Beobachtungsbericht: Konjunktion Venus/Jupiter, 17. Mai 2000

Name: Alexander Pikhard. Weitere Beobachter: Bernhard Dewath, Wolfgang Vollmann, Georg Zotti und kurzzeitig auch Prof. Hermann Mucke.

Email: apikhard@eunet.at

Datum: 17. 5. 2000

Zeit: 12.00 bis 13.10

Ort: Urania-Sternwarte

Instrument: Refraktor 15/300 cm

Bedingungen: Durchsicht 1+++ (muß es wohl gewesen sein), Aufhellung n/a, Seeing 1, bis auf Gewittertürme am Horizont wolkenlos.

Wenn ich gewettet hätte, daß man da etwas sehen kann, ich hätte verloren. Eine kurze e-Mail von Georg und das Glück, daß Wolfgang und ich beide in der Firma an einer Schulung teilnahmen (und nicht eine abhielten) hatte spontan eine etwas andere Gestaltung der Mittagspause zur Folge - wir fuhren auf die nahe gelegene Urania-Sternwarte, in der Georg bereits alles vorbereitet hatte.

Bevor wir ankamen, hatte Georg noch Merkur eingestellt und ihn ohne Probleme gesehen.

Ein selten klarer Himmel strahlte über Wien an diesem eher sommerlichen als frühlingshaften Tag, nur wenige Grade abseits der Sonne erschien der Himmel blau. Ein Blick durch das Fernrohr - da waren sie! Sagenhaft!!! Jupiter und Venus standen ganz knapp nebeneinander, die helle, aber sehr kleine und runde Venus nicht zu übersehen, Jupiter, ja, die einhellige Meinung war, "ein Geist". Gerade noch wahrzunehmen, und nur in einer einzigen Konfiguration: 70mm Mittenzwey-Okular (43-fache Vergrößerung) und ein um zwei Größenklassen reduzierender Graufilter.

Alle anderen Kombinationen an Okularen und Farbfiltern (gelb, blau, orange) brachten gar nichts, sie filterten Jupiter brutal weg und nur die Venus war zu sehen. Wie schemenhaft Jupiter zu sehen war, versuche ich in folgender Skizze wiederzugeben - sie entstand mit Starry Night, denn die Positionen der Planeten und deren scheinbare Größen passen ja, und mittels Corel PhotoPaint habe ich dem Bild dann den passenden Kontrast durch Retusche mit Airbrush verliehen. So habe ich mir's zumindest gemerkt ...

Innherhalb weniger Minuten sahen wir, wie sich die Lage der Planeten verändert hat. Selten noch haben wir Planeten so deutlich und so schnell wandern gesehen!

Bernhard Dewath hat das unglaubliche Ereignis fotografiert:


Venus und Jupiter in Konjunktion, 15cm-Refraktor der Urania-Sternwarte


Wer's auf obiger Aufnahme nicht erkennen konnte ...
das Zentrum obiger Aufnahme durch einen extremen Relief-Filter geschickt, jetzt erkennt man Jupiter deutlich!

Anschließend haben wir noch die Sonne beobachtet, visuell und im H-Alpha, uns fehlten die Worte: Seeing unter 1", und das bei der Sonne! Noch nie hatte ich dieses Gestirn so detailreich gesehen. Hoffentlich sind Bernhards Aufnahmen gelungen, dann kommen hier demnächst ein paar ganz beeindruckende Sonnenfotos, mit zwei wunderschönen, großen Fleckengruppen, von denen eine sogar freisichtig war.

APi