Beobachtungsbericht

Name:           "Nick" Michael Martinides, Andreas Kapeller

Datum:          26.04.2000

Zeit:           22h30 - 24h00

Ausrüstung:     Teleskop: MEADE ETX-90EC (d=90mm, f=1250mm),
                Okular:   MEADE SP 26mm (48x),
                Feldstecher 10x50,
                Rotlicht-Taschenlampe,
                Karkoschka: "Atlas für den Himmelsbeobachter" (Kosmos).

Ort:            Ebenwaldhöhe

Bedingungen:    Durchsicht: 2, Aufhellungen: 2, Seeing: 2

Nachdem es in Wien wolkenlos und sehr warm - aber dunstig - war, haben wir
beschlossen, nicht zu unserem "üblichen" Beobachtungsplatz nördlich von
Gr. Enzersdorf zu fahren, sondern einen höhergelegenen Standort aufzusuchen:
die "vielgelobte" Ebenwaldhöhe. Für uns eine Premiere. Denn es interessierte
uns schon lange, wie dort die Beobachtungsbedingungen im Vergleich zu
unserer "Referenz" - am Stuhleck - sind. Denn der Beobachtungsplatz am
Stuhleck hat momentan einen gravierenden Nachteil: auf der Zufahrtsstraße
liegt noch viel Schnee (obwohl der Gipfel in 1782m Höhe schneefrei ist)
und die Mautstraße ist daher noch bis Ende Mai gesperrt.

Möglicherweise waren unsere Erwartungen etwas zu hoch gesteckt, denn sie
wurden nicht erreicht: trotz leichtem Wind war die Durchsicht nur "gut".
Der Himmel war selbst im Zenit nicht ganz dunkel, sondern "grau".
Dazu kam eine (unerwartete) Horizontaufhellung: ich hatte zwar befürchtet,
dass sich St. Pölten noch störend auswirken wird, aber dass auch das weit
entfernte Wien noch den Horizont aufhellt, war doch enttäuschend.

Nun zu den Beobachtungen: die Liste der beobachteten Objekte war diesmal
kürzer als bei unseren letzten Beobachtungsabenden (13.9., 27.2.), aber
das lag einerseits daran, dass wir zu spät von Wien abgefahren waren und
somit erst um 22h30 auf der Ebenwaldhöhe ankamen. Dazu kam, dass bei meinem
ETX die Kupplung für die Rektaszensions-Achse nicht funktionierte und damit
weder Nachführung noch Feinjustierung möglich waren. Trotzdem konnten wir
an dem vorhergehenden Beobachtungsabend anknüpfen und folgende Objekte
erkennen:

- M67:     Offener Sternhaufen (Cancer), im Feldstecher als blasser Fleck,
           leicht zu finden, im ETX sehr schöner Sternhaufen, viele Sterne.

- NGC2903: Galaxie (Leo), im Feldstecher nicht gesehen, aber anhand der
           Umgebungssterne sehr leicht zu finden, im ETX ein großer, heller
           und (N-S) länglicher Fleck ohne Zentrumsverdichtung.

- M65/66:  Galaxien (Leo), ebenfalls im Feldstecher nicht gesehen, aber
           auch anhand der Umgebungssterne leicht zu finden, im ETX sind
           beide Galaxien im selben Sichtfeld (26mm). Die nahe gelegene
           Galaxie NGC3628 haben wir allerdings nicht gesehen.

- M68:     Kugelsternhaufen (Hydra), mit einer Deklination von -26.74°
           eines der südlichsten Messier-Objekte, entsprechend lag hier
           der Schwerpunkt im "Olympischen Gedanken" wir haben M68 nun
           auch gesehen, aber es gibt bessere Objekte.

- NGC4361: Planetarischer Nebel (Corvus), wie M68 ist auch NGC4361 wegen
           seiner südlichen Lage schwierig zu beobachten, aber der Termin
           war günstig, das Objekt erreichte zum Beobachtungszeitpunk
           gerade die höchste Höhe über dem Horizont, trotzdem war im
           Feldstecher nichts zu erkennen, aber im ETX konnte NGC4361
           eindeutig identifiziert werden: größer als aufgrund der Katalogdaten
           vermutet, ein strukturloser blasser Fleck, aber immerhin ...

- M57:     Planetarischer Nebel (Lyra), zwar gerade erst aufgegangen und
           damit damit ähnlich knapp über dem Horizont wie NGC4361, aber
           wegen der höheren Helligkeit ein tollerer Anblick: Ring und
           dunkler Fleck in der Mitte ...

Nicht gefunden haben wir M104 (Galaxie, Virgo), aber das lag wahrscheinlich
an der schon sehr fortgeschrittenen Zeit. Um 24h bauten wir unsere beiden
ETX ab und (nach einem kurzen Schwätzchen mit einem der vielen anderen
anwesenden Hobby-Astronomen - er hatte ein 10" Meade und versuchte bereits
zu dritten Mal erfolglos seine Aufnahme von M101 vor den Scheinwerfern der
vorbeirasenden Bergbauern zu retten ...) wird fuhren wieder zurück nach Wien.

