Name: Alexander Pikhard (ed), Anneliese Haika.
Email: apikhard@eunet.at
Datum: 27. 9. 2000, 21.30 bis 23.30 Uhr MESZ
Ort: Ebenwaldhöhe
Instrument: 12" LX-200, mit "Spechtln" am benachtbarten 18" Dobson
Bedingungen: Erstklassig! Aufhellung 1++ (es ist wirklich sehr finster, wegen des Nebels im Tal), Durchsicht 1++, Seeing 1-2, windstill, recht warm (kein Pullover!).
Den guten Bedingungen und der Neumondnacht - der ersten guten Beobachtungsnacht seit langem - folgend hat sich hier fast die komplette Astroszene aus der Region eingefunden; mit einem 12" ist man hier im nur im Mittelfeld! Neben mir steht ein 18" Dob von Antares, Gerald Rhemann mit seinem Hypergrafen ist auch da, ebenso Franz Kersche, unser Hans Peter Müllner mit Pia, zahlreiche andere Antares-Beobachter und viele mehr. Parkplatz und beide Stichstraßen voll belegt, bald wird man hier Platzkarten ausgeben müssen!
Der heutige Abend steht unter dem Motto "Hallo, Herbsthimmel!" und ist daher eine reine Sightseeing-Tour. Fast kitschig gehen die Pleiaden über dem Wald auf.
Andromedanebel: 40mm Pentax am 12", M31 Kernregion natürlich extrem hell, Kern fast sternartig. Erster Spiralarm gut, zweiter auch ohne Probleme zu sehen. Natürlich ist der Nebel viel größer als mein Gesichtsfeld, aber auch in der Breite nimmt er heute gut 50% meines Feldes ein. M32 natürlich auch sehr hell und im gleichen Feld. Ein Schwenk zu NGC206, der hellen Sternwolke im Nebel; auch die ist recht deutlich und selbst hier erkennt man noch ohne Schwierigkeiten die Hauptscheibe von M31, schwach aber deutlich. M110 sieht im 40mm Pentax fast identisch aus wie M31 mit einem 10x50 Feldstecher. Die längliche Galaxie macht heute ein gutes Drittel meines 54'-Feldes aus!
M33 sieht auf den ersten Blick nicht so toll aus, aber es wird (der Vergleich mit dem 18" zeigt, wo der nächste Quantensprung liegt...). Der Kern ist deutlich. Bei längerer Beobachtung kommen aber die Spiralarme deutlich heraus und die Galaxie nimmt etwas weniger als das ganze Feld ein. Vor allem nahe dem Kern sind die Arme deutlich. Extrem deutlich erkenne ich die HII-Region NGC604; etwas unterhalb der Mitte, knapper beim Kern, eine zweite derartige Region (NGC595), etwas schwieriger zu erkennen. Wenn man länger beobachtet, wird der Anblick sehr schön.
Stephans Quintett: Zunächst im 40mm Pentax, ja, da ist etwas. Deutlich erkenne ich zwei diffuse Flecken. Ich wechsle zu 21mm, da erkenne ich schon vier diffuse Objekte deutlich, die schwächste allerdings nur andeutungsweise mit indirektem Sehen. Dann mit 14mm. Scharfstellen ist zwar schwierig, da das Seeing nicht optimal ist. Bei dieser Vergrößerung erkenne ich deutlich vier diffuse Gebilde, NGC7320, NGC7319, NGC7318A/B und schwächer und fast sternartig NGC7317. Der Blick in den 18" Dob zeigt wieder den Unterschied: Hier zeigen die helleren Galaxien schon Kerne, und 7318A und B sind zu trennen, dh man erkennt zwei Kerne in einer gemeinsamen Hülle. Und das ohne Probleme.
NGC7331 (21mm P) ist sehr groß und länglich, mit hellem Kern, einem kleinen aber deutlichen Staubband, heller diffuser innerer und großer länglicher äußerer Hülle. Auch die kleine Galaxie NGC7335 ist gut zu erkennen.
M27 im 18": Beeindruckend! Riesengroß, hell, reich strukturiert, man erkennt deutlich die feinen Ausläufer des Nebels, der Zentralstern ist ohne Probleme zu sehen, einige andere Sterne stehen auch vor oder hinter dem Nebel. Auch M57 ist beeindruckend hell, das Innere ist stark aufgehellt, man erkennt blickweise den Zentralstern. Immer wieder zieht es einen zu den Sommerobjekten ...
M15 im 12" mit 14mmP, sehr dicht, reich, Kern fast sternartig, sehr kleines konzentiertes Zentrum, von dem nach außen die Sterndichte rasch abnimmt, lockere Hülle bis etwa 2/3 des Gesichtsfeldradius. Das war die nüchterne Betrachtung, doch der Anblick ist phantastisch! Und im 18" Dob lerne ich, was es heißt, an die scheinbare Helligkeit der Horizontalaststerne heranzukommen (was das heißt, lernt man in unserem Seminar "Besser beobachten - Deep Sky): Die diffuse Aufhellung "hinter" den hellsten Haufensternen ist nicht homogen, sondern feinkörnig! Das Innere des Haufens offenbart sich auch als Ansammlung von Sternen. Ein beeindruckendes Erlebnis!
