Name: Alexander Pikhard.
Email: apikhard@eunet.at
Datum: 23.4.2000 (Ostersonntag)
Zeit: 18.30 - 23.30 MESZ
Ort: Ebenwaldhöhe
Instrumente: 12" LX-200
Bedingungen: Nicht zu kalt, leider starker Wind aus SE (!), Seeing dennoch 1-2, Aufhellung (schließlich) 1, Durchsicht 1. Einige dichte Cirren ganz tief am W-Horizont stören nicht und verschwinden auch wieder. Sonst wolkenlos.
Schon vor Sonnenuntergang kam ich auf die Ebenwaldhöhe, erstens, um diesen zu beobachten und zu fotografieren (mit einigen tiefen Cirren, die nicht weiter störten, ergab er einen wirklich malerischen Anblick. Fotos folgen) und um mein Rohr gut austemperieren zu lassen. Nur noch ein weiterer, einsamer Beobachter wartet mit seinem 18" Dob auf die Dämmerung, doch wegen des Windes gibt er auf und zieht heimwärts. Je größer das Rohr, desto weniger geeignete Nächte.
21.15 Es ist jetzt merklich dunkler und ich habe Gesellschaft bekommen. Drei mir bis dato unbekannte Beobachter stellten sich als treue Kunden des Astrostudio Kamera heraus. Einer kam, um mit seinem 10" LX-200 auf Losmandy-Montierung zu fotografieren. Er war sichtlich schon sehr erfahren. Die feste Montierung mit ST-4 Autoguider kam auch gegen den starken Wind spielend an! Ein weiterer Beobachter hat ein 8" LX-200, ich helfe ihm bei der Montage des Fokusmotors. Der dritte im Bunde hat ein 5" Celestar, auf seine Bitte hin mache ich einen schnellen Startest und erlebte zum nunmehr dritten Mal, wie der Zenitspiegel eines C-5 die optische Qualität des Instruments in den Keller fährt. Zenitspiegel raus und weg ist der starke Astigmatismus, den sogar ich spielend erkannte. Nach dieser, für einen WAA-ler wohl selbstverständlichen Hilfestellung :-) kam ich dann auch zum Beobachten.
Anfangs vertreibe ich mir die Zeit mit Ein"norden" sowie Gamma Leo und M3, der schön langsam herauskommt und immer besser wird. Dann geht es los. Meine Mission:
Ab in die Tiefen des Virgo-Galaxienhaufens!
In der an sich nicht sehr sternreichen Gegend zwischen Großem Wagen, Löwe, Arktur und Spica liegt er, diese riesige Ansammlung mindestens 3000 Galaxien in 10 bis 50 Millionen Lichtjahren Entfernung. Rund 3000 dieser Galaxien haben NGC-Nummern und gut und gerne 4000 liegen in der Reichweite eines mittleren Fernrohrs. Zuviel für eine Nacht ...
Wären diese Galaxien alle freisichtig, würde der Frühlingshimmel anders aussehen:

Um besser vergleichen zu können, erfolgen alle Beobachtungen, wenn nicht ausdrücklich anders angegeben, mit dem 21mm Pentax-Okular. Es bietet ein Gesichtsfeld von 27,3' (also rund 1/2 Grad) und erweist sich heute als die beste Wahl für Galaxien.
Ich durchfahre den Galaxienhaufen von Norden nach Süden und beginne in den Jagdhunden. M94: Sehr hell, sehr heller Kern, runde, diffuse Hülle. M63 sehr groß und diffus, oval, kleiner und sehr heller Kern. Andeutungsweise ist eine längliche, etwas unregelmäßige Form zu erkennen. NGC 4485/90 sind ein sehr schöner Anblick. Die beiden Galaxien stehen dicht beisammen; 4490 ist hell mit einem sternartigen Kern und ist deutlich länglich. 4485 ist ebenfalls leicht länglich, aber kleiner. Die beiden Galaxien scheinen an ihren "Enden" verbunden zu sein und schließen einen Winkel von ca. 120° ein. "Wie ein Boomerang mit helleren Enden", fällt mir dazu nur ein. M106 ist sehr groß, mit sternartigem Kern und einer diffusen Hülle, wobei der hellere Bereich unterhalb des Kerns liegt. Ein sehr schönes, großes Objekt. Und jetzt ist M51 dran. Obwohl es noch nicht ganz dunkel ist, erkennt man bereits ohne indirektem Sehen die Spiralarme sowie den kleinen Balken bei NGC 5195. Bei etwas längerem Hinsehen erkennt man sogar, daß die Spiralarme nicht völlig gleichmäßig sind.

