Beobachtungsbericht

Name: Alexander Pikhard (ed.) sowie zahlreiche Mitglieder, die zum Beobachtertreff gekommen waren

Email: apikhard@EUnet.at

Datum: 19.05.2000

Zeit: 21h - 23h

Ort: Sofienalpe

Instrument: Meade 12" LX-200, Feldstecher

Bedingungen: Wolkenlos. Kühl, leicher Wind aus NW, Durchsicht muß wohl 1+ gewesen sein, Seeing 3, Aufhellung 3-4 (1 Tag nach Vollmond!)

Bericht: Nach dem Vortrag über die "Tiefen des Virgo-Galaxienhaufens" war angesichts der Bedingungen (Stadtnähe, ein Tag nach Vollmond) gar nicht damit zu rechnen gewesen, irgendwelche Deep Sky Objekte sehen zu können. Aber zum zweiten Mal in dieser Woche wurden wir angenehm überrascht.

Zunächst galt es, die Dämmerung zu überbrücken. Merkur ging sich noch nicht aus, oder wir waren etwas zu spät dran. Wohl eher ersteres. Also die obligate Tour über einige Doppelsterne (Ga Leo, Pi Boo, Ga Vir), die zeigte, daß das Rohr noch nicht ausgekühlt war (Tubusseeing vom Feinsten). Erst als sich My2 Boo trennen ließ, waren die Bedingungen akzeptabel.

Ein deutlich blauer Himmel leuchtete herab, Sterne 4. Größe waren gerade noch zu erkennen, aber es war wolkenlos. Und das überraschte am meisten, w&umml;teten noch am Abend zuvor heftige Unwetter, bis Mittag regnete es und erst gegen 17 Uhr begann die Wolkendecke, sich aufzulösen. Manchmal hat man eben auch Glück!

Auf Drängen dann die ersten Deep-Sky-Objekte; M3 war gar nicht übel und zeigte sich auch auf dem hellen Hintergrund sehr schön aufgelöst. Die Durchsicht war also sehr, sehr gut. Auch M13 und M92 waren sehr erfreuliche Anblicke, und so ging's ans Ausloten der Grenzen.

NGC 6207, die kleine Galaxie (11,6mag, 3,0x1,1') war gar nicht schlecht zu sehen. Keine Details wie in einer dunklen Nacht auf der Ebenwaldhöhe, aber immerhin. Galaxien 12. Größe um Vollmond und nahe bei Wien gehen also. Ein kleiner Abstecher zu dem kleinen Kugelsternhaufen NGC 6229 im Herkules bestätigte die Bedingungen: Der Haufen war zwar nicht aufgelöst, aber recht hell.

Also in den Löwen: Zunächst zu einem "leichten" Objekt, der Gruppe um M105: Diese kleine, helle, kompakte Galaxie (9,3mag, 3,9x3,9') war sehr deutlich als heller, diffuser Fleck zu sehen. Im gleichen Gesichtsfeld (21mm Pentax bei F=3000 macht ein scheinbares Gesichtsfeld von 27,3', also rund ein halbes Grad) war auch NGC 3384 (9,9mag, 5,5x2,9') sehr gut zu erkennen und zur allgemeinen Überraschung - bei diesen Bedingungen! - auch NGC 3389 (11,9mag, 2,7x1,1'). Wieder konnte eine recht schwache Galaxie auch bei suboptimalen Bedingungen erkannt werden.

Wir testeten dann etwas informeller weiter, M95, M96 und auch die (scheinbar) wesentlich größeren M65 und M66 (sie paßten gut in ein Gesichtsfeld hinein) waren klar und deutlich zu sehen. NGC 3628 versuchte ich allerdings erst einmal gar nicht, so gut konnte ich die Bedingungen schon einschätzen.

Letztlich zeigten sich auch die Grenzen: Von NGC 4565, der schönen "Spindel", war gerade mal der Kern zu sehen, und an NGC 4244 (10,4mag, aber 17,0x2,2') scheiterten wir. Dieses Objekt war zu flächig und ging im Hintergrundlicht unter.

Fazit: Kleine, helle Deep-Sky-Objekte sind auch unter widrigen Bedingungen einigermäßen gut zu sehen, bei flächenhaften Objekte ist aber sehr bald Schluß. Komisch - diese Erkenntnis ist nicht neu; ich habe bereits in der Ausgabe Juni 1980 des Sternenboten darüber berichtet!

APi