Cirrus-Nebel: Unfairerweise zuerst im 18"... Mit OIII-Filter. NGC6960, der feinere Teil, beginnt im N mit einer stumpfen Spitze. Auffällig ist, daß zwei helle Filamente einen diffus aufgehellten Bereich einschließen, sodaß das Gebilde wie das Röntgenbild eines Knochenbruchs aussieht! Denn die Filamente ändern mehrmals recht abrupt ihre Richtung, knapp nördl. von 52 Cyg gibt es einen starken Knick, an dem es so aussieht als würde die diffuse Masse zwischen den beiden Filamenten in mehreren sehr feinen Jets ins dunkle All hinaus strömen. Südlich von 52 Cyg teilt sich der Nebel in zwei Hauptstänge, die jeweils wieder von hellen Filamenten begrenzt werden. Gegen das S-Ende zweigen mehrere mehr oder weniger helle Filamente ab, insgesamt konnte ich etwas 7 erkennen. Auch im 12" (40mm Pentax, OIII) waren viele dieser Details zu erkennen, nicht mehr erkennen konnte ich allerdings die Strukturierung in Längsrichtung, also daß die Hauptfilamente hellere Ränder und ein diffuses Inneres besitzen. NGC6992/5 wurde im 18" allgemein als "Röntenbild von Rippen" beschrieben. Unglaublich viele Details, auch im konzentrierten Bereich im N laufen viele helle Filamente quer zur Richtung des Nebelbogens, und im S endet der Nebel in einem Gewirr von Filamenten und Knoten, die man nur mehr als Chaos bezeichnen kann. Allerdings war auch im 12" sehr viel davon zu sehen, ich war durchaus zufrieden. Auch den Mittelteil des Cirrus-Nebels konnte ich deutlich erkennen.
Crescent-N. (NGC6888), zuerst im 12" mit 40mm P. und O-III: Noch nie so gut gesehen! Deutlich ist das gesamte Oval zu erkennen (eigentlich ist das Objekt bohnenförmig), wobei es an der linken Seite deutlich dicker und heller ist als an der rechten. Zwei deutliche Verdickungen in Nebel sind deutlich. Ein Filament verläuft quer durch das Oval und verleiht dem Nebel die Gestalt eines kleinen griechischen Theta. Ja, diese Nacht ist wohl für Deep Sky die beste des heurigen Jahres. Wer hätte das gedacht. Viel besser jedenfalls als die Nächte am vergangenen Unterberg-Wochenende, und die waren schon recht gut. Im 18" wieder keine Diskussion, um Klassen besser. Hell, reich strukturiert, viele feine Fasern auch im Inneren des Ovals. "Wie ein Ohr." Wobei wir wieder bei der Anatomie wären und die Frage aufkam, ob sich im Schwan noch mehr menschliche Überreste nachweisen lassen...
NGC7000 (Nordamerika-N.), zumindest ein paar Stücke davon, sind mit 40mm Pentax und O-III sehr deutlich. Das Objekt ist aber viel zu groß für mein Instrument!
NGC7009 (Saturn-N.), mit 14mm Pentax und O-III, sehr deutlich, innere Hülle sehr hell und oval, äußere Hülle größer, schwächer und runder, aber immer noch sehr deutlich, blickweise erkenne ich sogar den "Ring", also die dünne Linie von den Enden der inneren Hülle ausgehen. Und hier ist der 18" Dob gar nicht so überlegen! Bei diesem Objekt geht es unentschieden aus, ebenso bei
NGC7293 (Hellix-N.), denn den habe ich noch nie so deutlich gesehen! Sehr groß, selbst im 40mm Pentax (mit OIII), ringförmig, mit reich strukturierter innerer und äußerer Kante, beeindruckend.
Ein Schwenk vorbei an M2 (21mm Pentax), ganz phantastisch, feine, gestochen scharfe Sterne (gutes Seeing!), bis ins Zentrum hin aufgelöst.
Und jetzt zu den beiden hellen Planeten:
Saturn (14mm Pentax, leichter blauviolett-Filter): Etliche Monde, Ring sehr hell, weißlich, Cassini-Teilung in vollem Umfang zu erkennen, C-Ring deutlich als bräunlicher Saum zu sehen. Planet gelblich mit einem deutlichen Wolkenband mit leichter Teilung und einem dunklen Fleck. Sehr helle EZ, ein weiteres dunkles Filament in der Polkalotte. Ein recht aktiver Saturn! Sehr hell, ich reduziere anschließend sogar mit einem starken Graufilter. Damit werden die Details auf der Planetenscheibe sogar noch deutlicher.
Jupiter (14mm Pentax, Graufilter): Erster auffälliger Eindruck ist, daß die Wolkenstreifen durchgebogen sind, wir blicken also auf den N-Pol des Planeten, maximale Libration in Breite! SEB und NEB sehr dunkel mit leichtem rotbraunen Farbton, EZ schneeweiß, Polkalotten gelblich. Im NEB zwei Knoten, zur EZ hin ist der Übergang reich strukturiert. NTB deutlich, NTrZ sehr hell, NTZ ebenfalls sehr hell und weißlich, daran anschließend NPR, die ist grau, körnig und unstrukturiert. In der NTrZ zwei dunkle Flecken. SEB sehr breit und homogen. SPR heller und ohne Bänder. In den Minuten der Beobachtung konnte man die Bewegung eines Mondes, der nahe am Planetenrand stand, deutlich verfolgen.
Alexander Pikhard