21.44 Sehr heller Meteor in den Zwillingen, ca. -1 mag, fliegt entlang der Linie Pollux - Delta Gem und hat eine ca. 5° lange Leuchtspur.
M101 - ein kleiner Abstecher in den Großen Bären, nicht der letzte heute - man erkennt deutlich einen kleinen, diffusen Kern und 3-4 Spiralarme, man erkennt sogar zwei deutliche Verdichtungen in einem der Spiralarme, es handelt sich dabei um zwei der hellen H-II-Regionen in dieser Galaxie, vermutlich NGC 5447 und NGC 5455. M101 ist rund halb so groß wie das Gesichtsfeld.
Weiter in den Jagdhunden im Grenzbereich zu Coma Berenicis:
NGC 4244 ist eine prachtvolle Galaxie, man sieht sie von der Kante, macht mehr als die Hälfte des Gesichtsfeldes aus, sehr dünne Scheibe mit einer leicht diffusen Verdichtung in der Mitte, andeutungsweise erkennt man sogar Strukturen in Form von feinen Filameten. Gerde ist ein kleiner Meteor genau über die Galaxie gezogen (21.53). NGC 4395 ist sehr diffus, große Galaxie ohne erkennbare Struktur. NGC 4631 ist prachtvoll. Große, längliche Galaxie, ungefähr 1/3 Gesichtsfeld lang, leicht durchgebogen, der obere Rand ist etwas heller als der untere. Das Zentrum der Galaxie weist zwei bis drei Kerne auf. Davor ein hellere Vordergundstern. Oberhalb von NGC 4631 erkennt man deutlich die kleine, ovale Galaxie NGC 4627, sie hat eine Helligkeit von 12,9 mag! NGC 4656 ist wesentlich schwächer, aber auch deutlich länglich. Vom "Hockeystick" kann ich nichts erkennen. NGC 4565 ist ein Traum! Ca. 2/3 vom Gesichtsfeld, ein heller ovaler Kern mit hellem sternartigen Zetrum, eine lange diffuse Scheibe mit deutlichem Staubband, das ganze sieht aus wie das legendäre Raumschiff Orion aus den 60-ern. NGC 4559 sehr hell, unregelmäßig geformt, kein erkennbarer Kern, einige eigenartige Vordergrundsterne, die sich um das eine Ende der Galaxie gruppieren verleihen dem Objekt einen sehr seltsamen Anblick.

Jetzt sind wir schon tief in der Coma Berenicis. NGC 4725 hat einen sehr hellen Kern und ist eine große ovale Galaxie ohne erkennbare Struktur. Intermezzo: Drei Kugelsternhaufen. M53 ist sehr hell und schön bis ins Zentrum aufgelöst. Sehr gleichmäßig. Ein etwas hellerer und ein gutes Dutzend weniger hellere Sterne heben sich deutlich aus dem Haufen ab. NGC 5053 ist sehr schwierig, nur einige Sterne kommen heraus. NGC 4147 ist klein, sehr dicht, am Rand leicht aufgelöst. Doch weiter mit den Galaxien.
M64 ist das berühmte "Schwarze Auge" und deutlich erkennt man die gekrümmte dunkle Staubbahn um den hellen, sternartigen Kern. Um das ganze herum ein sehr große, diffuse Hülle. Ein sehr schöner Anblick, ein Klassiker. M85 und die kleine Galaxie NGC 4394 sind auf einmal im Gesichtsfeld zu erkennen. M85 ist sehr hell mit einem sehr hellen Kern und großer Hülle, 4394 ist ebenfalls hell, leicht länglich und hat einen diffusen, deutlich erkennbaren Kern. NGC 4340 und 4350 passen auf einmal in das Gesichtsfeld, wir nähern uns dem Zetralbereich des Virgo-Haufens. 4340 ist rundlich mit einem diffusen Kern, 4350 ist deutlich länglich. M100 ist sehr groß (1/3 Feld) mit einem kleinen, sehr hellen Kern, bei indirektem Sehen erkennt man in der großen diffusen Hülle einige Spiralarme.

Jetzt kommen wir in den Kernbereich des Virgo-Galaxienhaufens an der Grenze der Sternbilder Coma Berenicis und Jungfrau. M98 ist sehr groß und länglich, heller sternartiger Kern, heller Zentralbereich und große, diffuse Hülle. Sehr schönes Objekt! NGC 4298 und NGC 4302 erstaunlich! Das kann man nur umschreiben mit "Punkt - Rufzeichen"! Die beiden Galaxien stehen dicht beisammen und sind diffus mit erkennbaren Kernen. 4298 ist rundlich, 4302 ist eine Kantengalaxie und sehr lang. M88 ist sehr groß, heller Kern, diffuse Hülle und eine große äußere Hülle. M91 hat einen kleinen Kern und eine kleine, diffuse Hülle.
Wir sind jetzt beim "Hauptbogen" angelangt, der sich von M88 bis M84 erstreckt. NGC 4474 und NGC 4459 sind auf einmal im Gesichtsfeld zu sehen, beide deutlich. 4459 heller Kern und kleine diffuse Hülle. Ein Schwenk nach S und zwei Galaxien, NGC 4477 und 4473 kommen ins Gesichtsfeld. Noch ein Ruck, und NGC 4458 und 4461 erscheinen, auf einmal im Gesichtsfeld. Noch einmal weiter und NGC 4435 und 4438 tauchen auf, beide sind sehr hell. M86 hat einen sehr hellen Kern, rund, diffuse Hülle, im Gesichtsfeld ist auch noch NGC 4402, eine längliche Galaxie, die waagrecht im Gesichtsfeld liegt. M84 ist extrem hell, sehr heller Kern, runde Hülle. M84 und M86 passen auf einmal ins Gesichtsfeld und man erkennt auch deutlich die kleine Kantengalaxie NGC 4388. Rekonstruierter Weise ergibt sich eine Grenzhelligkeit von jenseits der 13 mag für Galaxien. Nicht schlecht ...
M87, die hellste Galaxie in diesem Gebiet, sowie die beiden Begleiter NGC 4478 und 4486 sind deutlich zu erkennen. M87 ist serh hell mit hellem Kern. Alle drei sind auf einmal im Gesichtsfeld zu erkennen. M59, M60, NGC 4638 und 4647 passen ebenfalls auf einmal in das rund 1/2 Grad große Gesichtsfeld. 4647 ist ganz knapp bei M60. Der Kern von M60 ist diffus und nicht sternartig. 4647 hat eine diffuse Mitte und eine größere diffuse Hülle. M89 sehr heller Kern, kleine Hülle. M58 hat hellen Kern und ist leicht oval. Die Beobachtung in dieser Himmelsregion ist äußerst Batterieschonend, nur kurze Schwenks!

