich um ein Polarlicht gehandelt hat. Die Sonnenaktivität ist jetzt im Maximum, da können Nordlichter selbst in unseren Breiten schon vorkommen. Von einer Flugreise über den Großkreis von USA nach Europa kenne ich Polarlichter allerdings als faszinierende sich bewegende grünliche Schleier, jedoch sind verschiedene Erscheinungsformen möglich. Mein Beobachtngspartner Wolgang Howurek machte mich darauf aufmerksam, daß ein extrem intensives, den ganzen Himmel rot überdeckendes Polarlicht vor dem 2. Weltkrieg im Raum Mistelbach beobachtet wurde und sogar die Feuerwehr damals zum Ausrücken veranlaßt hat.
Weniger wahrscheinliche Erklärungsmöglichkeiten wären ein roter Skybeamer (allerdings erzeugen Skybeamer einen ziemlich scharf gebündelten Strahl, die Lichterscheinung war aber diffus und hat am Anfang fast 1/3 des Himmels überdeckt, und ein Skybeamer müßte die Wolke von unten beleuchtet haben) oder ein Großbrand in weiter Entfernung, der von eventuell vorhandenen hohen dünnen Schleierwolken reflektiert wurde. Der müßte aber gewaltige Ausmaße gehabt haben und eigentlich in den Medien erwähnt worden sein.
Hat außer mir sonst noch jemand diese Leuchterscheinung gesehen? Weiß jemand von ähnlichen Leuchterscheinungen in der Vergangenheit? Kann jemand bestätigen, daß es sich um ein Nordlicht gehandelt hat?
Dipl.-Ing. Mag. Walter Koprolin
http://www.astro.univie.ac.at/~koprolin/