[WAA] OBSERVATION REPORT

Name:Tahir Saban
 
e-Mail:tahir.saban@mycity.at
 
Datum:28.09.00
 
Ort:ITT/Emberger Alm
 
Bericht:

Ich weiß zwar, daß die meisten von Euch von der ITT nicht so begeistert sind, für mich ist das jährliche Teleskoptreffen in Kärnten jedoch ein Pflichttermin. Ich schätze nicht nur die guten Beobachtungsbedingungen, Gespräche mit anderen Amateuren aus naher und ferner Umgebung, den Blick durch neue Teleskope, ich liebe auch die spät sommerliche Landschaft und genieße ganz besonders das Frühstück im Freien auf der Terrasse vom Sattelegger! Die Wetteraussichten verhießen dieses Jahr nichts gutes, daher fuhr ich auch nur am Donnerstag hin und kehrte schon am Freitag wieder Zurück. Ich beschloß, mein Teleskop erst gar nicht einzupacken und begnügte mich damit nur ein Fernglas mit zu nehmen. Tatsächlich war die Nacht von Donnerstag auf Freitag auch nicht die beste, es war nebelig ab und zu waren Sterne durch ein Wolkenloch sichtbar. Ich legte mich auf die Wiese und wanderte mit dem Fernglas die Milchstraße ab.

Freitagmorgen bei diesigem aber sonnigem Wetter, kaufte ich (nach dem Frühstück) bei Ludes und Birkmeier ein paar Okulare ein. Und dann kam für mich die große Überraschung: Herr Wolfgang Lille (wohl der bekannteste Sonnenfotograf im deutschsprachigem Raum), der seit ein paar Monaten Vertreter für die neuen H-alpha Filter von Coronado agiert, hatte die ganze Bandbreite an Coronado Produkten ausgestellt. Ich hatte zuvor schon mal kurz durch H-alpha Filter der Firma DayStar geschaut, nun bot sich die Möglichkeit zu Vergleichen. Das kleinste Gerät, war das Helios 1. Es handelt sich dabei um einen kurzbrennweitigen Refraktor mit 70mm Öffnung der speziell für die Sonnenbeobachtung gebaut ist. An der Sonne war eine helle Prominenz sichtbar, der Kontrast war für ein 70mm Refraktor sehr gut. Ich konnte an anderen Refraktoren auch die Modelle ASP-60 und AS1-90 ausprobieren. Diese Filter, werden nicht wie die DayStar Modelle in den Auszug gesteckt sondern vor das Objektiv montiert. Dadurch kann man darauf verzichten die Optik mit einem telezentrischen Konverter auf etwa f30 zu bringen, verliert aber u.U. an Öffnung, weil die Filter ja nur über 60 bzw. 90mm Öffnung verfügen. Es ist natürlich ärgerlich, wenn man eine größere Optik besitzt, einen Preis jenseits von gut und böse für den H-alpha Filter zahlt und zum Schluß mit nur mehr einer 2,4 Zoll Optik da steht. Ich wußte bereits, daß Herr Lille seit einigen Monaten an einer Lösung bastelt, war daher sehr gespannt was ich über seine Versuche erfahren würde. In der Tat, an einem 6-Zoll Refraktor war ein neuer Prototyp im Auszug montiert! Jetzt konnte man die volle Öffnung des Teleskops nutzen (allerdings muß man auch wieder auf f30 kommen!). Der Prototyp löst auch ein anders Problem der Coronado Filter über das in Astronomieforen schon einige Diskussionen geführt wurden. Die Filter haben nämlich eine zentrale Abschattung, so ähnlich wie in einem Schmidt Cassegrain Teleskop. Diese hält die beiden Glasscheiben die sehr genau positioniert werden müssen genau fest. Herr Lille löste mit Mr. Lund (von Coronado) das Problem, in dem er 2 Stutzen auf dem äußeren Ring anbrachte und dadurch einen unobstruierten Filter von 40mm baute. Dieser kann nun in einen 2-Zoll Auszug geschoben werden.

Der Kontrast der Protuberanzen war in allen Modellen trotz der eher ungünstigen Bedingungen sehr gut. Ich bin mir sicher, daß bei gutem Wetter noch einiges drinn ist. Die Protuberanzen waren hell, es war auch mehr auf der Oberfläche an Strukturen zu erkennen als ich zuvor in den DayStar Filtern gesehen hatte.

Es ist sehr schön, daß nunmehr eine gute Alternative zu DayStar Filtern, für die man ewig warten mußte, zur Verfügung steht. Noch dazu werden die Filter in Europa (Isle of Man) hergestellt. Leider ist der Preis sehr hoch, das kleinste Modell durchbricht die 50000.- ÖS Grenze. Deshalb werde ich mich wohl auch in den nächsten Jahren auf das Durchschauen auf Teleskoptreffen beschränken müssen!

Tahir Saban
Baden bei Wien, Österreich (Austria)