Beobachtungsbericht, Mond, 4. 10. 2000

Name: Alexander Pikhard

Email: apikhard@eunet.at

Datum: 4. 10. 2000, 19.10 bis 19.40 MESZ

Ort: Wien Penzing

Instrument: 12" Meade LX-200

Bedingungen: Lockere Wolken, Durchsicht 1, Seeing 1+, Aufhellung 3.

Mond: Eigentlich war es Neugier, weil der Mond so demonstrativ vor meinem Wohnzimmerfenster stand. So stemmte ich mein LX-200 hoch und riskierte einen Blick. Die große Überraschung: Was für ein Seeing! Unter einer Bogensekunde. Daher montierte ich als erstes den Fotoapparat, um ein paar Aufnahmen zu machen:

Alle Aufnahmen auf 1000ASA Kodak Royal Gold.
Fotoserie 1: Ganzer Mond, F=3000, f/10, Belichtung 1/1000, 1/500, 1/250, 1/125, 1/60s, 1/30s.
Fotoserie 2: Nordhälfte, F=6000, f/20, Belichtung 1/125, 1/60, 1/30, 1/250.
Fotoserie 3: Südhälfte, F=6000, f/20, Belichtung 1/125, 1/60, 1/30, 1/250.


Mond, F=3000, f/10, 1/60s, digital nachbearbeitet.


Details im südlichen Hochland, F=6000, f/20, 1/30s, digital nachbearbeitet.

Der Mond sollte bald hinter einer Wand verschwinden (Schicksal beim Hinterhof-Beobachten), aber eine visuelle Tour ging sich doch noch aus. Zunächst versuchte ich das 7mm Pentax, um dann doch auf das 14mm Okular zurückzugreifen, da waren die Bilder klarer.

Der Terminator geht genau über das Haemus-Gebirge und den Kaukasus, und nahe dem Terminator liegen auch die beiden großen Krater Aristoteles und Eudoxus. Sie zeigen mannigfaltig abgestufte Kraterwälle. Unschwer sind die feinen Lavawellen im Mare Serenitatis zu erkennen. Die doppelte Welle nördlich von Sulpicius Gallus ist sehr auffällig. Der Krater Menelaus sticht sehr hell, rund, sehr scharf begrenzt und extrem kontrastreich hervor, ebenso der Krater Bessel. Die beiden Krater sehen wie bodenlose Löcher aus. Das Innere von Plinius ist extrem hell, die Rillen in der Nähe sind allerdings nur mehr andeutungsweise zu erkennen, sie liegen schon zu weit abseits des Terminators und verlaufen auch noch in Ost-West-Richtung, werfen also keine markanten Schatten.

Etwas weiter nach Süden. Extrem auffällig ist heuter der Krater Julius Caesar, er wirkt fast über die Umgebung erhaben (sein Inneres leicht gegen den Mareboden erhöht -- vielleicht darum der Name?), die Kraterreihe an seinem Nordrand, gebildet aus den Kratern Julius Caesar F, P und G und einer Reihe anderer, ist ein extrem auffälliges Gebilde. Südlich davon ist die Ariadaeus-Rille ohne Probleme zu erkennen. Sie läft mitten durch den Terminator und endet am Mare Tranquillitatis. Gut zu erkennen ist heute auch die kurz vor ihrem Ende nach Süden abzweigende kleine Seitenrille in der Nähe des Kraters Ariadaeus.

Im Mare Tranquillitatis sind nicht mehr allzu viele Details zu erkennen, die Sonne steht zu hoch. Insbesondere ist der versunkene Krater Lamont nur mehr als leichte Struktur in der Albedo zu erkennen, lediglich an einer Stelle wirft eine Welle noch einen kurzen Schatten. Im Wall des Kraters Delanbre ist eine helle Stufe zu erkennen, die wie eine kleine Rille aussieht. In der Nähe auch noch einige weitere kleine, anonyme Rillen, die auch auf Rükl-Karte 46 nicht mehr identifizieren kann. Die Hypatia-Rille steht bereits zu weit abseits des Terminators und kann nicht mehr gesehen werden; außerdem verläuft auch sie in Ost-West-Richtung.

Weiter im Süden ist das schöne Kratertrio Theophilus - Cyrillus - Katharina schon recht abseits des Terminators. Die Altai-Wand ist sehr deutlich, sie zieht sich als helle weiße Welle durch das ansonsten unübersichtliche Bergland. Um den Terminator ist das Gelände chaotisch, mit Kratern gesättigt. Rillen oder ähnliche Formationen fallen mir hier nicht auf (und kann es hier eigentlich auch nicht geben). Ein breiter, talartiger Streifen läft von Katharina nach Nordosten in Richtung Terminator, es handelt sich aber nur um eine zufällige Aneinanderreihung von Krater- Zuwischenräumen. Feinste Details sind zu erkennen, schätzungsweise einen Kilometer klein. Eine von Katharina nach Südosten in Richtung Terminator laufende Kraterrille, sie ist auf Rükl.Karte 56 andeutungsweise zu erkennen, südlich der Krater Almanon und Geber. Der Krater Almanon L ist Bestandteil dieser Kette.

19.37 Uhr MEZ, dichtere Wolken ziehen auf, ich hatte Glück!

Alexander Pikhard