Ich verlasse den Kernbereich und schwenke in den Lösen, um dort einige Gruppen von Galaxien zu besuchen: M65, M66 und NGC 3628 passen auf einmal in das Gesichtsfeld des 40mm-Pentax-Okulars (hier ausnahmsweise ein anderes Okular). 3628 ist sehr groß und diffus, am Rand etwas "ausgefranst" und man erkennt eine Staubscheibe. M95, M96, sind beide sehr hell. M105, NGC 3384 und 3389 passen auf einmal ins Feld (wieder 40mm Pentax). 3389 ist etwas schwächer, M105 und 3384 sind heller und haben einen deutlichen Kern. NGC 3605, 3607 und 3608 passen auch auf einmal ins Feld. Bilden eine N-S verlaufende Reihe. NGC 3686, 3684, 3688 und 3691 (letztere etwas schwächer) passen nicht mehr auf einmal ins Gesichtsfeld. Alle deutlich, die hellste, 3686, zeigt sogar eine schöne Hülle.
M104 ist wunderschön, man erkennt auch die Staubscheibe ganz deutlich. NGC 4782/4783 im Raben steht tief und ist kein so toller Anblick. Jetzt habe ich für's erste genug Galaxien gesehen und mache mich auf zu einer Sightseeing-Runde:
M3 ist jetzt !!!, also plastisch und schön, M13 schlägt wieder einmal alles, er erscheint bläulich und völlig dreidimensional, bis ins Zentrum aufgelöst, die berühmten Sternreihen sind sehr gut zu erkennen. M92 ist auch sehr schön, weil er viel dichter ist als M13. Und noch einmal M51 zum Genießen, dann noch M97 (sehr groß und hell, auch ohne Filter sind beide "Augen" zu erkennen). M108 ist serh groß, Kantengalaxie mit einer Menge Details, sehr schön. Direkt im Zentrum ein heller Vordergrundstern. M109 ist klein rund rundlich. M81 sehr groß, sehr hell, sternartiger Kern, helle Hülle, darum eine sehr große, schwache und diffuse Hülle mit Andeutungen von Spiralarmen. M82 phantastisch, sehr hell, sehr groß, drei bis vier Filamente sind ohne Probleme zu erkennen. NGC 2903 (Leo) ist sehr groß und hat eine diffuse Hülle.
Jetzt etwas ganz anderes: R Leonis, ein bekannter Mirastern, steht im Maximum. Im Fernrohr ist er deutlich rötlich.
Ende 23.30, der Wind vertreibt mich.
Fazit: Eine Galaxientour hat ihre Reize. Man kann Edwin Hubble verstehen, der einmal gesagt hat, bei der Vielfalt der Formen der Galaxien würde es ihn nicht wundern, einmal seinen eigenen Namenszug am Himmel zu finden. Na ja, dazu reichte meine Leistung noch nicht, aber mit einer Galaxien-Grenzgröße von jenseits der 13 mag kann man im Virgo-Haufen fast schon verloren gehen. Daher habe ich mir nur einige Objekte herausgepickt und nur im Zentrum des Haufens "gesurft".
Meine neue Batterie hat tapfer gehalten. Am langweiligsten war das Auswerten der Beobachtungen nachträglich an der Karte und natürlich das Abtippen der länglichen Tonbandaufzeichnungen, aber da muß man halt durch.
Die Ebenwaldhöhe ist wieder ohne Probleme zu besuchen. Einige kleine Schneehaufen sind schon noch da, und die Lacken konzentrieren sich auf einen mittleren Bereich des Parkplatzes, der ohnedies zum Beobachten ungeeignet ist. 79 Objekte beobachtet, schön war's!
APi