Beobachtungsbericht: Feuerkugel, 6. Mai 2000

Ich habe heute, Samstag, den 6.5.2000, um ca. 13.50 auf der Fahrt über die B7 zwischen Wolkersdorf und Kollnbrunn ein seltsames Phänomen mit freiem Auge beobachtet. Ein hellblau leuchtendes Flugobjekt, welches einen einige Meter langen Schweif rotglühender Funken hinter sich herzog, bewegte sich in relativ geringer Flughöhe mit hoher Geschwindigkeit von Westen nach Osten und war dann plötzlich verschwunden, noch bevor es den Boden erreichte. Bemerkenswert war, dass ich keinerlei Geräusch hörte, jedoch ein auffälliger Brandgeruch, der stark an Schwefel erinnerte, unterhalb der Flugbahn deutlichwahrgenommen werden konnte.

Könnte es sich dabei um einen Meteoriten oder um Abfall aus dem Weltraum gehandelt haben? Für einen Feuerwerkskörper, den irgendein Scherzbold am hellichten Tag abgeschossen hat, war es doch zu groß und zu hoch.

Dipl.-Ing. Rudolf Knjzek

Ich habe anscheinend das Objekt ebenfalls beobachtet, aber die genaue Uhrzeit nicht abgelesen, 13:50 ist aber gut möglich. Das Objekt war sehr hell (am Taghimmel bei vollem Sonnenschein!), bläulich-weiß und hatte einen einige Grad langen funkensprühenden Schweif. Von meinem Standort (Krapfenwaldl-Bad auf halber Höhe zum Kahlenberg) aus war es in nordöstlicher Richtung zu beobachten und bewegte sich rasch in einer fast horizontalen, nur leicht nach unten geneigten Flugbahn Richtung Osten (von links nach rechts). Die Höhe über dem Horizont schätze ich auf etwa 20 bis 30 Grad. Leider verschwand es von meinem Standort aus nach kurzer Zeit hinter einem Baum, womit ich das Objekt insgesamt nur etwa zwei bis drei Sekunden lang beobachten konnte. Interessanterweise
konnte ich keinen Kondensstreifen oder eine Rauchspur entdecken.

Ich hoffe, meine Beobachtung trägt zur Klärung dieses Phänomens bei.

Manfred Stadler

Generelles zu diesem Thema: Die Beobachtung heller Feuerkugeln, vor allem, wenn wie in diesem Fall ein Einschlag nicht auszuschließen ist, ist für die Astronomie sehr wichtig. In Österreich wird dieses Beobachtungsprogramm vom Österreichischen Astronomischen Verein betreut, an den wir auch alle auswertbaren Beobachtungen weiterleiten.

Der Österreichische Astronomische Verein hat einen Meteorfragebogen zusammengestellt; eine Meteorbeobachtung ist dann auswertbar, wenn alle diese Fragen beantwortet werden können:
 
 

  1. Briefanschrift des Beobachters, gegebenenfalls auch Telefonnummer. 
  2. Termin der Beobachtung: Datum, Wochentag, Stunde, Minute, evtl. Sekunde. 
  3. Standort zur Zeit der Beobachtung: Bitte so beschreiben, dass der Ort auch von nicht Ortskundigen gefunden werden kann. 
  4. Leuchtbahn des Meteors: Zuerst grob beschreiben, etwa so: "... von West nach Nord ... von oben nach unten ...". Dann, wenn möglich, den Anfangs- und Endpunkt (wo zuerst und wo zuletzt gesehen) mit Bezug auf helle Sterne oder irdische Objekte angeben. 
  5. Flugdauer in Sekunden: Schätzwert. Nachleuchten getrennt melden. 
  6. Leuchtkörper: Helligkeit und Grösse des Kopfes beschreiben, etwa im Vergleich zu Sternen, Mond, irdischen Lichtern. Schweif? 
  7. Schallerscheinungen: Oft mehrere Minuten danach. Art des Schalls? 
  8. Meteoritenfall: Nichts verändern, sofort Meldung erbeten: Tel. 0043-1-889 3541. und Situation und Lage des Materials fotografisch oder zeichnerisch festhalten. 
  9. Wetterbeschaffenheit: in kurzen Andeutungen Situation beschreiben. 
© Österreichischer Astronomischer Verein

Alexander Pikhard (ed.)