Abschließend lässt sich zu diesem Beobachtungsabend folgendes sagen:
unserer Meinung nach ist die Ebenwaldhöhe - so wie wir sie erlebt haben -
(auch) nicht der langerhoffte, optimale, Beobachtungsplatz:

- die Anfahrt dauert vergleichsweise lange,
- die Fahrt auf der Bundesstraße ist nicht ungefährlich,
  so viel Wild ist uns schon lange nicht mehr begegnet,
+ die Bergstraße ist gut befahrbar (Asphalt) und in gutem Zustand,
- die Horizontsicht ist wegen der vielen Bäume sehr eingeschränkt,
- die Horizontaufhellung (Wien / St. Pölten) ist störend,
- und nicht zu vergessen: sehr störend ist das agressive Bergvolk,
  das sich die Zeit damit vertreibt, mit voll aufgeblendeten
  Scheinwerfern so knapp wie möglich an uns bzw. den Fernrohren
  vorbeizurasen (wollen die uns vertreiben oder verärgern ?)

Im Vergleich dazu unsere beiden anderen Beobachtungsplätze:

Leopoldsdorf/Lassee (nördlich Gr. Enzersdorf):

+ sehr kurze Anfahrt, vor allem aus dem Norden Wiens
- deutliche Horizontaufhellung durch Wien (im Vergleich zur
  Sofienalpe aber wesentlich weniger störend)
+ ungestörte Rundum/Horizontsicht

Unsere "Referenz", das Stuhleck:

+ bezogen auf die Entfernung rasche Anfahrt (Autobahn bis Semmering,
  dann nur noch kurze Fahrt auf Bundes- und Mautstraße),
- Mautstraße in schlechtem Zustand, Wintersperre X-V,
+ Gipfelhöhe 1782m, d.h bei Boden-Nebel/Dunst keine Beeinträchtigungen,
+ großer Parkplatz, keine Konflike Autofahrer/Astronomen,
- die Lichter des Alois-Günther-Hauses sind in der ansonsten absoluten
  Dunkelheit doch lästig,
- es gibt außer am Parkplatz und beim Gipfelkreuz keine vollkommen
  ebenen Flächen, trotzdem aber genügend Platz auf den Wiesenflächen rund
  ums Gipfelhaus.

Bis zum nächsten Mal,

"Nick" Michael Martinides

e-Mail:         michael.martinides@siemens.at

URL:            http://mitglied.tripod.de/Nick9000/index.html

Ich möchte zum Beobachtungsbereicht von Michael Martinides am 26.4. auf der Ebenwaldhöhe meine Meinung hinzufügen (auch ich war an diesem Abend mit meinem 18 Zoll-Dobson auf der Ebenwaldhöhe):

- die Durchsicht war meiner Meinung nicht gut sondern bestenfalls befriedigend! (so war bei der Bergauffahrt, vor Sonnenuntergang, der Schneeberg kaum zu erkennen gewesen, so mies war die Fernsicht wegen des Dunstes!).

- daher erschien nachts der Himmel im Zenit auch eher grau, bei guter Durchsicht sieht es deutlich besser aus.

- die Aufhellung von St. Pölten, tief am Horizont, noch dazu im Norden, stört wohl kaum.

- die Aufhellung von Wien ist natürlich deutlich zu sehen, befindet sich aber Im Nordosten, also auch in einer Himmelsrichtung, wo zumeist nicht beobachtet werden muß (ich habe mal in der Zeitschrift Astronomy gelesen, daß bei Beobachtungen in Colorado, das Licht von Denver etwa 150 Kilometer weit zu sehen ist und daß zumindest zwei ganze Gebirszüge (!) dazwischen liegen müssen, um Denver nicht mehr störend zu sehen!).

- bei guten Bedingungen ist der O-, S- und W-Himmel auf der Ebenwaldhöhe sehr dunkel. Wenn man weitere Dinge bedenkt, wie die ideale Seehöhe (1020m, damit fast immer über der Nebeldecke und von den Temeperaturen her noch erträglich, die Bergstraße auch im Winter bis hinauf geräumt ist, so ist dieser Ort ein sehr guter!).

- die Horizontsicht ist teilweise durch Bäume behindert (störend aber nur, wenn man am Parkplatz beobachtet), doch wer beobachtet normalerweise Objekte in 5 oder 10° Höhe?

- das als agressiv bezeichnete Bergvolk fäht nun mal auch rauf und runter vom Berg, es ist aber ihr Berg, wir sind dort nur zu Besuch! Wenn Bergbauern knapp an den Beobachtern vorbeifahren, dann nur deshalb, weil viele Beobachter nicht am Parkplatz beobachten, sondern auf den Güterwegen, wo übrigens für Nichtanrainer Fahrverbot besteht!! Herr Martinides sollte also dankbar sein, daß er auf einem Weg mit Fahrverbot geduldet wird!

- ich beobachte auf der Ebenwaldhöhe seit nunmehr 5 Jahren und kann versichern, daß das Bergvolk auch tagsüber diese Fahrwege entlangrast, es also das nicht nur tut, um böse Sterngucker zu ärgern.

MfG
Günter Jenner, Wien
(kein WAA-Mitglied)